Vor 29 Jahren: Schweiz schafft Todesstrafe ab

Der 16. September 1991 ist ein guter Tag. Zumindest geschah an diesem Tag etwas Gutes. Heute vor 29 Jahren wurde in der Schweiz die Todesstrafe auch im Militärstrafrecht abgeschafft, nachdem sie bereits 1942 für zivile Straftaten abgeschafft worden war.

Ich bin gegen die Todesstrafe, selbst in Fällen von gröbster und größter menschlicher Verfehlung.

Der Hauptgrund, gegen die Todesstrafe zu sein, ist für mich die Unveräußerlichkeit der Menschenwürde und des elementaren Lebensrechts, eine Unveräußerlichkeit, die aus der Geschöpflichkeit des Menschen resultiert. Gott schenkt uns Leben, über das wir Menschen nicht verfügen dürfen. Wir können uns dieses Geschenk nur in formaler Weise als „Lebensrecht“ zu, niemals aber in Gestalt eines „Tötungsrechts“ absprechen.

Problematisch ist auch die Irreversibilität des Urteils: Einmal vollstreckt, kann es nicht mehr wirksam zurückgenommen werden, wenn sich herausstellt, dass es irrtümlich gefällt wurde. Bei einer Haftstrafe gibt es immerhin die Möglichkeit der Entlassung und der Entschädigung für die Zeit des unrechtmäßigen Freiheitsentzugs.

Schließlich muss es Henker geben, also Menschen, die ein Todesurteil vollstrecken. Auch sie werden menschenunwürdig behandelt, als Instrumente eines Strafvollzugs, der gegen die Menschenwürde verstößt, ein Argument, auf das mich Claudia Sperlich aufmerksam gemacht hat.

Daher gehört die Todesstrafe abgeschafft. Nicht nur in der Schweiz. Was dort am 16. September 1991 beschlossen wurde, darf durchaus Nachahmer finden, in den USA, in China, im Iran.

(Josef Bordat)