Warum die Exkommunikation Luthers nicht aufgehoben werden kann

Vor 500 Jahren wird Martin Luther exkommuniziert. Heute ist er es nicht mehr.

Mit der Bannbulle „Decet Romanum Pontificem“ vom 3. Januar 1521 vollzog Papst Leo X. die Exkommunikation Martin Luthers, die er in der Bulle „Exsurge Domine“ vom 15. Juni 1520 angekündigt hatte. Diese Exkommunikation ist heute nicht mehr gültig. Eine Exkommunikation besteht nämlich nur so lange, wie der exkommunizierte Mensch lebt. Eine Exkommunikation Verstorbener braucht damit nicht eigens aufgehoben zu werden, sie ist ja faktisch aufgehoben. Das heißt: Sie kann auch gar nicht aufgehoben werden, die Exkommunikation eines verstorbenen Menschen, z.B. Martin Luthers. Sie ist es.

Das hat theologisch durchaus eine Pointe: Im Tod begegnet der Mensch nach katholischem Glauben Gott, der über ihn richtet – in Gerechtigkeit und Barmherzigkeit, jedenfalls mit einer Vollmacht, die jene des Papstes übersteigt. Daher wäre es – schwach ausgedrückt – äußerst unüblich, die Exkommunikation Martin Luthers aufzuheben, wie es immer mal wieder gefordert wird. Besonders an Jahrestagen wie diesem. Etwas deutlicher formuliert: Eine Aufhebung der Entscheidung zu Lebzeiten durch eine neue Entscheidung nach dem Tod würde bedeuten, dass der Papst meinte, nicht Gott, sondern er habe das letzte Wort in der Beurteilung Martin Luthers. Und das zu meinen wäre viel katholischer als es die Kirche erlaubt.

(Josef Bordat)