Galileo Galilei

Anmerkung zum 379. Todestag Galileo Galileis (8. Januar 1642)

Der Inquisitionsprozess gegen Galileo Galilei markiert nicht die vermeintliche Bruchstelle zwischen Kirche und Wissenschaft (oder gar Religion und Vernunft!), als die er so oft und gern herbeizitiert wird, sondern verdeutlicht vor allem die Differenz von Theorie und Tatsache, einen Unterschied, auf den die Kirche (insbesondere deren Verfahrensbevollmächtigter Robert Kardinal Bellarmin) im Gegensatz zum Angeklagten größten Wert legte, eine Haltung, die auch von der gegenwärtigen Wissenschaftsphilosophie eingefordert wird. Ob Karl Popper, Paul Feyerabend oder Carl Friedrich von Weizsäcker – sie alle billigen der Kirche des 17. Jahrhunderts zu, was der Wissenschaft des 20. Jahrhunderts selbstverständlich werden sollte: Eine Theorie ist keine Tatsache.

(Josef Bordat)