Gesegnete Gesprächsführung

Es erfordert schon etwas Mut, als Katholik beim allgemeinen Ungehorsam gegen den Papst nicht mitzumachen. Komische Zeiten sind das, in denen sich Angehörige des Klerus mit Protestaktionen gegen Rom überbieten und jede Stimme, die überhaupt noch Einwände erhebt gegen die Stimmung, alles sei OK, solange es nicht von der Kongregation für die Glaubenslehre stammt, als „ewiggestrig“, „peinlich“ oder „dumm“ niederzubrüllen. Im Dienste demütiger Dialogkultur.

Wie gesagt: Da braucht man Mut. Und Zeit. Habe ich beides nicht. Was ich aber dennoch sagen will: Es wundert mich schon, wie sich Glaubensgeschwister moralisch so haushoch überlegen fühlen können, ohne dabei rot zu werden. Wie sie jeden Respekt aufkündigen – für mehr Toleranz. Wie sie alles, was nicht ihrer Meinung entspricht, diskreditieren, vom hohen Ross der neuen Unfehlbarkeit einer Basis herab, die sich an der Spitze wähnt und das Kommando übernehmen will, um genau damit – haushohe moralische Überlegenheit, Toleranz statt Respekt, Unfehlbarkeit – die Kirche wieder zu einem Erfahrungsort barmherziger Gemeinschaft zu machen. Und das alles, ohne kognitive Dissonanzen wahrzunehmen. Wie gesagt: Es wundert mich.

Jedes katholische Et-Et, jedes Aushalten von Spannungen und Gegensätzen, jede Vorsicht, die sich gegen die eigene Haltung richtet, einschließlich des Vorbehalts, man könnte selbst ja auch mal falsch liegen (Ist das – gegen die Falschen gerichtet – jetzt schon wieder Ketzerei?), geht im Aktionismus und irritationslosen Sendungsbewusstsein unter. Streik, Protest, Druck, Unterschriften – Kirche als Kampfplatz. Was wird das Ergebnis sein: Einheit? Spaltung? Zusammenbruch? Oder ist das am Ende egal, solange man sich durchgesetzt hat?

Mich beschleicht der Verdacht: Da liegt kein Segen drauf. Aber ich kann mich natürlich auch irren.

(Josef Bordat)