200 Jahre Peru – Teil 5: Öko-Tourismus

Am 28. Juli 1821 erklärte Peru seine Unabhängigkeit. Das ist jetzt 200 Jahre her. – Nachfolgend einer von zwölf Beiträgen zum Peru-Geburtstag, die hier im Laufe des Jahres am 28. jeden Monats um 18:21 Uhr erscheinen sollen. Heute über eine ganz besondere Unterkunft, abseits der üblichen Touristenpfade.

In der Nähe der peruanischen Stadt Huaraz im Hochland der Anden, etwa 500 Kilometer nordöstlich von Lima, liegt ein ganz besonderer Ort: das „Lazy Dog Inn“. Nicht nur, dass man es als Europäer sonst selten mit Gastunterkünften zu tun hat, die auf fast 4000 Metern Höhe liegen, sondern auch, dass diese behutsam in die Landschaft integrierte Hotelanlage für etwa 20 Gäste eingebunden ist in eine Vielzahl von sozialen, edukativen und ökologischen Projekten.

 

Die Betreiber, Diana und Wayne, Kanadier mit Wurzeln in den Niederlanden (Diana) und Irland (Wayne), haben dafür eine NGO gegründet, die „Andean Alliance“. Darüber organisieren sie den Schulbetrieb vor Ort, geben Frauen die Möglichkeit, die Produkte ihrer Handarbeit selbst zu vermarkten und sorgen für Beschäftigung und Einkommen für viele der Menschen in dieser kargen und armen Region, für die der Tourismus eine wichtige ökonomische Grundlage bildet.

Damit dieser nicht zur Belastung für die Umwelt wird, legen Diana und Wayne großen Wert auf ressourcenschonendes Wirtschaften, bauen das, was bei den gemeinsamen Abendessen auf den Tisch kommt, selbst an und leben so weit es geht im Einklang mit der atemberaubend schönen Natur. Die Bezeichnung „Eco-Lodge“ ist für die Betreiber und ihre Mitarbeiter Programm. Für die Gäste aus aller Welt, vor allem aber aus Nordamerika und Europa, bieten sie sanften Tourismus in sozialer Verantwortung.

Freilich müssen die gelernte Erzieherin und der Umweltingenieur nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch nachhaltig Arbeiten. Der Hotelbetrieb ist dabei die wichtigste Säule. Gespart wird allerdings nicht am Wohlbefinden der Gäste. Neben geräumigen und – für die Umstände – fast schon luxuriösen Zimmern gibt es schmackhaftes Essen und sogar eine Sauna, die mit einem Holzofen beheizt wird. Etwas gewöhnungsbedürftig für Mitteleuropäer ist allerdings das Öko-Klo, das ohne Spülung auskommt – für einen reduzierten Wasserverbrauch.

 

Vor 15 Jahren kamen Diana und Wayne nach Huaraz. Zuvor waren sie in Umwelt- und Sozialprojekten in Kolumbien und Ecuador beschäftigt, arbeiteten dort u.a. mit den Salesianern zusammen. 2005 wurden die Gebäude des Hotels und der Schule errichtet – erdbebensicher. Auch dabei haben zahlreiche Frauen und Männer aus den Dörfern nahe Huaraz mitgewirkt. Von Anfang an beziehen die beiden die örtlichen Kommunitäten mit ein, bilden Gruppen und Initiativen, ermöglichen mit dem Schulbau geregelten Unterricht in zwei Klassen (eine für die Kleinen und eine für die etwas Größeren) und machen auch den Erwachsenen Bildungs- und Beschäftigungsangebote.

Und das Ganze vor einmaliger landschaftlicher Kulisse. Von der kleinen Terrasse der Unterkunft aus hat man einen wunderbaren Blick auf die prächtigen Fünf- und Sechstausender in der Umgebung. Mehrstündige Wandertouren können direkt von der Lodge aus begonnen werden, so nah ist man an der „Cordillera Blanca“, dem vielleicht schönsten Abschnitt der Anden, aus dem sich der wenige Kilometer entfernt liegende Huascarán erhebt, der mit 6768 Metern höchste Berg Perus.

Das Lazy Dog Inn sei allen empfohlen, die abseits der eingefahrenen Touristenpfade die Gegend um Huaraz erkunden wollen, ob als Bergsteiger, Wanderer oder einfach als „lazy tourist“, der sich eine Auszeit in den Anden gönnt.

(Josef Bordat)