So schnell schießen die Preußen

Ich bin froh, dass mein von der Öffentlichkeit weitgehend ignoriertes Buch zum Klimawandel, das die Reihe weitgehend ignorierter Bücher im vergangenen Jahr verlängerte, überhaupt mal von einem Medium zur Kenntnis genommen wird. Dass es mit der Preußischen Allgemeinen eine eher marginal verbreitete Zeitung ist, tut meiner Freude keinen Abbruch.

Dann schon eher die Rezension selbst. Man kann mein Buch gerne kritisieren, das gehört zur offenen Debatte dazu, aber dann doch bitte auf der Grundlage dessen, was in dem Buch steht, nicht auf Basis dessen, was man meint, es stünde dort.

Bitte lesen Sie zunächst die Rezension, um zu wissen, worüber wir reden.

Dass der Rezensent, ein Herr Dr. (zu diesem Titel kam er laut Wikipedia wohl wie Nordmazedonien zur EM-Teilnahme) Wolfgang Thüne, seit gut und gerne 20 Jahren als „Klimaleugner“ in Erscheinung tritt, für den der Treibhauseffekt wahlweise „physikalische Unmöglichkeit“ respektive „naturwissenschaftliches Märchen“ ist (Wikipedia), erklärt vielleicht den Verriss noch am besten, doch selbst von einem Menschen, der die allergrößten Evidenzen abstreitet, erwarte ich, dass er in der Lage ist, einen einfachen Text (zu mehr bin ich nicht fähig) verstehend zu lesen.

Pfeifen wir es an.

Bordat ist kein Klimaforscher. Er zieht sein Wissen über die „Klimakrise“ aus dem dominanten Zeitgeist, beginnt mit der Erde als „Treibhaus“. Schon beim Anstieg des Meeresspiegels macht er einen Kardinalfehler. Hat er nie gesehen, wie schnell Schnee in der Sonne schmilzt, förmlich wie „Butter in der Sonne“?

Doch, doch. Ich habe auch schon gesehen, wie jemand mit dem Schlitten ein schneebedeckten Berg hinabfuhr. Ich hab auch schon gesehen, wie Per Mertesacker beim Sprechen den Mund öffnet. Ich hab – für mein Alter – schon eine ganze Menge gesehen. Nur: Was hat das alles mit dem Treibhauseffekt zu tun?

Das liegt daran, dass Pulverschnee unsere Augen blendet, aber stark das Sonnenlicht reflektiert.

Aha. Ich dachte bisher immer, etwas – sei es Pulverschnee – blende, weil es Sonnenlicht reflektiert, aber so kann man sich irren.

Fast 50 Prozent sind infrarot und absorbieren die Sonne und lassen den Schnee schmelzen.

OK…

Deswegen tauen die Alpen im Frühjahr so schnell ab.

Ach, so. Und, noch einmal: Was hat das alles mit der Existenz oder Nichtexistenz des Treibhauseffekts zu tun?

Also, wenn ich dazu auch noch mal Wikipedia zitieren darf: „Das Schmelzen des Meereises in der Arktis verläuft schneller als alle Klimamodelle, die Grundlage des 4. Sachstandsberichts des IPCC von 2007 waren, erwarten ließen, was unter anderem auf die menschengemachte Verstärkung eines Effektes zurückzuführen ist, den es laut Herrn Thüne gar nicht gibt.“

Ich würde sagen: Bis hierher ein verdientes Unentschieden.

Zur zweiten Hälfte.

Dem „Wissen“ folgt die „Moral“, doch dem Unwissen folgt die Unmoral. Da helfen auch ethische und religiöse Betrachtungen sowie Überlegungen nicht, selbst keine „konsequentialistischen Ethikansätze wie der Utilitarismus“. Sie zielen darauf ab, dem Menschen die Verantwortung für alle Folgen seiner Handlungen zuzusprechen.

Der Rezensent, der schon mal „ein eigenes Werk als Quelle für ein Zitat von Martin Heidegger angegeben“ haben soll (Wikipedia) – wie ich mal in einem Deutsch-Aufsatz der Klassenstufe acht schrieb: „Sieben Jahre schweigender Forschung werden gefordert, um zu lernen, was wahr ist, vierzehn, um zu wissen, wie man es seinen Brüdern kundzutun hat.“ (Ne, ne – nix „Platon“!) –, tut hier so, als sei das mein Vorschlag für die Umweltethik in Zeiten des Klimawandels. Da muss er beim Lesen aber sehr abgelenkt gewesen sein, denn diesen Ansatz kritisiere ich ja gerade, aus eben jenem Grund einer möglicherweise überlastenden und demotivierenden Totalverantwortung und schlage mit einem christlich fundierten Konzept von Verantwortung eine Alternative vor. Und zwar nicht nur für Deutschland.

Dass ich kein Klimaforscher bin, ist Fakt. Dass ich von Physik keine Ahnung habe, geschenkt. Habe ich auch nie behauptet. Aber meinen moraltheoretischen Entwurf in die Nähe des Utilitarismus zu rücken, ist ehrverletztend.

Sein Buch ist nicht lesenswert, sondern für alle Religionen schädlich.

Ja – „nicht lesenswert“. Mag sein. Zumindest, wenn man den Thesen des Herrn Doktor Thüne Glauben schenkt. Ich fand es zumindest schreibenswert. Aber, mal im Ernst: „für alle Religionen schädlich“? Alle? Selbst der letzte Shintoist muss traurig in den Neuschnee blinzeln? Meine Güte!

Also, Vorschlag zur selbigen: Lesen Sie – Herr Doktor, Herr Mertesacker, Frau Holle – mein Buch! Um zu wissen, wie schädlich es für Ihre eigene Religion ist, sollten Sie das tatsächlich getan haben. Das Buch ist als klima- und umweltfreundliches E-Book für 4,90 Euro zu haben.

(Josef Bordat)