Olympische Spiele eröffnet

Das war mal eine eindrucksvoll zurückhaltende Eröffnungsfeier zwischen Tradition und Moderne. Hat mich etwas an Nagano 1998 erinnert, als es ebenfalls anti-gigantomanisch zuging. Das für das Gegenteil bekannte IOC hat sich etwas Besonderes ausgedacht: Die Fahne durfte erstmals von einer Frau und einem Mann zugleich ins Stadion getragen. Bei einigen Fahnenpaaren hatten Trägerin und Träger noch etwas Koordinationsprobleme beim Schwenken der Fahne, aber sonst: ein starkes Zeichen.

Ohnehin war „Together“ das Motto der Veranstaltung. Als viertes Leitmotiv der Olympischen Spiele ergänzt es das klassische „Citius, altius, fortius“ und verleiht dem Leistungsgedanken einen zeitgemäßen Sinn: Solidarität. Thomas Bach erklärte in seiner Rede, dass das IOC damit nicht nur auf die Pandemie reagierte, sondern beim „Together“ ohnehin die Nase vor hat.

Béla Réthy war gewohnt witzig bzw. um Witzigkeit bemüht, die Japan-Expertin Marei Mentlein brachte das nötige Wissen ein. Apropos Wissen: An (mindestens) einer Stelle irrte Réthy: Nachhaltigkeit gab es schon vor 1964. Hintergrund: Das Holz für die Olympischen Ringe, die ins Stadion gerollt wurden, stammt aus den Bäumen, die anlässlich der Spiele von 1964 angepflanzt worden waren – der Samen kam aus den damals teilnehmenden Nationen. Réthy kommentierte: „Nachhaltigkeit, als es das Wort noch nicht gab“.

Nun, das Wort Nachhaltigkeit gibt es seit über 300 Jahren. Hans Carl von Carlowitz hat es geprägt. Kann man nachlesen in dem Band „Die Erfindung der Nachhaltigkeit“ (2013), herausgegeben von der Sächsischen Hans-Carl-von-Carlowitz-Gesellschaft zur Förderung der Nachhaltigkeit (Rezension). Aber ich will keine Goldmedaille im Klugscheißen, deswegen sehe ich mal darüber hinweg.

(Josef Bordat)