Sechs Monate „Sündenregister“

Eine Halbjahresbilanz in Zahlen

Seit einem halben Jahr ist das „Sündenregister“ auf dem Markt. In wenigen Wochen erscheint die zweite Auflage. Einige Zahlen zum Projekt (Stand: 27. Mai 2018):

Exemplare in der ersten Auflage: 1500*

Seiten der ersten Auflage: 296

Seiten der überarbeiteten zweiten Auflage: 296

Abonnenten der Facebook-Seite: 232

„Gefällt mir“-Angaben der Facebook-Seite: 230

Zusätzliche Literaturhinweise in der zweiten Auflage: 49

Rezensionen: 20

Amazon-Rezensionen: 6

Lesungen / Vorträge: 5

Durchschnittsbewertung bei Amazon (in „Sternen“): 4

TV/Radio-Interviews: 3**

Laufende Lesekreise in Gemeinden und kirchlichen Einrichtungen: 2***


* 500 im Erstdruck der ersten Auflage, 1000 im (identischen) Nachdruck der ersten Auflage

** hier, hier, hier

*** soweit mir bekannt

(Josef Bordat)

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Recht auf Abtreibung? Grund zu feiern?

So problematisch ich es finde, dass man Schwangeren in Not auch nach einer Vergewaltigung nur mit Strafe droht, statt ihnen beizustehen, so unerträglich finde ich es, wie nun ein angebliches „Recht auf Abtreibung“ ausgelassen gefeiert wird.

Zumindest in Deutschland gibt es ein solches Recht nicht. Dass Straffreiheit trotz Rechtswidrigkeit in der Summe als „Recht“ wahrgenommen wird, kann man ja psychologisch gerade noch nachvollziehen, dass Abtreibung aber in der öffentlich-rechtlichen „Tagesschau“ wie selbstverständlich als „Recht“ behandelt wird, ist nicht nachzuvollziehen.

Dass ich für so etwas qua Existenz Gebühren zu zahlen habe, tut schon einigermaßen weh: „Das Land hat seine eigenen Bürgerinnen schändlich behandelt – und daran ist wesentlich die Katholische Kirche schuld, mit der der irische Staat seit seiner Gründung in der Rebellion gegen das britische Empire eine unheilige Allianz eingegangen ist. Gut ein Jahrhundert nach der Staatsgründung schaffen es Politiker und Bürger, sich aus den moralischen Fesseln zu lösen, die Bischöfe und Priester und Nonnen ihnen zu lange anlegen konnten. Besser spät als nie.“

Was nun allgemein bejubelt wird, ist die Aussicht auf eine Fristenlösung wie sie von 1972 bis 1990 in der DDR galt. Bis zur 12. Schwangerschaftswoche darf das ungeborene menschliche Leben getötet werden. Der Embryo genießt bis zu diesem Zeitpunkt keinerlei Rechtsschutz. Es findet keine Beratung statt, um die Frau zu ermutigen, sich für das einzigartige Leben zu entscheiden, das in ihr heranwächst. Immer noch in Partylaune?

Warum eigentlich diese 12-Wochen-Frist? Es geht dabei offenbar nicht um „Empfindungsfähigkeit“ oder irgendein objektivierbares „Bewusstsein“, denn je nach dem, welche Ansprüche man an „Hirnströme“ stellt (Reicht ihre nachweisliche Existenz, also: „Strom fließt“ oder braucht es die Ausbildung eines gleichförmigen Wellenprofils auf dem Bildschirm?), liegt der erste Zeitpunkt ihres Auftretens zwischen der 6. und der 24. Schwangerschaftswoche. Irgendwo mittendrin liegt dann die 12-Wochen-Frist. Bei dieser geht es allein um pragmatische Fragen der Durchführbarkeit von Abtreibungen.

Fassen wir zusammen: Irland droht mit einer neuen Gesetzgebung zur Abtreibung weit hinter den bundesdeutschen Kompromiss zurückzufallen, weil eine klare Abstufung des Lebensrechts vorgenommen wird (was unser Grundgesetz nach geltender Ausdeutung durch das Bundesverfassungsrecht nicht erlaubt), und mitten in der DDR zu landen. Ein Grund, ausgelassen zu feiern, sieht anders aus.

(Josef Bordat)

Mensch Loris

Es gibt sicher Wichtigeres am heutigen Tag. Wichtigeres als ein Fußballspiel. Dennoch fühle ich gerade ganz besonders mit Loris Karius mit, der einen rabenschwarzen Tag erwischt hat, ausgerechnet an dem Tag, an dem das Champions League-Finale anstand. Zwei individuelle Fehler sorgten ganz wesentlich dafür, dass Liverpool gegen Madrid mit 1 zu 3 verlor.

Über den Tag hinaus hat uns Loris Karius etwas sehr wichtiges gelehrt: Trotz des fast schon deterministischen Geschäftsablaufs im Spitzenfußball, des Roboterfußballs eines Real-Starensembels, des Videobeweises, des Wegfalls alles Überraschenden in der Bundesliga – es sind Menschen, die auf dem Rasen stehen. Und Menschen machen Fehler.

Ich hoffe, dass Loris Karius von Mannschaft und Fans zu hören bekommt, was nicht nur in Liverpool Tugend des Fußballs sein sollte, gerade in der Niederlage: „You’ll never walk alone!“

(Josef Bordat)

Dieselbe Kirche?

Ein Gastbeitrag von Otto Kettmann

Im Frühjahr des Jahres beschäftigen sich zwei Neuerscheinungen mit der Vergangenheit der katholischen Kirche. GEO Epoche bringt ein Themenheft zur Inquisition (GEO Epoche, Heft Nr. 89: Die Inquisition, Hamburg 2018) und der Erfolgsautor Manfred Lütz widmet sich dem Skandal der Skandale (Manfred Lütz, Der Skandal der Skandale, Freiburg 2018). Liest man beide parallel, muss man daran zweifeln, dass es sich um dasselbe Thema handelt.

GEO Epoche beleuchtet die Institution der Inquisition durch das gesamte Mittelalter bis in die Neuzeit in einem breiten Themenmix, beginnend bei den Katharerkriegen über die spektakuläre Einzelfälle bis zu den Hexenverfolgungen. Die Artikel sich durchweg spannend und gut geschrieben sowie in der Art der Reihe ausgezeichnet bebildert. Dadurch wird das dunkle Mittelalter auf beeindruckende Weise lebendig. Fast perfekt gelingt dies in den Illustrationen zu dem Artikel über den Inquisitor Bernardo Gui. Auch zwei Prozesse – eine Familie in Südfrankreich um 1320 und der Prozess gegen Galileo Galilei – werden mit viel Liebe zum Detail und dramaturgischer Finesse beschrieben. So könnte das Stöbern in dem Heft ein echter Genuss sein, wenn nicht gleichzeitig ein zweites Buch auf dem Tisch läge. Dies sät massive Zweifel an der Richtigkeit der Inhalte.

Manfred Lütz hat mit „Der Skandal der Skandale“ eine Zusammenfassung des opulenten Werkes von Arnold Angenendt „Toleranz und Gewalt“ vorgelegt, das er bildhaft verdichtet und so – dies auch seine Intention – einem breiten Publikum öffnen will. Die beiden Autoren beschreiben in einem Streifzug durch die christliche (und katholische) Kirchengeschichte den Umgang der Kirche mit Abweichungen im Glauben, den Herausforderungen der Aufklärung bis hin zum Spannungsfeld von Religion und Einbindung in die weltliche Herrschaft. Dabei gibt es immer wieder überraschende Erkenntnisse wie die, dass die Gleichstellung von Mann und Frau historisch gesehen ihren Ausgang in der frühen christlichen Kirche hat. Dem Mittelalter sind dabei drei Kapitel gewidmet: Ketzerverfolgung, Reformation und Hexenverfolgungen. Dies aber wird zum (neudeutsch) Faktencheck für GEO Epoche, bei dem das populärwissenschaftliche Heft mehr als schlecht aussieht.

Dies beginnt damit, dass das fortschrittliche Grundkonstrukt der Inquisition lediglich am Rande abgehandelt wird: die Trennung von Kläger und Richter sowie die Verschriftlichung der Regeln eines Prozesses. Dies wird zur Basis der Rechtsprechung in Europa und rasch von vielen Ländern übernommen. Gravierender aber noch ist die mangelnde Einbettung der vielen Einzelaspekte in den zeithistorischen Zusammenhang, bei dem die Gewalt ein bestimmendes Merkmal der weltlichen Herrschaft im Mittelalter war. Deren Zügellosigkeit stellt die Inquisition einen vom Glauben geprägten Mechanismus entgegen, der sich gegenüber der weltlichen Gerichtsbarkeit als ausnehmend milde darstellt. Dies zeigt sich auch und gerade an den Hexenverfolgungen, die von GEO Epoche in das Umfeld der Inquisition gerückt werden. Doch sind diese Prozesse der weltlichen Gerichtsbarkeit zuzuordnen und gehen meist auf die Denunziation im lokalen Bereich zurück, die unkonventionell lebende Frauen traf, die mitunter einfach im Weg waren. So lassen sich in vielen Artikeln Ungenauigkeiten nachweisen, die teils auf den lässigen Umgang mit den Realitäten zurückzuführen sind, teils aber auch dadurch entstehen, dass der historische Kontext außen vor bleibt.

Doch ist es genau die Summe der Ungenauigkeiten, die dann ein Bild der (katholischen) Kirche zeichnen, dass dem der Legenda Nera nahekommt: fortschrittsfeindlich und brutal die eigene Lehre durchsetzend. Dieses Zerrbild entstand im späten 16. Jahrhundert bei den protestantischen Gegnern Spaniens, England und Holland, und wurde über die Jahrhunderte immer wieder als Variation zum Thema neu komponiert. In Deutschland geschah dies unter anderem in der frühen nationalliberalen Gründungsphase des Kaiserreiches mit dem Kulturkampf. Lütz spießt dieses Zerrbild immer wieder pointiert auf. Der Genuss daran blitzt immer wieder auf, so in dem Kapitel, in dem er den Sechsteiler „Die Borgias“ zerpflückt und am Ende nur noch ein „ZDF-Märchen“ übrig bleibt. Aber auch er kann am Ende nur resignierend feststellen, dass die katholische Kirche in Deutschland stets mit einem besonders kritischen Maßstab gemessen wird. Was sie auch tut, es ist falsch oder verhext, wie Lütz selbst konstatiert: „Wie immer es die katholische Kirche anstellt, am Ende ist sie das Opfer, schlimmstenfalls das Opfer ihrer eigenen Bemühungen.“

Otto Kettmann

Staat im Staat?

Einige Gedanken zum Kirchenasyl

Es ist eine anrührende Szene: Glöckner Quasimodo nimmt die zum Tode verurteilte Zigeunerin Esmeralda in „seine“ Kathedrale Notre-Dame auf, um sie vor der Hinrichtung zu bewahren. Als sie mit Gewalt aus der Kirche entfernt werden soll, ruft er in seiner Liebe und seiner Verzweiflung vom Turm herab: „Asyl! Asyl!“ Soweit Victor Hugos vielfach verfilmter Roman Der Glöckner von Notre-Dame aus dem Jahre 1831, dessen Geschichte im Jahre 1482 spielt. Es handelt sich um eine Romantik längst vergangener Tage, in der die Glocken noch nicht elektronisch gesteuert wurden, in der die Kirche noch Macht hatte.

Heute ist das anders. Außerdem leben wir nicht in den Hirngespinsten eines französischen Romanciers, sondern in der harten deutschen Realität. Das Thema Kirchenasyl ist aber dennoch aktuell. Gemäß einer jetzt bekannt gewordenen Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Kleine Anfrage der AfD-Bundestagsfraktion zum Thema sind im ersten Quartal 2018 in 498 Fällen Abschiebungen durch Kirchenasyl verzögert oder verhindert worden. Insgesamt gab es danach im ersten Quartal 2018 507 Fälle von Kirchenasyl, im vergangenen Jahr 1.551 Fälle und 2016 im Zeitraum von Mai bis Dezember 631 Fälle.

Vor drei Jahren hatte das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) mit Vertretern der beiden großen Kirchen eine rechtlich nicht verbindliche Verfahrensabsprache zum Kirchenasyl getroffen. Diese Absprache sieht nach Angaben des Ministeriums vor, dass „besondere Härtefälle im Dublinverfahren von benannten Kirchenvertretern gesteuert“ und einer zentralen Stelle im Bundesamt „zur nochmaligen Überprüfung vorgelegt werden“.

1500 – 500. Das klingt dramatisch viel, ist aber gemessen an der Gesamtzahl der in den vergangenen drei Jahren nach Deutschland geflohenen Menschen nur ein Anteil im Promillebereich. Auch die Furcht vor einer „Paralleljustiz“ oder vor einer Unterwanderung des Rechtsstaats erweist sich als unbegründet. Gleichwohl ist das ein Kernargument gegen das Kirchenasyl. Das grenzenlose Vertrauen in den Rechtsstaat kompensiert offenbar den grenzenlosen Verlust an Vertrauen in die Kirchen.

Doch wäre der Rechtsstaat unfehlbar, gäbe es nicht in über 80 Prozent aller Fälle nach dem Kirchenasyl eine andere Entscheidung als zuvor. Es geht also bei den Menschen, die nach dem Kirchenasyl bleiben dürfen, um Menschen, die von vorne herein ein Recht darauf hatten, ohne dass dies vom Rechtsstaat erkannt wurde. Die revidierte Entscheidung wiederum trifft nicht die Kirche, sondern abermals der Rechtsstaat. Er bleibt Herr des Verfahrens.

Die Kirche will mit dem Kirchenasyl nicht die Herrschaft des Rechtsstaats, sondern dessen Mängel abschaffen, die in der Praxis der Verwaltungstätigkeit und in der Überlastung der Gerichte begründet sind. Überall dort sind Menschen tätig, die nicht unfehlbar sind. Ein zweiter Blick lohnt sich daher manchmal. Worum geht es also beim Kirchenasyl? Es geht um eine vorübergehende Aufnahme von Flüchtlingen in Räumen der Kirche, mit der eine Abschiebung verhindert werden soll, weil diese eine Bedrohung für Leib und Leben darstellt.

Dabei ist Kirchenasyl gegen den Anschein der Begriffsverwendung gar keine eigene Rechtsfigur. Es geht beim Kirchenasyl nicht um „Kirche“. Auch ein – ich sag jetzt mal – Kaninchenzuchtverein kann Asyl gewähren. Die rechtlichen Möglichkeiten des Staates sind in beiden Fällen gleich: Die Polizei darf (in Deutschland) sowohl Pfarrhäuser und Kirchen als auch Vereinsheime von Kaninchenzüchtern betreten, um Normen durchzusetzen. Der Kirchenvorstandsvorsitzende hat ebenso lediglich das Hausrecht wie auch der Kaninchenzuchtvereinsvorsitzende dies bei sich hat.

Der Eindruck, der erweckt wird, dass die Kirche ein „Sonderrecht“ habe, ein Recht, das der Kaninchenzuchtverein nicht hat, ist falsch. „Über dem Recht“ oder „im rechtfreien Raum“ findet das Kirchenasyl also nicht statt – der Staat behält die Fäden immer in der Hand und kann jedes Kirchenasyl jederzeit beenden. Vielleicht sollte man statt von Kirchenasyl besser von „Asyl in der Kirche“ sprechen.

Allerdings hat die Kirche im Hinblick auf das Gewähren von Asyl etwas, das der Kaninchenzuchtverein in aller Regel nicht hat: ein Selbstverständnis, das den Fremden als Nächsten betrachtet und im Nächsten Christus sieht (Mt 25, 35) sowie eine jahrhundertelange Tradition, die dieses Selbstverständnis umzusetzen versuchte. Daher respektiert der Staat das Kirchenasyl eher als das Kaninchenzuchtvereinsasyl. Tatsächlich hat das Kirchenasyl eine sehr lange Tradition. Die Idee der Möglichkeit einer Zufluchtnahme zu Gott, zum Heiligen, zum Tempel, zur Tabuzone für Gewalt und Herrschaft ist eine der ältesten Leistungen menschlicher Kultur. Kirchenasyl ist das Erbe dieser Idee. Im Christentum erhält die Idee eine konkrete Rechtfertigung: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen“ (Apg 5, 29).

Der Ort, die Idee zur Tat reifen zu lassen, ist das Gewissen, dessen Freiheit das Grundgesetz hervorhebt (Art. 4, 1 GG). Damit ist für das Verhältnis des Kirchenasyls zum Rechtsstaat klar: Kirchenasyl ist zwar religiös motiviert, steht aber nicht außerhalb des Rechts, sondern ist über die Figur der Gewissens-, Glaubens- und Religionsfreiheit dessen integraler Bestandteil. Von „Unterwanderung“ des Rechts kann also nur insoweit die Rede sein, als jeder Gebrauch der Gewissensfreiheit das Recht „unterwandert“ – in der Kollision der Gewissensentscheidung mit einer Norm liegt ja gerade ihr Wesen. Ein Staat, der das verhindern will, darf keine Gewissensfreiheit geben.

Christen unterstehen dem Recht eines Staates nur so lange, wie dieses nicht dem Gottes- und Naturrecht widerspricht. Das, was Gottes- und Naturrecht ist, zeigt sich dem Christen in seinem Gewissen, von dem er frei Gebrauch machen kann (bevor jemand „Privileg!“ schreit: Gewissensfreiheit haben alle Menschen). Wenn ein Christ ungerechte Härten erkennt – und die Bedrohung von Leib und Leben ist eine solche – muss er als Christ handeln. Das gebietet ihm Gott durch sein Gewissen. Die Frage ist immer die gleiche: Ist der Gehorsam gegenüber dem Gebot Gottes und gegenüber dem Mandat des Gewissens eine Bedrohung für den Rechtsstaat? Die Antwort auch: Nur dann, wenn dieser zum Unrechtsstaat wird.

In einigen Fällen scheint er das geworden zu sein, wenn tatsächlich ein Großteil der durch das Kirchenasyl erwirkten Verfahrensneuaufnahmen zur Anerkennung führen und das Kirchenasyl damit unberechtigte Abschiebungen verhindert. Insoweit stärkt es den Rechtsstaat sogar, soweit es darin nicht nur um formale Gesetzlichkeit, sondern auch um materiale Gerechtigkeit gehen soll. Und das sollte es. Denn ein Blick in unsere Geschichte zeigt, das so etwas wie ein Gerechtigkeitsvorbehalt bei der Anerkennung von Gesetzen nicht der schlechteste Gedanke ist.

Die Katholische Kirche hat während der NS-Diktatur Gemeinden und Einzelpersonen unterstützt, die Menschen versteckt und damit vor der Deportation bewahrt haben. Die Kirche hat sich damit in staatliche Angelegenheiten eingemischt und über staatliche Gesetze erhoben. Das war gut – sagen wir heute. Und es ist gut, dass die Kirche heute am Kirchenasyl fest hält und Gemeinden unterstützt, die Flüchtlinge bei sich aufnehmen und damit vor der Abschiebung bewahren. Diese Aufnahme ist – wie jede Gewissensentscheidung – in Freiheit und mit Vernunft zu verwirklichen.

Der Grundsatz lautet: Ein frei und vernünftig erwogenes Kirchenasyl ist manchmal illegal, doch meistens legitim. Es muss jedoch allen Beteiligten klar sein, dass ihr Handeln strafbar sein kann und dass es untrennbar zum Gewissensgebrauch gehört, eine mögliche Strafe anzunehmen. Wie jeder Rechtsbruch aus Gewissensgründen muss auch das Kirchenasyl daher mit Klugheit abgewogen werden, unter Berücksichtigung von Chancen und Risiken für alle Beteiligten.

(Josef Bordat)

Grundgesetz. Das beständige Provisorium

Heute wird das Grundgesetz 69 Jahre alt. Das ist für die meisten Menschen in Deutschland ein Grund zur Freude. Und für mich ein Anlass, mit meinem aktuellen Buchprojekt an die Öffentlichkeit zu treten. Es geht darin – um das Grundgesetz. Und um dessen Wurzeln in Christentum und Philosophie, Geschichte und Kultur. Damit ist dieses Geheimnis nun auch gelüftet.

Da ich nur am Wochenende und im Urlaub an dem Manuskript arbeiten kann, wird das Buch in jedem Fall etwas weniger umfangreich werden als das Gewissen oder das „Sündenregister“. Eher so wie das Credo. Erscheinen soll es in genau einem Jahr im Lepanto-Verlag – zum 70. Geburtstag des Grundgesetzes.

(Josef Bordat)

Domradio-Interview

Wer am Samstag (19. Mai) lieber eine Hochzeit im TV sah als im Domradio das Gespräch zum „Sündenregister“-Buch zu hören, für den gibt es hier die Möglichkeit, das kurze Interview (5 Minuten) nachzuhören.

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Fand ich übrigens sehr nett zu erfahren, dass mein (biographisch) erster Beruf noch nicht ganz in Vergessenheit geraten ist. Und zum Generalisten Wirtschaftsingenieur passt es doch hervorragend, auch noch eine Meinung zur Kirche zu haben. Wie heißt es so schön: „Einem Ingenieur ist nichts zu schwör!“ Und einem Wirtschaftsingenieur erst recht nicht.

In diesem Sinne: Viel Freude mit meinem Buch und einen schönen Gruß an Lernende, Lehrende und Forschende im Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen der TU Berlin.

(Josef Bordat)