In der U-Bahn

Ein Herr zückt sein Handy.

„Hallo.“

Eine Dame zückt ihr Handy.

„Hallo?“

Ein kleines Kind hat die Situation beobachtet und kommentiert sie:

„Hallo! Hallo!“

Musste ich doch lachen. Trotz vom Starkregen durchnässter Kleidung.

(Josef Bordat)

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Liebe. Hass. Seele

„Liebe tut der Seele gut, Hass schadet der Seele.“

Das las ich gestern auf einem Banner oberhalb des Portals einer prächtigen Berliner Kirche.

Sie muss nicht immer lang und kompliziert sein, die Wahrheit.

(Josef Bordat)

Der Missbrauch Mariens

Ein Plakat macht die Runde in den Sozialen Medien. Es zeigt Maria als Teil der primären weiblichen Geschlechtsorgane. Es steht im Zusammenhang mit den Forderungen des „Kirchenstreiks“ („Maria 2.0“), bei dem es um eine bessere Wahrnehmung und höhere Wertschätzung der Frauen in der Kirche geht.

Und nun dieses Plakat. Ganz abgesehen davon, dass es von Katholiken jedweden Geschlechts als Verunglimpfung der Gottesmutter empfunden werden kann, so ist es doch vor allem eines: frauenfeindlich.

Wenn ich den Feminismus nicht völlig falsch verstehe (was möglich ist), dann geht es ihm doch auch um die Kritik der Reduktion von Weiblichkeit auf Körper und Geschlechtsmerkmale, wie sie oft gerade von Männern vorgenommen wird, etwa im Zusammenhang mit Prostitution, aber auch in der Werbung und den Medien.

Und nun das. Wie soll ich das verstehen? Eine Provokation, die Aufmerksamkeit erzielen will – OK. Man soll endlich drüber reden – auch verständlich. Aber das alles um den Preis des Verrats an einer Grundsäule der Frauenbewegung: Es lohnt zu erwägen, dass eine Frau mehr sein könnte als ihre verfügbare Physis.

Schließlich fällt die für das Plakat verantwortliche Fachschaft des Instituts für katholische Theologie der Universität Freiburg der Initiative „Maria 2.0“ gehörig in den Rücken: mit dem darauf erkennbaren reduktionistischen Frauenbild und einem Zugang zur Gottesmutter, der vor effektheischender Instrumentalisierung nicht zurückschreckt.

(Josef Bordat)

Ein neues Gebot: Liebt einander!

Als Judas hinausgegangen war, sagte Jesus: Jetzt ist der Menschensohn verherrlicht und Gott ist in ihm verherrlicht. Wenn Gott in ihm verherrlicht ist, wird auch Gott ihn in sich verherrlichen, und er wird ihn bald verherrlichen. Meine Kinder, ich bin nur noch kurze Zeit bei euch. Ihr werdet mich suchen, und was ich den Juden gesagt habe, sage ich jetzt auch euch: Wohin ich gehe, dorthin könnt ihr nicht gelangen. Ein neues Gebot gebe ich euch: Liebt einander! Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben. Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid: wenn ihr einander liebt. (Johannes 13, 31-35)

Ein neues Gebot gebe ich euch: Liebt einander! Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben.
– Doch wie hat Er uns geliebt? Was ist die Liebe Jesu? Kurz: Er hat uns als Seine Nächsten geliebt. Die Liebe Jesu ist Nächstenliebe, agape – geistige Hingabe, schenkende Liebe, die zur tätigen Barmherzigkeit wird. Und nicht eros, die sinnliche, begehrende Liebe.

Die Frage ist nun: Sind das zwei Arten von Liebe, die nichts miteinander zu tun haben, oder eher zwei Blickrichtungen des einen Liebens Jesu? Benedikt XVI. hat in seiner ersten Enzyklika Deus caritas est (2006) eher den Unterschied verdeutlicht, indem er herausstellt, dass „die beiden Grundwörter Eros als Darstellung der ‚weltlichen‘ Liebe und Agape als Ausdruck für die im Glauben gründende und von ihm [Gott, J. B.] geformte Liebe“ dem Gegensatz von der Welt des alten Menschen und dem Reich Gottes des neuen Menschen entsprechen, ein Unterschied, wie er deutlicher nicht sein könnte. Benedikt weiter: „Beide werden häufig auch als ‚aufsteigende’ und ‚absteigende’ Liebe einander entgegengestellt; verwandt damit sind andere Einteilungen wie etwa die Unterscheidung in begehrende und schenkende Liebe (amor concupiscentiae – amor benevolentiae)“. Gleichwohl können eros und agape in der Lebenspraxis zusammenfallen, denn Differenz bedeutet nicht Dichotomie. Es ist kein Widerspruch, einen Menschen zu begehren und sich an ihn zu verschenken – ohne dass freilich eros die Bedingung für agape sein muss.

Auf ein typisches Missverständnis ist also an dieser Stelle hinzuweisen: Liebe im Sinne der Nächstenliebe (agape) ist nicht auf „Verliebtheit“ und Begehren (eros) angewiesen – das wäre das Ende der christlichen Ethik! Liebe als christliche Tugend ist, so Eberhard Schockenhoff, ein „sittlicher Grundakt, in dem der Mensch mit Zustimmung, Gutheißung und Urvertrauen dem Geschenk des Seins antwortet“, ein Akt, der als solcher zum „Strukturprinzip“ wird, „das den Grund, die Form und das Ziel des christlichen Lebens und Handelns bestimmen soll“. Das drückt Jesus normativ aus: Ein neues Gebot gebe ich euch: Liebt einander! Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben.

Die Normativität der Liebe benötigt einen Begriff von Liebe, der wirklich in den Bereich dessen fällt, was der Mensch sollen kann. Damit ist klar – noch einmal sei es gesagt –, dass die Liebe, die Jesus meint, nicht im Sinne des Gefühlsbegriffs eros, sondern im Sinne des Vernunft- bzw. Willensbegriffs agape angesprochen ist. Liebe als christliche Tugend ist weniger Gefühl als vielmehr Haltung. Damit wird Liebe überhaupt erst ethisch relevant und kann geboten werden – ein Gefühl von Zuneigung hingegen kann man nicht verordnen. Von agape, so noch einmal Schockenhoff, sei denn auch in der Bibel an den Stellen die Rede, an denen in der deutschen Übersetzung „Liebe“ steht, eine Liebe, die mit einem unbedingten normativen Anspruch verknüpft ist, der das Christentum gegenüber allen anderen Religionen, Ideologien und Philosophien auszeichnet. Schockenhoff weist zudem darauf hin, dass agape in der griechischen Sprache eigentlich sehr ungebräuchlich ist, in der Bibel aber weitaus öfter vorkommt als das „ausdrucksstarke, im klassischen Griechisch bevorzugte Wort eros“, das „nahezu vollkommen vermieden“ wird, ebenso wie das Wort philia (Freundschaft), das „nur gelegentlich“ erscheine. Weil agape sonst kaum gebraucht wird, sei es, so Schockenhoff, „in seinem Sinngehalt weniger festgelegt“ als das in den Göttermythen zudem verschlissene und „mit allerlei geschlechtlicher Pikanterie“ negativ konnotierte Wort eros.

Die Liebe stellt ein vitales Konstitut des christlichen Glaubens dar, denn in dieser Liebe bleibt der „scheidende Erlöser und das Geschenk seiner Hingabe unter den Jüngern für alle Zeiten lebendig“ (Schockenhoff). Umgekehrt gilt: Der erheblichen Anforderung, die jene grenzenlose Liebe dem Menschen stellt, dem ungeheuerlich erscheinenden Anspruch einer (zumindest zeitweiligen) Selbstaufgabe im Interesse des Nächsten (nichts anderes findet bei einer Perspektivenübernahme statt), der ambitionierten agape in der Nachfolge Christi kann nur gerecht werden, wer „alle Wirklichkeit – die der anderen und die des eigenen Selbst – von Gott her“ sieht, denn: „Von ihm als dem Zentrum aller Wirklichkeit aus betrachtet, können wir alle in unserem Eigenwert wahrgenommen werden und so als Personen existieren, durch die das Licht göttlicher Wertschätzung hindurchscheint“, was dazu führt, dass diese Liebe zur unbedingten Annahme des Anderen „in seinem So-Sein und Hier-Sein“ führt (Schockenhoff). Eine solche absolute Liebe kann ohne absoluten Bezugspunkt, der eine bewirkende, zielgebende und einheitsstiftende Funktion erfüllt, nicht gelingen. Mit anderen Worten: Gott ist Garant dieser Liebe. Gott allein.

(Josef Bordat)

Verfolgung, Vertreibung, Verbreitung

Das entscheidende Moment der heutigen Lesung aus der Apostelgeschichte lässt sich in den letzten drei Versen finden: „Das Wort des Herrn aber verbreitete sich in der ganzen Gegend. Die Juden jedoch hetzten die vornehmen gottesfürchtigen Frauen und die Ersten der Stadt auf, veranlassten eine Verfolgung gegen Paulus und Barnabas und vertrieben sie aus ihrem Gebiet. Diese aber schüttelten gegen sie den Staub von ihren Füßen und zogen nach Ikonion“ (Apg 13, 49-51).

Hier erkannt man dreierlei: 1. Die Mission ist in einer bestimmten Gegend erfolgreich. 2. Es beginnt in dieser Gegend ein Verfolgung und Vertreibung – die Missionare müssen fliehen. 3. Die Mission geht an anderer Stelle weiter – es kommt zur Verbreitung der Guten Nachricht. Das heißt: Unter dem Druck lokaler Verfolgung breitet sich das Christentum in großen Regionen aus.

Die Verfolger erreichen damit gerade das Gegenteil dessen, was ihre Absicht war: die chrisliche Botschaft aus der Welt zu schaffen. Stattdessen helfen sie mit, sie in die Welt hinaus zu tragen.

Und dieses Paradoxon der Christenverfolgung gilt nicht nur in der Antike. Auch in der Moderne gibt es dafür Beispiele. Der Kirchenkampf in Frankreich etwa fordert um die Jahrhundertwende zahlreiche Opfer, das „Gesetz zur Aufhebung der Ordenskongregationen“ (1901) ist der Auftakt einer breit angelegten Zerstörungs- und Vertreibungswelle.

Es trifft auch die wenige Jahre zuvor von Louis Brisson gegründeten Oblaten des Heiligen Franz von Sales sowie die von ihm gemeinsam mit Leonie Aviat (Franziska Salesia) gegründeten Oblatinnen. Die Schwestern und Brüder werden vertrieben. Sie werden jedoch damit zugleich gezwungen, ihren Orden in andere Länder und Kontinente zu tragen. Damit sorgt das „Gesetz zur Aufhebung der Ordenskongregationen“ dafür, dass überall auf der Welt neue Orden entstehen und sich die salesianische Spiritualität weltweit ausbreitet.

„Diese aber schüttelten gegen sie den Staub von ihren Füßen und zogen nach Ikonion.“ – Staub von den Füßen schütteln und weiterziehen. Nachfolge Christi seit 2000 Jahren.

(Josef Bordat)

Zeugen der Auferstehung

Paulus fasst den christlichen Glauben in seinem Brief an die Gemeinde von Korinth zusammen: Christus ist „für unsere Sünden gestorben“, wurde „begraben“ und „am dritten Tag auferweckt“ (1 Kor 15, 3-4). Das ist es – zumindest in Kurzfassung: Gestorben, begraben, auferstanden.

Paulus ist sich seiner Sache so sicher, dass er hinzufügt: „Danach erschien er mehr als fünfhundert Brüdern zugleich; die meisten von ihnen sind noch am Leben, einige sind entschlafen“ (1 Kor 15, 6). Wenn Paulus ganz unbefangen schreibt, dass die meisten der Zeugen noch leben, hält er sie offenbar für so glaubwürdig, dass er keine Nachfragen an sie fürchtet.

In einer anderen Gemeinde (Antiochia in Pisidien) wiederholt Paulus sein Bekenntnis, ebenfalls mit Bezug auf „Zeugen“: „Gott aber hat ihn von den Toten auferweckt, und er ist viele Tage hindurch denen erschienen, die mit ihm zusammen von Galiläa nach Jerusalem hinaufgezogen waren und die jetzt vor dem Volk seine Zeugen sind“ (Apg 13, 30-31).

Paulus selbst ist kein Zeuge der Auferstehung. Von daher sein dauernder Verweis auf die Zeugen. Petrus wiederum ist ein Zeuge und er stellt sich und die anderen Apostel auch als Zeugen zur Verfügung. Am Pfingsttag spricht er in Jerusalem zur mehrheitlich nicht-christlichen Bevölkerung und stellt die Auferstehung in den Mittelpunkt. Er sagt: „Diesen Jesus hat Gott auferweckt, dafür sind wir alle Zeugen“ (Apg 2, 32). Auch er scheut offenbar keine Nachfrage.

Wir können heute keinen unmittelbaren Zeugen der Auferstehung sein, aber wir können den Auferstandenen bezeugen, indem wir aus der Hoffnung der Auferstehung leben.

(Josef Bordat)