Himmel

Blauer Himmel. Plötzlich Bewegung. Eine Möwe kreist über dem Schiff.

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Eine Möwe am Himmel über dem Golf von Neapel. Foto: JoBo, 11-2018.

Dabei fällt mir wieder ein: ›Himmel‹ ist kein Ort, ›Himmel‹ ist ein Zustand.

(Josef Bordat)

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Die Liste der Toten

Im Deutschen Historischen Museum in Berlin läuft derzeit eine interessante Sonderausstellung: „Europa und das Meer“. Es geht dabei um die Bedeutung des Meeres für die politische, wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung Europas. Wie viel davon mit der Schifffahrt zusammenhängt, wird einem erst mal so richtig bewusst, wenn man durch die Ausstellung geht, die im Wesentlichen die Geschichte von Hafenstädten beleuchtet, die wiederum mit bestimmten Epochen und Phänomenen der europäischen Geschichte in Verbindung stehen. Sevilla, zu Beispiel; von dort gingen die Reisen in die „Neue Welt“.

Von der Antike bis zur Gegenwart spielt vor allem das Mittelmeer eine Rolle. Für den Handel, als Urlaubsregion und – in der unmittelbaren Gegenwart – als Fluchtroute. Ein Bereich der Ausstellung widmet sich diesem tragischen Kapitel des Topos „Europa und das Meer“. Dort liegt eine Liste mit 33.293 registrierten Personen, die im Zeitraum von 1993 bis Mai 2017 beim Versuch, das Mittelmeer Richtung Europa zu überqueren, verstorben sind. Die Toten wurden von „United for Intercultural Action“ registriert, Leitmotiv: „United Against Refugee Deaths“. Die Liste mit den Opfern bis Mai 2017, wie sie auch in der Ausstellung zu sehen ist, kann hier [pdf] aufgerufen werden. Sie wird fortlaufend ergänzt. Traurige Chronistenpflicht. Auf ihrer website sprechen die Aktivisten von 34.361 Toten (pdf, Stand: Mai 2018).

In der Ausstellung erzählen Geflüchtete, denen – oft als einige der ganz wenigen Überlebenden ihres Bootes – die Flucht über das Meer nach Europa gelang, von ihren Erfahrungen. Jede Videoinstallation ist mit einem Gegenstand versehen, der symbolisch für das Schicksal der Fluchtgeschichte steht: eine Bauchtasche, ein Mobiltelefon, ein Rosenkranz. Der gehört Paul Nkamani. Der junge Mann floh aus seiner Heimat Kamerun nach Spanien und kam von dort nach Deutschland. Der Rosenkranz habe ihn begleitet, habe ihm Mut und Kraft gegeben. Der Rosenkranz sei das einzige gewesen, das die spanischen Behörden ihm ließen.

Ich denke heute, am Gedenktag Allerseelen, auch an die Toten im Mittelmeer – an die 34.361 registrierten und die ungezählten, von denen nur Gott weiß.

(Josef Bordat)

20 Jahre Hoffnung

Hier einige Impressionen vom Franziskusfest am 6. Oktober auf „Gut Neuhof“, bei dem gefeiert wurde, dass es die Fazenda schon seit 20 Jahren in Deutschland gibt.

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Das Haupthaus. Foto: JoBo, 10-2018.
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Die Kapelle. Foto: JoBo, 10-2018.
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Nicht nur für die Kleinen interessant: Landwirtschaft auf „Gut Neuhof“. Foto: JoBo, 10-2018.
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Ehemalige und Verantwortliche vor der Kapelle. Foto: JoBo, 10-2018.
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Buntes Bühnenprogramm. Foto: JoBo, 10-2018.
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Franziskanerinnen im Gespräch über ihr Wirken auf der Fazenda. Foto: JoBo, 10-2018.

Einen ausführlichen Bericht über das Jubiläums-Franziskusfest gibt es in der Online-Ausgabe der Tagespost.

(Josef Bordat)

50 Jahre St. Benedikt-Kirche in Berlin-Lankwitz

Gestern fand im Süden Berlins ein Kirchweihjubiläum statt: Die St. Benedikt-Gemeinde im Steglitz-Zehlendorfer Ortsteil Lankwitz feierte den Weihetag ihrer Kirche vor einem halben Jahrhundert. Zelebrant der Heiligen Messe war Berlins Weihbischof Dr. Matthias Heinrich. In seiner Predigt ging er allgemein auf die Bedeutung des Kirchengebäudes ein.

Eine Kirche, so Heinrich, sei Begegnungsstätte, Botschaftsgebäude und Heilanstalt. In der Kirche sei Begegnung mit Gott und anderen Menschen (der Gemeinde) möglich, von der Kirche gehe die Botschaft aus, dass Gott in der Welt, also bei den Menschen, ist und es werden in der Kirche die Sakramente gespendet, die uns Menschen Zeichen des Heils sind.

(Josef Bordat)

Herzlichen Glückwunsch!

Pfingsten ist der Geburtstag der Kirche. Und wenn wir alle Teil der Kirche sind, dann dürfen wir uns heute auch als Geburtstagskinder fühlen. Das war der Aufhänger des Ökumenischen Pfingstgottesdienstes im Britzer Garten.


Die Kirche feiert Geburtstag – ein Geschenk für uns alle. Foto: JoBo, 5-2018.

Bei herrlichem Frühsommerwetter kamen gut 200 Menschen auf dem Festplatz des Britzer Gartens zusammen, um an dem von fünf Britzer Gemeinden (u.a. auch von der Katholischen Gemeinde Bruder Klaus) vorbereiteten Gottesdienst teilzunehmen.

Der Ökumenische Pfingstgottesdienst im Britzer Garten findet alljährlich am Pfingstmontag um 11 Uhr statt. Schon mal vormerken!

(Josef Bordat)

Kreuz und Gewissen. Der Bußgang der Berliner Katholiken

Beim Bußgang steht traditionell das Kreuz im Mittelpunkt. Ihm folgen die Teilnehmer – im übertragenen und im wörtlichen Sinne. Der Bußgang der Berliner Katholiken stand in diesem Jahr unter dem Leitmotiv „Dem Gewissen folgen“. Dass dies für Christen kein Widerspruch ist, hängt damit zusammen, dass der Gekreuzigte mit seiner Botschaft das Gewissen formt.

Dem Gewissen folgen. Foto: JoBo, 3-2018.

Das hat der Selige Bernhard Lichtenberg mit seinem mutigen Einstehen für alle „Nichtarier“ eindrucksvoll gezeigt. Daher ist das Leitmotiv des Bußgangs mit Blick auf den Berliner Dompropst gut gewählt. Das Gewissen steht im Zentrum des vor 75 Jahren in der Haft verstorbenen Kirchenmanns.

Lichtenberg selbst beschreibt seine Haltung beim Verhör in der Gestapo-Zentrale mit Worten, die einer Definition von „katholischem Gewissensgebrauch“ recht nahe kommen: „Ich kann als katholischer Priester nicht von vornherein zu jeder Verfügung und Maßnahme, die von der Regierung getroffen wird, Ja und Amen sagen. Wenn sich die Tendenz derartiger Regierungsverfügungen und Maßnahmen gegen die geoffenbarte Lehre des Christentums und damit gegen mein priesterliches Gewissen richtet, werde ich meinem Gewissen folgen und alle Konsequenzen mit in Kauf nehmen, die sich daraus für mich persönlich ergeben“.

Prälat Stefan Dybowski. Foto: JoBo, 3-2018.

In seiner kurzen Predigt an der ersten Statio in St. Clemens geht Prälat Stefan Dybowski auf den Schlüsselbegriff Gewissen ein. Die Quellen der Gewissensbildung, der Mut zum Gewissensgebrauch, die Einsamkeit dessen, der dem Gewissen folgt.

Zweimal macht der Bußgang noch Halt, an der Topographie des Terrors, wo einst die Gestapo-Zentrale stand, und am Holocaust-Mahnmal, das an die Ermordung von sechs Millionen Juden durch das NS-Regime erinnert, ehe die rund 500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer in der St. Hedwigs-Kathedrale eintrafen, um Eucharistie zu feiern und am Grab Bernhard Lichtenbergs zu beten.

Statio am Holocaust-Mahnmal. Foto: JoBo, 3-2018.

Zelebrant Tobias Przytarski hob in seiner Predigt noch einmal hervor, dass die Kraft, dem Gewissen zu folgen, beim Seligen Bernhard Lichtenberg aus dem Glauben, aus der Liebe kam. Mit der Hilfe Gottes habe Lichtenberg die Menschen unterschieds- und bedingungslos lieben können, mit einer Liebe, die größer war als die Angst und die Sorge um die Freiheit, die Gesundheit, das eigene Leben.

Das Kreuz in der St. Hedwigs-Kathedrale. Foto: JoBo, 3-2018.

Für Bernhard Lichtenberg war die Sache klar: Das NS-Regime gehört bekämpft, auch wenn dieser Kampf ein einsamer ist, der Freiheit, Gesundheit und schließlich das Leben kostet. Lichtenberg gab bei der Gestapo zu Protokoll: „Ich bekämpfe falsche Grundsätze, aus welchen falsche Taten entstehen müssen, man denke an Beseitigung des Religionsunterrichts aus den Schulen, Kampf gegen das Kreuz, Beseitigung der Sakramente, Verweltlichung der Ehe, absichtliche Tötung angeblich lebensunwerten Lebens (Euthanasie), Judenverfolgung usw.“.

Einiges davon ist historisch, die Judenverfolgung etwa, anderes aus der Liste ist bis heute (oder heute wieder) eine Herausforderung für das katholisch geformte Gewissen. Bernhard Lichtenberg hat uns den Weg gewiesen, indem er ihn ging, in der Nachfolge Christi. Immer dem Gewissen nach. Und dem Kreuz.

(Josef Bordat)