Europa, die EU und der Nationalstaat. Eine Diskussion in Berlin

Wie kann man heute sinnvoll von „Nation“ sprechen? Welche Rolle spielt die Nation in einem inter- resp. übernationalen Staatenbund wie dem der Europäischen Union? Das waren einige der Themen einer Tagung zur nationalen Identität in Europa, die als sechsstündige Diskussionsveranstaltung im Polnischen Institut Berlin mit drei Panels konzipiert war. Den ausführlichen Veranstaltungsbericht für die „Tagespost“ lesen Sie hier.

Panel 1 mit (v.l.n.r.) Frank Füredi, Monika Maron und Jacques Dewitte. Foto: Josef Bordat.

Die Frage nach dem Nationalstaat in Europa bettet sich ein in die übergeordnete Fragestellung nach der Zukunft Europas, der Legitimation hoher Kompetenzen europäischer Einrichtungen und danach, welche Aufgaben dem Staat vor diesem Hintergrund zukommen und wo die Grenzen des staatlichen Handelns liegen, in Anbetracht der „Globalisierung“ und der in ihrer Folge fortschreitenden Auflösung der Nationalstaaten in ihrer historischen Form. Staatsaufgabe als Aufgabe? Dagegen steht der Trend zur Neudefinition ethisch-nationaler Räume in einer postkolonialen Welt – überall entstehen neue Nationen, der Drang zum Bilden von nationalen Identitäten ist dabei auch in Europa sehr deutlich, wie Flandern, Schottland und Katalonien zeigen. Eine komplexe und kompliziete Materie, die sich die Veranstalter vorgenommen hatten.

Panel 2 mit (v.l.n.r.) Jacek Dehnel, David Engels, Andrzej Bryk und Moderatorin Justyna Schulz. Foto: Josef Bordat.

Da tat es gut, die Debatte zu strukturieren, historische von sytematischen Fragen abzugrenzen, Europa als Kulturraum neben den eher technizistischen Begriff Europas zu stellen, der in Form der EU Europa als Wirtschaftsraum mit grundsätzlichen geteilten politischen Vorstellungen der Mitgliedsländer begreift. So ging es zunächst um unterschiedliche europäische Konzeptionen des Nationalstaats, ehe sich die Diskussionsteilnehmer über die Rolle der Nationalstaaten in der Europäischen Union sprachen. Und da die Veranstaltung vom Polnischen Institut Berlin organisiert wurde, ging es in einem weiteren Panel um Polens nationale Identität vor dem europäischen Hintergrund. Im Gegensatz zu vielen anderen Nationen empfanden die Polen den Zusammenbruch der alten Ordnung nicht als Irritation der Identität, sondern als deren Wiedererwachen. Das ganze „lange 19. Jahrhundert“ (1789 bis 1918) war das Land geteilt gewesen; nun bestand eine neue Chance zur Nationenbildung.

Panel 3 mit (v.l.n.r.) Manuel Sarrazin, Izabela Kloc, Frédéric Petit und Moderator David Engels. Foto: Josef Bordat.

Problematisch an der Veranstaltung war: Migration wurde ausschließlich als Problem gesehen, Europas starke Außengrenzen als dessen Lösung. In diesem Punkt bestand die größte Einigkeit. Doch diese Verkürzung ist ähnlich fragwürdig wie die Romantik einer Welt ohne Regeln und Grenzen. Eine Reduzierung der Renaissance nationaler Identitäten auf eine Abwehrhaltung dem Anderen gegenüber, dem, der nicht schon qua Geburt (natus) dazugehört, wurde in der europäischen Innenperspektive aus historisch naheliegenden Gründen noch einhellig abgelehnt. Sollte nun eine „europäische Identität“ geprägt werden, die als „Selbstbehauptung“ (Engels) in der Außenperspektive ähnlich abgrenzend wirkt wie das überwundene Nation-Konzept des 19. Jahrhunderts, das bekanntlich in den Ersten Weltkrieg mündete? Offen nach innen, geschlossen nach außen – ist das die Rolle Europas im 21. Jahrhundert? Und was folgte daraus?

Problematisch war ferner: Die Diktion bei den Wortmeldungen der Zuhörer glitt bisweilen in Regionen ab, die man sonst nur aus dem Facebook kennt, wenn über „die Millionen“ gesprochen wird, die „vor Europas Türen stehen“ und zum Integrieren ohnehin „viel zu primitiv“ seien, weil sie dem „Bodensatz“ ihrer Gesellschaften entstammten – Äußerungen, die von den Referenten sprachlich geschliffen, inhaltlich aber durchaus affirmativ rezipiert wurden. Man kann es auch positiv wenden: Die Moderation nahm nicht nur das Konzept „Nation“ sehr ernst, sondern auch das Konzept „Meinungsfreiheit“. Dennoch: Wenn man schon über Migranten spricht statt mit ihnen, sollten sich pejorative Pauschalurteile verbieten, ganz gleich, wie elegant sie formuliert sind. Gilt nicht nur für diese Veranstaltung.

Auch nach der hochkomplexen Veranstaltung bleibt offen, wie der gestärkte, selbstbewusste, in gewisser Hinsicht restituierte Nationalstaat eingedenk seiner Abhängigkeit von einem System globaler Kräfte und Bedingungen die unilaterale Option so umsetzen kann, dass es dem dient, was die Nation begründet: dem Volk. Globale Probleme können nur global gelöst werden. Dennoch widerspricht dem die wiedererstarkte Nation nur auf den ersten Blick, denn jeder interationale Bund ist nur so stark wie seine Mitglieder. Und zur Stärke gehört die Versicherung der eigenen, besonderen Identität. Hier müsste dann jedoch auch ein Konzept beachtet werden, das etwas zu kurz kam: die Region. Vielleicht liegt in einer so gewendeten „Glokalität“ dann doch ein Schlüssel für die Zukunft.

(Josef Bordat)

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Weltjugendtag in Panama

Eine Pilgergruppe aus dem Erzbistum Berlin ist dabei

45 Jugendliche und junge Erwachsene aus dem Erzbistum Berlin – darunter mein Firmpatenkind und seine Schwester – haben sich auf den Weg gemacht und sind der Einladung von Papst Franziskus zum 34. Weltjugendtag gefolgt, der in diesem Jahr in Panama stattfindet.

Vom 17. bis 21. Januar finden im Vorfeld des Weltjugendtags die „Tage der Begegnung“ statt, die die Berliner Gruppe in Costa Rica im Bistum San Isidro de El General verbringen wird. Die zentralen Veranstaltungen des Weltjugendtags in Panama-Stadt beginnen am 22. und enden am 27. Januar 2019.

Hoffentlich ist die Anreise der Berliner Gruppe weniger problematisch als die der Pilger aus dem Erzbistum Köln, die Opfer des Streiks wurden.

(Josef Bordat)

Stopp!

Zwei Tage vor der Erscheinung, gut eine Woche vor der Taufe – räumt der Berliner seinen Weihnachtsbaum aus der Wohnung.

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Die Weihnachtszeit ist noch nicht zuende, möchte man den Berlinern sagen. Foto: JoBo, 1-2019.

Schade eigentlich, denn ohne das globale Bekanntmachen der Menschwerdung in administrativen und akademischen Kreisen und insbsondere ohne die Offenbarung „Dies ist mein geliebter Sohn!“ ist Weihnachten nicht komplett.

Feiert also ruhig noch ein paar Tage länger, liebe Berliner! Ihr feiert doch sonst so gerne.

(Josef Bordat)

Weihnachtsgeschichte im Kindergarten

So, liebe Kinder. Ich lese euch jetzt die Weihnachtsgeschichte vor. Ja, die gibt es auch als Animationsvideo, aber ich lese sie euch vor. Dauert nicht lange. Die hat der Lukas aufgeschrieben… nein, nicht der Podolski. Einfach „Lukas“. Man sagt ja auch: „Matthäus“. So, jetzt ist Ruhe hier. Also. „Es begab sich aber zur der Zeit, daß ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, daß alle Welt geschätzt würde. Und diese Schätzung war die allererste und geschah zur Zeit, da Quirinius Statthalter in Syrien war.“ Was? „Augustus“, „Quirinius“ – komische Namen? Da hast Du recht, Malte-Kevin! „Und jedermann ging, daß er sich schätzen ließe, ein jeder in seine Stadt.“ Wie bitte? Nein, die mussten da wirklich hin. „Online“ ging damals nicht. So, jetzt aber mal wieder zuhören. „Da machte sich auf auch Josef aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, weil er aus dem Hause und Geschlechte Davids war, damit er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe; die war schwanger.“ Ja, das war jetzt ein Satz mit mehr als 140 Zeichen, stimmt! Das ging damals noch. „Und als sie dort waren, kam die Zeit, daß sie gebären sollte.“ Ja, richtig: „logisch“. Aber darum geht es jetzt nicht. „Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.“ Was? Nein, auch über Airbnb war nichts mehr frei. Die mussten wirklich in den Stall. Wie? Nein, „wegen Tierschutz“ hat man sie nicht „drangekriegt“, jedenfalls nicht, dass ich wüsste. „Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde. Und der Engel des Herrn trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr.“ Ja, sicher. Hättest Du da keine Angst? Gut, ja „Laserschwert“… aber das hatten die Hirten damals nicht. Hört mal weiter zu, bitte. „Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus der Herr, in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen: ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen.“ „Krippe“, Malte-Kevin, nicht „Gerippe“! Wo die so schnell die Windeln her hatten? Also, das waren mehr so Tücher. Und die hatten die dabei. Hm? Ja, warum auch nicht. Bitte? Das weiß ich nicht, ob die die schon aus Nazareth mitgebracht hatten. Vielleicht haben sie die Tücher ja in Bethlehem gekauft. „Bethlehem“, Malte-Kevin, nicht „Bettlaken“! So, weiter. Ihr wollt doch noch die Plätzchen essen, oder? Also! Ja, die sind vegan. Glaub ich. Was? Laktose? Müsste ich mal gucken. Puh. Sehen wir gleich nach, OK? Ich weiß, Dein Papa ist Rechtsanwalt – ich guck gleich nach! Jetzt aber erst mal weiter, die Geschichte ist noch nicht zuende. „Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.“ Das heißt soviel wie „gut gefallen“, „mögen“. Was? Ja, oder „liken“. „Und als die Engel von ihnen in den Himmel fuhren, sprachen die Hirten untereinander: Laßt uns nun gehen nach Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat.“ Das bedeutet: „mitgeteilt“. „Getwittert“? Naja, meinetwegen. „Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Josef, dazu das Kind in einer Krippe liegen. Als sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, das zu ihnen von diesem Kinde gesagt war. Und alle, vor die es kam, wunderten sich über das, was die Hirten gesagt hatten. Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen.“ Also, im übertragenen Sinne. Was? Nein. „Bewegen“ im übertragenen Sinne. „Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war.“ So, das war die Weihnachtsgeschichte. Hat sie euch gefallen? Wie bitte? Verstoß gegen das Neutralitätsgesetz? Kann sein, Malte-Kevin.

(Josef Bordat)

Gewalt gegen Gotteshäuser in Berlin nimmt zu

Farbbeutel auf Kirchengebäude, Hakenkreuz an Synagoge, Moschee in Flammen – zwar nicht Alltag in Berlin, aber doch ein Stück „Normalität“.

In der deutschen Hauptstadt gab es in den letzten drei Jahren 62 Anschläge und Schmähungen gegen Kirchen, Moscheen, Synagogen und deren Einrichtungen. Alle zweieinhalb Wochen gab es damit Gewalt gegen Gotteshäuser.

Das sind noch einmal zehn Attacken mehr als im Vergleichszeitraum davor. Und das sind nur die Taten, die auch angezeigt wurden. Nach kann es den Gemeinden, die einfach die Farbe abwischen und schweigen, nicht verübeln: Die Aufklärungsquote geht gegen Null.

(Josef Bordat)

Ethikunterricht im 186er

Übergabe am Rathaus Steglitz. Der Kollege, der den jungen Busfahrer ablösen soll, kommt vorne zur Tür rein, quetscht sich an dem Kollegen vorbei und nimmt auf dem Fahrersitz Platz. Der abgelöste Busfahrer geht nun aber nicht raus, sondern bespricht sich in einer Sache mit dem Kollegen. Offenbar ein komplexeres Problem. Es dauert.

Ich denke mir: „Was dauert das so lange?!“ Ich hatte es eilig. Gerade als ich den Gedanken im Kopf formuliert hatte, brüllt einer der anderen Fahrgäste „Was dauert das so lange?!“ Der Busfahrer, der eigentlich längst im wohlverdienten Feierabend sein sollte, dreht sich um und bittet, sichtlich mitgenommen von der Situation, um Entschuldigung. Wenig später ist die Sache, worum es auch immer ging, geklärt, der junge Mann verlässt den Bus und dieser fährt weiter.

Jetzt tat mir der Busfahrer Leid und ich schämte mich für meine Ungeduld. Der eigene Gedanke, von einem Andern ausgesprochen, erwies sich als hartherzig und übertrieben. Das zeigt mir zweierlei: Sieh immer auch den Anderen, und: Erst dann erkennst Du, das Du oft falsch liegst mit Deinem harten Urteil.

(Josef Bordat)

Erzbischof Koch packt Geschenke ein

Mit dem Projekt „Gott – mitten im Leben“ soll in der weitgehend areligiösen deutschen Hauptstadt der Glaube an Jesus Christus bezeugt werden. „Das ist unsere Hauptaufgabe“, sagt Berlins Erzbischof Heiner Koch.

Mit einem Heft greift das Erzbistum Berlin die Frage nach Gott in einer sehr elementaren Weise auf. Impulse, Bilder, Geschichten regen zum Nachdenken an, wie und wo wir Gott im Alltag begegnen können. Dazu gibt es Geschenkpapierbögen. Ein Wimmelbild lädt augenzwinkernd ein, die Protagonisten der Weihnachtsgeschichte zu entdecken.

Auf der Innenseite steht das Motto in neun Sprachen: „Gott kommt. Mitten ins Leben. Frohe Weihnachten!“ Auf deutsch, englisch, französisch, spanisch, italienisch, portugiesisch, polnisch, kroatisch, arabisch. Vielsprachig, wie das Erzbistum Berlin.

Das Erzbistum möchte damit „Lust machen, die eigenen Weihnachtsgeschenke mit dieser Weihnachtsbotschaft einzupacken – oder einpacken zu lassen“. Erzbischof Heiner Koch wird dabei tatkräftig mithelfen: An den ersten beiden Adventssamstagen wird er Geschenke einpacken, am Samstag, 1.12., von 17:30 bis 18:15 Uhr im „KaDeWe“ und am Samstag, 8.12., von 14:30 bis 15:15 Uhr in der „Galeria Kaufhof“.

(Josef Bordat)