Ein Papst für Berlin

Erzbischof Koch zum 40. Jahrestag der Wahl von Papst Johannes Paul II.
 
Am 16. Oktober 1978 wurde der Erzbischof von Krakau Karol Wojtyła zum Papst gewählt. Er wählte für sich den Papst-Namen Johannes Paul II. als Würdigung seiner drei Vorgänger. Zum 40. Jahrestag der Wahl erinnert Erzbischof Dr. Heiner Koch an seine große Bedeutung für die deutsche Geschichte und die Geschichte des Erzbistums Berlin: „Ich blicke heute mit großer und tief empfundener Dankbarkeit auf das segensreiche Pontifikat von Johannes Paul II. zurück. Mit seiner Wahl begann eine Entwicklung, die für uns Deutsche das Erzbistum Berlin und die Stadt Berlin von entscheidender Bedeutung ist“.

Heiner Koch erläutert: „Die politischen Umwälzungsprozesse in der polnischen Heimat des Papstes brachten das kommunistische System in Europa ins Wanken. Der Ruf nach Freiheit brach sich schließlich am Ende der 80er Jahre auch im Osten Deutschlands Bahn. Papst Johannes Paul II. hat in seinen vielen Predigten die Sehnsucht der Menschen nach Freiheit immer unterstützt. Er wurde somit zum entscheidenden Wegbereiter für den Fall des Eisernen Vorhangs, das Ende des geteilten Bistums Berlin und die Einheit Deutschlands“.

Schon als Kardinal habe Karol Wojtyła Ost-Berlin besucht, unvergessen sei aber sein Deutschlandbesuch im Juni 1996, so Koch, der an eine in soweit sinnfällige Koinzidenz erinnert: „Die Wahl von Papst Johannes Paul II. erfolgte am Gedenktag der Heiligen Hedwig, der früheren Herzogin von Schlesien, die auch die Patronin unserer Kathedrale in Berlin ist.“

(Josef Bordat)

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Herbst in Berlin

Impressionen aus drei ganz unterschiedlichen Stadtteilen Berlins.

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Innenhof des Theologischen Konvikts, Mitte. Foto: JoBo, 10-2018.
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Lilienthalpark, Lichterfelde. Foto: JoBo, 10-2018.
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Britzer Garten, Neukölln. Foto: JoBo, 10-2018.

(Josef Bordat)

Lichtgestalt Lichtenberg

Eine Lichtgestalt in Szene gesetzt, beim Berliner Festival of Lights: Bernhard Lichtenberg.

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Bernhard Lichtenberg an der Fassade der St. Hedwigskathedrale. Foto: JoBo, 10-2018.

Eine Ausstellung hat sich im September dem Leben und Glaubenszeugnis Bernhard Lichtenbergs gewidmet. Am 30. Oktober lädt der Maximilian-Kaller-Kreis zu einem Vortrag über Bernhard Lichtenberg mit Dr. Gotthard Klein ein, dem Leiter des Diözesanarchivs und Diözesanpostulator des Heiligsprechungsprozesses.

(Josef Bordat)

Glücksatlas

Wo leben die glücklichsten Deutschen?

Glück lässt sich nicht nur prima theoretisieren, sondern auch ganz praktisch erfahren. Heißt es. Und daher auch empirisch vermessen.

Und so gibt es mal wieder eine Glücksstudie, den so genannten „Glücksatlas“. Der gibt u.a. darüber Auskunft, wo die glücklichsten Deutschen leben.

Das ZDF hat die Glücksliste veröffentlicht. Dass Berlin darin überhaupt auftaucht, ist erstaunlich. Am Ende liegt die Hauptstadt sogar auf Platz 16 (von 19).

Da fühlt man sich doch gleich viel besser.

(Josef Bordat)

20 Jahre Hoffnung

Hier einige Impressionen vom Franziskusfest am 6. Oktober auf „Gut Neuhof“, bei dem gefeiert wurde, dass es die Fazenda schon seit 20 Jahren in Deutschland gibt.

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Das Haupthaus. Foto: JoBo, 10-2018.
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Die Kapelle. Foto: JoBo, 10-2018.
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Nicht nur für die Kleinen interessant: Landwirtschaft auf „Gut Neuhof“. Foto: JoBo, 10-2018.
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Ehemalige und Verantwortliche vor der Kapelle. Foto: JoBo, 10-2018.
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Buntes Bühnenprogramm. Foto: JoBo, 10-2018.
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Franziskanerinnen im Gespräch über ihr Wirken auf der Fazenda. Foto: JoBo, 10-2018.

Einen ausführlichen Bericht über das Jubiläums-Franziskusfest gibt es in der Online-Ausgabe der Tagespost.

(Josef Bordat)

„Hast du, habe ich nur so lange das Recht zu leben, solange wir produktiv sind?“

Clemens August Graf von Galen und sein Kampf gegen das „Euthanasie“-Programm der Nationalsozialisten („Aktion T 4“). – Grußwort anlässlich der Eröffnung der Ausstellung „Töten aus Überzeugung“ zur „Aktion T 4“ am 4. Oktober 2018, 15 Uhr im Caritas-Seniorenwohnhaus „Kardinal von Galen“ in der Goltzstraße 26, 10781 Berlin-Schöneberg.

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich bin gebeten worden, einige Worte zu Clemens August Graf von Galen zu sagen, vor allem zu seiner Rolle im Widerstand gegen die „Aktion T 4“, der diese Ausstellung gewidmet ist. Die „Aktion T 4“ bezeichnet das zynisch „Euthanasie“ genannte Programm zur Vernichtung von etwa 300.000 chronisch kranken und behinderten Menschen, das in der Berliner Tiergartenstraße 4 geplant wurde, daher „T 4“. Gegen dieses menschenverachtende Programm erhob Clemens August Graf von Galen als Bischof von Münster 1941 seine Stimme. In drei wirkmächtigen Predigten mobilisierte er die westfälischen Katholiken.

Der 1878 in Oldenburg geborene und 1904 in Münster zum Priester geweihte Clemens August Graf von Galen war von 1919 bis 1929 als Pfarrer in der Gemeinde Sankt Matthias (Berlin-Schöneberg) tätig. 1933 wurde er zum Bischof von Münster geweiht und 1946 in den Kardinalsstand erhoben, einen Monat vor seinem Tod. Die Aufnahme ins Kardinalskollegium geschah aus Dankbarkeit und als Anerkennung für seine unerschrockene Haltung in der Zeit des Nationalsozialismus. Am 9. Oktober 2005 wurde er von Papst Benedikt XVI. Seliggesprochen. Dass wir also hier und heute an Kardinal von Galen erinnern hat drei Gründe: Er wirkte hier in Sankt Matthias, er wurde vor 13 Jahren seliggesprochen und – das Entscheidende – er hat sich gegen all das gewandt, wovon diese Ausstellung handelt.

Am Tag seiner Bischofsweihe waren die Nazis schon ein halbes Jahr an der Macht, die ersten Konzentrationslager bereits in Betrieb. Das KZ Dachau zum Beispiel. Von Galen wählte als Wahlspruch das Wort Nec laudibus nec timore – „Weder durch Lob noch durch Furcht“. Das ist durchaus programmatisch für den westfälischen Hirten, der sich im Sommer 1941 (am 13. und 20. Juli sowie am 3. August) in drei Predigten gegen die „Aktion T 4“ wandte, was ihm den Beinamen „Löwe von Münster“ eintrug.

In seiner Predigt vom 3. August 1941 kritisiert er die Auffassung der Nazis, man dürfe „lebensunwertes Leben“ töten, weil es unproduktiv sei, wie eine alte Maschine oder ein lahmes Pferd. Der Schrecken über diese Gleichsetzung lässt ihn furchtlos die folgenden unmissverständlichen und darum wirkmächtigen Worte sagen: „Nein, ich will den Vergleich nicht bis zu Ende führen –, so furchtbar seine Berechtigung ist und seine Leuchtkraft! Es handelt sich hier ja nicht um Maschinen, es handelt sich nicht um ein Pferd oder eine Kuh. Nein, hier handelt es sich um Menschen, unsere Mitmenschen, unsere Brüder und Schwestern! Arme Menschen, kranke Menschen, unproduktive Menschen meinetwegen! Aber haben sie damit das Recht auf das Leben verwirkt? Hast du, habe ich nur so lange das Recht zu leben, solange wir produktiv sind, solange wir von den anderen als produktiv anerkannt werden?“

Diese Worte sorgten für Unruhe unter denen, die sie hörten. Sie rüttelten an ihrem Gewissen, sie appellierten an ihre Nächstenliebe. Große Betroffenheit löste Clemens August Graf von Galen mit folgendem Satz aus: „Wenn man den Grundsatz aufstellt und anwendet, dass man den ‚unproduktiven‘ Menschen töten darf, dann wehe uns allen, wenn wir alt und altersschwach werden“. Die Gläubigen verbreiteten die Predigttexte ihres Hirten und schafften damit eine Gegenöffentlichkeit.

Und die Predigten bzw. ihre Verbreitung zeigten Wirkung: Das NS-Regime, das schon ahnte, ein „Euthanasie“-Programm werde in der Bevölkerung nicht besonders populär sein und das deswegen versuchte, die „Aktion T 4“ geheim zu halten, knickte wenig später ein. Bereits am 24. August 1941 – nur drei Wochen nach der dritten Predigt von Galens in St. Lamberti – gab Hitler Anweisung, die „Aktion T 4“ auszusetzen.

Der Historiker Winfried Süß schreibt dazu: „Die kirchlichen Proteste machten Hitler dreierlei deutlich: Erstens demonstrierten sie, dass der sorgsam über die Krankenmorde gelegte Geheimhaltungsschleier irreparabel zerrissen war. Zweitens ließen sie weiteren Widerstand der Kirchen befürchten. Und drittens machten sie deutlich, dass die ,Euthanasieʻ in erheblichen Teilen der Bevölkerung nicht konsensfähig war. So gesehen ist Hitlers Abbruchentscheidung weniger überraschend, als sie auf den ersten Blick scheint.“

Für diese Abbruchentscheidung spielte neben der breiten Rezeption der Predigten von Galens unter den Katholiken auch der Protest von Vertretern der Bekennenden Kirche eine Rolle. Das war also durchaus ein ökumenischer Widerstand. Die „Aktion T4“ wurde insgesamt ein Jahr lang ausgesetzt und dann weniger vehement weiterverfolgt.

Clemens August Graf von Galen sollte für diese Störung des Vernichtungsbetriebs getötet werden – „auf Heller und Pfennig“ wolle man mit ihm abrechnen. Aus Furcht vor noch größerer Unruhe unter den Katholiken im Rheinland und in Westfalen beschloss Reichspropagandaminister Joseph Goebbels jedoch, diese Abrechnung auf die Zeit „nach dem Endsieg“ zu verschieben. Doch dazu kam es nicht – nicht zum „Endsieg“ und nicht zur Abrechnung mit von Galen. Stattdessen gab es 1945 die militärische Niederlage und Kapitulation Deutschlands (und damit das Ende des Nationalsozialismus) und – wie eingangs bereits erwähnt – 1946 für Clemens August Graf von Galen die Kardinalswürde.

Sein beherztes Eingreifen darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die meisten Menschen in Deutschland schwiegen, auch die meisten Christen, auch die meisten Katholiken, dass sie sich von ihrem Gewissen nicht aus dem Gleichgewicht bringen ließen. Nicht zuletzt dies muss uns eine Mahnung sein, die Stimme zu erheben, wenn die Würde des Menschen bedroht ist, etwa dadurch, dass man wieder Rechnungen aufmacht, wie viel uns doch „so ein Behinderter“ kostet, welche Belastung er darstellt für die Gesellschaft.

Ich erlebe solche Bemerkungen auch im aktuellen Diskurs um bioethische Fragen, wo oft genug die rechtzeitige (also: vorgeburtliche) Tötung des (möglicherweise) kranken oder behinderten Menschenlebens als „Erlösung“ angepriesen wird, als „Erlösung“ für das Kind, seine Eltern und die Gesellschaft. Der Wert einer Gesellschaft zeigt sich jedoch auch und gerade an ihrem Umgang mit kranken und behinderten Menschen – der Nationalsozialismus ist hier dramatisch gescheitert. Ich wünsche mir, dass wir heute – auch eingedenk der Erinnerung an dieses Kapitel unserer Geschichte – niemals aus den Augen verlieren, dass dem Menschen Würde zukommt, weil er Mensch ist – nicht, weil er jung, gesund und produktiv ist.

In diesem Sinne wünsche ich der Ausstellung viele interessierte und aufmerksame Besucherinnen und Besucher.

Vielen Dank!

Die Ausstellung ist noch bis zum 29. Oktober 2018 zu sehen. Die Öffnungszeiten sind Mo. – Fr. 9 bis 15 Uhr. Der Eintritt ist frei.

(Josef Bordat)

Starke Frauen!

Elisabeth Schmitz und Margarete Sommer – zwei mutige Frauen der Kirche in der Zeit des Nationalsozialismus

Es ist in diesem Jahr viel von Bernhard Lichtenberg die Rede, anlässlich seines 75. Todestages. Doch vergessen wir darüber nicht zwei Frauen, die in seinem Sinne wirkten, und deren 125. Geburtstag in dieses Jahr fällt: Elisabeth Schmitz (23.8.1893 – 10.9. 1977) und Margarete Sommer (21.7.1893 – 20.6.1965). Sie haben vielen in Nazi-Deutschland verfolgten Juden aktiv geholfen. Beide wurden von der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem als „Gerechte unter den Völkern“ geehrt.

Heute gedenken beide Kirchen ökumenisch dieser mutigen Frauen. Pfarrerin Marion Gardei und Pfarre Lutz Nehk feiern um 18:30 Uhr einen Gottesdienst in der Krypta der Gedenkkirche Maria Regina Martyrum (Heckerdamm 230, Charlottenburg-Nord). Im Anschluss, um 19:30 Uhr, erinnert der Publizist und Journalist Joachim Jauer im benachbarten Evangelischen Gemeindezentrum (Heckerdamm 226) an Margarete Sommer, Elisabeth Schmitz und ihre Unterstützer.

Joachim Jauer schreibt: „Es waren nur wenige Christen, die während der NS-Diktatur ‚im Juden ihren Nächsten erkannten‘, wie der Berliner Dompropst Bernhard Lichtenberg gesagt hat. Die meisten Christen waren Mit-Schweiger im Angesicht des Unrechts, manche waren Mit-Läufer und einige sogar Mit-Täter in Auschwitz. Unter dem Schutz des katholischen Berliner Bischofs Konrad Graf von Preysing halfen Bernhard Lichtenberg und Margarete Sommer den bedrängten Juden mit einem ‚Bischöflichen Hilfswerk‘. Die evangelische Christin Elisabeth Schmitz versteckte und rettete in Berlin mehrere verfolgte Juden. Ihre anklagenden Schriften, die die Verbrechen an den Juden in aller Deutlichkeit anprangerten, wurden sogar von den NS-Gegnern der Bekennenden Kirche kaum beachtet.“

Umso mehr Beachtung sollten sie heute erfahren.

(Josef Bordat)