St. Joseph-Krankenhaus gedenkt der „Euthanasie“-Opfer

In der Tagespost hatte ich davon berichtet: Das St. Joseph-Krankenhaus in Berlin-Weißensee gedachte heute seiner Opfer aus der Zeit des Nationalsozialismus.

Pfarrer Lutz Nehk bei der Einweihung des Gedenksteins. Foto: (c) Bonow.

Den Gottesdienst zur Gedenksteineinweihung gestalteten Pfarrer Lutz Nehk, Beauftragter für Erinnerungskultur und Gedenkstättenarbeit im Erzbistum Berlin, der Rabbiner Professor Andreas Nachama, Direktor der Stiftung Topographie des Terrors, Bernd Streich, Vorsitzender des Diözesanrates der Katholiken im Erzbistum Berlin, Dr. Iris Hauth, Geschäftsführerin und Ärztliche Direktorin des Alexianer St. Joseph-Krankenhaus Berlin-Weißensee zusammen mit dem Ökumenischen Seelsorgeteam des Krankenhauses, Barbara Tieves, Rita-Maria Jermis und Pfarrer Veit Böhnke.

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Rabbiner Professor Andreas Nachama spricht zu den Anwesenden. Foto: (c) Bonow.

(Josef Bordat)

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50 Jahre St. Benedikt-Kirche in Berlin-Lankwitz

Gestern fand im Süden Berlins ein Kirchweihjubiläum statt: Die St. Benedikt-Gemeinde im Steglitz-Zehlendorfer Ortsteil Lankwitz feierte den Weihetag ihrer Kirche vor einem halben Jahrhundert. Zelebrant der Heiligen Messe war Berlins Weihbischof Dr. Matthias Heinrich. In seiner Predigt ging er allgemein auf die Bedeutung des Kirchengebäudes ein.

Eine Kirche, so Heinrich, sei Begegnungsstätte, Botschaftsgebäude und Heilanstalt. In der Kirche sei Begegnung mit Gott und anderen Menschen (der Gemeinde) möglich, von der Kirche gehe die Botschaft aus, dass Gott in der Welt, also bei den Menschen, ist und es werden in der Kirche die Sakramente gespendet, die uns Menschen Zeichen des Heils sind.

(Josef Bordat)

Achse des Katholischen: Münster-Berlin

Zu einem ganz besonderen kirchenhistorischen Ereignis kommt es am Sonntag in Berlin-Schöneberg: Die Gemeinde St. Matthias feiert ihr 150-jähriges Jubiläum, mit dem Bischof von Münster, Dr. Felix Genn. Warum Münster? Mit diesem Bistum verbindet die Gemeinde ihre Gründung und ihre Entwicklung.

Mit seinem Vermächtnis von 20.000 Talern legte der Münsteraner Beamte in preußischen Diensten Matthias Aulike den Anstoß für den Bau der nach St. Hedwig zweiten katholischen Kirche in Berlin nach der Reformation. Bis heute erfüllt der Bischof von Münster auch den anderen letzten Wunsch von Aulike: Er stellt ohne Unterbrechung einen Seelsorger für die Gemeinde, darunter auch den Seligen Clemens August Graf von Galen in den 1920er Jahren.

Um 10 Uhr findet am Sonntag das Festhochamt mit dem Münsteraner Bischof Genn in der ursprünglichen St. Matthias Kirche, seit 1984 Heimat der syrisch orthodoxen Kirchengemeinde Mor Jakob, in der Potsdamer Straße 94, 10785 Berlin statt. Es folgt die Enthüllung einer Gedenktafel und die Große Fronleichnamsprozession zur heutigen St. Matthias-Kirche auf dem Winterfeldplatz.

(Josef Bordat)

Fronleichnam in Berlin

Das Erzbistum Berlin beging gestern Abend das Fronleichnamsfest mit einer Heiligen Messe auf dem Gendarmenmarkt, einer Prozession durch die Mitte Berlins zum Bebelplatz vor die St. Hedwigs-Kathedrale, um dort dann den feierlichen Abschluss zu begehen und noch bei einem Becher Bier beisammen zu sein. Rund 6000 Gläubige waren laut KNA dabei – trotz der zumindest anfänglich belastenden Temperaturen.

Erzbischof Heiner Koch nannte die Prozession ein wichtiges Zeugnis des Glaubens. Damit zeigten die Christen, was der Maßstab ihres Handelns in der Gesellschaft und für sie sei. Es mache deutlich, dass sich die Kirche nicht als geschlossene Gesellschaft verstehe. Wichtig – gerade in Berlin, wo gestern übrigens kein Feiertag war.

Und für alle, die gestern (noch) ratlos am Straßenrand standen, und die „komische Demo“ mit dem Smartphone festhielten, hier ein paar Hinweise:

Wie heißt das: „Frohleichnam“?

Fast. Als Kind dachte ich auch immer, wir feiern „Froh-Leichnam“. So ganz falsch ist das, wie mir heute scheint, nicht: Wir dürfen uns in der Tat des eucharistischen Herrn (des „Fron“) freuen und froh durch die Städte und Dörfer tragen, was uns trägt: Jesus Christus als Brot des Lebens. Insoweit hätte – Linguisten und Germanisten, erschlagt mich! – das mittelhochdeutsche Wort „frô“ (Herr) am Ende vielleicht doch etwas mehr mit unserem Wort „froh“ zu tun als auf den ersten Blick anzunehmen. Übrigens, das Fest heißt auch Hochfest des Leibes und Blutes Christi.

Leib, ja? Echt jetzt?

Ja – echt. Und: jetzt.

Und warum betet ihr dann ein Stück Brot an?

Jesus ist für uns das Brot des Lebens. Er hat es uns selbst gesagt, es ist eine der Ich bin-Offenbarungen aus dem Johannesevangelium: „Ich bin das Brot des Lebens; wer zu mir kommt, wird nie mehr hungern, und wer an mich glaubt, wird nie mehr Durst haben“ (Joh 6, 35). Das Manna, mit dem Gott Sein Volk in der Wüste speist, wird in Christus für alle Menschen erkennbar. In der Gestalt des Brotes hat Gottes Zuspruch im Alten Bund „das Osterlamm vorerklärt“, wie es in der deutschen Fassung der Fronleichnamssequenz Lauda Sion heißt.

Jesus stellt sich mit der Selbstoffenbarung Ich bin das Brot des Lebens in den heilsgeschichtlichen Zusammenhang: Er übernimmt die Funktion des Mannas, rettende Speise zu sein. Darin besteht der Neue Bund. Beim Letzten Abendmahl verdichtet sich dieses Motiv: Christus gibt sich selbst für uns hin, wird selbst zu dem Brot, das Er teilt. Wir wissen: Es bleibt nicht bei der symbolischen Hingabe, sondern sie geschieht tatsächlich. Am nächsten Tag. Am Kreuz.

Gut, Kreuz kenn‘ ich. Aber warum tragt ihr dann ein Stück Brot durch die Gegend?

Weil wir glauben, dass Jesus das Brot des Lebens für alle Menschen ist, wollen wir das auch allen Menschen zeigen und es also der ganzen Welt demonstrieren. Eine katholische Demo heißt auch „Prozession“. Das ist in erster Linie eine Feier. Dennoch hat diese etwas mit einer Demonstration zu tun. Die heilige Hostie wird in einer „Monstranz“ aufbewahrt und gezeigt. Es ist uns wichtig, Jesus in der Gestalt des Brotes, die Er selbst für sich wählte, zu allen Menschen zu bringen.

Deshalb feiern wir in Dankbarkeit auch 2000 Jahre danach täglich die Eucharistie. In jeder heiligen Messe, die katholische Christen feiern, erinnern sie an die liebevolle Hingabe Jesu. An Fronleichnam tun sie es mal ganz öffentlich, auf Straßen und Plätzen. Sie demonstrieren für eine Botschaft, die weit über die Inhalte des katholischen Glaubens hinausweist, denn sie macht uns klar, was der wesentliche Unterschied ist zwischen Geist und Materie.

Wieso denn das schon wieder?

Wenn der Priester uns die Hostie spendet und sagt: „Der Leib Christi“, dann erkennen wir: Die Gaben des Geistes sind unendlich. Sie reichen nicht nur für mich, sondern für alle, die kommen. Mehr noch: Sie vermehren sich und steigern ihren Wert, wenn man sie teilt. Die materiellen Güter hingegen sind endlich und auch nur endlich oft teilbar, ehe sie wertlos werden. Ein Brot, das man wieder und wieder teilt, ist irgendwann ein Haufen Brösel, die keiner mehr essen mag.

Es kann also beim Leib Christi, den wir in der Kommunion empfangen, nicht des Brotes wegen um das Brot gehen, sondern um der Substanz wegen, die sich im Brot über uns alle ausbreitet, die uns erfüllt und von der selbst im kleinsten Partikel der Hostie noch alles da ist. Das ist das tiefe Geheimnis der Gegenwart Gottes unter der Gestalt des Brotes. Heute wollen wir unseren Glauben daran in die Öffentlichkeit tragen und mit der Gesellschaft teilen.

Apropos: Öffentlichkeit. Ist Religion nicht Privatsache?

Nein, zumindest nicht für katholische Christen. Ihr Glaube ist zwar eine persönliche Entscheidung, er kann aber nicht privat bleiben, es sei denn, man scheidet bewusst aus dem öffentlichen Leben aus. Es gibt Religionsgemeinschaften, die genau das ihren Mitgliedern empfehlen. Die Katholische Kirche gehört nicht dazu. Als katholischer Christ beeinflusst mein Glaube unweigerlich mein Leben, wozu auch Entscheidungen gehören, die öffentlich wirksam werden (etwa Wahlentscheidungen). Das lässt sich nicht ganz verhindern.

OK. Aber so eine Riesen-Demo – muss das sein? Hat Jesus nicht selbst zur Zurückhaltung geraten?

Ja, Jesu fordert von uns, unser karitatives und liturgisches Handeln ins Verborgene zu verlagern (vgl. Mt 6). Nicht in den Gassen, nicht an den Straßenecken, gut einsehbar für die Menschen, sollen wir spenden, fasten und beten, sondern unbemerkt, sogar von uns selbst, abgeschieden im Privatissimum, in der Kammer. Christliches Tun soll sich nach dem Willen Jesu still und leise vollziehen. Unsichtbar.

Es wäre nun sehr voreilig, daraus den Schluss zu ziehen, Jesus spräche sich für eine Verdrängung der Religion aus dem öffentlichen Raum aus, wie sie heute oft gefordert wird. Jesus ist kein früher Gewährsmann eines militanten Laizismus. Er setzt vielmehr auf die Differenz zur Gesellschaft: Dort, wo überall in den Gassen, an den Straßenecken, auf den Plätzen öffentlich gebetet wird (so war das zu Seiner Zeit), da kann man den Unterschied machen, indem man mit seinem Gebet im Verborgenen bleibt. Nicht im Sinne von „verschämt“ und „heimlich“, sondern von „in sich“, „persönlich“, „gesammelt“. Heute besteht die Differenz zur Gesellschaft – zumal in einer Stadt wie Berlin – gerade im öffentlichen Gebet, in der Demonstration des Glaubens.

Zudem erkennt Jesus in Seiner Umgebung, dass und wie sich Formen des religiösen Tuns als solche verselbständigen können und es dem, der sie vollzieht, um alles mögliche geht, um Sozialperestige, ein gutes Gefühl oder die Erfüllung einer Standespflicht, aber eben nicht um das, worum es Jesus geht: um die Liebe. Das Gebot der Gottes- und Nächstenliebe soll im Beten und Spenden praxiswirksam werden. Ganz ohne Effekthascherei.

Ach, so.

Ja. Wir dürfen guten Gewissens durch die Städte und Dörfer ziehen und einen Unterschied machen, wenn wir dabei die richtige Haltung einnehmen. Nicht: „Seht her, wie schön unser Blumenschmuck ist, den wir tagelang gestaltet haben!“, sondern: „Seht auf Ihn, der uns zur Liebe ermutigt!“ Und uns eben auch motiviert, die Straßen, über die wir mit Ihm ziehen, so schön wie möglich zu schmücken. Für Ihn.

Na, dann.

Ja.

Ach, so – bevor ich’s vergesse: Noch ein Tipp für die junge Dame, welche die Prozession laut ankeifte: „Ihr seid eine Schande für dieses Land!“ Richtig. Sind wir. Waren wir schon als „dieses Land“ noch Preußen, Deutsches Reich, Großdeutsches Reich oder DDR hieß. Werden wir auch weiterhin sein. Versprochen.

(Josef Bordat)

Herzlichen Glückwunsch!

Pfingsten ist der Geburtstag der Kirche. Und wenn wir alle Teil der Kirche sind, dann dürfen wir uns heute auch als Geburtstagskinder fühlen. Das war der Aufhänger des Ökumenischen Pfingstgottesdienstes im Britzer Garten.


Die Kirche feiert Geburtstag – ein Geschenk für uns alle. Foto: JoBo, 5-2018.

Bei herrlichem Frühsommerwetter kamen gut 200 Menschen auf dem Festplatz des Britzer Gartens zusammen, um an dem von fünf Britzer Gemeinden (u.a. auch von der Katholischen Gemeinde Bruder Klaus) vorbereiteten Gottesdienst teilzunehmen.

Der Ökumenische Pfingstgottesdienst im Britzer Garten findet alljährlich am Pfingstmontag um 11 Uhr statt. Schon mal vormerken!

(Josef Bordat)

Gott im Reihenhaus

Der Tag der offenen Klöster in Berlin

Beim gestrigen Tag der offenen Klöster in Berlin hatte ich die Gelegenheit, zwei eher unbekannte Kongregationen kennenzulernen. Die missionsärztlichen Schwestern und die Helferinnen. Beides eher neuere, kleinere Frauenorden, die kennenzulernen sich sehr gelohnt hat. Und das nicht nur wegen der angebotenen Verpflegung.

Die Kongregation der Helferinnen wurde 1856 von Eugénie Smet gegründet. Ihre Spiritualität ist ignatianisch, allerdings wollen die Helferinnen nicht als „weibliche Jesuiten“ wahrgenommen werden. Ihr eigenständiges Charisma besteht in der tätigen Nächstenliebe. Ohne eigene Einrichtungen zu betreiben, schließen sie sich bestehenden Projekten an und helfen Menschen in besonderen Notsituationen.

Weltweit stehen 470 Schwestern der Gemeinschaft im Dienst am Nächsten. Schwerpunktregion ist Indien und China – hier ganz in jesuitischer Tradition. Aber auch in Amerika, Afrika und Europa sind die Helferinnen aktiv. In Berlin sind sie momentan zu zweit. Die deutsche Hauptstadt ist die jüngste „Klostergründung“ der Kongregation – erst seit einem Jahr leben die beiden Schwestern in einer Lichtenberger Wohnung.

Die missionsärztlichen Schwestern sind in Berlin schon etwas länger und zahlreicher, so dass sie ein Reihenhaus in Biesdorf bewohnen. Auch das ist freilich weit weg von der Vorstellung eines klassischen Klosters mit Pforte, Refektorium, Kirche und Brauerei. Seit 1992 wirken die fünf Schwestern mit drei Assoziierten in Berlin, kritisch beäugt von einigen Nachbarn in der Einfamilienhaussiedlung.

„Einige Zugezogene dachten, wir sind eine Sekte“, meint eine der Schwestern schmunzelnd, „aber dann haben die, die uns schon kennen, gesagt: ‚Die Mädels sind in Ordnung!‘ und dann war es auch schon wieder gut“. Dennoch bleibt man in der Siedlung eher auf Distanz zu den Schwestern, kann nicht wirklich einordnen, was das bedeutet, dort am Klingelschild: „Kongregation“.

Die missionsärztlichen Schwestern wurden 1925 von der aus Österreich stammenden US-amerikanischen Ärztin Anna Dengel gegründet. Dabei sind nicht nur Medizinerinnen im Orden tätig – „heilen“ meint mehr als „gesund werden“. Ihr Wirken erstreckt sich denn auch auf viele Bereiche der karitativ-sozialen Arbeit. Auch die insgesamt etwa 500 missionsärztlichen Schwestern sind global tätig. Zudem gehören noch etwa 100 Frauen und Männer als Assoziierte zur Gemeinschaft.

Die Kongregation der missionsärztlichen Schwestern und die Kongregation der Helferinnen – zwei Beispiele für junge, wachsende Frauenorden im 21. Jahrhundert, deren Mitglieder mitten im Leben stehen und ihren Mitmenschen auf vielfältige Weise helfen, Heilung und Heil zu finden.

(Josef Bordat)