Gott im Reihenhaus

Der Tag der offenen Klöster in Berlin

Beim gestrigen Tag der offenen Klöster in Berlin hatte ich die Gelegenheit, zwei eher unbekannte Kongregationen kennenzulernen. Die missionsärztlichen Schwestern und die Helferinnen. Beides eher neuere, kleinere Frauenorden, die kennenzulernen sich sehr gelohnt hat. Und das nicht nur wegen der angebotenen Verpflegung.

Die Kongregation der Helferinnen wurde 1856 von Eugénie Smet gegründet. Ihre Spiritualität ist ignatianisch, allerdings wollen die Helferinnen nicht als „weibliche Jesuiten“ wahrgenommen werden. Ihr eigenständiges Charisma besteht in der tätigen Nächstenliebe. Ohne eigene Einrichtungen zu betreiben, schließen sie sich bestehenden Projekten an und helfen Menschen in besonderen Notsituationen.

Weltweit stehen 470 Schwestern der Gemeinschaft im Dienst am Nächsten. Schwerpunktregion ist Indien und China – hier ganz in jesuitischer Tradition. Aber auch in Amerika, Afrika und Europa sind die Helferinnen aktiv. In Berlin sind sie momentan zu zweit. Die deutsche Hauptstadt ist die jüngste „Klostergründung“ der Kongregation – erst seit einem Jahr leben die beiden Schwestern in einer Lichtenberger Wohnung.

Die missionsärztlichen Schwestern sind in Berlin schon etwas länger und zahlreicher, so dass sie ein Reihenhaus in Biesdorf bewohnen. Auch das ist freilich weit weg von der Vorstellung eines klassischen Klosters mit Pforte, Refektorium, Kirche und Brauerei. Seit 1992 wirken die fünf Schwestern mit drei Assoziierten in Berlin, kritisch beäugt von einigen Nachbarn in der Einfamilienhaussiedlung.

„Einige Zugezogene dachten, wir sind eine Sekte“, meint eine der Schwestern schmunzelnd, „aber dann haben die, die uns schon kennen, gesagt: ‚Die Mädels sind in Ordnung!‘ und dann war es auch schon wieder gut“. Dennoch bleibt man in der Siedlung eher auf Distanz zu den Schwestern, kann nicht wirklich einordnen, was das bedeutet, dort am Klingelschild: „Kongregation“.

Die missionsärztlichen Schwestern wurden 1925 von der aus Österreich stammenden US-amerikanischen Ärztin Anna Dengel gegründet. Dabei sind nicht nur Medizinerinnen im Orden tätig – „heilen“ meint mehr als „gesund werden“. Ihr Wirken erstreckt sich denn auch auf viele Bereiche der karitativ-sozialen Arbeit. Auch die insgesamt etwa 500 missionsärztlichen Schwestern sind global tätig. Zudem gehören noch etwa 100 Frauen und Männer als Assoziierte zur Gemeinschaft.

Die Kongregation der missionsärztlichen Schwestern und die Kongregation der Helferinnen – zwei Beispiele für junge, wachsende Frauenorden im 21. Jahrhundert, deren Mitglieder mitten im Leben stehen und ihren Mitmenschen auf vielfältige Weise helfen, Heilung und Heil zu finden.

(Josef Bordat)

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Der Schublade entkommen

Folgende Passage einer Rezension von Benedikt Poetsch zum „Sündenregister“ hat mir besonders gefallen: „Ist der Autor denn jetzt konservativ oder liberal? Zunächst: Das Buch ist kein wissenschaftliches; es ist zwar gut informiert und recherchiert geschrieben, aber es verzettelt sich nicht in der Diskussion fachspezifischer Detailfragen, es beansprucht keine wissenschaftliche Präzision; es beinhaltet Zuspitzungen und bemüht sich nicht, den Stil persönlich gehaltener Essays zu verlassen. Es trägt eine persönliche Färbung an sich, die aber seinen Wert nicht mindert. Bordat tritt in keine philosophischen oder theologischen Schulstreitigkeiten ein. Auch innerkirchliche Zwistigkeiten spielen für ihn keine Rolle. Er kann ebenso die Institution des ZDK loben (vgl. 47f) wie unbefangen für die katholische Sexualmoral (vgl. 215-221) eintreten. Er zitiert Johannes Paul II. ebenso wie Benedikt XVI. oder Franziskus, H. U. von Balthasar ebenso wie K. Rahner oder H. Küng. Eine einfache Etikettierung ist für ihn also nicht möglich. Insgesamt lässt sich sagen: Das Buch ist lehramtstreu, aber darüber hinaus nicht klar irgendeinem kirchlichen „Lager“ zuzuordnen. Das ist angesichts der Vielzahl polarisierender Kräfte in der Kirche erfrischend, weil darin, mit Benedikt XVI. gesagt, der Glaube als ‚positive Option‘ aufscheint, als ein Licht eben, wie es das Titelbild des Buches anschaulich darstellt.“

Gerade noch mal dem zermürbenden Richtungsstreit ausgewichen und es sich zwischen den Stühlen bequem gemacht! Von dort scheint man nicht die schlechteste Perspektive auf Geschichte und Gegenwart der Kirche zu haben. Eduard Werner meint in seiner heute erschienenen Besprechung für das Forum Deutscher Katholiken sogar: „Vor allem der Religionsunterricht könnte von diesem Buch profitieren“. Das freut mich natürlich sehr. Ich stehe übrigens in Berlin und Potsdam auch gern für einen Besuch im Religionsunterricht zur Verfügung. Sprechen Sie mich einfach an (per E-Mail, Adresse unter „Impressum“).

(Josef Bordat)

Martin Luther King

Vor 50 Jahren wurde Martin Luther King, ein US-amerikanischer Baptistenpastor und Bürgerrechtler, bei einem Attentat in Memphis, Tennessee erschossen.

Martin Luther King gilt als einer der herausragenden Vertreter im Kampf gegen Unterdrückung und soziale Ungerechtigkeit und war zwischen Mitte der 1950er und Mitte der 1960er Jahre der bekannteste Sprecher des Civil Rights Movement, der US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung der Afroamerikaner. Er propagierte den zivilen Ungehorsam als Mittel gegen die politische Praxis der Rassentrennung (Racial segregation) in den Südstaaten der USA und nahm an entsprechenden Aktionen teil.

Wesentlich durch Kings Einsatz und Wirkkraft ist das Civil Rights Movement zu einer Massenbewegung geworden, die schließlich erreicht hat, dass die Rassentrennung gesetzlich aufgehoben und das uneingeschränkte Wahlrecht für die schwarze Bevölkerung der US-Südstaaten eingeführt wurde.

Etwa dreieinhalb Jahre vor seiner Ermordung war Martin Luther King in Berlin. Am 12. September 1964, empfing ihn der damalige Regierende Bürgermeister von Berlin, Willy Brandt, im Rathaus Schöneberg. Dort, wo etwas mehr als ein Jahr zuvor US-Präsident John F. Kennedy seine berühmte Rede hielt („Ich bin ein Berliner!“), trug sich nun sein Landsmann ins Goldene Buch der geteilten Stadt ein.

Martin Luther King erhielt am 12. September 1964 auch die Ehrendoktorwürde der Kirchlichen Hochschule in Berlin-Zehlendorf, die nach dem Zweiten Weltkrieg als theologische Hochschule der evangelischen Kirche gegründet wurde; der Lehrbetrieb der „KiHo“ wurde 1992 eingestellt.

Am darauffolgenden Tag predigte Martin Luther King sowohl in der Waldbühne (in Berlin-West) als auch in der Marienkirche am Alexanderplatz und der Sophienkirche (beide in Berlin-Ost). Der Bürgerrechtler hatte sich spontan zu einem Besuch des Ostteils der Stadt entschlossen. Seine Botschaft: „Keine von Menschenhand gebaute Mauer wird auf Dauer bestehen.“

Ebenfalls am 13. September 1964 hielt er in der Philharmonie (in Berlin-West) eine Gedenkrede anlässlich der Ermordung John F. Kennedys im Vorjahr. Volles Programm für den Berlin-Besucher, der wenige Wochen später noch einmal nach Europa reiste: Am 11. Dezember bekam Martin Luther King in Oslo den Friedensnobelpreis verliehen – für sein Engagements für soziale Gerechtigkeit.

(Josef Bordat)

Kreuz und Gewissen. Der Bußgang der Berliner Katholiken

Beim Bußgang steht traditionell das Kreuz im Mittelpunkt. Ihm folgen die Teilnehmer – im übertragenen und im wörtlichen Sinne. Der Bußgang der Berliner Katholiken stand in diesem Jahr unter dem Leitmotiv „Dem Gewissen folgen“. Dass dies für Christen kein Widerspruch ist, hängt damit zusammen, dass der Gekreuzigte mit seiner Botschaft das Gewissen formt.

Dem Gewissen folgen. Foto: JoBo, 3-2018.

Das hat der Selige Bernhard Lichtenberg mit seinem mutigen Einstehen für alle „Nichtarier“ eindrucksvoll gezeigt. Daher ist das Leitmotiv des Bußgangs mit Blick auf den Berliner Dompropst gut gewählt. Das Gewissen steht im Zentrum des vor 75 Jahren in der Haft verstorbenen Kirchenmanns.

Lichtenberg selbst beschreibt seine Haltung beim Verhör in der Gestapo-Zentrale mit Worten, die einer Definition von „katholischem Gewissensgebrauch“ recht nahe kommen: „Ich kann als katholischer Priester nicht von vornherein zu jeder Verfügung und Maßnahme, die von der Regierung getroffen wird, Ja und Amen sagen. Wenn sich die Tendenz derartiger Regierungsverfügungen und Maßnahmen gegen die geoffenbarte Lehre des Christentums und damit gegen mein priesterliches Gewissen richtet, werde ich meinem Gewissen folgen und alle Konsequenzen mit in Kauf nehmen, die sich daraus für mich persönlich ergeben“.

Prälat Stefan Dybowski. Foto: JoBo, 3-2018.

In seiner kurzen Predigt an der ersten Statio in St. Clemens geht Prälat Stefan Dybowski auf den Schlüsselbegriff Gewissen ein. Die Quellen der Gewissensbildung, der Mut zum Gewissensgebrauch, die Einsamkeit dessen, der dem Gewissen folgt.

Zweimal macht der Bußgang noch Halt, an der Topographie des Terrors, wo einst die Gestapo-Zentrale stand, und am Holocaust-Mahnmal, das an die Ermordung von sechs Millionen Juden durch das NS-Regime erinnert, ehe die rund 500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer in der St. Hedwigs-Kathedrale eintrafen, um Eucharistie zu feiern und am Grab Bernhard Lichtenbergs zu beten.

Statio am Holocaust-Mahnmal. Foto: JoBo, 3-2018.

Zelebrant Tobias Przytarski hob in seiner Predigt noch einmal hervor, dass die Kraft, dem Gewissen zu folgen, beim Seligen Bernhard Lichtenberg aus dem Glauben, aus der Liebe kam. Mit der Hilfe Gottes habe Lichtenberg die Menschen unterschieds- und bedingungslos lieben können, mit einer Liebe, die größer war als die Angst und die Sorge um die Freiheit, die Gesundheit, das eigene Leben.

Das Kreuz in der St. Hedwigs-Kathedrale. Foto: JoBo, 3-2018.

Für Bernhard Lichtenberg war die Sache klar: Das NS-Regime gehört bekämpft, auch wenn dieser Kampf ein einsamer ist, der Freiheit, Gesundheit und schließlich das Leben kostet. Lichtenberg gab bei der Gestapo zu Protokoll: „Ich bekämpfe falsche Grundsätze, aus welchen falsche Taten entstehen müssen, man denke an Beseitigung des Religionsunterrichts aus den Schulen, Kampf gegen das Kreuz, Beseitigung der Sakramente, Verweltlichung der Ehe, absichtliche Tötung angeblich lebensunwerten Lebens (Euthanasie), Judenverfolgung usw.“.

Einiges davon ist historisch, die Judenverfolgung etwa, anderes aus der Liste ist bis heute (oder heute wieder) eine Herausforderung für das katholisch geformte Gewissen. Bernhard Lichtenberg hat uns den Weg gewiesen, indem er ihn ging, in der Nachfolge Christi. Immer dem Gewissen nach. Und dem Kreuz.

(Josef Bordat)

„Dem Gewissen folgen“

Bußgang der Berliner Katholiken und „24 Stunden für den Herrn“

Am Samstag, dem 10. März 2018, findet ab 16 Uhr der Bußgang der Berliner Katholiken mit neuer Route durch Kreuzberg und Mitte statt.

Auftakt bildet erneut die Aktion „24 Stunden für den Herrn“. Diese Initiative, die von Papst Franziskus ins Leben gerufen wurde, beginnt am Freitag, 9. März 2018, um 18 Uhr in St. Clemens (Stresemannstraße 66, 10963 Berlin). Durch die Nacht hindurch wird mit Gebeten und Musik gefeiert.

Die „24 Stunden“ münden in den Bußgang, der in St. Clemens beginnt und über die Gedenkstätte Topographie des Terrors und das Holocaust-Mahnmal zur St. Hedwigs-Kathedrale (Bebelplatz, Berlin-Mitte) führt.

Dort findet eine Eucharistiefeier mit Dompropst Prälat Tobias Przytarski statt, anschließend besteht die Gelegenheit zu persönlichem Gebet am Grab des Seligen Bernhard Lichtenberg, dessen Todestag sich in diesem Jahr zum 75. Mal jährt. Bernhard Lichtenbergs mutiges Handeln aus Gewissensgründen ist bereits Thema einer Fastenpredigtreihe.

(Josef Bordat)

Verschonungspluralismus

Ich habe ein neues Wort gelernt: „Verschonungspluralismus“. Pater Tobias Zimmermann SJ, Leiter des Canisius-Kollegs, hat es in einem Pressebericht verwendet, in dem es darum ging, dass er eine Lehrerin muslimischen Glaubens eingestellt hatte, die mit Kopftuch unterrichtet, gegen das Berliner Neutralitätsgesetz, das an der katholischen Privatschule nicht gilt. Verschonungspluralismus meint den Umstand, dass wir einerseits alles (oberflächlich) tolerieren, andererseits aber die ernsthafte Auseinandersetzung damit scheuen. Etwa mit der Religion des Anderen. „Verschon‘ mich bitte, ich tolerier‘s ja schon!“ Eine ignorante Neutralität mache sich damit breit, so der Jesuit.

Dabei ist die Sache eigentlich klar: Der Begriff von Religionsfreiheit, wie sie im Grundgesetz steht, umfasst nicht das Recht, einen Anspruch auf eine religionslose Öffentlichkeit zu erheben, in der einem nichts mehr begegnen kann, das einem weltanschaulich fremd ist. Unsere Religionsfreiheit ist keine verfassungsrechtliche Basis des Verschonungspluralismus, sondern erfordert in Gestalt der Ausübungsfreiheit ganz im Gegenteil einen „Konfrontationspluralismus“: Es gibt offensichtlich vieles, das anders ist, als ich es gerne hätte, und ich kann nicht verlangen, dass es aus meinem Blickfeld verschwindet, denn der Andere hat das Recht, es zu zeigen. Auch öffentlich, auch mir.

Den Umgang mit dieser Religionsausübungsfreiheit einzuüben, ist eigentlich ein Auftrag, der insbesondere an die Schule geht. Dort die Neutralität zu verordnen, ist ungeeignet, Schülerinnen und Schüler auf unsere plurale Gesellschaft vorzubereiten – zumal in Berlin. Mit der Pluralität, vor der sie im wichtigsten Jahrzehnt ihrer sozialen Entwicklung geschützt werden, können sie dann, wenn sie in Studium und Beruf auf sie zu kommt, nichts anfangen. Es droht die Gefahr, dass sie darauf hysterisch reagieren oder sich in ihre Milieus zurückziehen, in denen sie ausschließlich Bestätigung erfahren. Ironischerweise begünstigt die staatlich verordnete Neutralität also den Fanatismus und das Sektierertum. Ergo: Wir können uns keinen Verschonungspluralismus leisten.

(Josef Bordat)

Jugendband-Projekt der Evangelischen Kirchengemeinde in Berlin-Tiergarten

Die Evangelische Kirchengemeinde Berlin-Tiergarten möchte ein Bandprojekt für Jugendliche starten! Wir haben schon ein (fast) komplettes Schlagzeug, Akustik-Gitarren und Verstärker. Was wir für eine richtige Band aber noch brauchen, sind eine E-Gitarre und ein E-Bass. Und dann fehlt es ja immer an den Kleinigkeiten: Kabel, Schlagzeugsticks, Notenständer… Außerdem wollen wir uns den Bandraum richtig schön machen, dafür brauchen wir ordentliche Elektrik, müssen den Keller neu gestalten und mit Schallschutz auskleiden.

Um diese Dinge beschaffen zu können, braucht das Projekt Geld und nimmt daher an der Sparkassen-Aktion zur Unterstützung sozialer Projekte teil. Nur die 50 Projekte mit den meisten Stimmen erhalten die Förderung. Bitte helfen Sie den Jugendlichen der Evangelischen Gemeinde Tiergarten mit Ihrem Votum! Hier können Sie abstimmen.

Es braucht aber nicht nur Geld, sondern auch helfende und fachkundige Hände. Ehrenamtliche sind also herzlich willkommen! Und ganz besonders freuen wir uns natürlich über Jugendliche, die Spaß an Musik haben und gerne mitmachen wollen – weitersagen lohnt sich also! Angeleitet von einem professionellen Musiker kann bei uns jede und jeder mitmachen – vom Anfänger bis zum Profi. Denn Ausprobieren ist ausdrücklich erlaubt: Es kommt darauf an, was ihr draus macht! Bei uns zählt die Musik und deshalb bieten wir ganz kostenlos die Möglichkeit, mit anderen zusammen zu musizieren.

(Josef Bordat)