Glauben heißt bleiben

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wie mich der Vater geliebt hat, so habe auch ich euch geliebt. Bleibt in meiner Liebe! Wenn ihr meine Gebote haltet, werdet ihr in meiner Liebe bleiben, so wie ich die Gebote meines Vaters gehalten habe und in seiner Liebe bleibe. Dies habe ich euch gesagt, damit meine Freude in euch ist und damit eure Freude vollkommen wird. (Joh 15, 9-11)

In der kurzen Perikope, die heute als Tagesevangelium gelesen wird, fallen drei Substantive auf: Gebot, Liebe, Freude. Sie stehen in einem inneren Zusammenhang, lassen sich nicht gegeneinander ausspielen. In Liebe verbunden mit Christus sollen wir seinem Vorbild folgen und Gottes Gebote halten, die für uns aus Liebe erlassen wurden, damit wir Freude haben, die über oberflächlichen Spaß hinausgeht.

Ebenso fällt ein Verb auf: bleiben, in der Liebe bleiben. Das ist gerade heute ein Schlüsselbegriff des Glaubens. Bleiben wir? In der Liebe, im Gebot, in der Kirche. Oder verlassen wir die Kirche, weil wir meinen, in ihr zu wenig Liebe zu finden und zu viel Gebot? Ich meine dabei noch nicht mal das menschliche Versagen von Priestern oder Gemeindeferentinnen, das die Verkündigung vernebelt, ich meine schon die Verkündigung selbst, die Botschaft. Auch da ist uns oft einiges nicht ganz klar.

Entscheidend ist dann, wie wir damit umgehen. Bleiben wir, versuchen wir zu verstehen? Sind wir bereit, das Unverstandene anzunehmen, ja, das „Unerträgliche“. Es anzunehmen, es zu ertragen im Glauben an eine Vernunft, die unseren Verstand übersteigt? Bleiben wir? Oder sind wir dann weg?

(Josef Bordat)