Gehorsam und Gewissen

„Du sollst Gott mehr gehorchen als den Menschen“ (Apg 5, 29).

Die heutige Lesung stellt uns das Grundprinzip christlichen Gewissensgebrauchs vor Augen: Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen. Die Jünger stehen vor der herrschenden religiösen Obrigkeit, weil sie deren Anordnungen missachteten – zugunsten der Anweisungen von „höherer Stelle“, von Gott. Sie rechtfertigen sich mit dem unbedingten Mandat Gottes, der sie zu Zeugen seiner Herrlichkeit gemacht hat.

Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen – das ist nicht die trotzige Reaktion von Querulanten, die sich wichtig tun, sondern eine zentrale Einsicht der jungen christlichen Gemeinde, eine Einsicht, die Mut machen soll, treu im Glauben zu stehen und die Verfolgungssituation zu ertragen, die sich in den ersten drei Jahrhunderten einstellte, überall dort, wo Christen lebten.

Für uns heutige Christen sollte dies ein Motiv sein, unseren Glauben mutig zu bekennen, trotz neuerlicher Verfolgung:Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen. Das ist sicher leichter gesagt als getan, doch führt letztlich kein Weg am Gehorsam gegen Gott vorbei. Denn es ist für den Christen der Gehorsam gegen das Gewissen, gegen das Innerste, Tiefste, Heiligste.

Umgekehrt gilt: Wer als Christ dem Menschen mehr gehorcht als Gott, mag sein Ansehen in einer gottlosen Gesellschaft aufpolieren oder gar seine Existenz retten – glücklich kann er im Leben nicht mehr werden.

(Josef Bordat)

Advertisements

Thomas, einer der Zwölf

Am Abend aber dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger versammelt und die Türen verschlossen waren aus Furcht vor den Juden, kam Jesus und trat mitten unter sie und spricht zu ihnen: Friede sei mit euch! Und als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen die Hände und seine Seite. Da wurden die Jünger froh, dass sie den Herrn sahen. Da sprach Jesus abermals zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Und als er das gesagt hatte, blies er sie an und spricht zu ihnen: Nehmt hin den Heiligen Geist! Welchen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; und welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten. Thomas aber, der Zwilling genannt wird, einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam. Da sagten die andern Jünger zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er aber sprach zu ihnen: Wenn ich nicht in seinen Händen die Nägelmale sehe und meinen Finger in die Nägelmale lege und meine Hand in seine Seite lege, kann ich’s nicht glauben. Und nach acht Tagen waren seine Jünger abermals drinnen versammelt und Thomas war bei ihnen. Kommt Jesus, als die Türen verschlossen waren, und tritt mitten unter sie und spricht: Friede sei mit euch! Danach spricht er zu Thomas: Reiche deinen Finger her und sieh meine Hände, und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig! Thomas antwortete und sprach zu ihm: Mein Herr und mein Gott! Spricht Jesus zu ihm: Weil du mich gesehen hast, Thomas, darum glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben! Noch viele andere Zeichen tat Jesus vor seinen Jüngern, die nicht geschrieben sind in diesem Buch. Diese aber sind geschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben das Leben habt in seinem Namen. (Johannes 20, 19-31)

Thomas ist der Apostel mit dem wohl modernsten Zugang zum Herrn: Er glaubt nur, wenn er den empirischen Beweis für den Inhalt des Glaubens erhält. Als die anderen Jünger ihm von ihrer Begegnung mit dem Auferstandenen berichten, entgegnet er: „Wenn ich nicht die Male der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in die Male der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht.“ (Joh 20, 25) Wer wollte ihm diesen Zweifel verdenken? Am wenigsten wohl die Kirche, deren bedeutendste Heilige die Anfechtung des Zweifels kennen lernten.

Seit Bacons methodologischer Begründung der modernen Naturwissenschaft, die ihren Erkenntnisgewinn auf der Basis sinnlicher Erfahrung erzielt, glauben Menschen, von der Welt nur noch das wissen zu können, was sich an ihr hic et nunc wahrnehmen lässt. Der moderne Mensch neigt dazu, sich durch Reduktion auf die Erfahrungsqualität einen sehr schlichten Bezug zur Immanenz der Welt aufzubauen und die Beziehung zur Transzendenz abzubrechen. So kann er sich der Zweifel entledigen, die mit dem religiösen Glauben für ein Sinnenwesen notwendig verknüpft sind. Manche meinen gar, durch die Verbindung von Erfahrung und Erkenntnis zu wissen, dass man gar nicht glauben kann, was sich nicht sinnlich erfassen lässt.

Thomas erhält auf seine zweifelnde Anfrage eine Antwort in gleicher Münze: eine sinnliche Erfahrung. Jesus sagt ihm: „Streck deinen Finger aus – hier sind meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!“ (Joh 20, 27). Thomas’ Glaube („Mein Herr und mein Gott!“, Joh 20, 28) ist Resultat dieser Erfahrung („Jesus sagte zu ihm: Weil du mich gesehen hast, glaubst du.“, Joh 20, 29). Wie groß ist unsere Sehnsucht nach solch einer Erfahrung, die alle Zweifel ein für alle mal beseitigt! Doch Jesus selbst erteilt ihr eine Absage: „Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.“ (Joh 20, 29).

Was wäre das auch für ein „Glaube“, wenn ihm die gleiche epistemische Gewissheit innewohnte wie der Erkenntnis, dass Gras grün ist! Und: Wären wir wirklich einen Schritt weiter, wenn wir eine direkte sinnliche Erfahrung Gottes machten? Würden wir nicht eher an unserem Verstand zweifeln, als uns dadurch des Glaubens vergewissern zu können? Gotteserfahrung geht anders, sie ist mittelbar, verschleiert, schwer verständlich. Sie lässt Raum für Zweifel – und Glauben. Die biblische Offenbarung kann eine Quelle dieser Erfahrung sein, die Kirche mit ihren Heiligen, aber auch der Mitmensch, durch den Gott uns anspricht. Dem „Thomas in uns“, der nach Gewissheit schreit, lässt sich sagen: Gott darf nicht bewiesen werden, selbst wenn dies leicht wäre. Gott muss bezeugt werden, auch wenn es schwer fällt.

Ebenso sollten die Kommunionkinder, die heute vielerorts zum ersten Mal an den Tisch des Herrn treten, in dem Bewusstsein aufwachsen, dass Zweifel nicht nur erlaubt, sondern wichtig sind, den Glauben zu stärken, indem er immer wieder neu auf eine höhere Ebene gehoben wird. Denn Glaubensleben ist auch Erkenntnisfortschritt. Erkennen vollzieht sich aber nicht nur im empirischen Forschen der Wissenschaft, sondern auch in der immer volleren Lebenserfahrung des reifenden Menschen und in der immer tieferen geistigen Betrachtung.

(Josef Bordat)

Pontius Pilatus

In der Passionsgeschichte spielt ein Mann eine besondere Rolle, der – neben Maria – als einziger Mensch im Apostolischen Glaubensbekenntnis erwähnt wird: Pontius Pilatus.

Statthalter Pilatus ist zum Zeitpunkt des Prozesses gegen Jesus von Nazareth kein unbeschriebenes Blatt. Mit harter Hand regiert er die Unruheprovinz Judäa bereits seit mehreren Jahren. Eiserne Strenge und rohe Gewalt halten ihn insgesamt zehn Jahre lang an der Macht. Der Evangelist Lukas berichtet davon, daß Pilatus zu Jesu Lebzeiten auf Erden eine Gruppe Galiläer „beim Opfern umbringen ließ, sodaß sich ihr Blut mit dem ihrer Opfertiere vermischte“ (Lk 13, 1). Auch nach der Kreuzigung Jesu geht die Ära Pilatus weiter. Bis zum Jahr 36 ist er Statthalter. Abgesetzt wird er, weil sein brutales Vorgehen in Rom nicht mehr hingenommen werden konnte. Wegen diverser Vergehen soll sich Pilatus vor dem Römischen Kaiser Tiberius rechtfertigen. Philo von Alexandria listet die Anklagepunkte auf: Bestechung, Beleidigung, Raub, Gewalttätigkeit, Zügellosigkeit, wiederholte Hinrichtungen ohne juristisches Verfahren, konstante Ausübung von extrem leidvoller Grausamkeit. Zum Prozeß kam es aber nie: Als Pilatus in Rom eintraf, war Tiberius schon verstorben. Was dann mit Pilatus geschah, ist unbekannt.

Bekannt sein sollte allerdings, daß die vielen wohlwollenden Charakterisierungen des Pontius Pilatus in den diversen Verfilmungen der Passion Christi als ein besonnener, nachdenklicher, gerechtigkeitsvernarrter Politiker, der im Fall des Jesus von Nazareth erst vom jüdischen Mob zu einem Todesurteil verleitet werden muß, wohl deutlich an der historischen Wahrheit vorbeigehen. Das Todesurteil gegen Jesus ist eines von mehreren, das an diesem Tag vollstreckt wird, vermutlich war es auch nicht das einzige, das Pilatus an diesem Tag sprach. In gewissem Sinne gehörten Todesurteile zur Routine des Statthalterjobs.

Nikolai Nikolajewitsch Ge: Was ist Wahrheit? Christus und Pilatus, 1890. Tretjakow-Galerie, Moskau.

Insbesondere, wenn es um Wanderprediger ging, die das Volk vermeintlich oder tatsächlich gegen Rom aufhetzten, wurde sehr oft die Todesstrafe vollstreckt, zumeist durch Kreuzigung, eine von den Phöniziern übernommene Hinrichtungsmethode. Zunächst zur Abschreckung gegen Sklaven angewandt (nach dem gescheiterten Aufstand unter Spartakus werden 71 v. Chr. 6000 Sklaven gekreuzigt), dann als Standardmethode bei der Hinrichtung von Nichtrömern, gehörten Kreuzigungen in der römischen Militärdiktatur zum Alltag. Während des Jüdischen Krieges (im Jahre 70) ging bei über 500 Kreuzigungen täglich zeitweilig sogar das Holz für die Kreuze aus. Römische Bürger sollten von den grausamen Kreuzigungen nichts mitbekommen. Cicero notiert: Nomen ipsum crucis absit non modo a corpore civium Romanorum, sed etiam a cogitatione, oculis, auribus. (Pro C. Rabirio perduellionis reo; 5, 16. – Zu deutsch: „Was Kreuz heißt, soll nicht nur vom Leib der römischen Bürger fernbleiben, sondern auch schon von ihrer Wahrnehmung, ihren Augen und Ohren.“). Dennoch wurden wohl vereinzelt auch Römer gekreuzigt. (aus: Credo. Wissen, was man glaubt, S. 88-90).

(Josef Bordat)

Verlassenheit und Vollendung

Jesus stirbt. Er schreit: „Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?“ Er, der sich ein Leben lang wie kein Anderer auf Gott verlassen hat, fühlt sich von Gott verlassen. Es drängt sich die Frage auf: Hat sich Gott von den Menschen zurückgezogen? Diese Annahme begegnet uns etwa bei Dietrich Bonhoeffer. So schreibt er in einem Brief vom 16. Juli 1944: „Vor und mit Gott leben wir ohne Gott. Gott läßt sich aus der Welt herausdrängen ans Kreuz, Gott ist ohnmächtig und schwach in der Welt.“ Weil wir Ihn ablehnen, reagiert Er mit Rückzug.

Dann aber ruft Jesus: „Es ist vollbracht.“ Das klingt schon anders. Die Verzweiflung, die sich in Psalm 22 ausdrückt weicht einem fast schon triumphalen Bewusstsein der Vollendung. Aus der Verlassenheit des Menschen wird die Gelassenheit Gottes, der Sein Erlösungswerk besiegelt. Der Theologe Heinrich Fries sagt zu dieser Ambivalenz: „Das Kreuz ist das Zeichen all dessen, was unser Leben durchkreuzt; was in Verlassenheit, Leiden und Tod gipfelt. Es ist nicht der Ort der Abwesenheit, sondern der Anwesenheit Gottes.“

Abwesenheit und Anwesenheit zugleich, Verlassenheit und Vollendung berühren sich, Leid und Heil, Tod und Leben. In dem Moment, in dem der Herr Seinen Geist aufgibt, beginnt das Programm, das später als Christentum bekannt werden sollte: der Vorhang des Tempels zerreißt, der Hauptmann bekennt sich. Juden und Heiden sind betroffen, sakrale und säkulare Systeme. Nichts hält stand, als Gott den Neuen Bund besiegelt – kein äußeres Gebäude aus Stein, kein inneres aus Gedanken.

Verlassenheit und Vollendung – beides fällt im Tod zusammen: Das Verlassen dieser Welt und die Vollendung in Gott. Jesus Christus vollendet mit seinem Tod am Kreuz nicht nur sich, Er vollbringt mehr: Er vollendet die Welt, die Er verlässt. Dies geschieht, indem Gott selbst in und durch Christus seine Ewigkeit verlässt, Seine himmlische Unantastbarkeit, um aus Liebe menschliches Leid bis zur Konsequenz des Todes nachzufühlen, um uns in Sterben und Tod ganz nah zu sein. Und auch in den tiefsten Abgründen des Lebens, in denen wir Verlassenheit spüren.

Gott ist in Jesus Christus bei uns, wenn wir leiden, wenn wir sterben. Das ist gewiss. So gibt es kein sinnloses Leid und keinen sinnlosen Tod, weil alles im Kreuz aufgehoben ist, im Leid der Gottverlassenheit, das größer ist als jedes andere Leid, und in der Vollendung des Lebens, die bedeutender ist als jede andere Vollendung, weil sie vollbringt, dass der Tod zum Tor wird – aufgestoßen zu neuem, ewigem Leben.

(Josef Bordat)

Drei Vorbilder im Glauben

Schadrach, Meschach, Abed-Nego. Drei Männer stehen vor König Nebukadnezzar, weil sie ihre Glaubensüberzeugung nicht aufgeben wollen (Dan 3, 14-21.49.91-92.95). Sie können es nicht mit dem Gewissen vereinbaren, sich vor den Götzen des Königs niederzuwerfen und andere Götter anzubeten als den Gott, an den sie glauben: Jahwe.

Was vor 2600 Jahren geschah, geschieht in ähnlicher Form auch heute. Christen in Nordkorea, die sich nicht vor dem Bronzestandbild von Kim Il-sung und Kim Jong-il verbeugen wollen, landen im Arbeitslager. Und: Christen in Deutschland, die die Götzen des Nationalsozialismus nicht verehren wollten, kamen ins Konzentrationslager.

Die drei Männer in Babylon, die vielen namenlosen Christen in Nordkorea, die bekannten und unbekannten Opfer des NS-Regimes – sie alle eint der Glaube an Gott. Nebukadnezzar fasst ihre Haltung zusammen: „Im Vertrauen auf ihn haben sie lieber den Befehl des Königs missachtet und ihr Leben dahingegeben, als dass sie irgendeinen anderen als ihren eigenen Gott verehrten und anbeteten.“

Und noch etwas wird deutlich: Es ist nicht gut, gegen sein Gewissen zu handeln. Vor 2600 Jahren nicht und heute auch nicht.

(Josef Bordat)

Josef

Josef, der Verlobte Marias, ist ein Mann aus gutem Hause, aus sehr gutem sogar: aus dem Haus Davids, dem Königshaus. Seine Verlobte Maria ist ein einfaches Mädchen. Doch sie wird künftig die Hauptrolle spielen, er die Nebenrolle. In einem Film, dessen Handlung er nicht immer wird nachvollziehen können, zu groß ist das Geheimnis, zu großartig, was mit Maria geschieht.

Und das geht gleich schon mal mit einem Paukenschlag los: Maria ist schwanger. Die Erklärung für Marias Schwangerschaft ist unplausibel, widerspricht dem gesunden Menschenverstand: das Wirken des Heiligen Geistes. Wer hätte es Josef angesichts dessen übel nehmen wollen, wenn er die Sache ausgeschlachtet und Maria mit ihrer Geschichte ins Lichte der Öffentlichkeit gezerrt hätte, der vermeintlichen Wahrheit willen.

Doch das Unplausible ist wahr. Und Gottes Wirken übersteigt den Verstand des Menschen, so gesund jener auch sein mag. Vielleicht hat Josef das geahnt, vielleicht auch nicht. Fest steht: Josef ist kein Mann des Skandals. Er macht kein Fass auf. Er beschließt zu gehen, in aller Stille. Denn er will Maria nicht bloßstellen. Josef passt damit so gar nicht in unsere Zeit, in der keine Chance verpasst wird, Menschen bloßzustellen. Die Bloßstellung ist unser Kerngeschäft. Die Stille hat keine Chance.

Dabei ist sie nötig, damit Gott sein Wort sprechen kann. Hier ist es ein Engel im Traum, im Schlaf, im Inbegriff der Ruhe und Entspannung, durch den Gott spricht: „Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht“. Auch wenn es die Grenzen seiner Vernunft übersteigt: Josef vertraut Gott. Und er will auch Maria vertrauen. Als er wieder bei vollem Bewusstsein ist, schüttelt er sich nicht etwa und sagt: „Was für ein Traum!“, sondern hält fest an dem, was zu ihm gesagt, was ihm zugesagt wurde. Josef setzt sogleich um, was er als Gottes Willen erkannt hat. Er nimmt Maria zu sich.

Glauben heißt nicht nur Für-wahr-halten, auch wenn Wahrheit im Glauben eine gewichtige Rolle spielt. Glauben heißt in erster Linie Vertrauen. Auch uns will Gott ansprechen, auch uns sagt er: Fürchte Dich nicht! Durch Engel, durch andere Menschen, durch Erfahrungen, die wir machen. Oft überhören wir es, oft geht es im Lärm der Geschäftigkeit unter. Wenn es mal durchdringt, wird es häufig von unseren misstrauischen Gedanken zunichte gemacht.

Gottvertrauen ist keine Leichtgläubigkeit; das Leichte drängt sich ohnehin auf. Auf Gottes Stimme zu hören und Gottes Willen zu tun, das ist das angemessene Vertrauen des Christen. Josef hat vorgemacht, wie das geht. Er spielt deswegen die wichtigste Nebenrolle, die je ein Mensch hat spielen dürfen.

(Josef Bordat)

Laetare!

Der vierte Fastensonntag ist der Laetare-Sonntag. Laetare bedeutet: „Freue dich!“ Nur: Worüber? Das erfahren wir im Evangelium des vierten Fastensonntags.

Wie Mose die Schlange in der Wüste erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden, damit jeder, der an ihn glaubt, in ihm das ewige Leben hat. Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hergab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird. Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er an den Namen des einzigen Sohnes Gottes nicht geglaubt hat. Denn mit dem Gericht verhält es sich so: Das Licht kam in die Welt, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht; denn ihre Taten waren böse. Jeder, der Böses tut, hasst das Licht und kommt nicht zum Licht, damit seine Taten nicht aufgedeckt werden. Wer aber die Wahrheit tut, kommt zum Licht, damit offenbar wird, dass seine Taten in Gott vollbracht sind. (Joh 3, 14-21)

Die Freude des Laetare-Sonntags passt gut zur Liebe Gottes, die in dieser Perikope besungen wird, denn die Liebe Gottes bringt uns Rettung und Heil: „Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, daß er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat“. Das ist die Zusammenfassung des christlichen Glaubens. Dieses Bekenntnis eint uns Christen über alle konfessionellen Grenzen hinweg. Es ist die Summe der Sendung Jesu in die Welt, die Spitze der Liebe Gottes: „Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, daß er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat.“

Lassen wir uns in der Liebe Gottes verändern und prägen. Damit wir immer mehr an Christus glauben und in Ihm das ewige Leben haben. Und uns freuen können. Erinnern wir uns: Laetare!

(Josef Bordat)