Die Sternsinger. Und die Weisen aus dem Morgenland

Jetzt sind sie wieder unterwegs, die Sternsinger. Sie ziehen durch die Gemeinden und besuchen die Familien, die das wollen. Sie sammeln dabei Geld für sinnvolle Projekte der Bildungsarbeit und des Sozialwesens, in diesem Jahr besonders für Projekte in Peru. Kinder für Kinder, so das Motto. Dabei lernen die hiesigen Sternsinger eine Menge über die Situation in den Projektgebieten. Träger der bundesweiten Aktion ist das Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ mit Sitz in Aachen. Das Hilfswerk, für das die Sternsinger sammeln, zählt zu den effizientes in Deutschland; die Verwaltung der Einrichtung verbraucht weniger als 6 Cent pro Spendeneuro. Und: Die Sternsinger wünschen den Familien den Segen des menschgewordenen Gottes: Christus mansionem benedicat („Christus segne dieses Haus“).

Sie ziehen also an diesem Wochenende durch die Straßen unserer Dörfer und Städte, in Erinnerung an die Weisen aus dem Morgenland, die nach Bethlehem zogen, zur Krippe. Zugegeben: Die Verbindung ist nur noch eine sehr lose, denn nicht nur die äußeren Umstände des Unterwegsseins damals und heute haben sich geändert. Auch die inneren Umstände sind anders: Die Sternsinger gehen (zumeist) als Christen, die hier leben, zu den Menschen in der (weiteren) Nachbarschaft, deren Adressen sie vorher vom Pfarrbüro mitgeteilt bekommen. Die Weisen aus dem Morgenland hingegen gingen los als Heiden, als Fremde, als Suchende – und werden gerade dadurch zu Vorbildern im Glauben. Nicht nur für unsere Sternsinger.

Edith Stein hat dies einmal so ausgedrückt: „Die Könige sind an der Krippe als Vertreter der Suchenden aus allen Ländern und Völkern. Die Gnade hat sie geführt, ehe sie noch zur äußeren Kirche gehörten. In ihnen lebte ein Verlangen nach der Wahrheit, das nicht haltmachte vor den Grenzen heimischer Lehren und Überlieferungen. Weil Gott die Wahrheit ist und weil er sich finden lassen will von denen, die ihn von ganzem Herzen suchen, mußte diesen Weisen früher oder später der Stern aufleuchten, der ihnen den Weg zur Wahrheit zeigte. Und so stehen sie jetzt vor der menschgewordenen Wahrheit, sinken anbetend nieder und legen ihre Kronen zu Füßen, weil alle Schätze der Welt nur ein wenig Staub sind im Vergleich zu ihr.“

Die Wahrheit suchen, Gott finden, das Kind in der Krippe anbeten. Das ist unser Glaube. Dazu sind wir als Christen aufgerufen. Am Fest der Heiligen Drei Könige, werden wir daran erinnert, wie es gehen kann, liefern uns die Weisen doch eine Art Programm für gelingenden christlichen Glaubensvollzug: sich orientieren, aufbrechen, Dunkelheit ertragen und mit Gottes Hilfe immer wieder neu überwinden, schließlich Christus finden, im kleinen, schwachen Menschen, Ihn anbeten und beschenken. Das Geschenk, das wir Ihm bringen, sind wir selbst, unser Leben, das wir in die Hand des Kindes legen und dem Willen Gottes anheimstellen. Das ist nicht leicht. Aber leicht war der Weg der Weisen damals auch nicht.

(Josef Bordat)

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Fest der Heiligen Familie

Von der „Sagrada Família“ zur katholischen Sexualmoral.

Das heutige Fest der Heiligen Familie gibt Gelegenheit, über den Begriff der Heiligkeit und das Konzept von Familie nachzudenken. Als Papst Benedikt XVI. vor rund acht Jahren die „Sagrada Família“ in Barcelona weihte, thematisierte er in seiner Predigt – neben der Geschichte und Theologie dieses ganz besonderen Gebäudes – auch die Bedeutung der Familie. Die Rolle, die eine Kirche wie die „Sagrada Família“ im Heilsplan Gottes spiele, benannte Benedikt in eindrücklichen Metaphern: „Ikone der göttlichen Schönheit zu sein, brennende Flamme der Liebe, Weg, der dahin führt, daß die Welt an den glaubt, den Gott gesandt hat.“ Die „Sagrada Família“ werde durch die Weihe zu einem heiligen Ort, an dem „die Armen Barmherzigkeit finden, die Unterdrückten die wahre Freiheit erlangen und alle Menschen die Würde der Kinder Gottes anlegen können“. Die lange Bauzeit der Kirche verbindet unterschiedliche Epochen und lädt zu einem Rückblick ein. Benedikt stellte fest: „Die Lebensumstände haben sich zutiefst gewandelt, und gleichzeitig gab es enorme Fortschritte im technischen, sozialen und kulturellen Bereich. Wir können uns mit diesen Fortschritten nicht begnügen. Mit ihnen müssen immer auch sittliche Fortschritte einhergehen.“

Zu diesen „sittlichen Fortschritten“ zählt für Benedikt auch „die Beachtung, der Schutz und die Unterstützung der Familie“, denn die „großherzige und unauflösbare Liebe zwischen einem Mann und einer Frau ist der fruchtbare Rahmen und die Grundlage des menschlichen Lebens bei seinem Entstehen, seiner Geburt, seinem Wachstum und seinem natürlichen Ende“. Es ist die Heiligkeit des Lebens, die uns zu dessen Schutz nötigt: „Daher fordert die Kirche angemessene wirtschaftliche und soziale Maßnahmen, die darauf ausgerichtet sind, daß die Frau zu Hause und am Arbeitsplatz ihre volle Verwirklichung finden kann; daß der Mann und die Frau, die den Ehebund schließen und eine Familie gründen, vom Staat wirklich unterstützt werden; daß das Leben der Kinder vom Augenblick ihrer Empfängnis an als heilig und unantastbar verteidigt wird; daß die Geburten auf rechtlicher, sozialer und legislativer Ebene Anerkennung, Wertschätzung und Unterstützung erhalten. Daher widersetzt sich die Kirche jeglicher Form der Ablehnung des menschlichen Lebens und hält das aufrecht, was die natürliche Ordnung im Bereich der Familie als Institution fördert.“

Doch was weiß schon ein alter, zölibatär lebender Mann über Familie? Die Kirche sollte sich gefälligst raus halten, wenn es um Ehe und Familie geht! Und wenn es um Sexualität geht, dann erst recht! – Ja, könnte sie. Das funktionierte aber nur, wenn sich die Kirche generell aus Fragen des Menschenbilds und der Moral „raushielte“, also generell keine Aussagen mehr träfe, über den Menschen, sein Leben, sein Verhalten und seine Bestimmung. Das wiederum ist Teil ihres Wesens in der Welt: die Sinnfrage zu beantworten. Von Gott her, doch mit Blick auf den Menschen. Religiöse Konzepte wie Sünde und Vergebung, Heil und Erlösung werden ohne diese Perspektive obsolet. Es braucht also eine von der Kirche vertretene Anthropologie und Teil der Ethik.

Ehe, Familie und Sexualität sind Teil der Anthropologie und Teil der Ethik. Dabei geht es für die Kirche um das christliche Menschenbild und eine christliche Morallehre. Von der anthropologischen Positionierung hängt ab, wie ethische Fragen beantwortet werden, nicht nur im Bereich der Sexualmoral. Es ist wichtig, die Sexualmoral als Spezialgebiet der christlichen Ethik bzw. der katholischen Morallehre aufzufassen. Diese erschöpft sich nicht darin, kommt aber ohne Sexualmoral nur zu fragmentarischen Ergebnissen. Erst die Sexualmoral schafft eine Verbindung zwischen Anthropologie und Ethik, die auch in andere Bereiche der Moraltheorie führt, etwa in die Bioethik, die Medizinethik, die Umweltethik. Eine Ethik, die der Frage nachgeht, wie der Mensch handeln soll, und dabei Fragen von Ehe, Partnerschaft, Freundschaft, Familie und Sexualität, ja, auch von Erotik und Sex, ausblendet, wird immer unvollständig sein.

Deshalb kann sich die Kirche da nicht „raushalten“. Denn ohne Ehe, Familie und Sexualität fehlten ihr wesentliche Interpretamente für eine schlüssige Lehre vom Menschen und dessen Moral. Das gilt übrigens nicht nur für die Kirche. Viele Ethiken machen anthropologische Voraussetzungen, die gerade auch sexualethisch konnotiert sind. Sie sind zum Teil viel stärker an der (De-)Regulierung der Sexualität interessiert als es die Kirche je war. Bei Sigmund Freud und seinen philosophischen Epigonen ist Sexualität das zentrale Thema (wie etwa bei Herbert Marcuse in der Forderung nach „Befreiung des Eros“ zur Behebung gesellschaftlicher Missstände, dargelegt in seiner marxistisch grundierten Freud-Interpretation „Eros and Civilization“, 1955). In Ethiken, die auf evolutionäre Erkenntnisse verweisen oder die biologische Dimension des Menschen betonen, wird Sex gerade zum Schlüssel nahezu jeden menschlichen Verhaltens. Der hedonistische Utilitarismus etwa basiert ganz wesentlich darauf, Sex und Reproduktion zu trennen, um das Moment des Spaß-Habens in den Vordergrund stellen und als wesentliches Merkmal von bzw. wichtiges Kriterium für Freiheit anbieten zu können.

Gerade auch an Familienmodellen und Sexualutopien machen sich Ethiken fest. Vorstellungen zur Reproduktion sind von Platon über Thomas Morus bis hin zu den Entwürfen des 20. Jahrhunderts ganz zentrale Überlegungen eines jeden Sozialingenieurs. Und ausgerechnet die Kirche soll hierzu schweigen? Gerade im Politischen Utopismus ging es dabei übrigens um Macht, Sozialkontrolle und Unterdrückung (also das, was der Kirche oft als Motiv unterstellt wird, wenn sie sich zu Fragen der Sexualität äußert). Also: Wer will, dass die Kirche nichts mehr zum Thema Ehe, Familie und Sexualität sagt, muss zugleich wollen, dass sie Teile der Offenbarung verleugnet, auf der sie gründet. Wer will, dass die Kirche nichts mehr zum Thema Ehe, Familie und Sexualität sagt, der muss in Kauf nehmen, dass sie dann auch nichts mehr zur Ethik insgesamt sagen kann, weil ihrer Morallehre die anthropologischen Grundlagen entzogen sind. Wer will, dass die Kirche nichts mehr zum Thema Ehe, Familie und Sexualität sagt, verleiht ihr unter den moralischen Instanzen gerade jenen Sonderstatus, den er ihr nehmen will.

(Josef Bordat)

Zweifel

Zweifel an Gott, an Gottes Weisheit und Güte, daran, dass der Glaube an Gott wirklich trägt und Zukunft hat, diese Zweifel beherrschen unsere Zeit. Doch im Grunde begleiten diese Zweifel die Menschen von Anfang an.

Dass es Dinge gibt, die sich zu wissen lohnt, auch, wenn es Tabus betrifft, ist nicht erst seit Erfindung der Genschere ein Thema. Es ist vielmehr die Geschichte vom Sündenfall Adam und Evas. Dass wir an der Gerechtigkeit Gottes zweifeln, ist auch keine Erfahrung der Moderne mit ihren Massenvernichtungswaffen und industriellen Tötungseinrichtungen, sondern geht bis auf Kain und Abel zurück. Und dass wir schließlich meinen, es ginge besser voran, wenn wir selbst Gott spielen, ist auch keine Angelegenheit neuer und neuester technologischer Entwicklungen, sondern war bereits das Motiv für den Turmbau zu Babel.

Etwas steckt in uns, das sich gegen Gott wendet, von Anfang an. Etwas, das trotz der negativen Erfahrung immer wieder rebelliert. Auch nach der Geburt Christi ist damit nicht Schluss, ganz im Gegenteil: Jesus wird abgelehnt, so sehr, dass nach nur wenigen Jahren öffentlichen Auftretens die Todesstrafe an ihm vollstreckt wird. Je mehr er liebte, desto mehr wurde er gehasst. Es scheint: Wir können noch so oft aus dem Paradies vertrieben werden, es nützt nichts – wir lernen einfach nichts dazu über unsere Stellung in der Schöpfung, über unser Verhältnis zu Gott und zueinander.

Viele Menschen meinen zudem, es gäbe einen viel besseren Ort als das Paradies, den Ort ohne Gott, den sie beständig aufsuchen, für den ultimativen Kick. Die Pornoseiten im Internet. Den Park, wo man Drogen bekommt. Das Einkaufszentrum. Und sehr fromme Menschen reden so schlecht über diese Entscheidung, dass man manchmal meinen könnte, sie seien neidisch. Neidisch darauf, dass jemand missversteht, was „Freiheit“ bedeutet. Neid hilft niemandem.

Man hat diese Neigung des Menschen zur Gottferne mit „Erbsünde“ zu erfassen versucht und den Teufel dafür verantwortlich gemacht. Das überzeugt heute nicht mehr allzu viele Menschen. Das Drama: So gelangen wir zur eigentlichen Sünde, zur Ablehnung des Konzepts vom sündigen Menschen. Das Leugnen der Sündhaftigkeit des Menschen ist das eigentliche und (bei Lichte betrachtet) das einzige moralische Problem. Denn: Ein Mensch, der weiß, das er ein Sünder ist, hat die Chance, die Sünde zu meiden. Ein Mensch, der das nicht weiß, fällt, ohne es zu merken.

Es ist zwar nicht gut, ständig mit der Hölle zu drohen, doch sie (und damit schnell auch alle Sünden) für obsolet zu halten, ist insoweit unmoralisch, als es der Unmoral zuträgt, weil es das Böse eben nicht mehr böse nennt. Die Krux ist ja: Jemandem, der glaubt, er tue das Gute, obwohl er das Böse tut, ist nicht mehr zu helfen. Das Unterscheidungsvermögen in den elementaren Dingen ist es, was uns zu Gott führt, ein Mangel daran führt weg von Gott – ohne, dass man es merkte.

Gott kehrt sich an Weihnachten uns zu. Kehren wir uns jetzt nicht ab, trotz der Zweifel. Und: Kehren wir der Kirche nicht den Rücken zu – sie gibt uns Raum, über die Zweifel ins Gespräch zu kommen. Es wird auch im kommenden Jahr schwer werden, Wege zum Frieden zu finden, zu einem menschenfreundlichen Fortschritt. Ich glaube: Ohne Gott wird es noch schwerer.

(Josef Bordat)

Fest der unschuldigen Kinder

Heute feiert die Kirche das Fest der unschuldigen Kinder, im Gedenken an den (historisch nicht gesicherten) Kindermord von Bethlehem, den der Evangelist Matthäus beschreibt.

Es gibt aber viele unschuldige Kinder, deren Leid historisch sehr wohl gesichert ist und derer wir heute auch gedenken. Kinder, die starben, weil sie nicht genug zu essen hatten. Kinder, die misshandelt und missbraucht wurden. Kinder, die arbeiten müssen statt lernen zu dürfen. Und: Kinder, die getötet wurden, ehe sie überhaupt das Licht der Welt erblickten.

Auch sie schließen wir in das Geheimnis des heutigen Festes ein.

(Josef Bordat)

Adveniat

Wie in jedem Jahr ruft Adveniat zu Beginn der Adventszeit zu Spenden auf. Die Weihnachtskollekte ist für die Finanzierung des Lateinamerika-Hilfswerks der Deutschen Bischöfe von größter Bedeutung. Etwa die Hälfte des Etats wird zu Weihnachten realisiert. In den Sozialen Medien ist man skeptisch.

Spenden? Da sollte die Kirche aber erst mal ihr Milliardenvermögen veräußern, um den Armen zu helfen!

Klar, das ist natürlich viel naheliegender als diejenigen, die das Milliardenvermögen übernehmen könnten, das Geld also flüssig haben (in der Vorstellungswelt der „Kirche soll Milliardenvermögen veräußern“-Menschen), zum Spenden dieses Geldes aufzurufen. Tipp: Auch dann wäre man aus der Sache raus und müsste selbst nichts mehr tun. Im übrigen ist Adveniat ein unabhängiges Hilfswerk, das nur zu einem ganz geringen Teil Finanzmittel der Kirche verwendet.

Wieso soll ich für Adveniat spenden, wenn die doch sowieso vom Staat finanziert werden? Mit meinen Steuergeldern!

Adveniat wird nicht vom Staat finanziert, sondern von Menschen, die Adveniat direkt Geld zukommen lassen. Adveniat hatte 2017 rund 51,8 Millionen Euro Einnahmen, davon waren 45,4 Millionen Euro Spendengelder (87 Prozent). Besonders großes Gewicht hatte – wie in jedem Jahr – die Weihnachtsaktion (24,8 Millionen Euro). Dazu kommen Erbschaften und andere Zuwendungen, die sachlich ebenfalls Spendencharakter haben. Ergo: Zu über 90 Prozent wird die Arbeit des Lateinamerika-Hilfswerks der Deutschen Bischöfe über das Engagement von Einzelpersonen finanziert. Zusätzlich zur Steuer, zur Kirchensteuer und was sonst noch anfällt.

„Arbeit“, „Arbeit“! – Missionieren, oder was?!

Adveniat leistet in Lateinamerika und der Karibik wertvolle Arbeit im Bereich von Gesundheit und Pflege, Bildung und Erziehung, Infrastrukturverbesserung und Aufbau der Zivilgesellschaft. Dass dabei das christliche Menschenbild eine Rolle spielt, das z.B. Frauen und Männern gleiche Würde zubilligt und jedes menschliche Leben wertschätzt, ist selbstverständlich. Schadet dabei aber nicht.

Am Ende kommt doch ohnehin nichts bei den Armen an!

Adveniat arbeitet seriös und steckt ein Maximum des Geldes, das der Einrichtung zur Verfügung steht, in die Projekte. Adveniat trägt seit Jahren das Spenden-Siegel des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI). Als förderungswürdig gilt in Deutschland eine Einrichtung, deren Ausgaben für Werbung und Verwaltung bei nicht mehr als 30 Prozent der Gesamtausgaben liegen. Kirchliche Organisationen wie Adveniat schneiden da mit weniger als 10 Prozent sehr gut ab. Heißt: von jedem gespendeten Euro kommen mindestens 90 Cent bei den Armen an. Und mit dem Rest wird dafür gesorgt, dass das auch so bleibt, denn jedes Jahr wollen Menschen neu überzeugt werden.

Aber das bringt doch sowieso nichts!

Wer weiß, dass Adveniat in Lateinamerika und der Karibik derzeit mehr als 2000 Projekte unterstützt, und wer sich zudem die Projektbeispiele im Adveniat-Jahresbericht 2017 anschaut, der kann auch zu einem anderen Urteil gelangen. Kann, muss nicht. Aber: kann.

Und Du? Was spendest Du?!

Ich gebe Adveniat seit Jahren zu Weihnachten einen Betrag, der meiner finanziellen Situation entspricht. Das ist nicht viel. Richtig. Es ist halt ein kleines Geschenk an Menschen, denen ich mich verbunden fühle, ohne sie im Einzelnen zu kennen. So sehe ich das. Außerdem ist eine Spende an Adveniat steuerlich absetzbar. Lohnt sich also auch von daher.

(Josef Bordat)

Ethikunterricht im 186er

Übergabe am Rathaus Steglitz. Der Kollege, der den jungen Busfahrer ablösen soll, kommt vorne zur Tür rein, quetscht sich an dem Kollegen vorbei und nimmt auf dem Fahrersitz Platz. Der abgelöste Busfahrer geht nun aber nicht raus, sondern bespricht sich in einer Sache mit dem Kollegen. Offenbar ein komplexeres Problem. Es dauert.

Ich denke mir: „Was dauert das so lange?!“ Ich hatte es eilig. Gerade als ich den Gedanken im Kopf formuliert hatte, brüllt einer der anderen Fahrgäste „Was dauert das so lange?!“ Der Busfahrer, der eigentlich längst im wohlverdienten Feierabend sein sollte, dreht sich um und bittet, sichtlich mitgenommen von der Situation, um Entschuldigung. Wenig später ist die Sache, worum es auch immer ging, geklärt, der junge Mann verlässt den Bus und dieser fährt weiter.

Jetzt tat mir der Busfahrer Leid und ich schämte mich für meine Ungeduld. Der eigene Gedanke, von einem Andern ausgesprochen, erwies sich als hartherzig und übertrieben. Das zeigt mir zweierlei: Sieh immer auch den Anderen, und: Erst dann erkennst Du, das Du oft falsch liegst mit Deinem harten Urteil.

(Josef Bordat)

Elisabeth von Thüringen

Heute gedenkt die Kirche der Heiligen Elisabeth von Thüringen. 2007 – im 800. Geburtsjahr der Heiligen – war unter dem Titel Elisabeth von Thüringen – Eine europäische Heilige auf der Wartburg eine umfangreiche Ausstellung zu sehen, die wohl größte „Elisabeth-Schau“ des Festjahrs. Damals hatte ich für das Marburger Forum eine Besprechung des Ausstellungskatalogs verfasst. Das Marburger Forum musste bald darauf eingestellt werden, nach dem plötzlichen Tod des Gründers, Herausgebers und Chefredakteurs Max Lorenzen. Nachzulesen ist der Text in seinen Grundzügen nun hier.

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Die Heilige Elisabeth von Thüringen. Körnerbild, Marburg. Foto: JoBo, 08-2007.

Dort, wo heute im Gottesdienst der Heiligen Elisabeth von Thüringen gedacht wird, hört man dieses Tagesevangelium: „Euch, die ihr mir zuhört, sage ich: Liebt eure Feinde; tut denen Gutes, die euch hassen. Segnet die, die euch verfluchen; betet für die, die euch misshandeln. Dem, der dich auf die eine Wange schlägt, halt auch die andere hin, und dem, der dir den Mantel wegnimmt, lass auch das Hemd. Gib jedem, der dich bittet; und wenn dir jemand etwas wegnimmt, verlang es nicht zurück. Was ihr von anderen erwartet, das tut ebenso auch ihnen. Wenn ihr nur die liebt, die euch lieben, welchen Dank erwartet ihr dafür? Auch die Sünder lieben die, von denen sie geliebt werden. Und wenn ihr nur denen Gutes tut, die euch Gutes tun, welchen Dank erwartet ihr dafür? Das tun auch die Sünder. Und wenn ihr nur denen etwas leiht, von denen ihr es zurückzubekommen hofft, welchen Dank erwartet ihr dafür? Auch die Sünder leihen Sündern in der Hoffnung, alles zurückzubekommen. Ihr aber sollt eure Feinde lieben und sollt Gutes tun und leihen, auch wo ihr nichts dafür erhoffen könnt. Dann wird euer Lohn groß sein, und ihr werdet Söhne des Höchsten sein; denn auch er ist gütig gegen die Undankbaren und Bösen. Seid barmherzig, wie es auch euer Vater ist! Richtet nicht, dann werdet auch ihr nicht gerichtet werden. Verurteilt nicht, dann werdet auch ihr nicht verurteilt werden. Erlasst einander die Schuld, dann wird auch euch die Schuld erlassen werden. Gebt, dann wird auch euch gegeben werden. In reichem, vollem, gehäuftem, überfließendem Maß wird man euch beschenken; denn nach dem Maß, mit dem ihr messt und zuteilt, wird auch euch zugeteilt werden“ (Lk 6, 27-38). „Liebt eure Feinde.“ – Was meiner Ansicht nach zum Gebot der Feindesliebe zu bedenken ist, habe ich hier zusammengestellt.

Schließlich möchte ich die Tagesheilige selbst zu Wort kommen lassen: „Ich habe Euch immer gesagt: Ihr müsst die Menschen froh machen“. Das hat sie sicher, mit ihrem aufopferungsvollen Engagement für die Armen, Kranken, Marginalisierten.

(Josef Bordat)