Ein Schatz, der siebenfältig ziert

Ein Lied darf in keinem Pfingstgottesdienst fehlen: „Komm, Schöpfer Geist, kehr bei uns ein“ (Nr. 351 im katholischen „Gotteslob“). Die dritte Strophe darin beginnt mit „O Schatz, der siebenfältig ziert“. Damit sind bekanntlich die sieben Gnadengaben des Heiligen Geistes gemeint: Verstand oder Einsicht, Weisheit, Rat, Stärke, Wissenschaft oder Erkenntnis, Frömmigkeit und Gottesfurcht. Und was bedeuten diese Gaben nun? Fangen wir mal hinten an.

Frömmigkeit ist für einen gläubigen Menschen eigentlich selbstverständlich. Es ist klar, dass man dem, den man liebt, auch nach besten Kräften dient, also Gottesdienst verrichtet, wozu uns der Geist Stärke geben möge. Auch, dass man regelmäßig betet und die Sakramente empfängt. Doch kommt es eben auf die Haltung an, in der unser Dienst geschieht. Wahre Frömmigkeit hat nichts mit dem äußeren Ritus zu tun, sondern mit dem Herzen, dem inneren Gespür für das, was passiert, wenn wir Gottesdienst feiern.

Zur Frömmigkeit gehört Gottesfurcht. Das hört sich nach Angst an. Doch Bangemachen gilt nicht! Es geht ja auch nicht darum, sich vor Gott zu fürchten wie man sich vor einer Spinne oder einer Krankheit fürchtet und deswegen alles tut, ihrer Existenz im eigenen Leben zu entgehen, sondern um Ehrfurcht vor Gott, um Respekt, um Achtung, also darum, eine Haltung höchster Wertschätzung zu entwickeln, die einen stets in die Nähe des Verehrten, Gelobten und Gepriesenen drängt, hin zur Frömmigkeit. Ehrfurcht ist also das glatte Gegenteil von Furcht, mit der genau entgegengesetzten Konsequenz: nicht Flucht vor, sondern gläubige Annäherung an Gott.

„Dann erschien etwas, das aussah wie Flammen…“ (Apg 2, 3). Foto: JoBo, 06-2016.

Wissenschaft schafft Wissen. Und damit zugleich neue Möglichkeiten, die Welt und den Menschen zu erkennen und zu deuten. Man braucht dafür Fleiß und Ausdauer. Wissen zu erlangen ist kein Privileg von Genies, die kommen, sehen und verstehen, sondern die schwere Aufgabe aller Menschen, die in der Welt zurechtkommen wollen. Wissen ist etwas anderes als Information, es ist interpretierte Information. Für die richtige Deutung von Daten braucht es neben den Fertigkeiten der Forschungsdisziplin auch Frömmigkeit und Gottesfurcht.

Wissen führt zu Einsicht, Einsicht zu Verständnis, Verständnis zu Verstand. Ebenso die aus der Gottesfurcht erwachsene Frömmigkeit, auch sie führt zur Einsicht und Verstand. Die Weisheit ist sicherlich die Königin der Verständigkeit, doch auch unterhalb der Schwelle zur höchsten Erkenntnis liegen Aspekte des Lebens, die einzusehen sich lohnt. Die Einsicht, dass man Rat braucht. Die Einsicht, dass es mit der eigenen Stärke nicht so gut bestellt ist, wie angenommen. Wir müssen bei der Einsicht in Dinge oft eine liebgewonnene Ansicht hinterfragen. Das ist nicht einfach, dazu braucht es die Vermittlung durch den Heiligen Geist.

Im Gegensatz zu Wissenschaft lässt sich Weisheit nicht erwerben, nicht erarbeiten. Weisheit ist einem Menschen gegeben oder eben nicht. Zu Wissen und Bildung kann man systematisch gelangen, nach bestimmten Regeln, auf festgelegten Wegen. Man muss sammeln, ordnen, deuten – kurz: aktiv werden. Weisheit aber verlangt einen gedanklichen Rückzug, eine Passivität, die sich beschenken lässt und zu einem gelassenen, humorvollen, spielerischen Umgang mit dem Wissen führt. Der Weise scheut sich nicht, sich selbst zu hinterfragen, und schließt dabei seine Fähigkeit, zu Einsicht zu gelangen, bewusst mit ein.

Die Fähigkeit, Anderen einen guten Rat zu geben, wird von einer Fähigkeit übertroffen: selber einen guten Rat von anderen Menschen anzunehmen. Braucht es für jenes Einsicht und Wissenschaft, benötigt dieses Weisheit. Hilfsbedürftigkeit zuzugeben, ist eine Schwäche, die wir nicht gerne offenbaren. Doch nur so lässt sich Hilflosigkeit, also: Schwäche, die uns offenbart, vermeiden. Der Heilige Geist hilft uns, dass wir uns helfen lassen, so, wie Er uns zu helfen hilft. Da Sein guter Rat teuer ist, üben wir uns zugleich in Gottesfurcht und Frömmigkeit.

Schließlich braucht man Kraft, um sich im Glauben zu bewähren und stets in der rechten Frömmigkeit zu leben. Die Stärke hat eine hässliche Schwester: die Gewalt. Gewalt tun wir einander an, wenn wir aus der Haltung des vermeintlich oder tatsächlich Stärkeren die Schwachen für ihre vermeintliche oder tatsächliche Glaubensschwäche verurteilen. Das kommt vor. Dabei fehlen dann die anderen sechs Gaben des Heiligen Geistes, vor allem die Weisheit.

(Josef Bordat)

Werbeanzeigen

Besser als die Taube auf dem Dach…

…ist die Taube vor der Windschutzscheibe, wenn man „geblitzt“ wird.

Diese Erfahrung hat ein Autofahrer am Niederrhein gemacht. Weil die Taube sein Gesicht verdeckt, kann der Fahrer nicht belangt werden. Die Polizei zeigt sich humorvoll und spricht augenzwinkernd vom Wirken des Heiligen Geistes, wie die Rheinische Post am 28. Mai berichtete.

Taube vor der Windschutzscheibe. Quelle: Rheinische Post, 28.5.2019.

Nicht nur in diesem Sinne: Frohe Pfingsten!

(Josef Bordat)

Der Heilige Geist

Erst wie ein Brausen, dann wie ein Säuseln, einmal Sturm, ein andermal Hauch – die Bilder, die die Bibel für den Heiligen Geist kennt, sind sehr unterschiedlich. Fest steht: Der Heilige Geist ist der Dritte im Bunde. Oder die Dritte, denn im Hebräischen ist das Wort für Geist feminin, also etwa mit „Geisteskraft“ übertragbar. Wie dem auch sei: Wenn ein Christ Gott sagt, dann meint er Vater, Sohn und Heiliger Geist, er meint die Beziehung der drei Personen, die miteinander zu einem einzigen göttlichen Wesen verbunden sind, er bekennt sich zum Glauben an die Dreifaltigkeit und an die Dreieinigkeit. Was bedeutet das?

Das relationale Bild der Trinität versucht die Beziehung der göttlichen Personen untereinander (Vater und Sohn, verbunden durch den Heiligen Geist) sowie die unterschiedlichen Modi der Beziehung Gottes zum Menschen zu erfassen: Schöpfer, Erlöser, Beistand. Dabei durchdringen sich die Personen, so daß Gott Vater, Gott Sohn und der Heilige Geist eins sind und in der Einheit gleichermaßen Teil haben an Schöpfung, Erlösung und Begleitung des Menschen – bis zur Vollendung. Es sind drei Personen in einem Gott, nicht drei Götter mit getrennten Aufgabenbereichen. Dennoch sind es drei verschiedene personale Formen, die uns Gott je unterschiedlich erfahren lassen.

Für dieses Gottesbild gibt es zwei deutsche Bezeichnungen, die die ganze Spannung zwischen Einheit und Verschiedenheit erkennbar machen: Dreifaltigkeit und Dreieinigkeit. Gott entäußert sich in Seiner Schöpfung, in Seinem Wort und in Seiner schöpferischen Kraft der Liebe: Dreifaltigkeit. Doch die Relation der drei göttlichen Personen zueinander führt nicht zur Eingrenzung der jeweils anderen personalen Form von Göttlichkeit. Die Personen weisen einander nicht feste Plätze zu, schon gar nicht weisen sie sich in die Schranken partikularer Kompetenz. Gott ist in sich relational, wird damit aber nicht relativ. So sehr sind die göttlichen Personen miteinander verbunden, daß wir von Durchdringung, von Einheit sprechen können: Dreieinigkeit.

Gott ist dreifaltig einer, so heißt es in einem Kirchenlied zum Glaubensbekenntnis. Tatsächlich gehört die Trinität als Dreifaltigkeit in Dreieinigkeit zu den zentralen, unumstößlichen Glaubenswahrheiten des Christentums. Sie ist für die ganze Menschheit von größter Relevanz. Denn: Aus dem Verständnis von Gott als Relation dreier Personen, die in Verschiedenheit geeint sind und in Einheit verschieden bleiben, erwächst eine dialogische Grundhaltung, die den Menschen (das Abbild Gottes) ebenso als „Beziehungswesen“ begreift, als ein ens sociale, das auch unter den faktischen Bedingungen der Verschiedenheit den Gedanken der Einheit nie ganz verwirft. Durch eine schlichte Analogie können wir Christen von Gott selbst lernen, wie Beziehungen gelingen. Damit ist der Grund gelegt für eine kooperativere und friedlichere Welt.

So unterschiedlich wie die Versuche, das Auftreten des Heiligen Geistes zu beschreiben, sind auch die Wirkungen, die Gaben, die uns durch den Heiligen Geist geschenkt sind: Weisheit, Einsicht, Rat, Stärke, Wissenschaft, Frömmigkeit, Gottesfurcht (vgl. Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 1831). Diese Geistesgaben lohnen eine genauere Betrachtung.

Beginnen wir mit der Frömmigkeit. Frömmigkeit ist für einen gläubigen Menschen eigentlich selbstverständlich. Es ist klar, daß man dem, den man liebt, auch nach besten Kräften dient, also Gottesdienst verrichtet, wozu uns der Geist Stärke geben möge. Auch, daß man regelmäßig betet und die Sakramente empfängt. Doch kommt es eben auf die Haltung an, in der unser Dienst geschieht. Wahre Frömmigkeit hat nichts mit dem äußeren Ritus zu tun, sondern mit dem Herzen, dem inneren Gespür für das, was passiert, wenn wir Gottesdienst feiern.

Zur Frömmigkeit gehört Gottesfurcht. Das hört sich nach Angst an. Doch Bangemachen gilt nicht! Es geht ja auch nicht darum, sich vor Gott zu fürchten wie man sich vor einer Spinne oder einer Krankheit fürchtet und deswegen alles tut, ihrer Existenz im eigenen Leben zu entgehen, sondern um Ehrfurcht vor Gott, um Respekt, um Achtung, also darum, eine Haltung höchster Wertschätzung zu entwickeln, die einen stets in die Nähe des Verehrten, Gelobten und Gepriesenen drängt, hin zur Frömmigkeit. Ehrfurcht ist also das glatte Gegenteil von Furcht, mit der genau entgegengesetzten Konsequenz: nicht Flucht vor Gott, sondern gläubige Annäherung an Ihn.

Wissenschaft schafft Wissen. Und damit zugleich neue Möglichkeiten, die Welt und den Menschen zu deuten. Man braucht dafür Fleiß und Ausdauer. Wissen zu erlangen ist kein Privileg von Genies, die kommen, sehen und verstehen, sondern die schwere Aufgabe aller Menschen, die in der Welt zurechtkommen wollen. Wissen ist etwas anderes als Information, es ist interpretierte Information. Für die richtige Deutung von Daten braucht es neben den Fertigkeiten der Forschungsdisziplin auch Frömmigkeit und Gottesfurcht.

Wissen führt zu Einsicht, ebenso die aus der Gottesfurcht erwachsene Frömmigkeit, auch sie führt zur Einsicht. Die Weisheit ist sicherlich die Königin der Einsicht, doch auch unterhalb der Schwelle zur höchsten Erkenntnis liegen Aspekte des Lebens, die einzusehen sich lohnt. Die Einsicht, daß man Rat braucht. Die Einsicht, daß es mit der eigenen Stärke nicht so gut bestellt ist, wie angenommen. Wir müssen bei der Einsicht in Dinge oft eine liebgewonnene Ansicht hinterfragen. Das ist nicht einfach, dazu braucht es die Vermittlung durch den Heiligen Geist.

Im Gegensatz zu Wissenschaft läßt sich Weisheit nicht erwerben, nicht erarbeiten. Weisheit, so scheint es zumindest, ist einem Menschen gegeben oder eben nicht. Zu Wissen und Bildung kann man systematisch gelangen, nach bestimmten Regeln, auf festgelegten Wegen. Man muß sammeln, ordnen, deuten – kurz: aktiv werden. Weisheit aber verlangt einen gedanklichen Rückzug, eine Passivität, die sich beschenken läßt und zu einem gelassenen, humorvollen, spielerischen Umgang mit dem Wissen führt. Der Weise scheut sich nicht, sich selbst zu hinterfragen, und schließt dabei seine Fähigkeit, zu Einsicht zu gelangen, ganz bewußt mit ein.

Die Fähigkeit, Anderen einen guten Rat zu geben, wird von einer Fähigkeit übertroffen: selber einen guten Rat von anderen Menschen anzunehmen. Braucht es für jenes Einsicht und Wissenschaft, benötigt dieses Weisheit. Hilfsbedürftigkeit zuzugeben, ist eine Schwäche, die wir nicht gerne offenbaren. Doch nur so läßt sich Hilflosigkeit vermeiden, also: Schwäche, die uns offenbart. Der Heilige Geist hilft uns, daß wir uns helfen lassen, so, wie Er uns zu helfen hilft. Da Sein guter Rat teuer ist, üben wir uns zugleich in Gottesfurcht und Frömmigkeit.

Schließlich braucht man Kraft, um sich im Glauben zu bewähren und stets in der rechten Frömmigkeit zu leben. Die Stärke hat eine häßliche Schwester: die Gewalt. Gewalt tun wir einander an, wenn wir aus der Haltung des vermeintlich oder tatsächlich Stärkeren die Schwachen für ihre vermeintliche oder tatsächliche Glaubensschwäche verurteilen. Das kommt vor. Dabei fehlen dann jedoch die anderen sechs Gaben des Heiligen Geistes, vor allem die Weisheit.

Hinter all diesen Gaben steckt ein Gott, ein Herr, ein Geist. Der Heilige Geist ist ein göttliches Gnadengeschenk. Er ist geschenkt aus Gnade und schenkt uns Gnade. Der Heilige Geist ist nämlich der göttliche Beistand, der uns auf Erden gegeben ist. Jesus selbst kündigt das Kommen des Heiligen Geist an: „Und ich werde den Vater bitten und er wird euch einen anderen Beistand geben, der für immer bei euch bleiben soll. Es ist der Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht und nicht kennt. Ihr aber kennt ihn, weil er bei euch bleibt und in euch sein wird“ (Joh 14, 16-17).

Dreierlei wird hier über den Heiligen Geist, den Beistand gesagt: 1. Dieser Beistand ist anders als Jesus. Er begleitet uns, lenkt und leitet unsere Suche nach Gott, so wie Jesus es im Dienst an den Menschen tat, als Er auf Erden wirkte. Doch der Heilige Geist ist eben nicht für alle Augen zu sehen und für alle Ohren zu hören, wie das bei Jesus der Fall war, dessen Wirken auch Seinen Gegnern nicht verborgen blieb. Das ist nun anders: Der „Welt“ (also Sinnbild eines von Gott fernen Lebensstils) bleibt das Wirken des Heiligen Geistes verborgen. 2. Dieser Beistand ist für immer bei uns. Er ist grenzenlos und ewig. Er bleibt. Und: Er weht, wo Er will. Der Heilige Geist wird damit zum Lebensprinzip einer Kirche im ständigen Wandel, die Kulturräume und Zeitepochen überschreitet. 3. Dieser Beistand ist Garant jener Wahrheit, für die Jesus kurz zuvor mit seiner Person einsteht: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben“ (Joh 14, 6). Er ist denen steter Zuspruch, die diese Wahrheit aufrichtig suchen, Er weht zugleich die Gewißheit derer davon, die für sich in Anspruch nehmen, sie bis ins letzte Detail hinein exklusiv gepachtet zu haben.

(Josef Bordat)

In Erwartung des Geistes

Es gibt zwei Zeiten im Kirchenjahr, in denen wir uns nicht nur auf ein Fest vorbereiten – das geschieht ja viel öfter –, sondern, in denen wir warten auf das Kommen Gottes. Da ist zum einen die Adventszeit, in der wir auf das Kommen Gottes in Menschengestalt warten. Und da sind zum anderen die zehn Tage zwischen Christi Himmelfahrt und Pfingsten, in denen wir auf das Kommen Gottes in Gestalt des Heiligen Geistes warten.

Wie tun wir das? Oder anders: Wie warten Christen? Antwort: im Gebet. Wir warten im Gebet wie die erste Generation der Christenheit, die Zeitgenossen Jesu, die Jünger, die nach der Himmelfahrt auch im Gebet verharrten. Heute gibt es dazu die Form der Novene. Die Pfingstnovene spannt den Bogen zwischen Himmelfahrt und Pfingstfest. Wir beten darin um das Kommen des Geistes.

Jetzt wissen wir aber – im Gegensatz zu den Aposteln, die nach der Himmelfahrt ziemlich ratlos in den Himmel starren -, dass der Geist kommen wird. Vielmehr: Dass Er schon da ist. Im Glauben des Christen zeigt Er sich in der Gemeinschaft, in der Kirche. Was soll also das Gebet bewirken?

Es geht zunächst um eine Aktualisierung und Konkretisierung der Begeisterung. Klar, der Heilige Geist ist da und Er weht und wirkt, aber das muss man sich auch immer wieder bewusst machen. Dass Gott bei uns ist und bleibt. Dass wird einen Tröster und Begleiter haben. Dass es in der Kirche, deren Geburtstag ja zu Pfingsten gefeiert wird, nicht um menschengemachte Strukturen geht, sondern um geistdurchwirkte Erfahrungen.

Es geht dann aber auch um eine Vertiefung dieses Bewusstseins für den Heiligen Geist als göttliche Person. Pfingsten verweist auf die Dreifaltigkeit. Weihnachten und Ostern geht es um den Sohn, zu Pfingsten um den Heiligen Geist. Sohn und Geist sind Ausflüsse der Liebe und Weisheit des Vaters.

Schließlich geht es um die sieben Geistesgaben, deren Bedeutung für das Glaubensleben es im Gebet zu betrachten gilt: Verstand, Weisheit, Rat, Stärke, Wissenschaft, Frömmigkeit und Gottesfurcht. Ferner um die zwölf Früchte des Heiligen Geistes: Liebe, Freude, Friede, Geduld, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Bescheidenheit, Selbstbeherrschung und Enthaltsamkeit. Genug Stoff für das Gebet an den Tagen vor Pfingsten.

(Josef Bordat)

Vatertag

Viele feiern heute Vatertag – nicht Christi Himmelfahrt. Schön zu beobachten anhand der „Twitter-Trends“: Die „hashtags“ #Vatertag, #Bollerwagen, #Väter liegen weit vorn.

So ganz abwegig ist das nicht, heute die Väter zu feiern. Christi Himmelfahrt ist zwar keine Fahrt ins Blaue mit dem Bollerwagen voll Bier, doch gleichwohl eine Reise, deren Ziel auf den säkularen Charakter des Festtags deutet, denn schließlich kehrt Christus heim zum Vater, nachdem Er der Welt das Wesen des Vaters offenbart hat.

Feiern wir also heute ruhig auch die Väter. Mit oder ohne Bollerwagen.

(Josef Bordat)

Christi Himmelfahrt

Vierzig Tage nach Ostern feiern wir Christi Himmelfahrt. Der Auferstandene, der vierzig Tage lang seinen Jüngerinnen und Jüngern erschienen war, dessen verklärter Leib schon auf Seine Erhöhung zu Gott hingedeutet hatte, der Seine Auffahrt selbst ankündigte („Ich fahre auf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott“, Joh 20, 17), Er ist nun ganz bei Gott. Er sitzt „zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters“.

Mit dem Heimgang des Sohnes zum Vater endet die irdische Mission Jesu. Der menschgewordene Gott, der greifbare Jesus ist nicht mehr in der konkreten körperlichen Weise präsent, der historisch für alle merkliche Einschnitt, der eine neue Zeitrechnung beginnen ließ, nicht mehr unmittelbar nachzuvollziehen. Das Thomas-Thema der Wahrnehmbarkeit des Göttlichen ist von nun an der Begleiter jedes Menschen in der Nachfolge Jesu.

Mit dem Heimgang des Sohnes zum Vater endet die irdische Mission Gottes aber noch lange nicht. Denn wenn wir Christi Himmelfahrt feiern, so sind es nur noch zehn Tage bis Pfingsten. Mit dem Pfingstereignis beginnt eine neue Zeit, in der die Kirche, gelenkt vom Heiligen Geist, das Erbe Christi verwaltet und in ihren Sakramenten Gottes Liebe zu den Menschen zeichenhaft ausdrückt.

Christi Himmelfahrt ist also nicht der endgültige Abgang Jesu, dem wir wehmütig hinterher schauen, weil er uns verlässt, ja, weil er uns im Stich ließe, sondern der Heimgang Jesu, mit dem Er die Voraussetzung für den nächsten Schritt der Gemeinschaft des Dreifaltigen Gottes mit dem Menschen schafft, denn indem Jesus Seine Menschheit mit zum Vater nimmt, kann die Menschheit insgesamt zu Gott gelangen. Dieses Projekt beginnt zehn Tage später, an Pfingsten, mit dem Aufbau der Kirche Jesu Christi durch den Heiligen Geist.

So soll die Kirche, das ist Gottes Wille, nicht staunend stehen bleiben und gen Himmel starren, sondern in die Welt hinaus gehen und in der Kraft des Heiligen Geistes die Botschaft des heimgegangenen Sohnes verkündigen, der die Wahrheit des Vaters zu den Menschen brachte. Damit auch heute Menschen Anteil haben an diesem Neuen Bund zwischen Gott und Mensch, soll die Kirche sie unterweisen und taufen – im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. An diesem Auftrag hat sich auch 2000 Jahre später nichts geändert.

(Josef Bordat)

Die Tradition der Bitt-Tage

Die drei Tage vor Christi Himmelfahrt werden liturgisch als „Bitt-Tage“ gestaltet. Es geht in den Andachten und Prozessionen um gedeihliches Wetter für eine gute Ernte. Diese Tradition wird heute noch im ländlichen Raum gepflegt. Die Menschen beten, dass Gott Seine segnende Hand schützend über Wald und Flur halte, damit die Bauern im Herbst die Früchte ihrer Arbeit ernten können.

Das Bewusstsein für den Zusammenhang von Wetter- und Ernährungslage ist in einer Zeit, wo es das Gemüse im Supermarkt zu kaufen gibt, in weiten Teilen abhanden gekommen, zumal wir im gemäßigten Klima Mitteleuropas meist mit gutem Wetter gesegnet sind. Doch der Blick in andere Teile der Welt macht deutlich, wie schnell durch ungünstige Wetterlagen und Extremereignisse wie Sturm oder Starkregen die Ernährungslage in den betroffenen Regionen gefährdet wird. Auch daran erinnern die Bitt-Tage.

Die Gottesdienste an den Bitt-Tage sollen deutlich machen, dass der Mensch in „Schöpfungsmitverantwortung“ die Natur nutzen soll. Ja, nutzen, denn sie ist für uns da. Doch ohne sie auszubeuten, denn das hieße, sie für kommende Generationen in ihrer Nutzbarkeit zu gefährden. „Nachhaltigkeit“ ist das Konzept, das in der Naturnutzung zentral sein sollte.

Die Liturgie zu den Bitt-Tagen soll zudem verdeutlich, dass der Mensch bei allem, was er in der Welt tut, in Gottes Hand geborgen ist, auf Gottes Gnade setzen, mit Gottes Hilfe rechnen darf. Das gilt nicht nur für die Landwirtschaft, sondern für jede Arbeit. So dürfen sich auch die Städter, die in Industriebetrieben, Verwaltungsgebäuden und Dienstleistungsunternehmen beschäftigt sind, mit einbezogen fühlen in das Bittgebet der Kirche.

(Josef Bordat)