Der Papst in den Emiraten

Papst Franziskus besucht die Vereinigten Arabischen Emirate.

Hoffentlich gehen von diesem Treffen Impulse für den christlich-islamischen Dialog aus. Nötig wär’s.

(Josef Bordat)

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Ein Zeichen, dem widersprochen wird

Dann kam für sie der Tag der vom Gesetz des Mose vorgeschriebenen Reinigung. Sie brachten das Kind nach Jerusalem hinauf, um es dem Herrn zu weihen, gemäß dem Gesetz des Herrn, in dem es heißt: Jede männliche Erstgeburt soll dem Herrn geweiht sein. Auch wollten sie ihr Opfer darbringen, wie es das Gesetz des Herrn vorschreibt: ein Paar Turteltauben oder zwei junge Tauben. In Jerusalem lebte damals ein Mann namens Simeon. Er war gerecht und fromm und wartete auf die Rettung Israels, und der Heilige Geist ruhte auf ihm. Vom Heiligen Geist war ihm offenbart worden, er werde den Tod nicht schauen, ehe er den Messias des Herrn gesehen habe. Jetzt wurde er vom Geist in den Tempel geführt; und als die Eltern Jesus hereinbrachten, um zu erfüllen, was nach dem Gesetz üblich war, nahm Simeon das Kind in seine Arme und pries Gott mit den Worten: Nun lässt du, Herr, deinen Knecht, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden. Denn meine Augen haben das Heil gesehen, das du vor allen Völkern bereitet hast, ein Licht, das die Heiden erleuchtet, und Herrlichkeit für dein Volk Israel. Sein Vater und seine Mutter staunten über die Worte, die über Jesus gesagt wurden. Und Simeon segnete sie und sagte zu Maria, der Mutter Jesu: Dieser ist dazu bestimmt, dass in Israel viele durch ihn zu Fall kommen und viele aufgerichtet werden, und er wird ein Zeichen sein, dem widersprochen wird. Dadurch sollen die Gedanken vieler Menschen offenbar werden. Dir selbst aber wird ein Schwert durch die Seele dringen. Damals lebte auch eine Prophetin namens Hanna, eine Tochter Penuëls, aus dem Stamm Ascher. Sie war schon hochbetagt. Als junges Mädchen hatte sie geheiratet und sieben Jahre mit ihrem Mann gelebt; nun war sie eine Witwe von vierundachtzig Jahren. Sie hielt sich ständig im Tempel auf und diente Gott Tag und Nacht mit Fasten und Beten. In diesem Augenblick nun trat sie hinzu, pries Gott und sprach über das Kind zu allen, die auf die Erlösung Jerusalems warteten. Als seine Eltern alles getan hatten, was das Gesetz des Herrn vorschreibt, kehrten sie nach Galiläa in ihre Stadt Nazaret zurück. Das Kind wuchs heran und wurde kräftig; Gott erfüllte es mit Weisheit, und seine Gnade ruhte auf ihm. (Lk 2, 22-40)

1. Vierzig Tage nach der Geburt wird Jesus von Maria und Josef in den Tempel gebracht, wie es das Gesetz des Alten Bundes verlangt. Maria und Josef halten sich an die Vorschriften. Was als formaler Initiationsakt beginnt, wird dann zu einem theologischen Kristallisationspunkt: Jesus im Tempel, in Seinem Tempel, das ist ein Bild, das uns noch öfter begegnet und entscheidende Wegmarken hin zur Vollendung setzt, denn Er ist der Herr des Tempels. Hier lehrt er, hier sorgt er für Prioritäten, hier nimmt man Anstoß an ihm. Zwei alte Menschen, die Prophetin Hanna und der „gerechte und fromme“ Simeon, dürfen an ihrem Lebensabend in der Begegnung mit dem Herrn ihre ganz persönliche Heilserfahrung machen. Sie loben und preisen Gott. Ihr persönliches Lebensglück kommt darin zum Ausdruck. Simeon hatte stets darauf gehofft und fest an die Offenbarung des Heiligen Geistes geglaubt, der diese Hoffnung in ihm wach gehalten hatte. Der greise Mann erkennt in dem Kind den Heilsbringer für Israel und die Heiden – den Messias. Alle Menschen sollen Teilhaben am Glück des Heils. Damit erfüllt sich Simeons Hoffnung – er kann in Frieden sterben. Dieser tiefe Duktus der Vollendung hat dazu geführt, den Lobgesang des Simeon als liturgischen Standardtext (Nunc Dimittis) in die Komplet einzubringen, die die Kirche täglich zur Nacht betet. Darin kommt zum Ausdruck, dass auch wir in Frieden zur Ruhe kommen können, weil wir die Hoffnung des Simeon auf die Begegnung mit dem Heiland teilen dürfen. Eine richtig schöne Geschichte also.

2. Dem Loblied (Lk 2, 29-32) folgt eine düstere Weissagung, derart, wie auch schon im Alten Testament vom Gottesknecht zugleich Leiden und Verherrlichung vorausgesagt worden waren. In Lk 2, 34 heißt es: „Und Simeon segnete sie und sagte zu Maria, der Mutter Jesu: Dieser ist dazu bestimmt, dass in Israel viele durch ihn zu Fall kommen und viele aufgerichtet werden, und er wird ein Zeichen sein, dem widersprochen wird.“ Ein Zeichen, dem widersprochen wird. Eine Prophezeiung, die das harmonische Idyll der Vollendung aufbricht. Eine Prophezeiung für das irdische Leben Jesu, zugleich eine Prophezeiung für all jene, die Jesus folgen werden.

Heute erkennen wir in einem streitbaren Atheismus diesen Widerspruch. Neu daran ist, dass es sich um den Versuch handelt, nicht nur die Kirche als Institution in ihrer Historizität zu kritisieren, sondern das Christentum an sich: christliche Riten, christliche Werte, die christliche Lebensform als solche. Zugegeben: Ganz neu ist auch das nicht, vielfach werden einfach Argumente aus dem 18. und 19. Jahrhundert wiederbelebt, um sich in die Tradition der Religionskritik positivistischer (Comte) und sozialistischer (Marx) Provenienz zu stellen, ohne diese Kontinuität wirklich durchzuhalten. Denn während historisch vielfach der Wert von Religion funktionalistisch umgedeutet und auf das Instrumentelle, das für die Gesellschaft Nützliche reduziert wurde, stellt sich die Weltanschauung der „neuen Atheisten“ als naturalistische Transzendenzleugnung im umfänglichsten Sinne dar und richtet sich damit gegen jede Form von Religion, für die ja die Beziehung zum Übernatürlichen konstitutiv ist. Der Gegner ist mithin nicht nur die Kirche (die freilich ganz besondere), auch nicht nur das Christentum oder die Weltreligionen („Religionen“), sondern das Religiöse an sich („Religion“). Dabei geben sich die neuen, streitbaren Atheisten paradoxerweise selbst religiös. Im heiligem Ernst führen sie einen Kreuzzug gegen „Religion“ und verbitten sich in ihrem tiefen Glauben an Wissenschaft und Fortschritt jeden Respekt vor „Religionen“. In einer Halsstarrigkeit und Arroganz, die selbst der mittelalterlichsten aller Kirchen fremd war, wird auf Teufel komm raus missioniert. Wer nicht folgt, ist dumm – ein „Religiot“. Das Blochsche „Noch nicht“ wird irritationslos für die eigene Utopie einer religionsreinen Gesellschaft vereinnahmt. Man fragt sich, was die neuen, streitbaren Atheisten eigentlich tun werden, wenn es wirklich keine Kirche, keine Moschee und – wenn schon, denn schon – keine Synagoge mehr gibt. Wenn die bequeme Negation vom Schreibtisch aus nicht mehr hinreicht, wenn Position bezogen werden muss. Wenn es zur Selbstversicherung nicht mehr genügt, Menschen zu verachten, weil sie an Gott glauben. Ich hoffe, dass dann ganz schnell der Schalter von Spitzfindigkeit auf Suppenküche umgelegt wird und all die neuen, streitbaren Atheisten jene neue, bessere „Welt ohne Glauben“ ebenso engagiert gestalten, wie sie heute dafür kämpfen. Dass sie dann alle zur Stelle sind, wenn Menschen Nahrung, Kleidung, Wohnung und Trost brauchen – und der Diakonieladen geschlossen ist. Dass sie die hungrigen Obdachlosen, die zu mir kommen, weil unsere Wohnung in einem ehemaligen Pfarrhaus liegt, dann zu sich nach Hause einladen. Dass sie die Flüchtlinge betreuen, die heute von katholischen und evangelischen Gemeinden betreut werden. Damit die neue, bessere „Welt ohne Glauben“ erkennt: Wir sind nicht nur intellektuell haushoch überlegen, wir können auch anpacken.

Wo Wissenschaft zur Weltanschauung wird, zum Szientismus, und damit als Religionsersatz (oder auch als Ersatzreligion) dient, ist höchste Vorsicht geboten. Wir haben – zumal in Deutschland – schlimme Erfahrungen gemacht mit einer Wissenschaft, die sich von einer inhumanen Weltanschauung zu deren Rechtfertigung missbrauchen lässt. Wenn nun einige Wissenschaftler meinen, diesen Missbrauch gleich selbst durchführen zu sollen, wird die Sache nicht besser. Die Selbsterlösungsrhetorik und die Tendenz zur Enttabuisierung anthropogener Schöpfungsvorstellungen sind gefährlich und gerade in den Biowissenschaften, d. h. dort, wo es um den Menschen geht, höchst virulent. Davor zu warnen, ist keine fortschrittsfeindliche Panikmache, sondern ein Gebot der Demut demgegenüber, den Simeon und Hanna als den Herrn der Geschichte erkennen. Der Anspruch auf Heil und Erlösung ist im Kontext der Wissenschaft ebenso verständlich wie fatal, auch wenn die betreffenden Wissenschaftler oft und gerne leugnen, diesen Anspruch zu haben. Die säkularisierte Gesellschaft drängt sie nolens volens in die Rolle des szientistischen Hohenpriesters. Nicht alle Wissenschaftler lehnen diese Zuschreibung ab. Es drängt sich mal wieder der Verdacht auf, dass Gott von denen für tot erklärt wird, die Ihn nur zu gerne beerbten. Die Kirche spricht immer wieder deutlich aus, wie gefährlich eine Wissenschaft ist, die sich erdreistet, Gott zu spielen. In seiner Enzyklika Spe salvi (2007) hat Papst Benedikt XVI. hierzu eine passende Antwort gegeben. Sie entlarvt jene Hoffnung als trügerisch, die ausschließlich auf die Wissenschaft gerichtet ist, und die rettende Botschaft von der Menschwerdung Gottes in Jesus Christus überhört, von dem Simeon sagt, er sei das „Heil aller Völker“. Benedikt stellt fest: „Der Mensch kann nie einfach nur von außen her erlöst werden. Francis Bacon und die ihm folgende Strömung der Neuzeit irrten, wenn sie glaubten, der Mensch werde durch die Wissenschaft erlöst. Mit einer solchen Erwartung ist die Wissenschaft überfordert; diese Art von Hoffnung ist trügerisch. Die Wissenschaft kann vieles zur Vermenschlichung der Welt und der Menschheit beitragen. Sie kann den Menschen und die Welt aber auch zerstören, wenn sie nicht von Kräften geordnet wird, die außerhalb ihrer selbst liegen. Umgekehrt müssen wir auch sehen, daß das neuzeitliche Christentum sich angesichts der Erfolge der Wissenschaft in der Entwicklung der Gestaltung der Welt weitgehend auf das Individuum und sein Heil zurückgezogen hatte. Es hat damit den Radius seiner Hoffnung verengt und auch die Größe seines Auftrags nicht genügend erkannt, so Großes es auch weiterhin in der Bildung des Menschen und in der Sorge um die Schwachen und Leidenden getan hat.“ Schließlich kommt der Heilige Vater zu dem Urteil: „Nicht die Wissenschaft erlöst den Menschen. Erlöst wird der Mensch durch die Liebe.“

3. Für die Vollendung, die Hanna und Simeon erfahren, für die Erlösung durch die Liebe Gottes braucht es indes die Entscheidung für Jesus – und für diese Entscheidung die Krise des Widerspruchs. Mit der Ankunft Jesu setzt diese Krise ein, weil Er widerspricht und weil Ihm. An ihm entscheidet sich das Schicksal Israels und aller Völker. Doch wie können wir als Christen im Alltag mit dieser Ambivalenz von Fallen und Aufrichten, von Zeichenhaftigkeit und Widerspruch umgehen? Karl-Heinz Wiesemann, Bischof von Speyer, erinnert dazu an die Übermacht der positiven Kraft, die Gott uns in Seinem Geist schenkt: „Christsein bedeutet Heranwachsen zum ganzen Menschen, zum Christus der Fülle, wie Paulus sagt. Der Glaube amputiert uns nicht. Er vergällt uns nicht, wie manche meinen, die schönen Seiten des Lebens. Im Gegenteil: Der lebendige Geist Gottes durchtränkt alles mit einer bejahenden, liebenden Kraft, die sich selbst das positivste Denken nicht auszumalen weiß; mit einer Leben spendenden Kraft, die in die tiefsten Abgründe von Leid und Tod hineindringt, um den göttlichen Lebensfunken in uns zu wecken; mit einer reinigenden Kraft, die uns davor bewahrt, in der Verdrängung unserer Todesangst unser Leben zu fristen und uns die wahre Freiheit der Kinder Gottes schenkt. Ja, der Glaube schenkt uns reinen Wein ein über uns Menschen und unsere Welt – und daher hat er die Kraft, diese Welt zu verwandeln, sie zu heiligen in der Wahrheit. Keine andere geistige Macht hat sich in unserer Geschichte als vergleichbar Kultur schaffend erwiesen, als gleichermaßen fähig, Welt in Kulturraum zu verwandeln. Der Glaube vermag in uns die besten Kräfte zu wecken – und kann sich daher durchaus an seinen Früchten messen lassen. Wir brauchen uns nicht zu verstecken.“ Tatsächlich: Im Streit um die Wahrheit brauchen wir Christen uns nicht zu verstecken, auch nicht, wenn der Widerspruch zunimmt.

(Josef Bordat)

„Warum verfolgst du mich?“

In jenen Tagen wütete Saulus immer noch mit Drohung und Mord gegen die Jünger des Herrn. Er ging zum Hohenpriester und erbat sich von ihm Briefe an die Synagogen in Damaskus, um die Anhänger des neuen Weges, Männer und Frauen, die er dort finde, zu fesseln und nach Jerusalem zu bringen. Unterwegs aber, als er sich bereits Damaskus näherte, geschah es, dass ihn plötzlich ein Licht vom Himmel umstrahlte. Er stürzte zu Boden und hörte, wie eine Stimme zu ihm sagte: Saul, Saul, warum verfolgst du mich? Er antwortete: Wer bist du, Herr? Dieser sagte: Ich bin Jesus, den du verfolgst. Steh auf und geh in die Stadt; dort wird dir gesagt werden, was du tun sollst. Seine Begleiter standen sprachlos da; sie hörten zwar die Stimme, sahen aber niemand. Saulus erhob sich vom Boden. Als er aber die Augen öffnete, sah er nichts. Sie nahmen ihn bei der Hand und führten ihn nach Damaskus hinein. Und er war drei Tage blind, und er aß nicht und trank nicht. In Damaskus lebte ein Jünger namens Hananias. Zu ihm sagte der Herr in einer Vision: Hananias! Er antwortete: Hier bin ich, Herr. Der Herr sagte zu ihm: Steh auf und geh zur so genannten Geraden Straße, und frag im Haus des Judas nach einem Mann namens Saulus aus Tarsus. Er betet gerade und hat in einer Vision gesehen, wie ein Mann namens Hananias hereinkommt und ihm die Hände auflegt, damit er wieder sieht. Hananias antwortete: Herr, ich habe von vielen gehört, wie viel Böses dieser Mann deinen Heiligen in Jerusalem angetan hat. Auch hier hat er Vollmacht von den Hohenpriestern, alle zu verhaften, die deinen Namen anrufen. Der Herr aber sprach zu ihm: Geh nur! Denn dieser Mann ist mein auserwähltes Werkzeug: Er soll meinen Namen vor Völker und Könige und die Söhne Israels tragen. Ich werde ihm auch zeigen, wie viel er für meinen Namen leiden muss. Da ging Hananias hin und trat in das Haus ein; er legte Saulus die Hände auf und sagte: Bruder Saul, der Herr hat mich gesandt, Jesus, der dir auf dem Weg hierher erschienen ist; du sollst wieder sehen und mit dem Heiligen Geist erfüllt werden. Sofort fiel es wie Schuppen von seinen Augen, und er sah wieder; er stand auf und ließ sich taufen. Und nachdem er etwas gegessen hatte, kam er wieder zu Kräften. Einige Tage blieb er bei den Jüngern in Damaskus; und sogleich verkündete er Jesus in den Synagogen und sagte: Er ist der Sohn Gottes. Alle, die es hörten, gerieten in Aufregung und sagten: Ist das nicht der Mann, der in Jerusalem alle vernichten wollte, die diesen Namen anrufen? Und ist er nicht auch hierher gekommen, um sie zu fesseln und vor die Hohenpriester zu führen? Saulus aber trat umso kraftvoller auf und brachte die Juden in Damaskus in Verwirrung, weil er ihnen bewies, dass Jesus der Messias ist. (Apg 9, 1-22)

„Warum verfolgst du mich?“ So lautet die Frage Jesu an Saul. Sauls Antwort besteht in einer Gegenfrage: „Wer bist du, Herr?“ Jesus offenbart sich ihm. „Ich bin Jesus, den du verfolgst“. Damit ist das Warum der Verfolgung freilich noch nicht geklärt. Oder? Vielleicht schon. Vielleicht steckt die Antwort tatsächlich in der Aussage „Ich bin Jesus.“, und vielleicht reicht für die Fälle heutiger Verfolgung bereits „Ich folge Jesus.“ als Begründung aus. Vielleicht steckt ja in Jesus selbst der Grund. Gehen wir diesem Gedanken einmal nach.

Jesus stört die bestehende Ordnung zugunsten einer neuen Form des Zusammenlebens, deren Regeln sich weniger vom Gesetz her ergeben, sondern vielmehr von der Liebe her. Jesus irritiert die kulturellen und religiösen Grundlagen der Gesellschaft. Das können die Eliten dieser Gesellschaft, die sich auf jene Grundlagen eingestellt haben, die ihre Macht davon ableiten, nicht hinnehmen. Nicht in Jerusalem, nicht in Rom, nicht in Pjöngjang.

Jesus identifiziert sich mit den Verfolgten, wie die Verfolgten sich mit ihm identifizieren. So hat Jesu Frage Sinn: „Warum verfolgst du mich?“ – mich. Wer Christen verfolgt, verfolgt Christus. Auch heute spricht durch die Verfolgten die Stimme des Herrn: „Ich bin Jesus, den du verfolgst“. Der Lebensweg Jesu, seine Identifikation mit den verfolgten Christen und das Beispiel des Saul, der zum Paul wird, mögen den Christen in aller Welt heute Mut machen, die Verfolgung auszuhalten und für die Verfolger zu beten.

(Josef Bordat)

Weltjugendtag in Panama

Gerade beginnt der Weltjugendtag in Panama. Papst Franziskus richtet bei der großen Willkommens- und Eröffnungszeremonie einige Worte an die etwa 200.000 Jugendlichen, die auf dem Campo Santa María la Antigua zusammengekommen sind.

Es geht um die Liebe und die Einheit, um das Bauen von Brücken und das Niederreißen von Mauern, darum, bei allen Unterschieden das Verbindende zu erkennen und zu stärken.

Beim Weltjugendtag in Panama stehen noch mehrere Begegnungen des Papstes mit den Jugendlichen auf dem Programm, bis zum Abschlussgottesdienst am Sonntag.

(Josef Bordat)

Weltjugendtag in Panama

Eine Pilgergruppe aus dem Erzbistum Berlin ist dabei

45 Jugendliche und junge Erwachsene aus dem Erzbistum Berlin – darunter mein Firmpatenkind und seine Schwester – haben sich auf den Weg gemacht und sind der Einladung von Papst Franziskus zum 34. Weltjugendtag gefolgt, der in diesem Jahr in Panama stattfindet.

Vom 17. bis 21. Januar finden im Vorfeld des Weltjugendtags die „Tage der Begegnung“ statt, die die Berliner Gruppe in Costa Rica im Bistum San Isidro de El General verbringen wird. Die zentralen Veranstaltungen des Weltjugendtags in Panama-Stadt beginnen am 22. und enden am 27. Januar 2019.

Hoffentlich ist die Anreise der Berliner Gruppe weniger problematisch als die der Pilger aus dem Erzbistum Köln, die Opfer des Streiks wurden.

(Josef Bordat)

Die Taufe Jesu

In jener Zeit war das Volk voll Erwartung, und alle überlegten im Stillen, ob Johannes nicht vielleicht selbst der Messias sei. Doch Johannes gab ihnen allen zur Antwort: Ich taufe euch nur mit Wasser. Es kommt aber einer, der stärker ist als ich, und ich bin es nicht wert, ihm die Schuhe aufzuschnüren. Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen. Zusammen mit dem ganzen Volk ließ auch Jesus sich taufen. Und während er betete, öffnete sich der Himmel, und der Heilige Geist kam sichtbar in Gestalt einer Taube auf ihn herab, und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden. (Lk 3, 15-16. 21-22)

Heute endet in der ordentlichen Form des römischen Ritus der nachkonziliaren Katholische Kirche die Weihnachtszeit. Aus dem Baby ist inzwischen ein junger Mann geworden – entschlossen, Sein Leben ganz Gott zu geben. Der Sohn will Zeugnis ablegen für den Vater. Er wendet sich zu Beginn an den, der Zeugnis ablegte für Ihn, um sich von ihm taufen zu lassen. Jesus kommt zu Johannes, wie schon Maria zu Elisabeth gekommen war.

In der Konkordanzstelle bei Matthäus lesen wir, was Lukas hier nur andeutet: den Widerstand des Johannes dagegen, dass sich der, der „stärker“, der, dem „die Schuhe aufzuschnüren“ er nicht wert sei, von ihm taufen lassen will. „Ich müsste von dir getauft werden, und du kommst zu mir?“, empört sich Johannes (Mt 3, 14). Der Unterschied, den Johannes erkennt, ist groß: Lamm Gottes statt Prophet Gottes, Feuertaufe statt Wassertaufe, Wort statt Stimme.

Doch Jesus kostet diese Differenz nicht aus, lässt sich „zusammen mit dem ganzen Volk“ von Johannes taufen. Es wird klar: Er ist einer von ihnen, ganz Mensch. Und dann „öffnete sich der Himmel, und der Heilige Geist kam sichtbar in Gestalt einer Taube auf ihn herab, und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden“. Denn dieser Mensch ist zugleich ganz Gott.

Mit der Taufe gibt Johannes einen letzten entscheidenden Hinweis auf Jesus als Messias, denn der Geist Gottes besiegelt den Akt, der damit zum Zeichen der Aufnahme in die Gemeinschaft derer wird, die zu Christus halten. Mit der Taufe wird man, wie Papst Benedikt XVI. es einmal gesagt hat, „in einen Freundeskreis aufgenommen“, der einen „nie verlassen wird“, denn, so der Heilige Vater, „diese Gemeinschaft ist die Familie Gottes, die die Verheißung der Ewigkeit in sich trägt“.

Johannes und Jesus, zwei aus dem Freundeskreis, zwei aus der Familie Gottes, haben im Jordan begonnen, was auch heute noch Jahr für Jahr weltweit zig Millionen mal praktiziert wird: die Taufe. Stets im festen Glauben, dass der Mensch dadurch Kind Gottes werden kann, im Vertrauen darauf, dass sich Gott in jedem einzelnen Fall dem Täufling zuspricht: Du bist mein geliebter Sohn, du bist meine geliebte Tochter. Und in der darauf fußenden Gewissheit, dass mit der Taufe mehr verbunden ist als ein „Willkommen im Club!“, nämlich eine Heimkehr in eine Gemeinschaft auf Ewigkeit, eine Gemeinschaft mit Gott, wie sie Johannes und wie sie – in ganz besonderer Weise – Jesus hatte.

„Die Taufe“, sagt Heinrich Mussinghoff, emeritierter Bischof von Aachen, „ist das erste und grundlegende Sakrament in unserem Leben als Christen. Die Taufe auf den Namen Jesu verbindet uns mit seiner Person, seinem Schicksal, seinem Tod und seiner Auferstehung.“ Wir sind durch die Taufe mit Jesus verbunden und durch Ihn mit Gott – auf ewig. Was für eine Zusage! Das macht die Taufe zum Grundakt des christlichen Glaubensvollzugs, zum Fundament des Christentums.

(Josef Bordat)

Und noch einmal: Zölibat

Ist der Zölibat Schuld an sexuellen Übergriffen von Priestern?

Das wurde ich kürzlich gefragt. Nicht zum ersten Mal. Dahinter steckt für mich die Vorstellung, dass ein Mann, der keine Frau hat, irgendwann zwangsläufig sexuell übergriffig werden müsse – von Natur aus Täter. Dem ist nicht so. Entsprechend gibt es keinen kausalen Zusammenhang zwischen Zölibat und Missbrauch, dass man also meinen sollte, zölibatär lebende Männer würden „aus der Not heraus“ zu Missbrauchstätern.

Aber: Die zölibatäre Lebensform war (und ist) attraktiv für Männer, die ihre (gesellschaftlich nicht akzeptierten) sexuellen Präferenzen heimlich ausleben wollen, während sie nach außen hin ein anerkanntes Leben führen, das Niemanden Verdacht schöpfen lässt. Zugleich haben sie in der pastoralen Arbeit tagtäglich Zugang zu Kindern und Jugendlichen. Das ist ein Problem – nicht nur der Kirche, sondern aller Einrichtungen der Erziehungs- und Bildungsarbeit.

Der Zölibat ist also nicht die Ursache von sexuellem Missbrauch, er kann aber die Wirkung haben, die Wahrscheinlichkeit für sexuellen Missbrauch in entsprechend organisierten Lebensformen zu erhöhen, weil er potentielle Täter anzieht.

Alles, was ich sonst noch zum Thema „Zölibat“ zu sagen habe, können Sie sich heute in der Radio Horeb-Sendung „Katechismus“ (16:30 Uhr) anhören oder hier durchlesen.

(Josef Bordat)