Mariä Himmelsaufnahme

Warum feiern die Katholiken heute?

Die Katholische Kirche feiert heute ein Fest: die leibliche Aufnahme Mariens in den Himmel. Sie ist das passende Gegenstück zur Menschwerdung Gottes. Die Katholische Kirche (und die orthodoxen Christen) feiern am 15. August deshalb eine Art „Komplementärweihnacht“.

Bei der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel gelangt die Natur des Menschen in Gestalt Marias durch Jesus zu Gott. Die volkstümliche Bezeichnung „Mariä Himmelfahrt“ ist wegen der aktivischen Konnotation irreführend. Maria fährt nicht zum Himmel auf, sie wird aufgenommen, also: Mariä Himmelsaufnahme.

„Warum aber feiern die Katholiken dieses Fest? Schließlich steht nirgendwo in der Bibel ausdrücklich, dass Maria mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen wurde!“

Richtig. Dennoch gibt es einige gute biblische, theologische und historische Gründe, die leibliche Aufnahme Mariens in den Himmel zu feiern.

1. Biblische Gründe

Es gibt zwei alttestamentliche und zwei neutestamentliche Stellen, die auf die Aufnahme Mariens in den Himmel deuten. In Psalm 132 heißt es: „Erheb dich, Herr, komm an den Ort deiner Ruhe, du und deine machtvolle Lade!“ (Ps 132, 8) „Du“, das ist Jesus, die „Lade“, das ist Maria. Und im Hohelied heißt es: „Wer ist die, die aus der Steppe heraufsteigt, auf ihren Geliebten gestützt?“ (Hld 8, 5) Auch diese Stelle drückt die Verbindung Mariens mit Jesus aus.

Zudem spricht die Offenbarung eine deutliche Sprache. Erstens heißt es mit Bezug zu Psalm 138: „Der Tempel Gottes im Himmel wurde geöffnet, und in seinem Tempel wurde die Lade seines Bundes sichtbar“ (Offb 11, 19a). Zweitens ist die sonnenbekleidete, sternenbekränzte Frau ein Hinweis auf die Vollendung Mariens bei Gott: „Dann erschien ein großes Zeichen am Himmel: eine Frau, mit der Sonne bekleidet; der Mond war unter ihren Füßen und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt“ (Offb 12, 1). Das Licht der Sonne steht für die himmlische Herrlichkeit, die Maria umstrahlt, dessen Quelle Gott selbst ist („Die Stadt braucht weder Sonne noch Mond, die ihr leuchten. Denn die Herrlichkeit des Herrn erleuchtet sie, und ihre Leuchte ist das Lamm“, Offb 21, 23). Die Zwölf ist die Zahl der Vollendung – zwölf Stämme Israels, zwölf Apostel, zwölf Sterne. Ergo: Maria ist vollendet bei Gott.

2. Theologische Gründe

Maria ist die „Begnadete“ (Lk 1, 28), von Gott gesegnet – „mehr als alle anderen Frauen“ (Lk 1, 42). Im Glauben der Kirche ist sie frei von Schuld. So drückt es das Dogma von der ohne Erbsünde empfangenen Gottesmutter (1854, Papst Pius IX.) aus: „Diese Unsere Worte sollen vernehmen die Uns so teuern Söhne der katholischen Kirche; sie sollen fortfahren mit stets glühenderem Eifer der Frömmigkeit, der Liebe und Hingabe die seligste Gottesgebärerin und Jungfrau Maria, die ohne Makel der Erbsünde empfangen wurde, zu verehren, anzurufen und anzuflehen“.

Wenn Maria frei von Sünde war („unbefleckt“), dann gibt es theologisch keinen Grund, an ihrer Aufnahme dort (also: bei Gott) zu zweifeln, wo wir alle – trotz unserer Sündhaftigkeit – hinzugelangen hoffen: zu Gott.

3. Historische Gründe

Es gibt aber auch einige historische Indizien dafür, dass mit Maria etwas anders lief als – beispielsweise – mit den Aposteln. Schon sehr bald in der jungen Christenheit haben viele Orte für sich beansprucht, im Besitz von Reliquien, also von leiblichen Überresten der Apostel zu sein. Das Geschäft damit blühte, so dass Martin Luther spottete, dass von den zwölf Aposteln 14 allein in Deutschland liegen sollen.

Niemals jedoch hat irgendjemand dies im Zusammenhang mit Maria reklamiert: im Besitz von Reliquien zu sein. Eine Ahnung von der leiblichen Aufnahme? Das Dogma der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel (1950, Papst Pius XII.) kam viel später, aber die Ahnung, der Sinn, das Gespür der Gläubigen, der „sensus fidei“, scheint bereits sehr lange zuvor die Kirche in diese Richtung geführt zu haben.

Es gibt tatsächlich – und das ist erstaunlich – keine Erkenntnisse über Ort, Zeitpunkt und Art des Todes der Maria. Bereits in der Antike wird das als erstaunlich bemerkt, etwa beim Kirchenvater Epiphanios. Dieser schreibt im 4. Jahrhundert in seinem Panarion: „Aber wenn einige meinen, dass wir uns irren, dann lasst sie die Heilige Schrift durchsuchen. Sie werden nichts darüber finden, ob sie starb oder nicht starb; sie werden nichts finden, ob sie beerdigt wurde oder nicht beerdigt wurde. Mehr als dies: Johannes reiste nach Asien, jedoch nirgendwo können wir lesen, dass er die heilige Jungfrau mit sich nahm“. Erklärt wird das mit der Rücksichtnahme der Bibel auf die begrenzte Vernunft des Menschen: „Vielmehr bewahrt die Schrift absolutes Stillschweigen, um das Gemüt der Menschen nicht zu schockieren wegen der außergewöhnlichen Natur der Wunder. Was mich angeht, ich wage mich nicht, zu sprechen; statt dessen bewahre ich meine eigenen Gedanken, und übe mich in Stillschweigen“.

Andere sind da redseliger. Bereits aus dem 2. Jahrhundert stammt der Melito von Sardes zugeschriebene Transitus Mariae, in dem es heißt: „In Gegenwart der Apostel, die um ihr Bett versammelt waren und auch in Gegenwart ihres göttlichen Sohnes und vieler Engel, starb Maria und ihre Seele stieg in den Himmel auf begleitet von Christus und den Engeln. Ihr Leib wurde von den Jüngern beerdigt. Schwierigkeiten entstanden unter einigen Juden, die ihren Leib aus dem Weg schaffen wollten. Daraufhin geschahen verschiedene Arten von Wundern, um sie zu überzeugen, dass sie den Leib Marias ehren sollten. Am dritten Tag kehrte Christus zurück. Auf Bitten der Apostel wird die Seele Marias mit ihrem Leib vereint.Von singenden Engeln begleitet,trug Christus Maria ins Paradies“. Im frühen 6. Jahrhundert stufte ein päpstliches Dekret (Decretum Gelasianum) den Transitus Mariae als apokryphisch ein, was dessen weite Verbreitung jedoch nicht verhinderte. Die Folge: Im Mittelalter war die Aufnahme Mariens in den Himmel ein fester Bestandteil des christlichen Glaubens.

„Aber dann hat die Reformation damit Schluss gemacht, oder?“

Nein. Auch für Martin Luther war die Aufnahme Mariens in den Himmel eine Selbstverständlichkeit, und der protestantische Reformer Martin Butzer schreibt noch Mitte des 16. Jahrhunderts: „Doch zweifelt kein Christ daran, die würdigste Mutter des Herrn lebe bei ihrem lieben Sohn in himmlischen Freuden“. Der Glaube an Mariä Himmelsaufnahme erreichte erstaunlich ungehindert die Moderne – lange bevor er zum Dogma wurde.

Das Dogma der leiblichen Aufnahme Mariens hat Papst Pius XII. am 1. November 1950 in der Apostolischen Konstitution Munificentissimus Deus wie folgt formuliert: „In der Autorität unseres Herrn Jesus Christus, der seligen Apostel Petrus und Paulus und auch kraft Unserer eigenen verkündigen, erklären und definieren Wir: Es ist ein von Gott geoffenbartes Dogma, daß die immerwährende Jungfrau Maria, die makellose Gottesgebärerin, als sie den Lauf des irdischen Lebens vollendete, mit Leib und Seele zur himmlischen Glorie aufgenommen wurde.“

In dieser Frage schritt der sensus fidei wie gesagt bereits lange voraus, das Lehramt bestätigte den Glaubenssinn nur noch. Und selbst dieses Nachvollziehen einer 1800jährigen Glaubensgeschichte geschah nicht eigenmächtig: Papst Pius XII. befragte im Sinne der kirchlichen Einheit die Bischöfe. Das Ergebnis war ein deutliches Votum für das Dogma: Lediglich 22 von 1181 Oberhirten sprachen sich dagegen aus, also nur 1,8 Prozent.

Wir Katholiken dürfen sie heute also mit ganzem Herzen feiern: die leibliche Aufnahme Mariens in den Himmel.

(Josef Bordat)

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Zum ersten Mal frei

Der 15. August gibt mir jedes Jahr drei Gründe zu feiern. In diesem Jahr noch einen Grund mehr.

Zum einen ist da die Republik Korea, die mir sehr ans Herz gewachsen ist, und die am 15. August 1948 unabhängig wurde.

Zum anderen meine „dritte Heimat“ Arequipa, die Stadt im Süden Perus, in der meine Frau geboren wurde, und deren Gründung als „Villa de la Asunción de Nuestra Señora del Valle Hermoso de Arequipa“ auf den 15. August 1540 datiert.

Und schließlich das, was schon im Gründungsnamen Arequipas angedeutet wird: die leibliche Aufnahme Mariens in den Himmel.

Der 15. August: ein echter Feiertag. Erstmals auch für mich ein freier Tag. Der Vorteil eines Vertrags mit einem bayrischen Arbeitgeber.

(Josef Bordat)

Katechismus-Revision: Todesstrafe als „unzulässig“ abgeschafft!

Ich bin gegen die Todesstrafe, selbst in Fällen von gröbster und größter menschlicher Verfehlung. Der Hauptgrund, gegen die Todesstrafe zu sein, ist für mich die Unveräußerlichkeit der Menschenwürde und des elementaren Lebensrechts, eine Unveräußerlichkeit, die aus der Geschöpflichkeit des Menschen resultiert. Gott schenkt uns Leben, über das wir Menschen nicht verfügen dürfen. Wir können uns dieses Geschenk nur in formaler Weise als „Lebensrecht“ zu, niemals aber in Gestalt eines „Tötungsrechts“ absprechen.

Dass der Katechismus der Katholischen Kirche (KKK) die Todesstrafe bisher nicht explizit ausschloss, war für mich – soweit Selbstverteidigung und Nothilfe beim gefangenen Straftäter ja nicht als Gründe für eine Tötung in Frage kommen – immer unverständlich. In Nr. 2266 hieß es: „Der Schutz des Gemeinwohls der Gesellschaft erfordert, daß der Angreifer außerstande gesetzt wird zu schaden. Aus diesem Grund hat die überlieferte Lehre der Kirche die Rechtmäßigkeit des Rechtes und der Pflicht der gesetzmäßigen öffentlichen Gewalt anerkannt, der Schwere des Verbrechens angemessene Strafen zu verhängen, ohne in schwerwiegendsten Fällen die Todesstrafe auszuschließen. Aus analogen Gründen haben die Verantwortungsträger das Recht, diejenigen, die das Gemeinwesen, für das sie verantwortlich sind, angreifen, mit Waffengewalt abzuwehren.“

Wenn ich dazu Nr. 2267 des KKK las, dann war mir klar, dass es sich bei der Todesstrafe aus katholischer Sicht um eine rein theoretische Option handelt, die für Extremfälle vorgesehen ist, denn „soweit unblutige Mittel hinreichen, um das Leben der Menschen gegen Angreifer zu verteidigen und die öffentliche Ordnung und die Sicherheit der Menschen zu schützen, hat sich die Autorität an diese Mittel zu halten, denn sie entsprechen besser den konkreten Bedingungen des Gemeinwohls und sind der Menschenwürde angemessener.“ „Besser“ und „angemessener“ – im Konjunktiv ging viel vom absoluten Lebensrecht und der absoluten Achtung der Würde des Menschen verloren. Damit ist nun Schluss: Die Glaubenskongregation überarbeitete diese Katechismus-Norm, so dass die Katholische Kirche in Zukunft eine klare Haltung zur Todesstrafe einnimmt: Sie, die Todesstrafe, ist nunmehr unter allen Umständen „unzulässig“, weil sie „einen Angriff auf die Unverletzlichkeit und die Würde des Menschen“ darstellt.

Das dies so klar gesagt wird, ist gut und richtig. Denn auch drei andere Argumente sprechen eindeutig gegen die Todesstrafe: Zunächst die Irreversibilität des Urteils. Einmal vollstreckt, kann es nicht mehr wirksam zurückgenommen werden, wenn sich herausstellt, dass es irrtümlich gefällt wurde. Bei einer Haftstrafe gibt es immerhin die Möglichkeit der Entlassung und der Entschädigung für die Zeit des unrechtmäßigen Freiheitsentzugs. Auch das Argument der größeren Abschreckung scheint nicht wirklich stichhaltig, wenn man Kriminalitätsstatistiken vergleicht. Mir scheint, es geht bei der Todesstrafe am Ende um einen Aspekt des Strafens, der in einem zivilisatorisch entwickelten Strafrecht, gerade auch vor einem christlichen Hintergrund, keine Rolle mehr spielen sollte: Rache. Und schließlich muss es Henker geben, Menschen, die ein Todesurteil vollstrecken. Auch sie werden menschenunwürdig behandelt, als Instrumente eines Strafvollzugs, der gegen die Menschenwürde verstößt. Und daher zurecht abgeschafft gehört. Nicht nur im Katechismus der Katholischen Kirche.

(Josef Bordat)

Warum wächst die Kirche in Korea?

In meinem Tagespost-Leitartikel „Der dritte Weg“ stelle ich das Kirchenwachstumsland Südkorea als Vorbild für das Kirchenschrumpfungsland Deutschland vor. Im Rahmen der Facebook-Diskussion dazu erinnert ein Teilnehmer daran, dass es eine soziale Klammer für beide Phänomene gebe: die Pluralisierung westlicher Gesellschaften.

Gesellschaftliche Pluralität – das ist sicher grundsätzlich richtig, wenn es um die Ausleuchtung der Bedingungen für Schrumpfung (Deutschland) und Wachstum (Südkorea) geht. Auch, dass die Dynamik beider Prozesse in den letzten Jahrzehnten zunimmt, deutet darauf hin, dass die neue Dimension der Pluralität, die Fragmentisierung, eine Rolle spielt.

Dennoch ist es erstaunlich, dass mittlerweile elf Prozent der Koreaner katholisch ist und die Zahl der Katholiken seit zehn Jahren um 20 Prozent stieg. Ich bin kein Religionssoziologe, aber mit Fragmentierungseffekten allein kann man das nicht erklären. Das wäre zu unspezifisch.

Die Pfarrei ist das, was wir aus ihr machen

Was kann dann ein Grund sein? Ganz konkret lieferte Pater Placius Berger OSB im „Münsterschwarzacher Ruf in die Zeit“ vom September 2009 eine Erklärung eingedenk seiner Erfahrungen als Missionar in Korea (genau darauf nehme ich am Ende des Leitartikels Bezug). Die Frage, ob die Koreaner einen anderen Kirchenbegriff haben als die Deutschen, beantwortete der Benediktiner, der von 1965 bis 1988 in Südkorea wirkte und als Kenner der koreanischen Kultur gilt, damals wie folgt: „Sie wissen jedenfalls, dass die kirchliche Organisation von unten her aufgebaut werden muss“. Und weiter: „Die Koreaner wissen: Die Pfarrei ist das, was wir aus ihr machen“. Schließlich: „In Deutschland denken die Menschen bei Mitwirkung in der Kirche immer noch: mitregieren. Dort heißt es: mitarbeiten. Da ist ein Unterschied“. Von Korea zu lernen heißt also, die Macht und Möglichkeit von Laien zu erkennen, die sich eben nicht in Gremienarbeit erschöpft, sondern karitativ und pastoral wirkt. Zumindest wäre das ein Ansatz.

Es gibt aber auch Differenzen zwischen Deutschland und Korea, die sich kaum überwinden lassen, weil sie historisch sind bzw. in der Wahrnehmung liegen. Insbesondere zwei Punkte scheinen ausschlaggebend zu sein.

Die Kirche in Korea ist Opfer, nicht „Täterin“

Während des 19. Jahrhunderts fallen schätzungsweise 10.000 koreanische Katholiken der Verfolgung zum Opfer. Die Verfolgung der Kirche vollzieht sich in vier Wellen: kurz nach dem Verbot (1801), 1839-1841 (danach musste die Kirche komplett neu organisiert werden, da insbesondere Priester, u. a. der erste Bischof, ermordet wurden), 1846-1850 und schließlich – besonders heftig – in den Jahren 1866-1876 unter Prinzregent Taewongun. Erst mit der Staats- und Gesellschaftsreform im Jahre 1895 ebbt die Christenverfolgung in Korea ab. Im 20. Jahrhunderten führt eine Rehabilitierung der Opfer zu einer weit über den Katholizismus hinausreichenden Verehrung der Kirchenpioniere Koreas. Auch der Vatikan zollt der Geschichte der Kirche in Korea gebührend Respekt: 1925 werden neun, 1968 weitere 24 Märtyrer selig gesprochen. Höhepunkt der noch jungen koreanischen Kirchengeschichte ist sicherlich die 1984 – zum 200. Jahrestag der Kirchengründung in Korea – erfolgte Heiligsprechung von 93 koreanischen und 10 französischen Märtyrern der Verfolgungszeit durch Papst Johannes Paul II. – Die Märtyrergeschichte der Kirche Koreas hat zu einer starken Identifikation mit dem Katholizismus geführt. Die katholische Kirche gilt in Südkorea als Opfer; in Deutschland wird sie (fälschlicherweise!) oftmals ausschließlich als „Täterin“ wahrgenommen: Hexenverbrennung, Inquisition, Kreuzzüge, Zwangsmission, Kindesmissbrauch – das verbinden viele Menschen hierzulande mit „Kirche“.

Die Kirche in Korea ist Motor des Fortschritts, nicht dessen „Bremse“

Nach dem Koreakrieg, also ab den 1950er Jahren hat die Kirche viel für das Land getan, was zu einer weiteren positiven Identifikation führte. In Deutschland zwar auch (man denke nur an den Einfluss der katholischen Soziallehre auf die marktwirtschaftliche Orientierung der Ära Adenauer/Erhard!), aber das haben wir Deutsche offenbar vergessen. Die Koreaner nicht. Sie erkennen an, dass der Katholizismus eine große Rolle bei der Entwicklung des modernen Südkorea gespielt hat, insbesondere auch im Schlüsselsektor „Bildung“, der in Korea von vielen konfessionellen Schulen gestützt wird. In Deutschland zwar auch, aber dennoch meinen viele Menschen hierzulande, die Kirche sei fortschrittsfeindlich. Mit „katholische Schule“ verbinden viele Menschen nur noch „Missbrauch“, selbst wenn es den leider auch an staatlichen Schulen gibt (und insbesondere außerhalb von Institutionen, d.h. innerhalb von Familien). Aus Korea hört man zu diesem Thema nichts.

Angesichts dieser Umstände wundert es weit weniger, dass sich die Zahl der Katholiken in Südkorea auch in den letzten zehn Jahren um insgesamt etwa 20 Prozent erhöht hat. Ein Ende des Kirchen-Wachstums ist vorläufig nicht in Sicht.

(Josef Bordat)

Jesus. Und die Kirche

In der Frage des Verhältnisses von persönlicher Gottesbeziehung und religiösem Glaubenssystem (Jesus und Kirche) gibt es (spätestens) seit den 1980ern den Tenor: „Jesus: ja – Kirche: nein!“. Eigentlich ist er aber viel älter und lässt sich in gewisser Weise auf Dietrich Bonhoeffer zurückführen, der mal sagte: „Ich bin keine religiöse Natur. Aber an Gott, an Christus muss ich immerfort denken, an Echtheit, an Leben, an Freiheit und Barmherzigkeit liegt mir sehr viel. Nur sind mir die religiösen Einkleidungen so unbehaglich.“

Daraus erwächst ein „religionsloser Glaube“, der sich – sehr modern – auch in Glaubensformen zeigt, die fernöstliche Philosophie bzw. Weltanschauung (Vedanta, Buddha, Yoga) und Spiritualitätspraktiken (Meditation) aufnehmen und mit modernen psychohygienischen, medizinischen, nutritiven, ökologischen und anderen Komponenten eines „guten Lebens“ zu einer „Patchwork-Religiosität“ verbinden, die in ihrer synkretistischen Genese und ihrer schier beliebigen Varianz an Inhalten eigentlich gar keine „Religiosität“ ist, sondern ein ganz persönlicher Glaube an die gelungene Lebensführung.

Hier mag ein Christ „Jesus“ einsetzen und damit seinen ganz persönlichen Glaube einbinden in die Tradition des Christentums. Bleibt diese – in Gestalt der Kirche – aber ganz draußen, besteht immer die Gefahr einer zu starken Eigendeutung des Evangeliums. Oft wird dieser subjektivistische Glaube, der gerade wegen seiner individualistischen Ausbildungsformen eine enorme Anziehungskraft besitzt, mit der Spiritualität der Mystik verwechselt. Die Ernsthaftigkeit christlicher Kontemplationsmystik gerade hinsichtlich der gesuchten Gottesbeziehung im Rahmen der kirchlichen Dogmatik wird dabei jedoch zumeist unterschätzt.

Genauso falsch ist andererseits eine „glaubenslose Religion“, die sich als Funktionssystem der Gesellschaft mit der Rolle einer Sinnstifterin für andere Funktionssysteme (Politik, Recht, Wirtschaft) begnügt. Dabei besteht nämlich die Gefahr, dass sie – einmal ihrer originären Kompetenz beraubt, nämlich Antworten auf Glaubensfragen zu geben – ganz vom zu stützenden System aufgenommen wird. Darin erfüllt die Religion (für das Christentum: die Kirche) dann nur noch einen billigen Zweck: als bloße Kulturkosmetik politische, juridische und ökonomische Prozesse moralisch aufzuwerten und sie damit bei den Menschen akzeptabler zu machen.

Als Christ muss man also für zwei potentielle Gefahren gewappnet sein: für die Gefahr einer Banalisierung durch private Beliebigkeit (hier ist jeder Einzelne gefragt) und für die Gefahr einer Instrumentalisierung durch öffentliche Vereinnahmung (hier ist die Gemeinschaft gefragt). Der Umstand, dass viele Menschen die Kirche verlassen, ohne grundlegende Glaubenszweifel zu haben, sondern schlicht, weil sie meinen, für ihren Glauben brauche es die Kirche nicht, muss jeden Christen alarmieren.

(Josef Bordat)

Kurt Huber

Heute vor 75 Jahren wurde Kurt Huber hingerichtet.

In einem Schreiben des glühenden Antisemiten Herbert Gerigks, eines Fachkollegen Hubers, an den Reichsstudentenführer vom 19. November 1936 heißt es: „Hubers Bindungen zum Katholizismus und sogar eine ausgesprochen parteifeindliche Haltung sind eindeutig erwiesen“.

Schon die Nazis unterstellten offenbar einen Zusammenhang, den wir heute anhand von Schriftzeugnissen klar aufweisen können: Weil Huber katholisch war, war er parteifeindlich. Und weil er ein Mensch war, der sich weigerte, das Denken einzustellen. Und ein Patriot, der es – im Gegensatz zu den Nazis – ganz ernst meinte mit dem Wohl des deutschen Volkes.

In der Tagespost erinnere ich an den Hochschullehrer, der „die Wiederherstellung der Legalität“ forderte. Und dafür hingerichtet wurde.

(Josef Bordat)

Drei heilige Könige

Mitten im Sommer, ziemlich genau ein halbes Jahr nach den Heiligen Drei Königen aus dem Osten, feiert die Kirche drei heilige Könige aus dem Norden: Erich IX. von Schweden, Knud IV. von Dänemark und Olaf II. von Norwegen. Die skandinavischen Regenten lebten etwa ein Jahrtausend nach den Weisen aus dem Morgenland.

Olaf II. (955-1030) vollendete in Norwegen die von seinem Vorgänger begonnene Christianisierung, holte Missionare ins Land, ließ Kirchen bauen. Das damals vorherrschende Heidentum bekämpfte er kompromisslos, wurde daraufhin verjagt und fiel beim Versuch, die Macht zurückzuerobern.

Knud IV. (1040-1086) hat den Kirchbau in seiner Heimat Dänemark gefördert und sich um ein reiches kirchliches Leben bemüht. Er wurde während eines Aufstands in der St. Alban-Kirche in Odensee ermordet.

Erich IX. (1120-1160) hat sich durch die Missionierung der Finnen einen Namen gemacht. Er wurde während eines Gottesdienstes erschlagen. Erich ist der Schutzpatron Schwedens.

(Josef Bordat)