Ein Papst für Berlin

Erzbischof Koch zum 40. Jahrestag der Wahl von Papst Johannes Paul II.
 
Am 16. Oktober 1978 wurde der Erzbischof von Krakau Karol Wojtyła zum Papst gewählt. Er wählte für sich den Papst-Namen Johannes Paul II. als Würdigung seiner drei Vorgänger. Zum 40. Jahrestag der Wahl erinnert Erzbischof Dr. Heiner Koch an seine große Bedeutung für die deutsche Geschichte und die Geschichte des Erzbistums Berlin: „Ich blicke heute mit großer und tief empfundener Dankbarkeit auf das segensreiche Pontifikat von Johannes Paul II. zurück. Mit seiner Wahl begann eine Entwicklung, die für uns Deutsche das Erzbistum Berlin und die Stadt Berlin von entscheidender Bedeutung ist“.

Heiner Koch erläutert: „Die politischen Umwälzungsprozesse in der polnischen Heimat des Papstes brachten das kommunistische System in Europa ins Wanken. Der Ruf nach Freiheit brach sich schließlich am Ende der 80er Jahre auch im Osten Deutschlands Bahn. Papst Johannes Paul II. hat in seinen vielen Predigten die Sehnsucht der Menschen nach Freiheit immer unterstützt. Er wurde somit zum entscheidenden Wegbereiter für den Fall des Eisernen Vorhangs, das Ende des geteilten Bistums Berlin und die Einheit Deutschlands“.

Schon als Kardinal habe Karol Wojtyła Ost-Berlin besucht, unvergessen sei aber sein Deutschlandbesuch im Juni 1996, so Koch, der an eine in soweit sinnfällige Koinzidenz erinnert: „Die Wahl von Papst Johannes Paul II. erfolgte am Gedenktag der Heiligen Hedwig, der früheren Herzogin von Schlesien, die auch die Patronin unserer Kathedrale in Berlin ist.“

(Josef Bordat)

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Sieben Heilige

Paul VI., Oscar Romero, Nunzio Sulprizio, Francesco Spinelli, Vincenzo Romano, Maria Katharina Kasper und Nazaria March Mesa wurden heute von Papst Franziskus heiliggesprochen.

In seiner Predigt stellte Franziskus den Vorbildcharakter der Heiligen heraus: „Heute lädt uns Jesus ein, zu den Quellen der Freude zurückzukehren: zur Begegnung mit ihm, zu einer mutigen und risikofreudigen Entscheidung, um ihm nachzufolgen, zum Gefallen daran, etwas aufzugeben, um seinen Weg einzuschlagen. Die Heiligen sind diesen Weg gegangen.“

Wie dieser Weg im Fall von Maria Katharina Kasper, Gründerin der „Dernbacher Schwestern“, aussah, davon handelt ein Beitrag in der aktuellen Ausgabe der Tagespost.

(Josef Bordat)

Begründet und bewahrenswert: Der Zölibat

Impulsvortrag anlässlich der Diskussion mit Dr. Franz Hein Aengenheister am 20. September 2018 in Rheurdt-Schaephuysen.

Zölibat (abgeleitet vom Lateinischen caelebs‚ zu deutsch: „allein, unvermählt lebend“) bedeutet Ehelosigkeit und – der katholischen Sexualmoral folgend – geschlechtliche Enthaltsamkeit. Priesteramt bzw. Ordensleben auf der einen und die Ehe auf der anderen Seite schließen einander nach katholischer Lesart aus. Der Zölibat ist jedoch kein Dogma. Er ist ein Zugeständnis an die besondere Rolle derer, die sich Gott geweiht haben. Ganz – mit Leib und Seele, mit Seele und Leib.

1. Geschichte, Wesen und Begründung des Zölibats

Der Zölibat läßt sich zunächst biblisch begründen. Man findet im Neuen Testament die Empfehlung des Apostels Paulus, ehelos zu bleiben, wenn man die Nachfolge Christi ernsthaft antreten will (vgl. 1 Kor 7, 32-35). Allerdings lassen sich auch Ausnahmen vom Zölibat biblisch begründen. Der erste Papst war verheiratet. Zumindest ist von einer Schwiegermutter des Simon Petrus die Rede, die von Jesus geheilt wird (vgl. Mk 1, 29-31; Lk 4, 38-39; Mt 8, 14-15). Auch andere Stellen deuten darauf hin (vgl. 1 Tim 3, 2 und 12; Tit 1, 6). Unter Umständen waren auch weitere Apostel verheiratet, schließlich schreibt Paulus der Gemeinde von Korinth: „Haben wir nicht das Recht, eine gläubige Frau mitzunehmen, wie die übrigen Apostel und die Brüder des Herrn und wie Kephas?“ (1 Kor 9, 5). Dagegen wiederum kann man einwenden, daß die Ehen vor der Berufung zur Nachfolge geschlossen wurden. Auch heute darf ein zum Katholizismus konvertierter Priester einer anderen christlichen Gemeinschaft verheiratet bleiben (Zölibatsdispens nach Kanon 1049, CIC).

Schauen wir auf die biblische Begründung der Ehelosigkeit des Priesters. Der Zölibat wird von Paulus vorgeschlagen, um „in rechter Weise und ungestört immer dem Herrn dienen“ zu können (1 Kor 7, 35). Grundsätzlich gilt für die Nachfolge Christi das Prinzip der Bindungslosigkeit gegenüber weltlichen Dingen: Das Loslassen, das Verlassen weltlicher Bezugssysteme (Familie, Arbeit, Heimat) steht am Beginn der Berufung (vgl. Mt 4, 18-22). Nach kirchlicher Interpretation der Schrift hat Jesus selbst zölibatär gelebt; die Evangelien berichten nichts über eine Ehe Jesu (was sie aufgrund der Bedeutung der Ehe im Judentum mit Sicherheit getan hätten, wäre Jesus verheiratet gewesen).

Es gibt darüber hinaus gewichtige theologische Argumente in der Debatte um die Bedeutung von Ehelosigkeit und Enthaltsamkeit der Priester und Ordensleute. Zeichen, Charisma und Nachfolge sind die drei theologischen Hauptgründe für den Zölibat. Zunächst wird der Zölibat als Hinweis auf das Himmelreich angesehen, wo es ebenfalls keine Ehe gibt (vgl. Mk 12, 25). Sodann wird die Ehelosigkeit als Gnadengabe betrachtet, die den Priester in besonderer Weise auszeichnet. Schließlich stehen Priester in der Nachfolge Jesu und sollen ihre Berufung durch eine möglichst enge Orientierung an Jesu Leben und Lehre zum Ausdruck bringen. Zum Leben Jesu gehört die Ehelosigkeit ebenso wie zu seiner Lehre: Ehelosigkeit „um des Himmelreiches willen“ ist einer der Evangelischen Räte (vgl. Mt 19, 12). Der Neutestamentler Klaus Berger hat dies in seinem Buch Zölibat. Eine theologische Begründung ausführlich dargelegt.

Es gibt darüber hinaus aber auch pastorale Gründe für den Zölibat. Ehelose Priester können sich ganz auf die Arbeit in ihrer Gemeinde konzentrieren und brauchen bei der Ausübung ihrer Tätigkeit keine Rücksicht auf eine Familie zu nehmen. Sie sind unabhängig, flexibel und – in antiklerikalen Systemen – weniger leicht erpreßbar. Das ist heute in vielen Teilen der Welt höchst relevant. Ganz pragmatisch betrachtet ist es auch materiell einfacher, allein zu leben. Man muß nur für sich sorgen und hat außerdem die Möglichkeit, einem Armutsideal zu folgen, das man einer Familie (insbesondere auch Kindern) nicht zumuten kann.

Ein handfester ökonomischer Grund für die historische Zölibatsregelung ist der Umstand, daß die Vermögens- und Wertgegenstände der oftmals aus gutem Hause stammenden Geistlichen als Stiftungen bzw. nach deren Tod als Erbschaften der Kirche zuflossen. Das war aber – im Gegensatz zu anderslautenden Behauptungen – nicht der eigentliche Grund für den Zölibat. Der liegt in der biblischen, theologischen und pastoralen Bedeutung der Ehelosigkeit und Enthaltsamkeit. Der Zölibat geht auf Jesus Christus bzw. die Zeit der Apostel und der Urgemeinde zurück, die in Gütergemeinschaft lebte und in der Erbschafts- oder Stiftungsfragen keine Rolle spielten. Auch bei der ersten formalen Festlegung der Ehelosigkeit von Priestern auf der Synode von Elvira (dem heutigen Granada) Anfang des 4. Jahrhunderts spielten ökonomische Fragen keine Rolle. Spätestens seit den weitreichenden Enteignungen von (ererbten und gestifteten) Kirchengütern Anfang des 19. Jahrhunderts ist dieses Argument sowieso hinfällig. Dafür ist die geistliche und moralische Bedeutung des Zölibats als Zeichen in der Moderne ungebrochen groß, vielleicht größer denn je.

Für die historische Entwicklung der zölibatären Nachfolge Christi ist entscheidend, daß eingedenk des Geheimnisses der Menschwerdung Gottes in Jesus die christliche Theologie seit Paulus Leib und Seele zusammenführt und die Körperlichkeit und Sexualität des Menschen daher Teil seines religiösen Glaubens werden. Die Enthaltsamkeit erfährt im Christentum eine nie dagewesene Aufwertung, weil man durch sie Seele und Leib, den „Tempel des Heiligen Geistes“ (1 Kor 6, 19), ganz auf Gott auszurichten vermag. So sieht Lucetta Scaraffia die Entscheidung für den Zölibat als das „Ergebnis eines kulturellen Kontexts“, in dem man überzeugt war, „an der Schwelle zur Wiederkehr Christi zu stehen, weswegen es notwendig erschien, die Kontinuität der Welt zu vereiteln“ (S. 75). Das war eine völlig neue Weltsicht: „In einer Gesellschaft, in der jeder verpflichtet war, seine Funktion, seinen Beruf, seinen Wohnsitz unverändert beizubehalten und zur Reproduktion der Gruppe von Menschen beizutragen, der er angehörte, bedeutete die Entscheidung für Keuschheit und Armut, mit allem zu brechen: eine Revolution“ (ebd.). Diese „Revolution“ nahm im Zuge des Zweiten Laterankonzils (1139) Form an: Die Ungültigkeit der nach der Weihe geschlossenen Ehe sowie die Ungültigkeit der nach dem Eheschluß vollzogenen Weihe fanden Eingang ins Kirchenrecht. Am Ende der Zölibatsdebatte steht also die Trennung der Christenheit in Klerus und Laien.

Das Zweite Vatikanische Konzil hat den Zölibat bestätigt. Es betont im Dekret Presbyterorum ordinis („Über Dienst und Leben der Priester“, 1965) unter der Überschrift „Besondere Erfordernisse für das geistliche Leben der Priester“, der Zölibat sei „in vielfacher Hinsicht dem Priestertum angemessen“, denn die priesterliche Sendung sei „gänzlich dem Dienst an der neuen Menschheit geweiht, die Christus, der Überwinder des Todes, durch seinen Geist in der Welt erweckt“ (Nr. 16). Weiter heißt es: „Durch die Jungfräulichkeit und die Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen werden die Priester in neuer und vorzüglicher Weise Christus geweiht; sie hängen ihm leichter ungeteilten Herzens an, schenken sich freier in ihm und durch ihn dem Dienst für Gott und die Menschen, dienen ungehinderter seinem Reich und dem Werk der Wiedergeburt aus Gott und werden so noch mehr befähigt, die Vaterschaft in Christus tiefer zu verstehen. Auf diese Weise bezeugen sie also vor den Menschen, daß sie sich in ungeteilter Hingabe der ihnen anvertrauten Aufgabe widmen wollen, nämlich die Gläubigen einem Mann zu vermählen und sie als keusche Jungfrau Christus zuzuführen; so weisen sie auf jenen geheimnisvollen Ehebund hin, der von Gott begründet ist und im anderen Leben ins volle Licht treten wird, in welchem die Kirche Christus zum einzigen Bräutigam hat. Darüber hinaus sind sie ein lebendiges Zeichen der zukünftigen, schon jetzt in Glaube und Liebe anwesenden Welt, in der die Auferstandenen weder freien noch gefreit werden“ (ebd.).

Jetzt könnte man sagen: Ach, ja – 1965. Lang ist es her. Der FC war noch Deutscher Meister. Es gab noch kein Facebook. Doch: Mehrere Synoden der letzten Jahre und Jahrzehnte haben die Bedeutung des Zölibats betont und sich für dessen Beibehaltung ausgesprochen; zuletzt die XI. Ordentliche Generalversammlung der Weltbischofssynode (2005) zum Thema „Die Eucharistie: Quelle und Höhepunkt des Lebens und der Sendung der Kirche“ (→ Liturgie), auf der sich etwa 80 Prozent der Bischöfe für den Zölibat ausgesprochen hat.

2. Kritik am Zölibat

Kritik am Zölibat kommt heute von innerhalb und von außerhalb der Kirche. Der Zölibat gehört zu den Hauptkritikpunkten an der Katholischen Kirche. 74 Prozent der Deutschen erhoffen sich von Papst Franziskus die Abschaffung des Zölibats (Emnid, 2013). Was steckt hinter der Kritik? Der Mediensoziologe Norbert Bolz versucht in einem Interview mit der katholischen Zeitung Die Tagespost (22. Mai 2010) eine Antwort: „Zölibat ist Askese, und Askese ist etwas, das für unsere Gesellschaft unerträglich ist, das absolut Nicht-Säkularisierbare. Es gibt zwar alle möglichen Formen von Konsum und Befriedigung, aber Askese, also der freiwillige Verzicht auf Möglichkeiten, ist für die offizielle Selbstbeschreibung einer säkularen bürgerlichen Gesellschaft ein Skandal. Die Leute wittern, daß hinter der Askese Macht steckt, und das reizt sie bis aufs Blut.“ Darüber, ob das stimmt, können wir ja gerne diskutieren.

Zwei Haupteinwände werden immer wieder vorgebracht: Priestermangel und Mißbrauch.

Priestermangel. Innerhalb der Kirche sehen Kritiker das Priesteramt künftig quantitativ derart geschwächt, daß man mit der Aufhebung des „Pflichtzölibats“ Berufungen erleichtern und auch nicht-zölibatär lebende, verheiratete Männer als Diakone oder viri probati verstärkt in der Pastoral einsetzen müsse; die II. Ordentliche Generalversammlung der Weltbischofssynode (1971) hatte das noch explizit abgelehnt. Aber die Debatte nicht aufhalten können.

Wir jammern hier auf hohem Niveau. In Deutschland kommt ein Priester auf 1500 Katholiken, in Asien und Afrika kommt ein Priester auf 3000 bzw. 4500 Katholiken. Damit ist das Betreuungsverhältnis hierzulande doppelt bis dreifach so gut wie in Asien und Afrika. Betrachtet man die tatsächliche Teilhabe am Gemeindeleben und den Empfang der Sakramente, wird die Quote für Deutschland noch günstiger, denn während bei uns nur jeder Zehnte zur Sonntagsmesse geht, sind es in anderen Teilen der außerdeutschen Welt dreißig, vierzig Prozent – trotz einer oft stundenlangen Anreise zur nächstgelegenen Kirche.

Ferner: Wenn der Zölibat wirklich das Problem wäre, müßte die Evangelische Kirche keine Nachwuchssorgen haben, was ihre Geistlichen angeht. Hat sie aber, noch viel mehr als die Katholische Kirche. Was es hierzulande gibt, das ist ein massiver Mangel an Gläubigen. Doch ob sich dieser ausgerechnet durch verheiratete Priester beheben läßt? Auch in dieser Hinsicht lassen die hiesigen Evangelischen Landeskirchen nichts Gutes erahnen. Im übrigen scheitern nur sehr wenige katholische Priester an der „Bürde“ des Zölibats. Der Anteil der Priester, die ihr Amt niederlegen, um in den Stand der Ehe eintreten zu können, liegt bei unter zwei Prozent, während fast die Hälfte aller geschlossenen Ehen innerhalb der ersten zehn Jahre scheitert.

Mißbrauch. Also: Ist daran der Zölibat Schuld an den fürchterlichen Nachrichten, die uns erreichen? Aus Irland, Australien, USA, Deutschland, Holland. Es hört ja nicht auf. Aber: Es gibt keinen kausalen Zusammenhang zwischen Zölibat und Mißbrauch, daß man also meinen sollte, zölibatär lebende Männer würden „aus der Not heraus“ zu Mißbrauchstätern. Der Gerichtsgutachter Hans Ludwig Kröber meint dazu unmißverständlich: „Man wird eher vom Küssen schwanger als vom Zölibat pädophil“. Auch der Stanford-Professor und Mitherausgeber der Analyse Sexual Abuse in the Catholic Church: A Decade of Crisis, 2002-2012, Thomas G. Plante, weist in einem Artikel für Psychology Today darauf hin, daß: „Clerical celibacy doesn’t cause pedophilia and sexual crimes against minors“. Weiterhin: „Celibacy doesn’t turn people into sex offenders of children. And the vast majority of sex offenders in our community are not celibate men“. Heißt also: Wenn ein Mann pädophil ist, dann war er es schon, bevor er Priester wurde. Er wird es nicht durch den Zölibat.

Aber: Die zölibatäre Lebensform ist attraktiv für Männer, die ihre (gesellschaftlich nicht akzeptierten) sexuellen Präferenzen heimlich ausleben wollen, während sie nach außen hin ein anerkanntes Leben führen, das Niemanden Verdacht schöpfen läßt. Zugleich haben sie in der pastoralen Arbeit tagtäglich Zugang zu Kindern und Jugendlichen. Das ist ein Problem. Der Zölibat ist also nicht die Ursache von sexuellem Mißbrauch, er kann aber die Wirkung haben, die Wahrscheinlichkeit für sexuellen Mißbrauch in entsprechend organisierten Lebensformen zu erhöhen, weil er potentielle Täter anzieht. Da muß man wirklich aufpassen.

3. Eine These als Schlußfolgerung

Also: Der Zölibat ist wertvoll. Es ist kein Zwang, denn niemand ist gezwungen, Priester zu werden. Einfach aufgeben kann man die Verpflichtung zum priesterlichen Zölibat nicht. Schon gar nicht aus den falschen Gründen.

Sie können das alles nochmal nachlesen, in meinem Buch. Da gibt es ein Kapitel zum Zölibat, eins zum Mißbrauch, eins zum Priestertum.

Vielen Dank!

(Josef Bordat)

20 Jahre Hoffnung

Hier einige Impressionen vom Franziskusfest am 6. Oktober auf „Gut Neuhof“, bei dem gefeiert wurde, dass es die Fazenda schon seit 20 Jahren in Deutschland gibt.

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Das Haupthaus. Foto: JoBo, 10-2018.
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Die Kapelle. Foto: JoBo, 10-2018.
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Nicht nur für die Kleinen interessant: Landwirtschaft auf „Gut Neuhof“. Foto: JoBo, 10-2018.
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Ehemalige und Verantwortliche vor der Kapelle. Foto: JoBo, 10-2018.
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Buntes Bühnenprogramm. Foto: JoBo, 10-2018.
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Franziskanerinnen im Gespräch über ihr Wirken auf der Fazenda. Foto: JoBo, 10-2018.

Einen ausführlichen Bericht über das Jubiläums-Franziskusfest gibt es in der Online-Ausgabe der Tagespost.

(Josef Bordat)

Franziskusweg

Es muss nicht immer der Camino sein. Es gibt Alternativen zum Jakobsweg. Anton und Simone Ochsenkühn zeigen uns in ihrem Buch „Auf dem Franziskusweg. Eine Pilgerreise von Assisi nach Rom“ (Herder Verlag, Freiburg im Breisgau 2011) eine besonders interessante. In einem persönlichen und zugleich nützlichen Reisetagebuch berichten sie von ihrer Pilgerschaft in Italien.

Pilgern hat Konjunktur. Die Zahl der Pilger auf dem berühmten „Camino“, dem Jakobsweg in Nordspanien, stieg in den letzten zwanzig Jahren exponentiell an. Waren es in den „normalen Jahren“ der 1990er-Jahre nicht mehr als einige Zehntausend, so sind es in den letzten Jahren immer mehr als 100.000 Menschen gewesen, die sich auf die Spuren des Apostels machten, nach Santiago de Compostela. Das bedeutet: Pilgern auf dem Jakobsweg ist längst Teil des Massentourismus geworden, verliert damit aber etwas vom Charme der einsamen Suche nach Gott, der dem Pilgern anhaftet. Der wahre Jakob in Sachen spiritueller Wanderschaft sieht also anders aus als die profane Realität zwischen Baskenland und Galizien.

Doch für den sinnsuchenden Europäer, der sich auf die Pilgerschaft begeben will, kommt ein anderes Land in Sicht: Italien. Dort führt der Franziskusweg von Assisi nach Rom. Anton und Simone Ochsenkühn haben ihn begangen und lassen uns teilhaben an spirituellen und organisatorischen Umständen der Reise. Heraus gekommen ist ein bodenständiger, informativer, reich bebilderter Bericht mit vielen wertvollen Tipps für die Planung der eigenen Pilgertour, denn die Autoren wissen, wie wichtig eine gute Vorbereitung ist.

Das Buch ist dennoch kein Reiseführer, sondern eine sehr persönliche Schilderung des Verlaufs der 15tägigen Pilgerschaft über eine Strecke von 250 Kilometern, deren Besonderheit im ständigen Wechsel zwischen der Perspektive Antons und der Simones liegt. In den farblich voneinander abgegrenzten Tagebucheintragungen der beiden Partner auf Pilgerschaft, die auf dem Franziskusweg ihre kriselnde Beziehung stabilisieren wollten und dies auch konnten, wechseln sich touristische Impressionen mit Bemerkungen über den schweren Rucksack und das schlechte Frühstück in munterem und unterhaltsamem Stil ab. Dazwischen gibt es immer wieder Einblicke in die Seele und in intime Gedankenwelten. Man erfährt, wie die Partner übereinander denken, entdeckt in den vertraulichen Notizen manches Vertraute. Interessante Erkenntnisse über Gott und die Welt, die streckenweise den Charakter philosophischer Erörterungen haben, getragen von neuer Gelassenheit und Zufriedenheit, immer leicht und locker geschrieben, belegen den Wert der Entscheidung, sich auf den Weg gemacht zu haben.

Mit seinem Tagebuch-Reisebericht macht das Autorenpaar Mut zum Pilgern und zugleich beste Werbung für den weithin unbekannten Franziskusweg („Pilger-Geheimtipp“), stellt aber zugleich heraus, dass es letztlich egal ist, wohin man geht, denn die gelungene Pilgerschaft führt stets zum gleichen Ziel: zu sich selbst. Im Falle der Ochsenkühns führte der Weg auch „zu neuen Perspektiven für ihr Leben“. Es scheint, dass eine Pilgerreise lohnt. So wie die Lektüre des Buchs zur Vorbereitung auf das spirituell-sportliche Abenteuer.

(Josef Bordat)

Freckenhorster Kreis (Bistum Münster) fordert Neuausrichtung in der Kirchenlehre

Zu einem in der Online-Ausgabe von „Kirche+Leben“ (Münster) veröffentlichten Papier des Freckenhorster Kreis (ein mir nicht weiter bekannter Zusammenschluss von rund 250 kirchlich engagierten Frauen und Männern im Bistum Münster) möchte ich doch drei Bemerkungen machen.

Problematisch an dem Papier ist zunächst, den sexuellen Missbrauch allein als Ausdruck von Sexualität zu deuten. Tatsächlich ist er aber vielmehr ein Ausdruck von Macht und hat insofern mehr mit der Befriedigung eines Macht- und Kontrollgelüstes zu tun als mit der Befriedigung eines (möglicherweise „verqueren“) Sexualtriebs. Den Zölibat hier ursächlich zu nennen, widerspricht allem, was zu dem Zusammenhang von Zölibat und Missbrauch bisher bekannt ist.

Dann ist es eben nicht fair, den Zölibat quasi als „Gefahrenquelle“ für die Entwicklung einer pathologischen oder zumindest problematischen Sexualität hinzustellen. Das macht Priester und Ordensleute pauschal (zumindest „nicht selten“, wie es heißt) zu potentiellen Psychopathen im Hinblick auf eine gestörte Sexualität. Wenn (wie es aussieht) 90 Prozent der Priester weder zu Missbrauchstätern werden noch das Priesteramt verlassen, um zu heiraten, dann spricht das eher für die Möglichkeit, dass der Zölibat lebbar ist. Umgekehrt müssten einem ja bei über 50 Prozent Scheidungen in den ersten zehn Jahren Zweifel an der Lebbarkeit der Ehe kommen, die dann wohl erst recht als „menschliche Katastrophe“ zu sehen wäre.

Ferner ist es sehr leicht, aber auch sehr leichtfertig, die katholische Moraltheologie gegen die „moderne Wissenschaft“ auszuspielen. Das macht Eindruck, vor allem bei denen, die beides nicht gut kennen. Denn zum einen ist die katholische Sexualmoral gar nicht so weltfremd und zum anderen sind wissenschaftliche Befunde nicht immer im Widerspruch zur kirchlichen Lehre. Viel öfter widersprechen wissenschaftliche Studien einander – abhängig von Fakultät und Auftraggeber. Ich jedenfalls bin froh, dass die Kirche die Resultate der im Paradigma des Naturalismus forschenden Humanwissenschaften nicht eins zu eins in ihre Lehre übernimmt und stattdessen an Pflichten festhält, die sich durchaus auch naturrechtlich begründen lassen. Wenn diese dann dem widersprechen, was heute als „natürlich“ gilt, muss man in beide Richtungen nach der Wahrheit schauen.

Dennoch muss man die vom Freckenhorster Kreis angesprochenen Fragen offen diskutieren. Den Zölibat kann man meinetwegen abschaffen und auch Frauen zu Priestern weihen, aber bitte nicht aus den falschen Gründen! Entscheidend sind dafür neue theologische Erkenntnisse, die auf der Grundlage von Offenbarung und Tradition zu überzeugenden Argumenten führen, die solche Änderungen wirklich nachvollziehbar begründen, aber nicht Umfragewerte, sozialpsychologische Studien oder der Wille, die Kirche wieder „attraktiv“ zu machen für „die“ Menschen (nichts gegen diesen Willen, doch Aufgabe des eigenen Wesens ist selten ein geeigneter Weg zu mehr Attraktivität).

Man sollte sich also vor drei Dingen hüten: vor einer unfairen Rekonstruktion der Kirchenlehre, vor einer Überhöhung der (Natur-)Wissenschaft hinsichtlich ihrer Möglichkeit, Ratgeberin der normativen (theologischen) Ethik zu sein, und schließlich vor falschen Kontextualisierungen: weder ist der Zölibat Ursache des Missbrauchs noch sollte „von den Menschenrechten ausgegangen“ werden, wenn es um die Rolle der Frau in der Kirche geht.

(Josef Bordat)

Engel im Katholizismus

Heute feiert die Kirche das Fest der drei Erzengel Michael, Gabriel und Raphael. Engel haben im Katholizismus einen festen Platz.

In jeder Heiligen Messe gedenken wir der Engel, wenn wir das Schuldbekenntnis sprechen („Darum bitte ich die selige Jungfrau Maria, alle Engel und Heiligen und euch, Brüder und Schwestern, für mich zu beten bei Gott, unserem Herrn“) oder wenn der Zelebrant die Gemeinde einlädt, in den Lobgesang der Engel einzustimmen: „Heilig, heilig, heilig“.

Die Kirche hat sich immer zur Existenz von Engeln bekannt. Auf dem Vierten Laterankonzil (1215) stellt die Kirche in einer Definition gegen die Albigenser und Katharer klar, daß der dreifaltige Gott „der Schöpfer alles Sichtbaren und Unsichtbaren, des Geistigen und des Körperlichen (ist): er schuf in seiner allmächtigen Kraft vom Anfang der Zeit an aus nichts zugleich beide Schöpfungen, die geistige und die körperliche, nämlich die der Engel und die der Welt: und danach die menschliche, die gewissermaßen zugleich aus Geist und Körper besteht“ (Denzinger).

Auf dem Ersten Vatikanischen Konzil (1870-1871) wurde diese Aussage noch einmal bekräftigt. Auch das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) bekennt sich zur Existenz von Engeln. In Gaudium et spes, der „Pastoralen Konstitution über die Kirche in der Welt von heute“, wird unter Nr. 19 der Psalmist zitiert, der die Stellung des Menschen wie folgt beschreibt: „Was ist der Mensch, daß du seiner gedenkst? Oder des Menschen Kind, daß du dich seiner annimmst? Wenig geringer als Engel hast du ihn gemacht, mit Ehre und Herrlichkeit ihn gekrönt und ihn über die Werke deiner Hände gesetzt. Alles hast du ihm unter die Füße gelegt“ (Ps 8, 5-7).

In Lumen Gentium, der „Dogmatischen Konstitution über die Kirche“, heißt es zunächst eher beiläufig unter Hinweis auf Mt 25, 31: „Bis also der Herr kommt in seiner Majestät und alle Engel mit ihm“ (Nr. 49), um dann nachzulegen: „Daß aber die Apostel und Märtyrer Christi, die mit ihrem Blut das höchste Zeugnis des Glaubens und der Liebe gegeben hatten, in Christus in besonderer Weise mit uns verbunden seien, hat die Kirche immer geglaubt, sie hat sie zugleich mit der seligen Jungfrau Maria und den heiligen Engeln mit besonderer Andacht verehrt“ (Nr. 50). Die Botschaft des Engels an Maria wird zweimal aufgegriffen (Nr. 53 und Nr. 56).

Der Katechismus der Katholischen Kirche bekräftigt die Glaubenswahrheit der Existenz von Engeln: „Daß es geistige, körperlose Wesen gibt, die von der Heiligen Schrift für gewöhnlich Engel genannt werden, ist eine Glaubenswahrheit. Das bezeugt die Schrift ebenso klar wie die Einmütigkeit der Überlieferung“ (Nr. 328).

Schließlich kann man von daher verstehen, warum Engel in der Katholischen Kirche eine besondere Verehrung erfahren. Entscheidend ist: Die Engel kommen nur in Bezug auf Gott vor. Schon in den Namen der drei Erzengel Michael, Gabriel und Raphael steckt „Gott“ drin, hebräisch „el“. Micha-el bedeutet „Wer ist wie Gott?“, Gabri-el „Meine Kraft ist Gott“ und Raphael „Gott heilt“. Das heutige Erzengelfest, das die ehemals (vor der Liturgiereform im Zuge des Zweiten Vatikanischen Konzils) auf das Jahr verteilten Feste der drei Erzengel Gabriel, Michael und Raphael am Michaelistag bündelt, soll uns an diese Bedeutung der Engel erinnern.

Die Verehrung der und der Glaube an Engel kann den Glauben an den dreieinigen und dreifaltigen Gott nicht ersetzen. Auch hier steht die katholische Theologie fest in biblischer Tradition.

(Josef Bordat)