Dreimal Tod – und die Frage, was danach kommt

Momentan läuft in den Kinos die Komödie „Johnny English. Man lebt nur dreimal“ mit dem unnachahmlichen Rowan Atkinson in die Titelrolle. Was für englische Agenten gilt, das gilt nicht für den Rest der Welt. Die „Normalsterblichen“ haben genau ein irdisches Leben – und das endet mit dem Tod. Man lebt nur einmal.

Der Tod – ist er, wie einst Epikur sagte, bedeutungslos? Oder bildet das Sterben den Kern lebenslangen Lernens, wie Platon meinte? Am Umgang mit Sterben und Tod scheiden sich die Geister. Nicht nur in der Antike. Für die „Tagespost“ vom 8. November 2018 habe ich mich auf eine thanatologische Spurensuche in der antiken Philosophie begeben. Es zeigte sich dabei: Zum Menschsein gehört die Auseinandersetzung mit dem Sterben und die Vorbereitung auf den Tod unbedingt dazu.

319_131

Der November bringt es mit sich, dass zwischen Allerseelen und Totensonntag diese Auseinandersetzung alljährlich Konjunktur hat. So befasst sich die Zeitschrift „Neue Stadt“ in der aktuellen Ausgabe (Nov./Dez. 2018) mit der Frage „Was kommt nach dem Tod?“ Herausragend das Interview mit dem Theologen Hans Kessler, der kenntnisreich und verständlich über Nahtoderfahrungen und Jenseitsvorstellungen spricht, der die christliche Hoffnung auf ewiges Leben erfrischend undogmatisch stärkt: „Wir werden auferstehen in Gott hinein“.

Schließlich gibt es bei „Media Maria“ eine interessante Neuerscheinung zum Thema, die ich hier gerne vorstellen will. Der Kölner Geistliche Klaus-Peter Vosen legt mit „Tor – nicht Tod“ ein kleines Kompendium der Eschatologie vor resp. das, was auf knapp 100 Seiten passt, wenn lesefreundlicher Großdruck gewählt wurde und die Verstehbarkeit der Ausführungen für Jedermann die Diktion bestimmt. Dabei ist der Text nicht etwa flach, sondern höchst erbaulich. Er trägt persönliche Züge (Vosen schrieb ihn, kurz nachdem seine Mutter verstorben war), eröffnet aber allgemeine Perspektiven auf den Glauben daran, dass mit dem Tod nicht alles aus ist.

(Josef Bordat)

Advertisements

Sieben Heilige

Paul VI., Oscar Romero, Nunzio Sulprizio, Francesco Spinelli, Vincenzo Romano, Maria Katharina Kasper und Nazaria March Mesa wurden heute von Papst Franziskus heiliggesprochen.

In seiner Predigt stellte Franziskus den Vorbildcharakter der Heiligen heraus: „Heute lädt uns Jesus ein, zu den Quellen der Freude zurückzukehren: zur Begegnung mit ihm, zu einer mutigen und risikofreudigen Entscheidung, um ihm nachzufolgen, zum Gefallen daran, etwas aufzugeben, um seinen Weg einzuschlagen. Die Heiligen sind diesen Weg gegangen.“

Wie dieser Weg im Fall von Maria Katharina Kasper, Gründerin der „Dernbacher Schwestern“, aussah, davon handelt ein Beitrag in der aktuellen Ausgabe der Tagespost.

(Josef Bordat)

20 Jahre Hoffnung

Hier einige Impressionen vom Franziskusfest am 6. Oktober auf „Gut Neuhof“, bei dem gefeiert wurde, dass es die Fazenda schon seit 20 Jahren in Deutschland gibt.

DSC08973
Das Haupthaus. Foto: JoBo, 10-2018.
DSC09002
Die Kapelle. Foto: JoBo, 10-2018.
DSC09024
Nicht nur für die Kleinen interessant: Landwirtschaft auf „Gut Neuhof“. Foto: JoBo, 10-2018.
DSC09040
Ehemalige und Verantwortliche vor der Kapelle. Foto: JoBo, 10-2018.
DSC09047
Buntes Bühnenprogramm. Foto: JoBo, 10-2018.
DSC09064
Franziskanerinnen im Gespräch über ihr Wirken auf der Fazenda. Foto: JoBo, 10-2018.

Einen ausführlichen Bericht über das Jubiläums-Franziskusfest gibt es in der Online-Ausgabe der Tagespost.

(Josef Bordat)

Was hat der Zölibat mit sexuellem Missbrauch zu tun?

Ist der Zölibat Schuld an den fürchterlichen Nachrichten, die uns erreichen – aus Irland, Australien, USA, Deutschland, Holland?

Nein. Es gibt keinen kausalen Zusammenhang zwischen Zölibat und Missbrauch, dass man also meinen sollte, zölibatär lebende Männer würden „aus der Not heraus“ zu Missbrauchstätern. Der Gerichtsgutachter Hans Ludwig Kröber meint dazu unmissverständlich: „Man wird eher vom Küssen schwanger als vom Zölibat pädophil“.

Auch der Stanford-Professor und Mitherausgeber der Analyse Sexual Abuse in the Catholic Church: A Decade of Crisis, 2002-2012, Thomas G. Plante, weist in einem Artikel für Psychology Today darauf hin, dass „Clerical celibacy doesn’t cause pedophilia and sexual crimes against minors“. Weiterhin: „Celibacy doesn’t turn people into sex offenders of children. And the vast majority of sex offenders in our community are not celibate men“. Heißt: Wenn ein Mann pädophil ist, dann war er es schon, bevor er Priester wurde. Er wird es nicht durch den Zölibat.

Aber: Die zölibatäre Lebensform ist attraktiv für Männer, die ihre (gesellschaftlich nicht akzeptierten) sexuellen Präferenzen heimlich ausleben wollen, während sie nach außen hin ein anerkanntes Leben führen, das Niemanden Verdacht schöpfen lässt. Zugleich haben sie in der pastoralen Arbeit tagtäglich Zugang zu Kindern und Jugendlichen. Das ist ein Problem.

Der Zölibat ist also nicht die Ursache von sexuellem Missbrauch, er kann aber die Wirkung haben, die Wahrscheinlichkeit für sexuellen Missbrauch in entsprechend organisierten Lebensformen zu erhöhen, weil er potentielle Täter anzieht. Da muss man wirklich aufpassen: in der Priesterausbildung und in der Begleitung von Geistlichen durch die Diözese oder die Ordensgemeinschaft. Das gleiche gilt aber auch für Erzieher in staatlichen Kitas und Trainer im Turnverein.

Der Zölibat ist wertvoll. Es ist kein Zwang, denn niemand ist gezwungen, Priester zu werden. Einfach aufgeben kann man die Verpflichtung zum priesterlichen Zölibat nicht. Schon gar nicht aus den falschen Gründen. Lesen Sie dazu auch den MeinungsMacher-Kommentar von Anna Diouf in der Online-Ausgabe der Tagespost.

(Josef Bordat)

Vier Anmerkungen

Es gibt zu meinem Tagespost-Kommentar „Schweigender Hirte“ viele Rückmeldungen. Zum Teil öffentlich (im Facebook), zum Teil in Gestalt persönlicher Mitteilungen (per Mail). Zunächst: Vielen Dank dafür. Ich bitte um Verständnis, wenn ich nicht auf jeden Beitrag und jede Mail einzeln eingehe.

Ganz allgemein, vier Anmerkungen, die vielleicht etwas aufklären, weil sie Punkte erläutern, die in fast allen kritischen Rückmeldungen vorkommen (über die zustimmenden, die es auch gibt, freue ich mich, muss dazu aber nichts weiter sagen, außer: Danke!).

Also:

1. Es ging mir darum, eine Perspektive zu eröffnen, aus der man das Schweigen auch anders deuten kann denn als Schuldeingeständnis bezüglich der Vorwürfe (solche sind es ja). So kommt das Schweigen offenbar bei vielen an: „am ehesten mit einem Schuldeingeständnis vergleichbar“, „ein schuldiger Mensch schweigt, obwohl (oder gerade weil?) er etwas auf dem Gewissen hat“, „Schutz seiner Person“). Man ist geneigt, gerade katholische Freunde in diesen Tagen daran zu erinnern, dass die Unschuldsvermutung auch (ja: selbst) für den Papst gilt.

2. Es geht mir um das persönliche Schweigen des Papstes, nicht um ein „Schweigen“ der Institution Kirche. Es wäre ein Missverständnis zu meinen, ich sei gegen Aufklärung in Sachen Missbrauch. Das widerspräche so ziemlich allem, was ich sonst zum Missbrauch geschrieben haben (und auch dem gesunden Menschenverstand). Dass das Thema behandelt gehört, so schmerzlich das ist, darüber kann es keine zwei Meinungen geben. Aber die Frage, ob sich Papst Franziskus nun persönlich schnellstens zu Vorwürfen äußern soll, die in die Welt gesetzt wurden, ist eine ganz andere.

3. Der Text entstand im Nachgang einer Debatte darüber, inwieweit die Öffentlichkeit (in Gestalt der Presse) von einem Papst eine Stellungnahme zu Vorwürfen einfordern kann, soll, muss oder darf. Möglicherweise auch noch unter zeitlichem („jetzt“) und / oder moralischem Druck (sonst „Rücktritt“). Dazu gibt es durchaus unterschiedliche Positionen. Ich bin davon überzeugt, dass niemand der an der Diskussion Beteiligten damit verbindet, die Kirche solle das Thema Missbrauch als solches unbehandelt lassen. Es geht hier allein um die Frage, wie sich ein Papst persönlich zu verhalten hat.

4. Viele beziehen sich auch auf die Analogie zum Schweigen Jesu, finden den Vergleich „vermessen“, „geschmacklos“, „skandalös“ (ich hör hier mal auf, es geht noch weiter – an dieser Stelle, finde ich, darf man auch deutlich werden!). Den theologischen Einwand der Nichtvergleichbarkeit des Schweigens Jesu mit dem Schweigen eines sündhaften Menschen generell verstehe ich. Jeder Vergleich mit Jesus hinkt. Mir ging es auch nicht so sehr darum, Franziskus‘ Schweigen mit Jesu Schweigen in Gänze (Anlass, Bedeutung, Wirkung) gleichzusetzen, sondern die Analogie der Drucksituation bei „Original“ und „Stellvertretung“ zu nutzen, um eben (vgl. Punkt 1) eine neue Perspektive auf das Schweigen zu erhalten.

Allgemein sehe ich im Schweigen Jesu nämlich die Quelle für den hohen Stellenwert des Schweigens in der christlichen Spiritualität, gerade auch in Bedrängnis und unter dem Druck der Öffentlichkeit. Daher die Bezugnahme darauf.

Und: Eine Nichtvergleichbarkeit im Speziellen anzunehmen, setzt ja voraus, dass Franziskus schuldig ist (und zwar nicht nur hinsichtlich des Konzepts der Sündhaftigkeit, sondern auch hinsichtlich der Vorwürfe). Viele Bemerkungen gehen in diese Richtung („Jesus war unschuldig!“ – freilich war er das! Gemeint ist dann aber wohl auch: im Gegensatz zu Franziskus). Aber dazu müsste man dann eben auch sehen, dass Franziskus nachweislich unschuldig war in einer Angelegenheit, zu er ebenfalls beharrlich schwieg. Die Situation war 2013 durchaus vergleichbar: 1. Vorwürfe (dubiose Rolle während der Militärdiktatur in Argentinien), 2. Forderungen, Stellung zu beziehen, 3. Schweigen des Papstes.

Ich hoffe, mit diesen kurzen Erläuterungen etwas zur Klärung des Anliegens meines Kommentars beigetragen zu haben.

(Josef Bordat)

Geburtstagsfeier

Zum 70. Geburtstag der Tagespost gab es gestern einen Festakt mit Reden, Grußworten und einer Podiumsdiskussion. Der Ort des Geschehens: die Festung Marienberg in Würzburg.

IMG_0496
Festung Marienberg (Würzburg). Foto: JoBo, 9-2018.

Alles zur Veranstaltung lesen Sie in einer Beilage zur nächsten Ausgabe der Tagespost.

(Josef Bordat)