Sieben Heilige

Paul VI., Oscar Romero, Nunzio Sulprizio, Francesco Spinelli, Vincenzo Romano, Maria Katharina Kasper und Nazaria March Mesa wurden heute von Papst Franziskus heiliggesprochen.

In seiner Predigt stellte Franziskus den Vorbildcharakter der Heiligen heraus: „Heute lädt uns Jesus ein, zu den Quellen der Freude zurückzukehren: zur Begegnung mit ihm, zu einer mutigen und risikofreudigen Entscheidung, um ihm nachzufolgen, zum Gefallen daran, etwas aufzugeben, um seinen Weg einzuschlagen. Die Heiligen sind diesen Weg gegangen.“

Wie dieser Weg im Fall von Maria Katharina Kasper, Gründerin der „Dernbacher Schwestern“, aussah, davon handelt ein Beitrag in der aktuellen Ausgabe der Tagespost.

(Josef Bordat)

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20 Jahre Hoffnung

Hier einige Impressionen vom Franziskusfest am 6. Oktober auf „Gut Neuhof“, bei dem gefeiert wurde, dass es die Fazenda schon seit 20 Jahren in Deutschland gibt.

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Das Haupthaus. Foto: JoBo, 10-2018.
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Die Kapelle. Foto: JoBo, 10-2018.
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Nicht nur für die Kleinen interessant: Landwirtschaft auf „Gut Neuhof“. Foto: JoBo, 10-2018.
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Ehemalige und Verantwortliche vor der Kapelle. Foto: JoBo, 10-2018.
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Buntes Bühnenprogramm. Foto: JoBo, 10-2018.
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Franziskanerinnen im Gespräch über ihr Wirken auf der Fazenda. Foto: JoBo, 10-2018.

Einen ausführlichen Bericht über das Jubiläums-Franziskusfest gibt es in der Online-Ausgabe der Tagespost.

(Josef Bordat)

Was hat der Zölibat mit sexuellem Missbrauch zu tun?

Ist der Zölibat Schuld an den fürchterlichen Nachrichten, die uns erreichen – aus Irland, Australien, USA, Deutschland, Holland?

Nein. Es gibt keinen kausalen Zusammenhang zwischen Zölibat und Missbrauch, dass man also meinen sollte, zölibatär lebende Männer würden „aus der Not heraus“ zu Missbrauchstätern. Der Gerichtsgutachter Hans Ludwig Kröber meint dazu unmissverständlich: „Man wird eher vom Küssen schwanger als vom Zölibat pädophil“.

Auch der Stanford-Professor und Mitherausgeber der Analyse Sexual Abuse in the Catholic Church: A Decade of Crisis, 2002-2012, Thomas G. Plante, weist in einem Artikel für Psychology Today darauf hin, dass „Clerical celibacy doesn’t cause pedophilia and sexual crimes against minors“. Weiterhin: „Celibacy doesn’t turn people into sex offenders of children. And the vast majority of sex offenders in our community are not celibate men“. Heißt: Wenn ein Mann pädophil ist, dann war er es schon, bevor er Priester wurde. Er wird es nicht durch den Zölibat.

Aber: Die zölibatäre Lebensform ist attraktiv für Männer, die ihre (gesellschaftlich nicht akzeptierten) sexuellen Präferenzen heimlich ausleben wollen, während sie nach außen hin ein anerkanntes Leben führen, das Niemanden Verdacht schöpfen lässt. Zugleich haben sie in der pastoralen Arbeit tagtäglich Zugang zu Kindern und Jugendlichen. Das ist ein Problem.

Der Zölibat ist also nicht die Ursache von sexuellem Missbrauch, er kann aber die Wirkung haben, die Wahrscheinlichkeit für sexuellen Missbrauch in entsprechend organisierten Lebensformen zu erhöhen, weil er potentielle Täter anzieht. Da muss man wirklich aufpassen: in der Priesterausbildung und in der Begleitung von Geistlichen durch die Diözese oder die Ordensgemeinschaft. Das gleiche gilt aber auch für Erzieher in staatlichen Kitas und Trainer im Turnverein.

Der Zölibat ist wertvoll. Es ist kein Zwang, denn niemand ist gezwungen, Priester zu werden. Einfach aufgeben kann man die Verpflichtung zum priesterlichen Zölibat nicht. Schon gar nicht aus den falschen Gründen. Lesen Sie dazu auch den MeinungsMacher-Kommentar von Anna Diouf in der Online-Ausgabe der Tagespost.

(Josef Bordat)

Vier Anmerkungen

Es gibt zu meinem Tagespost-Kommentar „Schweigender Hirte“ viele Rückmeldungen. Zum Teil öffentlich (im Facebook), zum Teil in Gestalt persönlicher Mitteilungen (per Mail). Zunächst: Vielen Dank dafür. Ich bitte um Verständnis, wenn ich nicht auf jeden Beitrag und jede Mail einzeln eingehe.

Ganz allgemein, vier Anmerkungen, die vielleicht etwas aufklären, weil sie Punkte erläutern, die in fast allen kritischen Rückmeldungen vorkommen (über die zustimmenden, die es auch gibt, freue ich mich, muss dazu aber nichts weiter sagen, außer: Danke!).

Also:

1. Es ging mir darum, eine Perspektive zu eröffnen, aus der man das Schweigen auch anders deuten kann denn als Schuldeingeständnis bezüglich der Vorwürfe (solche sind es ja). So kommt das Schweigen offenbar bei vielen an: „am ehesten mit einem Schuldeingeständnis vergleichbar“, „ein schuldiger Mensch schweigt, obwohl (oder gerade weil?) er etwas auf dem Gewissen hat“, „Schutz seiner Person“). Man ist geneigt, gerade katholische Freunde in diesen Tagen daran zu erinnern, dass die Unschuldsvermutung auch (ja: selbst) für den Papst gilt.

2. Es geht mir um das persönliche Schweigen des Papstes, nicht um ein „Schweigen“ der Institution Kirche. Es wäre ein Missverständnis zu meinen, ich sei gegen Aufklärung in Sachen Missbrauch. Das widerspräche so ziemlich allem, was ich sonst zum Missbrauch geschrieben haben (und auch dem gesunden Menschenverstand). Dass das Thema behandelt gehört, so schmerzlich das ist, darüber kann es keine zwei Meinungen geben. Aber die Frage, ob sich Papst Franziskus nun persönlich schnellstens zu Vorwürfen äußern soll, die in die Welt gesetzt wurden, ist eine ganz andere.

3. Der Text entstand im Nachgang einer Debatte darüber, inwieweit die Öffentlichkeit (in Gestalt der Presse) von einem Papst eine Stellungnahme zu Vorwürfen einfordern kann, soll, muss oder darf. Möglicherweise auch noch unter zeitlichem („jetzt“) und / oder moralischem Druck (sonst „Rücktritt“). Dazu gibt es durchaus unterschiedliche Positionen. Ich bin davon überzeugt, dass niemand der an der Diskussion Beteiligten damit verbindet, die Kirche solle das Thema Missbrauch als solches unbehandelt lassen. Es geht hier allein um die Frage, wie sich ein Papst persönlich zu verhalten hat.

4. Viele beziehen sich auch auf die Analogie zum Schweigen Jesu, finden den Vergleich „vermessen“, „geschmacklos“, „skandalös“ (ich hör hier mal auf, es geht noch weiter – an dieser Stelle, finde ich, darf man auch deutlich werden!). Den theologischen Einwand der Nichtvergleichbarkeit des Schweigens Jesu mit dem Schweigen eines sündhaften Menschen generell verstehe ich. Jeder Vergleich mit Jesus hinkt. Mir ging es auch nicht so sehr darum, Franziskus‘ Schweigen mit Jesu Schweigen in Gänze (Anlass, Bedeutung, Wirkung) gleichzusetzen, sondern die Analogie der Drucksituation bei „Original“ und „Stellvertretung“ zu nutzen, um eben (vgl. Punkt 1) eine neue Perspektive auf das Schweigen zu erhalten.

Allgemein sehe ich im Schweigen Jesu nämlich die Quelle für den hohen Stellenwert des Schweigens in der christlichen Spiritualität, gerade auch in Bedrängnis und unter dem Druck der Öffentlichkeit. Daher die Bezugnahme darauf.

Und: Eine Nichtvergleichbarkeit im Speziellen anzunehmen, setzt ja voraus, dass Franziskus schuldig ist (und zwar nicht nur hinsichtlich des Konzepts der Sündhaftigkeit, sondern auch hinsichtlich der Vorwürfe). Viele Bemerkungen gehen in diese Richtung („Jesus war unschuldig!“ – freilich war er das! Gemeint ist dann aber wohl auch: im Gegensatz zu Franziskus). Aber dazu müsste man dann eben auch sehen, dass Franziskus nachweislich unschuldig war in einer Angelegenheit, zu er ebenfalls beharrlich schwieg. Die Situation war 2013 durchaus vergleichbar: 1. Vorwürfe (dubiose Rolle während der Militärdiktatur in Argentinien), 2. Forderungen, Stellung zu beziehen, 3. Schweigen des Papstes.

Ich hoffe, mit diesen kurzen Erläuterungen etwas zur Klärung des Anliegens meines Kommentars beigetragen zu haben.

(Josef Bordat)

Geburtstagsfeier

Zum 70. Geburtstag der Tagespost gab es gestern einen Festakt mit Reden, Grußworten und einer Podiumsdiskussion. Der Ort des Geschehens: die Festung Marienberg in Würzburg.

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Festung Marienberg (Würzburg). Foto: JoBo, 9-2018.

Alles zur Veranstaltung lesen Sie in einer Beilage zur nächsten Ausgabe der Tagespost.

(Josef Bordat)

Warum wächst die Kirche in Korea?

In meinem Tagespost-Leitartikel „Der dritte Weg“ stelle ich das Kirchenwachstumsland Südkorea als Vorbild für das Kirchenschrumpfungsland Deutschland vor. Im Rahmen der Facebook-Diskussion dazu erinnert ein Teilnehmer daran, dass es eine soziale Klammer für beide Phänomene gebe: die Pluralisierung westlicher Gesellschaften.

Gesellschaftliche Pluralität – das ist sicher grundsätzlich richtig, wenn es um die Ausleuchtung der Bedingungen für Schrumpfung (Deutschland) und Wachstum (Südkorea) geht. Auch, dass die Dynamik beider Prozesse in den letzten Jahrzehnten zunimmt, deutet darauf hin, dass die neue Dimension der Pluralität, die Fragmentisierung, eine Rolle spielt.

Dennoch ist es erstaunlich, dass mittlerweile elf Prozent der Koreaner katholisch ist und die Zahl der Katholiken seit zehn Jahren um 20 Prozent stieg. Ich bin kein Religionssoziologe, aber mit Fragmentierungseffekten allein kann man das nicht erklären. Das wäre zu unspezifisch.

Die Pfarrei ist das, was wir aus ihr machen

Was kann dann ein Grund sein? Ganz konkret lieferte Pater Placius Berger OSB im „Münsterschwarzacher Ruf in die Zeit“ vom September 2009 eine Erklärung eingedenk seiner Erfahrungen als Missionar in Korea (genau darauf nehme ich am Ende des Leitartikels Bezug). Die Frage, ob die Koreaner einen anderen Kirchenbegriff haben als die Deutschen, beantwortete der Benediktiner, der von 1965 bis 1988 in Südkorea wirkte und als Kenner der koreanischen Kultur gilt, damals wie folgt: „Sie wissen jedenfalls, dass die kirchliche Organisation von unten her aufgebaut werden muss“. Und weiter: „Die Koreaner wissen: Die Pfarrei ist das, was wir aus ihr machen“. Schließlich: „In Deutschland denken die Menschen bei Mitwirkung in der Kirche immer noch: mitregieren. Dort heißt es: mitarbeiten. Da ist ein Unterschied“. Von Korea zu lernen heißt also, die Macht und Möglichkeit von Laien zu erkennen, die sich eben nicht in Gremienarbeit erschöpft, sondern karitativ und pastoral wirkt. Zumindest wäre das ein Ansatz.

Es gibt aber auch Differenzen zwischen Deutschland und Korea, die sich kaum überwinden lassen, weil sie historisch sind bzw. in der Wahrnehmung liegen. Insbesondere zwei Punkte scheinen ausschlaggebend zu sein.

Die Kirche in Korea ist Opfer, nicht „Täterin“

Während des 19. Jahrhunderts fallen schätzungsweise 10.000 koreanische Katholiken der Verfolgung zum Opfer. Die Verfolgung der Kirche vollzieht sich in vier Wellen: kurz nach dem Verbot (1801), 1839-1841 (danach musste die Kirche komplett neu organisiert werden, da insbesondere Priester, u. a. der erste Bischof, ermordet wurden), 1846-1850 und schließlich – besonders heftig – in den Jahren 1866-1876 unter Prinzregent Taewongun. Erst mit der Staats- und Gesellschaftsreform im Jahre 1895 ebbt die Christenverfolgung in Korea ab. Im 20. Jahrhunderten führt eine Rehabilitierung der Opfer zu einer weit über den Katholizismus hinausreichenden Verehrung der Kirchenpioniere Koreas. Auch der Vatikan zollt der Geschichte der Kirche in Korea gebührend Respekt: 1925 werden neun, 1968 weitere 24 Märtyrer selig gesprochen. Höhepunkt der noch jungen koreanischen Kirchengeschichte ist sicherlich die 1984 – zum 200. Jahrestag der Kirchengründung in Korea – erfolgte Heiligsprechung von 93 koreanischen und 10 französischen Märtyrern der Verfolgungszeit durch Papst Johannes Paul II. – Die Märtyrergeschichte der Kirche Koreas hat zu einer starken Identifikation mit dem Katholizismus geführt. Die katholische Kirche gilt in Südkorea als Opfer; in Deutschland wird sie (fälschlicherweise!) oftmals ausschließlich als „Täterin“ wahrgenommen: Hexenverbrennung, Inquisition, Kreuzzüge, Zwangsmission, Kindesmissbrauch – das verbinden viele Menschen hierzulande mit „Kirche“.

Die Kirche in Korea ist Motor des Fortschritts, nicht dessen „Bremse“

Nach dem Koreakrieg, also ab den 1950er Jahren hat die Kirche viel für das Land getan, was zu einer weiteren positiven Identifikation führte. In Deutschland zwar auch (man denke nur an den Einfluss der katholischen Soziallehre auf die marktwirtschaftliche Orientierung der Ära Adenauer/Erhard!), aber das haben wir Deutsche offenbar vergessen. Die Koreaner nicht. Sie erkennen an, dass der Katholizismus eine große Rolle bei der Entwicklung des modernen Südkorea gespielt hat, insbesondere auch im Schlüsselsektor „Bildung“, der in Korea von vielen konfessionellen Schulen gestützt wird. In Deutschland zwar auch, aber dennoch meinen viele Menschen hierzulande, die Kirche sei fortschrittsfeindlich. Mit „katholische Schule“ verbinden viele Menschen nur noch „Missbrauch“, selbst wenn es den leider auch an staatlichen Schulen gibt (und insbesondere außerhalb von Institutionen, d.h. innerhalb von Familien). Aus Korea hört man zu diesem Thema nichts.

Angesichts dieser Umstände wundert es weit weniger, dass sich die Zahl der Katholiken in Südkorea auch in den letzten zehn Jahren um insgesamt etwa 20 Prozent erhöht hat. Ein Ende des Kirchen-Wachstums ist vorläufig nicht in Sicht.

(Josef Bordat)