Maximilian Maria Kolbe

Heute vor 77 Jahren starb Pater Maximilian Maria Kolbe im Hungerbunker des KZ Auschwitz. Er hatte sich für den Familienvater Franciszek Gajowniczek geopfert, indem er an seiner Stelle in den Tod ging. Um annähernd ermessen zu können, was das bedeutet, ist es hilfreich, den Ort des Grauens einmal gesehen zu haben.

Das Foto zeigt die heutige Gedenkstätte im einstigen Hungerbunker des KZ Auschwitz. Die Kerze ist ein Geschenk Papst Johannes Pauls II., der Maximilian Kolbe 1982 heilig sprach. Franciszek Gajowniczek war damals in Rom dabei; er verstarb im Jahr 1995.

Der Franziskaner-Minorit Maximilian Maria Kolbe war Publizist. Er gründete ein katholisches Pressehaus (mit Radiostation) und war Herausgeber und Schriftleiter katholischer Zeitschriften. Er riet seinen Autoren: „Schreiben Sie nichts, was nicht auch von der Jungfrau Maria unterschrieben werden könnte.“ Eine bedenkenswerte Maßgabe – auch für katholische Blogger.

(Josef Bordat)

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Atombombe als „ultima ratio“?

Weltweit wird in diesen Tagen der beiden ersten (und bislang einzigen) Atombombenabwürfe vor 73 Jahren gedacht.

Am 6. (Hiroshima) und 9. August (Nagasaki) des Jahres 1945 kamen insgesamt etwa 100.000 Menschen ums Leben, mindestens 130.000 Menschen starben in den folgenden Wochen und Monaten an den erlittenen Verletzungen. Nach anderen Quellen muss von bis zu 350.000 Opfern ausgegangen werden. Die Gesamtzahl derer, die an Spätfolgen der Atombombenabwürfe starben, lässt sich kaum seriös schätzen.

Historiker streiten seit über 70 Jahren über die Atombombenabwürfe. Haben sie hunderttausenden amerikanischen und japanischen Soldaten und möglicherweise mehreren Millionen Zivilisten „das Leben gerettet“, weil eine Invasion Japans unnötig wurde? Oder war diese Invasion nie geplant und die Atombombenabwürfe nur eine Machtdemonstration der USA gegenüber dem eigentlichen Gegner, der Sowjetunion, den Tod hunderttausender Zivilisten in Kauf nehmend? Zwischen diesen beiden Leitplanken – dem Verhältnismäßigkeitsargument und dem Chauvinismusvorwurf – bewegt sich der Historikerstreit.

Vor diesen Streit tritt jedes Jahr Anfang August das Gedenken. Und die Gewissheit, dass die Atombombenabwürfe die Welt offenbar doch davon überzeugt haben, dass die grausamen Folgen bereits den Gedanken an einen erneuten Einsatz von Atomwaffen verbietet. Wenn es mit „Nie wieder Krieg!“ schon wenige Jahre später in Korea vorbei war, so blieb es doch bisher bei „Nie wieder Atombombenabwürfe!“ Und das, obwohl auch 73 Jahre nach Hiroshima und Nagasaki weltweit immer noch 14.465 Atomsprengköpfe zum Einsatz bereitstehen.

(Josef Bordat)

Die Spanische Inquisition

Heute vor 192 Jahren wurde im spanischen Valencia das letzte Opfer der Spanischen Inquisition hingerichtet. Die Spanische Inquisition war eine staatliche Behörde zur Verfolgung von Juden und Muslimen, Protestanten und Ketzern. Sie führte von 1478 bis 1834 etwa 50.000 Prozesse und verhängte ca. 6000 Todesurteile, viele davon in Abwesenheit, d. h., die Urteile wurden nur symbolisch vollstreckt, indem Bilder des Verurteilten verbrannt wurden (in effigie). Die oft anzutreffende Auffassung, die Spanische Inquisition habe „Millionen“ Opfer gezeitigt, ist falsch.

Papst erließ Verfahrensvorschriften, König lehnte diese ab

Als Teil der weltlichen Gerichtsbarkeit Spaniens stand die Inquisition unter der Direktive des Monarchen. Die Kirche hatte auf die Verfahren und die Urteile keinen Einfluss, auch wenn die vom König vorgeschlagene Person des Großinquisitors formal vom Papst ernannt wurde. Der Vatikan hatte die Gründung der Spanischen Inquisition zwar gebilligt, blieb aber de facto außen vor. Papst Sixtus IV. hatte 1482 eine Bulle mit Verfahrensvorschriften erlassen, die von Spanien abgelehnt und auf Protest des Königs außer Kraft gesetzt wurde.

Das Verfahren vor der Spanischen Inquisition sollte nach Papst Sixtus IV. fair geführt werden und im Urteil mild sein. Der Angeklagte habe das Recht auf einen Verteidiger und Entlastungszeugen, alle Belastungszeugen seien dem Angeklagten namentlich bekannt zu machen. Bei Verstößen gegen die Verfahrensregeln wurde dem Angeklagten ein Berufungsrecht beim Papst eingeräumt. Sixtus verlangte lediglich das Bekennen der Schuld im Rahmen der Beichte bei einem zuständigen Inquisitor und einen nicht-öffentlichen Bußakt.

Die Praxis sah – nach der vom spanischen König erwirkten Außerkraftsetzung der Bulle – völlig anders aus: die Zeugen blieben geheim, die (rein formale) Verteidigung erfolgte durch ein Mitglied des Tribunals, Zielsetzung des Verfahrens war das Geständnis und die Denunziation Dritter. Die Schuldiggesprochenen mussten öffentlich büßen: das Tragen des Ketzerhuts und des Schandgewandes (Sanbenito) machte sie für alle deutlich sichtbar.

Die Strafen der Spanischen Inquisition

Neben der öffentlichen Zurschaustellung der Verurteilten konnten diese, bei fortgesetzter Ketzerei, an den weltlichen Arm überstellt werden, der die Vollstreckung von Geldbußen, Haft- und Körperstrafen (Auspeitschen) sowie die Verhängung von Zwangsarbeit (dreijähriger Ruderdienst auf einer Galeere) vornehmen konnte. Weitere Strafen waren Bußübungen und Exil. Hartnäckige Ketzer wurden zum Tode verurteilt. Einen Freispruch gab es nur selten.

Die Urteile, die von der Spanischen Inquisition gefällt wurden, sind in so genannten „Autodafés“ („Glaubensgerichten“) verkündigt und vollstreckt worden. Eine solche Veranstaltung fand regelmäßig statt, oft unter großer Beteiligung der Bevölkerung, für die das Ganze als eindrückliche Schau zur Belustigung und zugleich auch zur Abschreckung inszeniert wurde, vergleichbar den Schauprozessen in modernen Diktaturen.

Gegen Juden, Moslems und Christen

Die Spanische Inquisition richtete sich hauptsächlich gegen die conversos, zum Christentum konvertierte Juden, die im Verdacht standen, den christlichen Glauben nur pro forma angenommen zu haben und im Verborgenen weiter jüdische Riten zu pflegen. Zwischen 1480 und 1530 wurden bis zu 5000 conversos zum Tode verurteilt. Es ging dabei um eine rassistisch gerechtfertigte „Reinhaltung des spanischen Blutes“. Später gerieten auch Muslime (Morisken) und Protestanten in den Fokus der Spanischen Inquisition. Im späten 16. und frühen 17. Jahrhundert wurden etwa 200 Muslime und etwa 800 Protestanten zum Tode verurteilt.

Zudem waren die Gerichte der Spanischen Inquisition gegen Christen gerichtet, die sich schwerer Vergehen gegen das Sittengesetz schuldig gemacht hatten (z. B. Ehebruch). Rund die Hälfte der Prozesse betraf Christen; nur selten wurde hier die Todesstrafe verhängt. Der Hexenverfolgung wirkte die Spanische Inquisition entgegen; der „Hexenhammer“ wurde abgelehnt und 1532 auf einer Tagung in Granada beschlossen, in der Hexenfrage sehr vorsichtig zu sein. Im Ergebnis kam die Hexenverfolgung in Spanien bereits zum Erliegen, ehe sie in Deutschland sowie in Nord- und Nordosteuropa erst so richtig begann. Insgesamt sind in Spanien „nur“ etwa 300 Hexen verbrannt worden (gegenüber rund 25.000 auf dem Gebiet des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation).

Auch Homosexuelle unter den Opfern

Entsprechend der Hauptzielgruppen der Spanischen Inquisition lässt sich eine frühe, eine mittlere und eine späte Phase unterscheiden. In der frühen Phase (von ihrer Gründung 1478 bis 1540) galten die Verfahren hauptsächlich den konvertierten Juden, in der mittleren Phase (1540 bis 1700) in der Hauptsache den Protestanten, in der späten Phase (1700 bis zu ihrem Ende 1834) arbeitete sie als Sittengericht gegen Christen, die schwerer moralischer Vergehen beschuldigt wurden. In diesem Zusammenhang fielen auch Homosexuelle der Spanischen Inquisition zum Opfer; von den etwa 1000 Prozessen wegen „Sodomie“ endeten rund zehn Prozent für die Angeklagten mit dem Todesurteil.

(Josef Bordat)

Kurt Huber

Heute vor 75 Jahren wurde Kurt Huber hingerichtet.

In einem Schreiben des glühenden Antisemiten Herbert Gerigks, eines Fachkollegen Hubers, an den Reichsstudentenführer vom 19. November 1936 heißt es: „Hubers Bindungen zum Katholizismus und sogar eine ausgesprochen parteifeindliche Haltung sind eindeutig erwiesen“.

Schon die Nazis unterstellten offenbar einen Zusammenhang, den wir heute anhand von Schriftzeugnissen klar aufweisen können: Weil Huber katholisch war, war er parteifeindlich. Und weil er ein Mensch war, der sich weigerte, das Denken einzustellen. Und ein Patriot, der es – im Gegensatz zu den Nazis – ganz ernst meinte mit dem Wohl des deutschen Volkes.

In der Tagespost erinnere ich an den Hochschullehrer, der „die Wiederherstellung der Legalität“ forderte. Und dafür hingerichtet wurde.

(Josef Bordat)

Politische Stimmung

Oder: Wie man dieselben Zahlen höchst unterschiedlich lesen kann.

Der aktuelle Deutschlandtrend der ARD vom 5. Juli befasst sich u.a. mit der Einschätzung der Regierung durch den Souverän. Das Volk ist zu rund drei Viertel unzufrieden mit seiner Führung. Das ist schon ein deutliches Misstrauensvotum.

Woran liegt es? Merkel ist Schuld? Merkel muss weg?

Nicht ganz. Zwar ist die Mehrheit des Volkes auch mit der Bundeskanzlerin unzufrieden (51 Prozent), doch andererseits ist Merkel mit 48 Prozent zufriedener Bürgerinnen und Bürger hinter sich immer noch die beliebteste Spitzenpolitikerin Deutschlands. Ihre „Gegenspieler“ von rechts, Seehofer und Gauland kommen auf 27 bzw. 13 Prozent. Echte Alternativen? Wohl kaum.

Dass die Unzufriedenheit nur ein momentanes Stimmungsbild liefert, zeigt sich in der Sonntagsfrage. Da bekämen die Regierungsparteien zusammen immerhin noch 48 Prozent, was für eine knappe Mehrheit der Mandate reichen würde. Gewählt würde also ähnlich wie bisher. Eine Revolution bliebe aus.

Dennoch muss sich eine Regierung, die selbst aus der eigenen Wählerschaft kritisch gesehen wird (nur 36 Prozent der Unions-Anhänger und gar nur 25 Prozent der SPD-Wähler sind mit der Regierung zufrieden), einen Fehlstart zuschreiben lassen.

(Josef Bordat)

Abschiedsspiel

Das letzte Spiel. Abschied nehmen. Das gab es gestern. Ein historisches Vorrunden-Aus bei einer WM, das erste in der 88jährigen WM-Geschichte. Sie werden es mitbekommen haben.

Doch ein wirklich historisches Abschiedsspiel gab es am 12. September 1990. An diesem Tag fand das letzte Länderspiel der DDR statt. Obwohl der DFV-Kader gerade mal 14 Mann stark war, schlug man Belgien in Brüssel überraschend mit 2:0. Doppeltorschütze: Matthias Sammer.

Nationaltrainer Eduard Geyer hatte insgesamt 36 Spieler für den abschließenden Auftritt gegen die Belgier eingeladen – doch kaum einer kam. Die meisten Stars hatten schlicht kein Interesse und meldeten sich „verletzt“. So fehlten u.a. Andreas Thom, Ulf Kirsten, Thomas Doll und Rico Steinmann.

Drei Wochen später war die DDR Geschichte – und mit ihrem Ende auch der DFV. Was bleibt ist die Erinnerung an den 22. Juni 1974, der Sieg gegen die Bundesrepublik bei der Weltmeisterschaft, der mit einem Namen verbunden ist: Jürgen Sparwasser.

Sparwasser selbst hatte übrigens schon vor dem Ende der DDR genug von seinem „Kultstatus“ und der ideologischen Instrumentalisierung seines Siegtreffers. Am 10. Januar 1988 flieht er in den Westen. Sein Trikot aus dem Spiel im Hamburger Volksparkstadion hängt heute in Bonn, im Haus der Geschichte.

(Josef Bordat)

Weltflüchtlingstag

Heute ist der (säkulare) Weltflüchtlingstag. Der katholische „Welttag des Migranten und des Flüchtlings“ war bereits am 14. Januar. Papst Franziskus forderte anlässlich dieses Tages, die Rechte der Migranten und Flüchtlinge zu stärken. Das biblische Leitmotiv, den Fremden zu lieben wie sich selbst (vgl. Lev 19, 34), entwickelt der Heilige Vater gemäß den Grundsätzen der Kirchenlehre zu einem vierfältigen Programm des katholischen Umgangs mit Migranten und Flüchtlingen: aufnehmen, schützen, fördern, integrieren. Daran kann sich auch die Gesellschaft insgesamt orientieren.

Auch die Zusammenschau von Flucht und Migration, die der Heilige Vater vornimmt, ist richtig, denn Flucht ist nichts anders als unfreiwillige Migration und daher Teil eines Megatrends des 21. Jahrhunderts: Mobilität. Migration ist dabei ein aktuelles, aber keineswegs neues Phänomen. Auch ohne eindimensionale Geschichtsdeutung – „All history is the history of migration“ (Moris Farhi) –, lässt sich die überragende Rolle der Migration anhand einiger weniger Beispiele rasch aufzeigen. Die so genannte „Völkerwanderung“ im 4.-6. Jahrhundert n. Chr. führte germanische Stämme von Ost- nach Mittel- und Westeuropa. Eine weitere Migrationswelle setzte mit der Entdeckung Amerikas 1492 ein: Spanische und portugiesische Eroberer – Missionare, Glücksritter und Abenteurer – machten den Anfang, die Sklaventransporte durch Engländer und Spanier im 16.-19. Jahrhundert von Afrika nach Amerika sowie die Kolonisierung Nordamerikas durch Europäer im 19. und frühen 20. Jahrhundert folgten.

Erinnert sei auch an nationalistisch bedingte Migration in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Europa und im Nahen Osten, die Folge von „ethnischen Säuberungen“, teilweise mit genozialer Intention, gewesen ist. Ich denke an die Vertreibung der Armenier in der Türkei (1908-25), an die der Juden im Deutschen Reich und den besetzten Gebieten (1935-45), aber auch an die der Deutschen im russischen Machtbereich (1944-48) und schließlich an die der Palästinenser nach der Gründung Israels (1948).

So unterschiedlich die Gründe und Auswirkungen der erzwungenen Migration auch gewesen sind, zeigen sie doch in eindrücklicher Weise die sich zuspitzende Problematik von Flucht und Vertreibung in der Moderne. Heute ist Migration ein weltweites Massenphänomen, das sich unter den Bedingungen der Globalisierung ständig verschärft. Migration wird sich in Zukunft, so die einschlägigen Prognosen, weiter beschleunigen. Zu der erzwungenen Abwanderung (Flucht) aus dem Grunde, dass elementare Menschenrechte in der Herkunftsregion nicht (mehr) gewährleistet werden, tritt die freiwillige Migration aus bildungs- und erwerbsökonomischen Gründen. Die Welt bleibt in Bewegung.

(Josef Bordat)