Peru: Demokratie steht zur Wahl

Am 6. Juni hat Peru die (Stich-)Wahl. Wer soll neue Präsidentin bzw. neuer Präsident werden – Pedro Castillo oder Keiko Fujimori? Der eine ist politisch, die andere familär vorbelastet. Castillo gilt als Marxist-Leninist chavistischen Zuschnitts – und da klingeln alle Alarmglocken. Und Fujimori trägt einen Namen, bei dem ebenfalls alles klingelt, was klingeln kann. Dennoch scheint sie die bessere Wahl für das Land zu sein. Sogar der diesbezüglich über jeden Zweifel erhabene liberale Literaturnobelpreisträger Mario Vargas Llosa ruft dazu auf, die Tochter seines ehemaligen Widersachers Alberto Fujimori zu wählen, um die Demokratie zu retten.

Das sind starke Töne. Andererseits kamen ebensolche auch aus dem Lager Castillos. Man werde die Verfassung ändern, um einen Machtverlust wie ihn Evo Morales in Bolivien hinnehmen musste, von vorneherein unmöglich zu machen. Castillo kündigte an, nach seinem Wahlsieg innerhalb von sechs Monaten eine verfassunggebende Versammlung einzuberufen.

Vorbild ist Venezuela, das Land, in dem sich Chavez-Nachfolger Nicolás Maduro zum Diktator aufschwang und die Wirtschaft grandios an die Wand fuhr. Peru nahm über eine Million Flüchtlinge aus dem OPEC-Mitgliedsstaat Venezuela auf. Da wundert es nicht, wenn das Land hellhörig wird, nimmt ein Kandidat affirmativ Bezug auf Venezuela.

Zumindest die kleine Ober- und die stetig wachsende Mittelschicht Perus macht sich Gedanken. In der Boom-Stadt Lima bekommt Castillo keine zehn Prozent, seine Mehrheit erhält er von der armen Landbevölkerung, die in ihrer misslichen sozialen Lage, die sich durch Corona nicht gerade verbessert hat, zu gern an die schlichte Propaganda glaubt. Das macht die Sache aber nicht besser, denn Castillo bzw. die Verwirklichung seiner radikalen Pläne, wird den Armen nicht helfen, im Gegenteil. Eine weitere sozialistische Diktatur wird nur ein weiteres Land in den Ruin treiben.

Das bischöfliche Hilfswerk Adveniat sieht das nicht ganz so dramatisch. Bei Castillo sei unklar, „wohin die Reise wirtschaftspolitisch überhaupt geht“, meint Peru-Referent Michael Huhn. Das macht nachdenklich, denn angesichts der Grundorientierung des Kandidaten ist eigentlich klar, was kommt: das übliche Programm mit den absehbaren Folgen – Verstaatlichungen, (Quasi-)Enteignungen, Kapitalflucht. Nicht unbedingt in dieser Reihenfolge.

Nicht nur die Reichen werden ihr Geld außer Landes bringen, sondern auch die Wohlhabenden. Dadurch wird das Bankensystem geschwächt. Unternehmen werden ihre Investitionen zurückfahren. Dadurch wird die Wirtschaft geschwächt und Arbeitsplätz gehen verloren. Die Zentralbank wird frisches Geld in den Markt pumpen, um das System zu stabilisieren. Dadurch wird eine Inflation entsteht, die Waren und Dienstleistungen verteuert, worunter sicher nicht die Reichen und Wohlhabenden am meisten leiden.

Von einer sozialistischen Diktatur in Peru profitieren hingegen auch einige: Banken in den USA, der EU und der Schweiz, ebenso die dortigen Kapitelmärkte (das Geld will ja investiert werden), also gerade jene global tätigen börsennotierten Großunternehmen, die man sich zum Feind erkor.

Das alles ändert aber nichts an den Fakten: In ersten Umfragen zur Stichwahl liegt Pedro Castillo deutlich vor Keiko Fujimori – der Abstand beträgt derzeit elf Prozent. Weitere Zahlen und Analysen liefert Peru Vision.

(Josef Bordat)