Die Gaben des Heiligen Geistes

Es gibt sieben Gaben des Heiligen Geistes: Einsicht, Weisheit, Rat, Stärke, Erkenntnis, Frömmigkeit und Gottesfurcht. Der Prophet Jesaja nennt bereits sechs: „Der Geist des Herrn lässt sich nieder auf ihm, der Geist der Weisheit und der Einsicht, der Geist des Rates und der Stärke, der Geist der Erkenntnis und der Gottesfurcht“ (Jes 11, 2). Was hier noch fehlt, ist die Frömmigkeit. Aber die versteht sich eigentlich von selbst.

Frömmigkeit ist für einen gläubigen Menschen selbstverständlich. Es ist klar, dass man dem, den man liebt, auch nach besten Kräften dient, also Gottesdienst verrichtet, wozu uns der Geist Stärke geben möge. Auch, dass man regelmäßig betet und die Sakramente empfängt. Doch kommt es eben auf die Haltung an, in der unser Dienst geschieht. Wahre Frömmigkeit hat nichts mit dem äußeren Ritus zu tun, sondern mit dem Herzen, dem inneren Gespür für das, was passiert, wenn wir Gottesdienst feiern.

Zur Frömmigkeit gehört Gottesfurcht. Das hört sich nach Angst an. Doch Bangemachen gilt nicht! Es geht ja auch nicht darum, sich vor Gott zu fürchten wie man sich vor einer Spinne oder einer Krankheit fürchtet und deswegen alles tut, ihrer Existenz im eigenen Leben zu entgehen, sondern um Ehrfurcht vor Gott, um Respekt, um Achtung, also darum, eine Haltung höchster Wertschätzung zu entwickeln, die einen stets in die Nähe des Verehrten, Gelobten und Gepriesenen drängt, hin zur Frömmigkeit. Ehrfurcht ist also das glatte Gegenteil von Furcht, mit der genau entgegengesetzten Konsequenz: nicht Flucht vor, sondern gläubige Annäherung an Gott.

Erkenntnis erzeugt Wissensbestand. Und damit zugleich neue Möglichkeiten, die Welt und den Menschen zu deuten. Man braucht dafür Fleiß und Ausdauer. Erkenntnis und Wissen zu erlangen ist kein Privileg von Genies, die kommen, sehen und verstehen, sondern die schwere Aufgabe aller Menschen, die in der Welt zurechtkommen wollen. Wissen ist etwas anderes als Information, es ist interpretierte Information. Für die richtige Deutung von Daten braucht es neben den Fertigkeiten der Forschungsdisziplin auch Frömmigkeit und Gottesfurcht.

Erkenntnis führt zu Einsicht, ebenso die aus der Gottesfurcht erwachsene Frömmigkeit, auch sie führt zur Einsicht. Die Weisheit ist sicherlich die Königin der Einsicht, doch auch unterhalb der Schwelle zur höchsten Erkenntnis liegen Aspekte des Lebens, die einzusehen sich lohnt. Die Einsicht, dass man Rat braucht. Die Einsicht, dass es mit der eigenen Stärke nicht so gut bestellt ist, wie angenommen. Wir müssen bei der Einsicht in Dinge oft eine liebgewonnene Ansicht hinterfragen. Das ist nicht einfach, dazu braucht es der Vermittlung durch den Heiligen Geist.

Im Gegensatz zu Wissen lässt sich Weisheit nicht erwerben, nicht erarbeiten. Weisheit ist einem Menschen gegeben oder eben nicht. Zu Wissen und Bildung kann man systematisch gelangen, nach bestimmten Regeln, auf festgelegten Wegen. Man muss sammeln, ordnen, deuten – kurz: aktiv werden. Weisheit aber verlangt einen gedanklichen Rückzug, eine Passivität, die sich beschenken lässt und zu einem gelassenen, humorvollen, spielerischen Umgang mit dem Wissen führt. Der Weise scheut sich nicht, sich selbst zu hinterfragen, und schließt dabei seine Fähigkeit, zu Einsicht zu gelangen, bewusst mit ein.

Die Fähigkeit, Anderen einen guten Rat zu geben, wird von einer Fähigkeit übertroffen: selber einen guten Rat von anderen Menschen anzunehmen. Braucht es für jenes Einsicht und Erkenntnis, benötigt dieses Weisheit. Hilfsbedürftigkeit (oder einfach Nicht-Wissen) zuzugeben, ist eine Schwäche, die wir nicht gerne offenbaren. Doch nur so lässt sich Hilflosigkeit, also: Schwäche, die uns offenbart, vermeiden. Der Heilige Geist hilft uns, dass wir uns helfen lassen, so, wie Er uns zu helfen hilft. Da Sein guter Rat teuer ist, üben wir uns zugleich in Gottesfurcht und Frömmigkeit.

Schließlich braucht man Kraft, um sich im Glauben zu bewähren und stets in der rechten Frömmigkeit zu leben. Die Stärke hat eine hässliche Schwester: die Gewalt. Gewalt tun wir einander an, wenn wir aus der Haltung des vermeintlich oder tatsächlich Stärkeren die Schwachen für ihre vermeintliche oder tatsächliche Glaubensschwäche verurteilen. Das kommt vor. Dabei fehlen dann die anderen sechs Gaben des Heiligen Geistes, vor allem die Weisheit.

(Josef Bordat)

Paulus vor Festus

Oder: Kleine Einführung ins Römische Recht.

In der heutigen Lesung erstattet Festus, der neue Statthalter von Cäsarea, König Agrippa II., einem Urenkel Herodes‘ des Großen, Bericht über den „Rechtsfall Paulus“.

Zunächst geht es um Prozessuales: „Sie forderten seine Verurteilung, ich aber erwiderte ihnen, es sei bei den Römern nicht üblich, einen Menschen auszuliefern, bevor nicht der Angeklagte den Anklägern gegenübergestellt sei und Gelegenheit erhalten habe, sich gegen die Anschuldigungen zu verteidigen“ (Apg 23, 15-16). Audiatur et altera pars – Man höre auch den anderen Teil. Der bekannte römische Rechtsgrundsatz, der zuvor bereits im antiken Griechenland galt, gilt auch bei uns. Und das bereits seit dem Mittelalter: „Enes Mannes Rede ist nur die halbe Rede, / man soll sie billig hören beede“. Heute ist das Prinzip gerechter Prozessführung Verfassungsrecht: Jeder Mensch hat in Deutschland Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 103 Abs. 1 GG).

Als es dann zur Verhandlung kommt, ist Festus einigermaßen ratlos und will den Fall delegieren: „Bei der Gegenüberstellung brachten die Kläger keine Anklage wegen solcher Verbrechen vor, die ich vermutet hatte; sie führten nur einige Streitfragen gegen ihn ins Feld, die ihre Religion und einen gewissen Jesus betreffen, der gestorben ist, von dem Paulus aber behauptet, er lebe. Da ich mich auf die Untersuchung dieser Dinge nicht verstand, fragte ich, ob er nach Jerusalem gehen wolle, um sich dort deswegen richten zu lassen“ (Apg 25, 18-20). Zuständigkeitsfragen sind auch heute ein Dauerthema auf dem Rechtsweg. Das ergibt sich aus der Natur der unterschiedlichen Rechtsgebiete: Privatrecht, Strafrecht, Öffentliches Recht. Um Sachverhalte gut beurteilen zu können, muss das Gericht Spezialkenntnisse haben. Festus erkennt, dass ihm diese im Fall Paulus fehlen.

Schließlich hat der Beschuldigte im Verfahrensverlauf das letzte Wort: „Paulus jedoch legte Berufung ein; er wollte bis zur Entscheidung der kaiserlichen Majestät in Haft bleiben. Daher gab ich Befehl, ihn in Haft zu halten, bis ich ihn zum Kaiser schicken kann“ (Apg 25, 21). Der Rechtsweg verschafft auch die Möglichkeit, den Gang durch die Instanzen anzutreten und eine Gerichtsentscheidung durch eine höhere Instanz prüfen zu lassen. Auch das gilt heute noch. Es zählt zu den äußerst wertvollen Vorzügen des Rechtsstaats, dass sich Gerichte nicht als unfehlbar ansehen. Auch Festus lässt sich auf Paulus‘ Antrag ein und ist bereit (und wohl auch froh), dass sich Rom demnächst mit der Sache zu befassen hat. Heute ist es „Karlsruhe“. Und dort endet dann auch der (deutsche) Rechtsweg – beim Bundesverfassungsgericht, das mit seinen Urteilen nicht nur die Rechtssprechung korrigieren kann, sondern auch die Gesetzgebung und die Verwaltung orientieren soll.

Bei all den juristischen Finessen in der heutigen Lesung geht der entscheidende theologische Gedanke etwas unter. Im Nebensatz ist von einem „gewissen Jesus“ die Rede, „der gestorben ist, von dem Paulus aber behauptet, er lebe“. Das ist keine Angelegenheit, über die ein weltliches Gericht entscheiden kann, das sieht Festus sofort. Es ist aber die entscheidende Frage unseres Lebens, die wir vor unserem inneren Gerichtshof, unserem Gewissen, zu beantworten haben: Wer ist Jesus? Eine tote Gestalt der Geschichte? Oder der Auferstandene – der Weg, die Wahrheit und das Leben?

(Josef Bordat)

Das Gleichnis als Kommunikationsform

Nochmal zum heutigen Tagesevangelium (Joh 16, 29-33). Das hat einen ungewöhnlichen Einstieg. Hier kommen nämlich die Jünger als erstes zu Wort. Normalerweise heißt es zu Beginn der Perikopen: „In jener Zeit sagte Jesus zu seinen Jüngern“. Heute hören wir: „In jener Zeit sagten die Jünger zu Jesus“. Heute geht es erst mal um sie, um ihre Befindlichkeit, die eine Stimme erhält.

Auch das, was die Jünger dann zu Jesus sagen, ist interessant: „Jetzt redest du offen und sprichst nicht mehr in Gleichnissen“ (Joh 16, 29). Das klingt ein wenig eigenartig und ist, wie ich finde, schwer einzuschätzen. Es steht irgendwo zwischen der Erleichterung, den Herrn endlich zu verstehen, und dem Vorwurf, dass die bisherige Redeweise Jesu diesem Verständnis quer lag. Man kann sich hier ja ein „Warum nicht gleich so!“ dazudenken.

Jesus spricht tatsächlich oft in Gleichnissen. Das bereitete den Jüngern Schwierigkeiten und uns heute auch. Warum wählt er diesen Weg?

Der Grund liegt wohl in der Natur dessen, worüber Jesus lehrt: Gott, Gottes Reich, Endzeit. Ein Sprachbild, eine Metapher, wie sie jedem Gleichnis zugrunde liegt, hat die Eigenschaft, den Gegenstand zu um-, aber nicht exakt zu beschreiben. Die Erkenntnis des Sinngehaltes bleibt abhängig von der Deutung des Bildes.

Dabei darf das Bild nicht mit der Sache verwechselt werden. Wer Gleichnisse liest und auch verstehen will, muss sich bewusst sein, dass es sich um ein Gleichnis handelt, mit Metaphern und Allegorien, die uns etwas über den Gegenstand zu verstehen geben wollen, ihn aber nicht genau bezeichnen können. Ein Gleichsetzen von Bild und Sache führt zu Missverständnissen – eine große Gefahr besteht darin, es sich ganz einfach zu machen und auf die anstrengende Deutungsarbeit zu verzichten.

Das Gleichnis ist aber nur ein Modell, nicht die Wirklichkeit. Es gibt uns eine Vorstellung von der Wirklichkeit, die so großartig oder auch verstörend ist, dass über sie direkt nichts gesagt werden kann oder soll. Jesus spricht also in Gleichnissen, um eine Vorstellung vom Unvorstellbaren zu vermitteln, um überhaupt das Unsagbare sprachlich zu fassen. Es ist ein Einkreisen, eine Annäherung, die nie ganz bis zum Kern der Sache vordringt, ihn jedoch gleichsam nach außen zu kehren versucht.

Bild- und Modellhaftigkeit, die narrative Umschreibung und die zaghafte Annäherung – das sich Elemente der von Jesus bevorzugten Kommunikationsform des Gleichnisses. Diese sind nötig, wenn es um Gott, Gottes Reich oder auch die Endzeit geht. Die offene und unverhüllte Auskunft würden wir wohl noch viel weniger verstehen können.

(Josef Bordat)

Nach der Himmelfahrt ist vor der Wiederkehr

Mit der Himmelfahrt endet die Beziehung Jesu Christi zu uns nicht. Zum einen kommt bald der versprochene „Beistand“ (zu Pfingsten nämlich), zum anderen wird der Herr selbst wiederkommen. In der heutigen Lesung aus dem ersten Kapitel der Apostelgeschichte heißt es unmissverständlich: „Dieser Jesus, der von euch fort in den Himmel aufgenommen wurde, wird ebenso wiederkommen, wie ihr ihn habt zum Himmel hingehen sehen“ (Apg 1, 11). Tatsächlich beten wir im Glaubensbekenntnis nach „Aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters“ (das haben wir heute gefeiert) weiter: „Von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten“.

Christus wird wiederkommen, als König, als Richter der Welt, um Gottes Herrschaft zu er-richten. Gottes Herrschaft fußt auf Gnade, Seine Gerechtigkeit ist Barmherzigkeit. Grundsatz des Urteils Christi ist die Liebe. Die normative Grundlage des Jüngsten Gerichts ist das Gebot der tätigen Nächstenliebe, der agape, der caritas. Es kommt also nicht darauf an, katholisch gewesen zu sein, sondern geliebt zu haben – Gott und den Menschen.

Deutlich wird dies an der Stelle im Matthäusevangelium, die sehr konkret das Gericht über die Welt beschreibt (Mt 25, 31-46): „Wenn der Menschensohn in seiner Herrlichkeit kommt und alle Engel mit ihm, dann wird er sich auf den Thron seiner Herrlichkeit setzen. Und alle Völker werden vor ihm zusammengerufen werden, und er wird sie voneinander scheiden, wie der Hirt die Schafe von den Böcken scheidet. Er wird die Schafe zu seiner Rechten versammeln, die Böcke aber zur Linken. Dann wird der König denen auf der rechten Seite sagen: Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid, nehmt das Reich in Besitz, das seit der Erschaffung der Welt für euch bestimmt ist. Denn ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig, und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd und obdachlos, und ihr habt mich aufgenommen; ich war nackt, und ihr habt mir Kleidung gegeben; ich war krank, und ihr habt mich besucht; ich war im Gefängnis, und ihr seid zu mir gekommen. Dann werden ihm die Gerechten antworten: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und dir zu essen gegeben, oder durstig und dir zu trinken gegeben? Und wann haben wir dich fremd und obdachlos gesehen und aufgenommen, oder nackt und dir Kleidung gegeben? Und wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen und sind zu dir gekommen? Darauf wird der König ihnen antworten: Amen, ich sage euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan. Dann wird er sich auch an die auf der linken Seite wenden und zu ihnen sagen: Weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das für den Teufel und seine Engel bestimmt ist! Denn ich war hungrig, und ihr habt mir nichts zu essen gegeben; ich war durstig, und ihr habt mir nichts zu trinken gegeben; ich war fremd und obdachlos, und ihr habt mich nicht aufgenommen; ich war nackt, und ihr habt mir keine Kleidung gegeben; ich war krank und im Gefängnis, und ihr habt mich nicht besucht. Dann werden auch sie antworten: Herr, wann haben wir dich hungrig oder durstig oder obdachlos oder nackt oder krank oder im Gefängnis gesehen und haben dir nicht geholfen? Darauf wird er ihnen antworten: Amen, ich sage euch: Was ihr für einen dieser Geringsten nicht getan habt, das habt ihr auch mir nicht getan. Und sie werden weggehen und die ewige Strafe erhalten, die Gerechten aber das ewige Leben.“

Jesus meint es ernst mit der untrennbaren Verbindung von Hören und Handeln, von Lehre und Leben, und ganz besonders ernst mit der Einheit von Gottes- und Nächstenliebe: Wer ihn liebt, liebt den Menschen. Und umgekehrt: Wer den Nächsten nicht liebt, wird auch Gott nicht lieben. Das Glaubensbekenntnis wird zum Lippenbekenntnis.

Hinzu tritt folgender Gedanke: Gott macht Unterschiede zwischen den Menschen. Ihm ist nicht egal, was wir so treiben. Doch Er unterscheidet nicht nach Herkunft oder Hautfarbe, Gesundheitszustand oder Geschlecht, wie das bei uns oft der Fall ist, sondern danach, was wir unseren Nächsten in Not Gutes tun – oder eben nicht. Gottes Maßstab ist nicht das Reden, sondern das Handeln. Der konkrete Einsatz aus Liebe zählt, nicht die rhetorisch geschickte Ausrede. Wer daraus im Alltag die Konsequenzen zieht, also darauf achtet, wer hungert oder friert, wer krank oder gefangen ist, und wer dann konkret hilft, ohne Ansehen der Person, dem steht der Himmel offen.

Es findet in diesem Sinne eine scharfe Selektion statt, es wird geurteilt – und auch verurteilt. Das Bockige im Menschen, das sich Gott und dem Nächsten verschließt, wird mit Endgültigkeit sanktioniert, das Schafartige, das Gott und dem Nächsten in Liebe begegnet, wird in Ewigkeit belohnt. Tod oder Leben – darum geht es in der finalen Verhandlung. Das Urteil sprechen wird dabei selbst, mit unserem Verhalten. An anderer Stelle spricht Jesus davon, dass derjenige, der Ihm nicht glaubt, bereits gerichtet ist (vgl. Joh 3, 18), dass also auch der König und Richter der Welt einen solchen Menschen nicht gegen dessen ureigenen Willen frei sprechen wird. So ernst nimmt der Herrscher die Freiheit seiner Untertanen, dass Er sie ins Verberben laufen lässt, wenn sie es partout nicht anders wollen. Niemand muss Angst haben, von diesem Richter nicht für voll genommen und oberflächlich abgeurteilt zu werden. Das Urteil schreibt die Disposition des Menschen in der Zeit in Ewigkeit fort. Was will man mehr?

Ich möchte das gerne erläutern. Gott hat den Menschen nach Seinem Bilde geschaffen und ihm von Seiner Vernunft und Seiner Freiheit gegeben. Es ist jene die Vernunft, die Verbindung von Schöpfer und Geschöpf zu erkennen, es ist diese die Freiheit, sie in Frage zu stellen. Die Freiheit des Menschen ermöglicht diesem die Auflösung der Bindung zu Gott, die Gottferne. Wie verhält sich das aber zur unendlichen Gnade Gottes? Zu Seiner Gerechtigkeit, die sich in Barmherzigkeit ausdrückt? Eben gerade so: Gott liebt den Menschen so sehr, dass Er ihm die Freiheit verschafft, Ihn zu hassen, ohne das dies etwas an dem Liebes- und Gnadenangebot Gottes änderte. Der Mensch kann qua Freiheit Gott hassen, aber niemals so sehr, dass Gott aufhörte, den Menschen zu lieben. Gerade diese Liebe wiederum schenkt jene Freiheit, sie anzunehmen oder abzulehnen. Gottes Liebe lässt uns Menschen die freie Wahl, das Schaf oder den Bock in uns zum Vorschein kommen zu lassen.

Das bedeutet aber auch, dass der Mensch faktisch das letzte Wort in der Beziehungsgestaltung hat. In letzter Konsequenz bleibt ein liebender, vom Menschen verlassener Gott zurück, der sich in Seiner Liebe selbst zur Ohnmacht zwingt; ganz deutlich wird das am Kreuz. Es ist Gott nicht möglich, einem Menschen, der freiwillig auf sein Heil verzichtet, dieses Heil zu verschaffen, ohne dabei die Freiheit dieses Menschen zu beschneiden. Wir mögen uns Gott traurig vorstellen angesichts dieses Umstands, doch diese Trauer durch eine höchstrichterliche Macht zu überwinden, die auch nur für einen Augenblick die Liebe ausblendet, ist nicht Gottes Wille. Gott will das Heil für jeden Menschen, aber nicht um jeden Preis. Das bedeutet: Das „ewige Feuer“ der Hölle ist notwendig, weil Gott Liebe ist. Die metaphysische Notwendigkeit der Hölle ergibt sich somit unmittelbar aus dem Sein Gottes. Nur, wenn wir uns Gott als Tyrannen vorstellten, der alle Menschen zum Heil verpflichtete, wäre die Hölle obsolet. Die ewige Verdammnis ist eine freie Entscheidung des Menschen, die erst durch Gottes unendliche Liebe möglich wird, eine Selbstverdammung unter dem weinenden Auge Gottes.

Nun können wir uns vorstellen, dass diese Selbstverdammung bloß eine rein theoretische Möglichkeit ist und die Hölle damit am Ende leer bleibt, weil es im göttlichen Lichtglanz jedem Menschen schwer fallen wird, freiwillig zu seinem „Nein!“ zu stehen. Oder bereits kurz zuvor, in der Todesstunde. Der Entertainer Harald Schmidt hat einmal in einem Interview mit der Schweizer Weltwoche in seiner so typischen Art gemeint: „Mir hat mal ein Urologe erzählt, auf dem Sterbebett werden alle katholisch. Diese Erfahrung habe ich auch selbst gemacht, denn ich war während des Zivildienstes in einer Pfarrei beschäftigt. Da wurde der Pfarrer von sogenannten Atheisten schreiend ins Krankenhaus geholt, wenn der Tumor im Endstadium war. Ich glaube, ob man Atheist ist, kann man erst auf den letzten Metern sagen.“

Das finale „Nein!“ könnte also eine theoretische Angelegenheit sein. Doch die Möglichkeit muss gegeben sein und um jeden Preis erhalten bleiben, aus der Sicht der Liebe Gottes, die für den Menschen Freiheit will. Aus Sicht des Christentums, das die Liebe Gottes er- und bekennt, stellt diese Option im Freiheitsgebrauch das totale Scheitern des Menschen dar. Es gehört daher auch heute zur verantwortlichen Pastoral der Kirche, die Möglichkeit des Scheiterns anzusprechen und für den Aufbau einer Gottesbeziehung zu werben. Dabei geht es nicht darum, die Angst vor der Wiederkehr Christi und vor dem Gericht zu schüren und zugleich Schutz zu bieten, sondern die Angst zu nehmen, indem man auf die Liebe und Gnade Gottes zeigt, die den Weg zu einer versöhnten Beziehung zwischen Gott und Mensch bereiten, einen Weg, der um die Hölle einen ganz großen Bogen macht.

Die Versöhnung, die Gott uns in Jesus Christus anbietet und die von der Kirche in der Beichte sakramental gestaltet wird, gibt es nur in Rücksicht auf das, was sie nötig macht. Das heißt: Man muss die Fehler (die Kirche nennt sie Sünden) wirklich bereuen und sich bessern. Das wiederum setzt voraus, dass man sie, die Fehler, die Sünden, überhaupt als solche erkennt. Wer sein Verhalten immer nur schönfärberisch erklärt, wird gar keine Notwendigkeit sehen für die Versöhnung. Das ist die eigentliche Gefahr: Dass wir vorbeistolzieren an der Liebe und Gnade Gottes. Damit richten wir uns selbst und unser eigenes Urteil führt uns auf den Weg in die Hölle. Schon auf Erden.

Das „ewige Feuer“ ist also selbstgewählt. Was man tun muss, um dort zu landen, steht bereits jetzt fest: totale Empathieverweigerung gegenüber Gott und dem Menschen, Bocksein aus Überzeugung. Dann klappt das mit der Hölle – nicht trotz, sondern gerade wegen der Liebe als Urteilsprinzip Gottes. Für diejenigen, die das nicht wollen, gibt es ebenfalls gute Chancen auf Erfüllung. Für sie gilt es, Jesus nachzufolgen, es Ihm gleich zu tun und sich mit denen zu identifizieren, die genannt werden: Menschen, denen es am Nötigsten fehlt. Ihnen zu helfen – das ist nicht nur ein Mandat der christlichen Ethik, sondern auch das Tatbestandsmerkmal für das Schafsein, dem das „ewige Leben“ folgt.

(Josef Bordat)

Pfingstnovene

Wir warten auf das Kommen Gottes in Gestalt des Heiligen. Wir warten im Gebet wie die erste Generation der Christen, die Zeitgenossen Jesu, die Jünger, die nach der Himmelfahrt auch im Gebet verharrten. Heute gibt es dazu die Form der Novene. Die Pfingstnovene spannt den Bogen zwischen Himmelfahrt und Pfingstfest. Wir beten darin um das Kommen des Geistes.

Es geht dabei zunächst um eine Aktualisierung und Konkretisierung der Begeisterung. Der Heilige Geist ist zwar schon da, aber das muss man sich auch immer wieder bewusst machen. Dass Gott bei uns ist und bleibt. Dass wird einen Tröster und Begleiter haben. Dass es in der Kirche, deren Geburtstag ja zu Pfingsten gefeiert wird, nicht um menschengemachte Strukturen geht, sondern um geistdurchwirkte Erfahrungen.

Es geht ferner um eine Vertiefung dieses Bewusstseins für den Heiligen Geist als göttliche Person. Pfingsten verweist auf die Dreifaltigkeit. Weihnachten und Ostern geht es um den Sohn, zu Pfingsten um den Heiligen Geist. Sohn und Geist sind personale Gestalten der Liebe und Weisheit Gottes.

Schließlich geht es um die sieben Geistesgaben, deren Bedeutung für das Glaubensleben es im Gebet zu betrachten gilt: Verstand, Weisheit, Rat, Stärke, Wissenschaft, Frömmigkeit und Gottesfurcht. Und um die zwölf Früchte des Heiligen Geistes: Liebe, Freude, Friede, Geduld, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Bescheidenheit, Selbstbeherrschung und Enthaltsamkeit. Also: Genug Stoff für das Gebet an den Tagen vor Pfingsten.

(Josef Bordat)

Himmelfahrt und Wissenschaft

Dass Christus „aufgefahren in den Himmel“ sein soll, wie es Christen bekennen, ist weder mit den Mitteln der Logik analytisch ableitbar noch empirisch naheliegend oder gar erwiesen (es gibt davon zwar Gemälde, aber keine Fotos), ja, es ist sogar klar, dass die Frage, ob Christus „aufgefahren in den Himmel“ ist, nach allem, was wir wissen können, weder analytisch noch empirisch je abschließend zu beantworten sein wird und es daher auch nicht darum gehen kann, im Rahmen einer Grundlagenforschung Methoden zu entwickeln, wie man künftig vielleicht doch zu analytischen Deduktionen oder empirischen Befunden gelangen könnte, die uns Christi Himmelfahrt „beweisen“. Damit endet die wissenschaftliche Betätigung. Das scheint mir ein „Knackpunkt“ in der Debatte um Glauben und Wissen zu sein: der wissenschaftstheoretische Status religiöser Aussagen und damit ihre Beurteilbarkeit „von außen“. Also, noch einmal: Wissenschaft beginnt, wenn man etwas nicht weiß, sie endet nicht, wenn man dann weiß, was man nicht wusste (es entstehen immer neue Fragen), sondern sie endet, wenn man weiß, dass man das, was man (noch) nicht weiß, nicht wissen kann. Das ist der Fall bei den Glaubenssätzen aus dem Credo, so wie dem „aufgefahren in den Himmel“, das wir morgen feiern.

Der Bereich des prinzipiellen Nicht wissen-Könnens ist im Laufe der Zeit immer kleiner geworden. Heute ist er extrem, ja, verschwindend klein. Die Wissenschaft ist in den letzten 300 Jahren sehr erfolgreich in verschiedene Lebensbereiche des Menschen eingedrungen und dabei auch auf Felder gelangt, von denen man dachte, dort habe sie, die Wissenschaft, nun wirklich nichts verloren. Nahezu alles wird heute erforscht, weil man meint, man könne damit etwas Neues über den Menschen und die Welt herausfinden. Oder über Gott. Denn ein Bereich, der dabei neuerdings ebenfalls in Betracht kommt, ist die Religion und der Glaube. Das ist gut so, denn man kann über diese Themen nicht genug wissen. Man kann ruhig Religionen im Hinblick auf ihre moralischen Vorstellungen vergleichen, von Theologiestudentinnen den Johannesprolog lesen lassen und dabei mit Hilfe der funktionellen Magnetresonanztomographie bunte Bilder der aktiven Hirnregionen aufzeichnen oder Benediktinermönche bei der Komplet an ein EKG anschließen und die Ergebnisse mit einer Kontrollgruppe im Yoga-Zentrum vergleichen – alles wunderbar. Was allerdings fälschlicherweise oft damit einhergeht, ist die Annahme, damit auch über die Glaubensinhalte Aussagen machen, ja, selbst die Gottesexistenzfrage beantworten zu können.

Es stellt sich doch die Frage, ob das, was man untersucht, tatsächlich für Aussagen solcher Tragweite valide und reliabel ist. Ja, ist es überhaupt relevant? Mit anderen Worten: Was untersucht man eigentlich: den religiösen Glauben oder die unterschiedlichen Vorstellungen religiös unmusikalischer Wissenschaftler davon, was der religiöse Glaube sei? Denn diese prägen am Anfang das Versuchsdesign und präjudizieren am Ende die Interpretation der Befunde. Übrigens gilt das auch mit anderen Vorzeichen: Wenn gläubige Wissenschaftler sich Gott durch Naturwissenschaft nähern wollen (sei es im Bereich der Evolutionsbiologie mit dem Intelligent Design-Ansatz, sei es in der Hirnforschung), ist ebenfalls Vorsicht geboten. Dennoch: Die Forderung steht im Raum, Gott zum Gegenstand der Naturwissenschaft zu machen – oder – wenn das nicht geht – als „sinnloses Konzept“ ein für alle Mal abzuhaken. Dahinter steht der szientistische Anspruch, der Leitgedanke der wissenschaftlichen Weltanschauung, der vom Wiener Kreis in den 1930er Jahren populär gemacht wurde. Er lautet, dass nur Sinn hat, was sich beobachten und in empiristischer Sprache beschreiben lässt, was sich also dem naturwissenschaftlichen Zugang verfügbar und überprüfbar hält. Die Metaphysik sollte damit, so der Plan, endgültig überwunden werden.

In diesem Sinne wird nun gefordert, Gott als Gegenstand der Naturwissenschaften anzusehen. Diese szientistische Perspektive, bei der Wissenschaft zur Weltanschauung wird und die Metaphysik verdrängt, erwartet einen Nachweis der Existenz Gottes, so wie sie einen Nachweis für die Behauptung fordert, es gäbe ein Mittel, nach dessen Einnahme ein Durchschnittsmensch mittleren Alters die 100 Meter unter 7 Sekunden laufen kann: „Dann zeig mir das mal!“ Das ist nur allzu verständlich. Und auch gar nicht mal unserer modernen Wissenschaftskultur allein geschuldet, wie man vermuten könnte. Schon in der Antike fordern die Menschen andauernd Beweise (die Bibel spricht von „Zeichen“ – Motto: „Dann zeig uns mal, dass du der Sohn Gottes bist!“). Selbst ein Apostel (nämlich Thomas) will den empirischen Nachweis: Sehen und Fühlen (vgl. Joh 20, 19-29). Auferstehung als Gegenstand der Naturwissenschaften. Damals schon. Es ist verständlich, für alles Zeichen zu fordern, um überzeugt zu werden, aber es ist andererseits nicht überzeugend, wenn sich diese Forderung nach Zeichen zu einer prinzipiellen Abwehrhaltung gegen alles Nichterwiesene bzw. Nichterweisbare entwickelt. Und Szientisten neigen dazu. Sie akzeptieren (als wahr, wertvoll, sinnhaltig, bedeutungsreich) nur das, was mit naturwissenschaftlichen Methoden nachgewiesen ist, allenfalls soll hinzukommen, was sich so prinzipiell nachweisen lässt.

Das ist schade, denn Aussagen der Art „Sokrates war ein griechischer Philosoph, der im 5. Jahrhundert vor Christus lebte“ oder „Es ist nicht gut, einen unschuldigen Menschen zu bestrafen“ oder „A ist größer als B und B ist größer als C, also gilt: A ist größer als C“ sind Aussagen, die wohl die meisten Menschen unterschrieben, ohne dass es für sie, die Aussagen, einen naturwissenschaftlichen Nachweis gäbe. Ein solcher steht auch nicht zu erwarten. Man muss hier schon andere Erkenntnisquellen zulassen (geisteswissenschaftliche Forschung, praktische Rationalität, moralische Intuition, Logik), um ein stimmiges Weltbild zu retten. Das tut man in der Regel auch. Weil man ansonsten historische, normative und geistige Phänomene nicht beschreiben könnte, soweit man sie eben nicht beobachten kann. Warum aber sollte man das „plötzlich“ tun dürfen, wo man sich doch zuvor auf die naturwissenschaftliche Methodik (induktive Schlüsse aus Beobachtung) festgelegt hat? Warum immer die große Skepsis in der Gottesfrage, nicht aber in der Frage logischer Implikationen oder historischer Darstellungen? Warum wird ausgerechnet die Existenz Jesu ständig bezweifelt, die Existenz des Sokrates hingegen nie? Und das, obwohl wir von letzterem tatsächlich nur Zeugnisse seiner unmmittelbaren Gefolgsleute haben, von Jesus hingegen – über das Evangelium hinaus – weitere Zeugnisse in zusätzlichen, außerchristlichen Quellen.

Ich glaube übrigens nicht, dass die erste Reaktion eines Szientisten auf den naturwissenschaftlichen Nachweis Gottes (Wie sähe der im übrigen aus? Pressekonferenz einer Forschergruppe, die behauptet, Gott gefunden zu haben?) nun ausgerechnet wäre: „Prima! Morgen früh trete ich in die Kirche ein!“, sondern wohl eher: „Das kann nicht stimmen!“ Menschen, die zu wissen glauben, dass Gott nicht existiert, lassen sich auch von der Wissenschaft nicht überzeugen. Schließlich hat diese schon oft genug geirrt. Und damit hätten Sie gar nicht mal so Unrecht, befänden sich jedenfalls in der guten Gesellschaft von Christen wie Aurelius Augustinus und Dietrich Bonhoeffer. Was man zeigen kann, ist alles, aber nicht Gott. Ein „Gott“, der sich naturwissenschaftlich erweisen lässt, ist nicht Gott. Und eine Himmelfahrt Christi, für die es logisch zwingende Gründe gibt oder gar empirische Befunde (außerhalb der biblischen Schriften, die davon berichten), wäre wohl kaum etwas, das sich in der Kirche groß zu feiern lohnte. Denn für die Kirche gilt, das sie Geheinmnisse feiert, um Karl Rahners bekanntes Diktum aufzugreifen, Geheimnisse des Glaubens. Und die sind ganz anders gelagert als Rätsel der Wissenschaft. Denn: Für die Wissenschaft ist Lösung der sinnträchtige Schlüssel, für den Glauben Erlösung.

(Josef Bordat)

Einige Bischöfe verbreiten Verschwörungstheorien, aber… – Teil 6

…es war ein katholischer Ordensmann, der die Grundlagen der Genetik fand.

Gregor Mendel forschte gewissermaßen nebenbei – und hat doch einen großen Beitrag zum Wissensbestand der Moderne geleistet. Der Augustinermönch gilt als „Vater der Genetik“. Im Klostergarten der Brünner Abtei St. Thomas experimentierte er in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts an Erbsen und Habichtskraut und fand bei seinen Kreuzungsversuchen die nach ihm benannten Mendelschen Regeln der Vererbung. Man kommt in der Schule an vielen Dingen vorbei, daran aber nicht.

Trotz seiner bahnbrechenden Entdeckung war Mendel freilich in erster Linie ein Mann des Glaubens. In einer deutschsprachigen Predigt verwob er seine wissenschaftliche Forschungsarbeit mit Deutungen der Heiligen Schrift: „Jesus erschien den Jüngern nach der Auferstehung in verschiedener Gestalt. Der Maria Magdalena erschien er so, dass sie ihn für einen Gärtner halten mochte. Sehr sinnreich sind diese Erscheinungen Jesu und unser Verstand vermag sie schwer zu durchdringen. (Er erscheint) als Gärtner. Dieser pflanzt den Samen in den zubereiteten Boden. Das Erdreich muss physikalisch-chemisch Einwirkung ausüben, damit der Same aufgeht. Doch reicht das nicht hin, es muss noch Sonnenwärme und Licht hinzukommen nebst Regen, damit das Gedeihen zustandekommt. Das übernatürliche Leben in seinem Keim, der heiligmachenden Gnade, wird in die von der Sünde gereinigte, also vorbereitete Seele des Menschen hineingesenkt und es muss der Mensch durch seine guten Werke dieses Leben zu erhalten suchen. Es muss noch die übernatürliche Nahrung dazukommen, der Leib des Herrn, der das Leben weiter erhält, entwickelt und zur Vollendung bringt. So muss Natur und Übernatur sich vereinigen, um das Zustandekommen der Heiligkeit des Menschen. Der Mensch muss sein Scherflein Arbeit hinzugeben, und Gott gibt das Gedeihen. Es ist wahr, den Samen, das Talent, die Gnade gibt der liebe Gott, und der Mensch hat bloß die Arbeit, den Samen aufzunehmen, das Geld zu Wechslern zu tragen. Damit wir ‚das Leben haben und im Überflusse haben‘ (Joh 10, 10). Drei Sakramente, die das Leben spenden: Taufe, Beichte, Kommunion [sind] zur Osterzeit eingesetzt worden.“

(Josef Bordat)