Dauerbrenner

Oder: Was Menschen wirklich interessiert

Normalerweise werden Beiträge in meinem Blog ein paar Tage lang täglich ein paar mal gelesen und verschwinden dann im virtuellen Nirwana. Bei einigen Texten ist das anders. Sie werden seit Jahren praktisch täglich aufgerufen, einige sogar über hundert Mal im Monat.

Bei zweien davon geht es um das Verhältnis von Christentum und Gewalt. Der ältere der beiden Texte, er stammt aus dem Jahr 2011, trägt den Titel Lukas 19, 27 – Aufruf zur Gewalt gegen Andersgläubige?. Es handelt sich um eine ganz kurze Ausdeutung der Bibelstelle im damaligen Tagesevangelium (Lukas 19, 11-28), die bislang rund 38.000 Mal aufgerufen wurde. Bei dem neueren Text aus dem Sommer 2017 (‚Ich bin nicht gekommen, um Frieden zu bringen, sondern das Schwert‘) geht es um ein ganz ähnliches Thema (und auch hier ist der Anlass die Auslegung des Tagesevangeliums), diesmal interpretiert anhand einer Stelle aus dem Matthäusevangelium (Mt 10, 36-37). Dieser Text ist bisher etwa 8.000 Mal aufgerufen worden, bereits über 2.000 Mal im laufenden Jahr 2020.

Bei zwei anderen Beiträgen aus dem Jahr 2012 geht es um das Thema Sterben und Tod in der antiken Philosophie, einmal bei Platon (etwa 16.000 Aufrufe) und dann bei Epikur und Lukrez (etwa 10.000 Aufrufe). Der dritte Text aus der thanatologischen Trilogie wird dagegen praktisch völlig ignoriert: Sterben und Tod in der Philosophie. Teil 3: Montaigne verzeichnet nur etwas mehr als 2.000 Aufrufe.

Und dann sind da noch zwei Texte, die eigentlich Spezialthemen behandeln, von denen ich dachte, dass sie – außer mir – kaum jemanden interessieren. Zum einen geht es um Picassos Frühwerk „Ciencia y caridad“ (1897), dessen Bedeutung ich 2011 nach einem Besuch des „Museu Picasso de Barcelona“ im Rahmen eines Blog-Beitrags hervorheben wollte: Wissenschaft und Religion. Ein Versuch mit Pablo Picasso. Ein großartiges Gemälde – doch mit seither rund 12.000 Aufrufen hätte ich nicht gerechnet. Zum anderen – noch einmal Platon: In Seele und Staat bei Platon, ein Beitrag aus dem Jahr 2012, geht es um die „Politeia“. In dieser Schrift versucht Platon, die Gerechtigkeit als Ergebnis eines harmonischen Zusammenspiels der Seelenteile bzw. der Stände im Staat aufzufassen. Eigentlich trockner Schulstoff und alles andere als ein „burner“ wird der Beitrag in schöner Regelmäßigkeit aufgerufen – bisher etwa 6.000 Mal. Oft erfolgen die Aufrufe in verdächtigen 20er-Paketen. Wird da wohl gerade eine Schulklasse das Verhältnis von „Seele und Staat bei Platon“ behandeln?

Last, but not least: Widerstand2020! Der Text vom Anfang des Monats entwickelt sich mit mittlerweile etwa 1.000 Aufrufen zum Kurzfrist-Dauerbrenner, um es mal so zu sagen. Die weitere Entwicklung bleibt abzuwarten. Auch das hätte ich nicht gedacht.

Christentum und Gewalt, Sterben und Tod, Wissenschaft und Religion, Seele und Staat, Platon und Picasso – Themen, die offenbar viele Menschen interessieren.

(Josef Bordat)

Zum Europatag

„Der erste deutsche Bundespräsident, Theodor Heuss, hat einmal gesagt, Europa stehe gleichsam auf drei Hügeln, von denen das Abendland seinen Ausgang genommen hat: Golgotha, die Akropolis in Athen und das Kapitol in Rom. Die Akropolis stehe für die griechische Philosophie und den Zugang zur Wissenschaft und den Künsten. Rom stehe für die Rechts- und Herrschaftsordnung, wie sie sich erstmals im Römischen Reich der Antike ausgeprägt hat, und Golgotha für das Christentum, das in Jerusalem aus dem Judentum hervorgegangen ist.

Ohne Zweifel hat das Christentum seit Kaiser Konstantin diesen Kontinent entscheidend geprägt bis in unsere Tage. Doch die Zeiten haben sich gewandelt. Christliche Werte und christliche Moralvorstellungen scheinen in der Europäischen Union des 21. Jahrhunderts immer weniger eine Rolle zu spielen. Über das christliche Erbe und die Zukunft Europas spricht Volker Niggewöhner mit dem Philosophen und Publizisten Josef Bordat.“

Soweit der Begleittext. Das dazu gehörende Video gibt es hier.

(Josef Bordat)

Auch das noch

Hinter uns liegt ein schwieriges erstes Jahresdrittel. Auch für Blogger, die nicht zugleich Epidemologen sind, war es nicht einfach, mit der zunehmenden Monothematik in den Medien klar zu kommen und überhaupt noch Menschen mit Beiträgen zu erreichen, die sich mit anderen Dinge befassen als mit Corona, Covid 19, Pandemie oder Krise.

Ingesamt sind hier im ersten Jahresdrittel 266 Beiträge erschienen, 62 davon behandelten mehr oder weniger eindeutig das Thema der Stunde (meistgelesen: Corona – Strafe Gottes?). Das heißt aber auch, dass noch über 204 Beiträge da sind, in denen es um etwas anderes geht (meistgelesen: Niederlande: Demenzkranke Frau wird gegen ihren Willen getötet).

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern einen guten Übergang in den Mai.

(Josef Bordat)

Klima und Wandel

Schön, nun endlich auch das gedruckte Buch in Händen zu halten. Nicht so schön, beim Durchblättern die ersten Druckfehler zu entdecken, aber das soll jetzt mal nicht vertieft werden.

Unsere Pflanzen haben unterdessen in den letzten Wochen den Klimawandel erfolgreich simuliert – im Zeitraffer: eine Woche, ein Jahrzehnt.


Vielen Dank auf diesem Wege allen, die mir heute über die diversen Kanäle gratuliert haben. Ein wirklich großartiges Geschenk, zum Geburtstag wieder zuhause zu sein und dann soviel Zuspruch und gute Wünsche zu erhalten. Danke!

(Josef Bordat)

Traurige Nachrichten aus der Heimat – Nachtrag

Meine Heimat im engeren Sinne ist der Niederrhein bzw. seit rund drei Jahrzehnten Berlin. Im weiteren Sinne ist aber Europa meine Heimat. Darum registriere ich mit großer Sorge die Zahlen auf der Alten Welt, insbesondere aus den vier Ländern Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien.

Allein in diesen vier EU-Staaten wurden bisher 184.000 Infizierte registriert (von weltweit 459.000 Infizierten – 40 Prozent) und 12.476 Tote betrauert (bei weltweit 20.807 Todesopfern – 60 Prozent).

Man kann nur hoffen und beten, dass das vor einer Woche in Kraft getretene EU-Einreiseverbot und die in diesen vier Ländern angeordneten Quarantäne-Maßnahmen bald fruchten und der „China-Effekt“ eintritt.

(Josef Bordat)