November

November – die Zeit, zur Ruhe zu kommen. Über den Tod nachzudenken. Und das Leben.

Und: Bereits den Blick auf Weihnachten zu richten und Geschenke zu kaufen.

Wer dazu Anregungen braucht:

– Für Kirchenkritiker und -freunde und für alle, die aus Kritikern Freunde machen wollen (oder zumindest: wohlwollendere Kritiker): Das „Sündenregister“-Buch.

– Für Menschen, die in gut katholischer Tradition Glauben und Wissen miteinander verbinden: Das Credo-Buch.

– Für alle, die mehr über das gewisse Etwas in der moraltheologischen Debatte wissen wollen: Das Gewissen-Buch.

– Für Menschen mit Humor (oder solche, die es werden wollen): Das Satire-Buch.

Na, dann: Frohes Bestellen!

(Josef Bordat)

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Domradio-Interview – zum Nachlesen

Und nach Feierabend darf diskutiert werden.

Domradio-Redakteurin Verena Tröster, die schon auf der Buchmesse in Frankfurt die Moderation der Buchvorstellung übernommen hatte, rief mich an und fragte noch mal nach, was es mit dem „Sündenregister“ auf sich habe.

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Josef Bordat im Interview mit Verena Tröster auf der Frankfurter Buchmesse. Foto: Mathias von Gersdorff.

Das Interview lief heute Vormittag in ihrer Sendung. Zum Nachlesen steht es auf der Seite des Domradios.

Und derweil wird im Geistlichen Zentrum Maria Rosenberg (Bistum Speyer) weiter über das „Sündenregister“ diskutiert – am 18. Oktober 2018 um 20 Uhr gibt es das „Feierabendgespräch“ zum Thema „Die kirchliche Moral ist leibfeindlich“.

(Josef Bordat)

Kreativer Syllogismus im Dienst der guten Sache

Bin mal gespannt, ob ich es in Frankfurt überhaupt aufs Messegelände schaffe, oder ob ich gleich am Hauptbahnhof festgenommen werde. Ginge es nach der Amadeu Antonio Stiftung, wäre das wohl eine der sinnvolleren Optionen für den Verlauf des heutigen Tages. Jene Stiftung, die ich bisher (irrtümlich, wie ich jetzt weiß) mit dem ehrenwerten Einsatz für Toleranz und Menschenrechte in Verbindung gebracht hatte, stellt eine Plattform zur Verfügung. Auf dieser wird der Verlag, bei dem ich bisher drei Bücher veröffentlichte, der Lepanto-Verlag, in ein allzu rechtes Licht gerückt – und meine heutige Buchvorstellung in einen Kontext mit Islam-Hass und Gewaltbereitschaft. Das ganze mit jener bestechenden Logik, die ich sonst nur von leicht übermotivierten Einzelbloggern kenne. Tu quoque, Amadeu Antonio Stiftung?

Es sieht so aus. Nach der Lektüre eines als „Lexikonartikel“ getarnten Gesinnungsgutachtens drängt sich mir die Frage auf: Was fasziniert mich eigentlich an solchen Texten wie dem von Autor Robert Wagner?

Ist es das so irritationsfreie Geschichtsbild, das Stichwörter wie „Lepanto“ ebenso unmissverständlich wie souverän einordnet? „Das katholische Europa in Form von Spanien, Venedig und dem Papst“ – nein, nein, ich denk mir das nicht aus, das steht da so (genau so). Ist es dieses zielsichere Sendungsbewusstsein, das hinter jedem Baum, in dessen Schatten man nicht selber ruht, „Instrumentalisierung der Geschichte“ wähnt? Ist es die Eleganz, mit der die eigene Deutung von Sachverhalten in ein allgemeines und bindendes Urteil überführt wird? Ist es die Ignoranz, mit der man dabei verkennt, dass eine schiefe Deutung nicht zu einem gerechten Urteil führen kann (geht wirklich nicht). Also: Ist es dieses bislang nur bei Stefan Effenberg eruierte Maß an Selbstsicherheit, das einem rät, vor dem Urteilen am besten nicht mehr nachzudenken, weil man einer von den Guten ist? Ich meine, wenn man schon keinen Unterschied mehr macht, so von „rechten bis rechtsextremen Gruppierungen“ und in drei Sätzen und zwei Gedankenschritten von einer Bezugnahme auf Lepanto zur Befürwortung des Dritten Weltkriegs („Verteidigung Europas [..] mit Waffengewalt“) gelangt (Respekt!). Oder vielleicht doch die Genauigkeit der Datensammlung zu verdächtigen Subjekten in Sorge um die Sicherheit des Staates? Das Bemühen, einem auch sprachlich dürftigen Text mit unnötigen Fremdwörtern künstlich Niveau zu verleihen? „Toxisches Narrativ“ – da hat aber jemand Soziologie studiert, und wie! Oder sind es am Ende die sich in meinem Kopf bildenden ersten Entwürfe einer Antwort auf die Frage, wie viel feindbildideologisches Nullsummendenken man genau verinnerlicht haben muss, um die Welt derart in schwarz (denkt nicht so wie ich) und weiß (ich) einzuteilen?

Nein, jetzt weiß ich, was mich fasziniert: Es ist die innere Logik, die solche Dossiers durchzieht. „Einer der Texte des Autors erschien in X. X ist rechts. Also: Er, der Autor, ist rechts.“ – „P hat Kontakt zu X. X ist – wie gesagt – rechts. Also: P ist rechts.“ – „P‘ kennt jemanden, der jemanden kennt, der P kennt. P ist – wie gezeigt – rechts. P‘ dann natürlich auch, du Nazi!“ Der Verlag „versteht sich als ‚Katholischer Verlag für Theologie und Philosophie‘. Jaha! Da versteht er sich aber falsch! Also: Er, der Verlag, ist rechts.“ Und, merke: Rechts ist rechtsextrem ist Nazi. Nazi ist doof.

Wie gut, dass Autoren und Plattformen der Amadeu Antonio Stiftung auch diesbezüglich über jeden Zweifel erhaben sind.

(Josef Bordat)

Pressemitteilung: Bordat stellt Buch vor

Am Mittwoch, 10. Oktober 2018, stellt der aus Straelen stammende Berliner Autor Josef Bordat sein Buch „Von Ablaßhandel bis Zölibat: Das ‚Sündenregister‘ der Katholischen Kirche“ auf der Frankfurter Buchmesse vor.

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Um 15 Uhr wird Bordat auf dem Autorensofa das Katholischen Medienverbandes (Halle 3.1, B 143) Rede und Antwort stehen. Moderiert wird die Veranstaltung von Verena Tröster (Domradio, Köln).

Für weitere Fragen: josef_bordat[at]hotmail.com

(Josef Bordat)

Auch nett: „Unscheinbarer, ja minimalistisch“

Die auflagenstärkste Kirchenzeitung Deutschlands („Kirche+Leben“, Münster) vergleicht mein „Sündenregister“ mit Lützens „Skandalbuch“.

„Kirche+Leben“-Chefredakteur Christof Haverkamp schreibt in seiner Rezension über das „Sündenregister“: „Das lesenswerte Werk hat in den historischen Kapiteln den gleichen Inhalt wie ‚Der Skandal der Skandale‘ des Bestsellerautors Manfred Lütz, kommt aber weit weniger reißerisch daher“.

Und weiter: „Schon der Titel wirkt unscheinbarer, ja minimalistisch – ganz in Schwarz, nur mit einer geöffneten Tür als Motiv“.

Weniger reißerisch, unscheinbar, minimalistisch. Vielleicht ist das ja der Grund, weshalb ich gerade kein Bestsellerautor bin. Muss aber auch nicht sein. „Kann meine Miete davon zahlen“-Seller würde schon reichen.

(Josef Bordat)

Erweiterte Märchenstunde

Fehler werden durch Wiederholung nicht wahr. Das wissen wir. Das kümmert manche Zeitgenossen wenig. Wie beispielsweise „B. Kramer“, der seinen rund 600 Twitter-Followern wieder Märchen (Tweet 1-17) über einen „rechten Buchautor eines extrem rechten katholischen Verlags“ (Tweet 13) erzählt, der auf der kommenden Frankfurter Buchmesse „sein Buch ‚Von Ablaßhandel bis Zölibat – Das ‚Sündenregister‘ der Katholischen Kirche‘ vorstellen“ (Tweet 13) darf.

„B. Kramer“ nennt diese Märchen kurzerhand „Hintergründe“ und klopft sich virtuell auf die investigative Schulter: „Und wer diese Hintergründe nicht kennt, wird denken, der Autor sei eben ’nur‘ irgendein Autor, der sich mit der katholischen Kirche befasst und der Verlag eben ein ’nur‘ ein ‚katholischer Verlag für Theologie und Philosophie’“ (Tweet 14). Also, da bin ich ja geneigt, „B. Kramer“ zum ersten Mal zuzustimmen, denn: Was heißt hier „nur“?!

Dass die Märchen Märchen sind, ist bekannt. Zumindest denen, die mein Blog lesen. Oder überhaupt: lesen. Soweit, so wenig nachrichtlich relevant. Was man allerdings machen kann, damit es nicht langweilig (und eben nachrichtlich relevant) wird: Immer mal wieder neue Fehler machen. B. Kramer tut es. Und dann muss man es wieder richtigstellen. Gute Strategie.

Also: In Tweet 3 behauptet „B. Kramer“, die Lepanto-Autoren seien „allesamt männlich“. Kann man ja mal machen. Behauptungen kosten nichts. Die Wahrheit zu finden, kosten hingegen etwas Mühe. Lesen, zum Beispiel.

Bei Lepanto erschien 2016 ein Sammelband, dessen Autorinnen nur noch mit einer sehr, sehr weiten Konzeption von Männlichkeit in die maskuline Phalanx von Benedikt bis Bordat inkorporiert werden können: „‚Große Hure Babylon‘. Zehn kirchengeschichtliche Klischees kritisch hinterfragt“, herausgegeben von Lucetta Scaraffia. Lucetta, „B. Kramer“! Inhalt: „Sieben Historikerinnen stellen zehn kirchengeschichtliche Stereotype auf den Prüfstand“. In meiner Rezension schrieb ich: „Die weibliche Perspektive bringt Überraschendes zum Vorschein und wirkt sich gerade im Kapitel zur Rolle der Frau (Giulia Galeotti) positiv auf die Glaubwürdigkeit und Überzeugungskraft der Darlegung aus. Ebenso ist spannend, dass mit Anna Foa eine Jüdin das Kapitel zum Antisemitismus übernahm“. Und so weiter. Echte Männer wie Claudia Reimüller haben die Texte „aus dem Italienischen übertragen“.

Übrigens ist die „Hure Babylon“ ein sehr gutes Buch, hervorragend geeignet, um das „Sündenregister“ zu ergänzen. Nur mal so für alle, die noch nicht genug Nazi-Literatur im Regal haben. Oder Bücher mit einer kenntnisreichen weiblichen Perspektive auf die Kirchengeschichte.

(Josef Bordat)