Erweiterte Märchenstunde

Fehler werden durch Wiederholung nicht wahr. Das wissen wir. Das kümmert manche Zeitgenossen wenig. Wie beispielsweise „B. Kramer“, der seinen rund 600 Twitter-Followern wieder Märchen (Tweet 1-17) über einen „rechten Buchautor eines extrem rechten katholischen Verlags“ (Tweet 13) erzählt, der auf der kommenden Frankfurter Buchmesse „sein Buch ‚Von Ablaßhandel bis Zölibat – Das ‚Sündenregister‘ der Katholischen Kirche‘ vorstellen“ (Tweet 13) darf.

„B. Kramer“ nennt diese Märchen kurzerhand „Hintergründe“ und klopft sich virtuell auf die investigative Schulter: „Und wer diese Hintergründe nicht kennt, wird denken, der Autor sei eben ’nur‘ irgendein Autor, der sich mit der katholischen Kirche befasst und der Verlag eben ein ’nur‘ ein ‚katholischer Verlag für Theologie und Philosophie’“ (Tweet 14). Also, da bin ich ja geneigt, „B. Kramer“ zum ersten Mal zuzustimmen, denn: Was heißt hier „nur“?!

Dass die Märchen Märchen sind, ist bekannt. Zumindest denen, die mein Blog lesen. Oder überhaupt: lesen. Soweit, so wenig nachrichtlich relevant. Was man allerdings machen kann, damit es nicht langweilig (und eben nachrichtlich relevant) wird: Immer mal wieder neue Fehler machen. B. Kramer tut es. Und dann muss man es wieder richtigstellen. Gute Strategie.

Also: In Tweet 3 behauptet „B. Kramer“, die Lepanto-Autoren seien „allesamt männlich“. Kann man ja mal machen. Behauptungen kosten nichts. Die Wahrheit zu finden, kosten hingegen etwas Mühe. Lesen, zum Beispiel.

Bei Lepanto erschien 2016 ein Sammelband, dessen Autorinnen nur noch mit einer sehr, sehr weiten Konzeption von Männlichkeit in die maskuline Phalanx von Benedikt bis Bordat inkorporiert werden können: „‚Große Hure Babylon‘. Zehn kirchengeschichtliche Klischees kritisch hinterfragt“, herausgegeben von Lucetta Scaraffia. Lucetta, „B. Kramer“! Inhalt: „Sieben Historikerinnen stellen zehn kirchengeschichtliche Stereotype auf den Prüfstand“. In meiner Rezension schrieb ich: „Die weibliche Perspektive bringt Überraschendes zum Vorschein und wirkt sich gerade im Kapitel zur Rolle der Frau (Giulia Galeotti) positiv auf die Glaubwürdigkeit und Überzeugungskraft der Darlegung aus. Ebenso ist spannend, dass mit Anna Foa eine Jüdin das Kapitel zum Antisemitismus übernahm“. Und so weiter. Echte Männer wie Claudia Reimüller haben die Texte „aus dem Italienischen übertragen“.

Übrigens ist die „Hure Babylon“ ein sehr gutes Buch, hervorragend geeignet, um das „Sündenregister“ zu ergänzen. Nur mal so für alle, die noch nicht genug Nazi-Literatur im Regal haben. Oder Bücher mit einer kenntnisreichen weiblichen Perspektive auf die Kirchengeschichte.

(Josef Bordat)

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Autogenes Training im Wettkampfmodus. Erste Rezension

Drei Wochen nach Erscheinen von Autogenes Training im Wettkampfmodus. Satiren hat die Berliner Bloggerin und Autorin Claudia Sperlich mein erstes belletristisches Buch besprochen.

Urteile von Kollegen sind oft hart – ihres ist wohlwollend. Mir sei „ein hochkomisches Buch mit ernstem Unterton“ gelungen: „In vierzehn Kapiteln über Wissenschaft, Terror, Fußball, Religion, das Finanzamt und andere belachens- und beweinenswerte Dinge schreibt Josef Bordat in prosaischer, dramatischer und zuweilen lyrischer Form, manchmal auch in aphoristischer Kürze und immer mit Geist und Witz“.

Vielen Dank für die Blumen!

(Josef Bordat)

„Sündenregister“ live

Vorträge, Lesungen, Gespräche zum „Sündenregister“ finden demnächst statt:

20.09.18
Rheurt-Schaephuysen
Pfarrei St. Martin

10.10.18
Frankfurt/Main
Buchmesse

20.11.18
Berlin-Lankwitz
Gemeinde Mater Dolorosa

25.11.18
Berlin-Wittenau
Pfarrei St. Martin

22.01.19
Berlin-Marienfelde
Pfarrei Vom Guten Hirten

Gerne komme ich auch in Ihre Pfarrei, Gemeinde, Einrichtung etc.

(Josef Bordat)

Mea culpa

Mir ist in den letzten Tagen klar geworden: Ich habe im Zusammenhang mit den Missbrauchsfällen in der Katholischen Kirche zu oft nur Augen gehabt für Zahlen und deren Einordnung – und zu selten auch ein Herz für die Opfer. Natürlich stimmen die Zahlen und die Institution Kirche steht nicht schlechter da als andere gesellschaftliche Institutionen wie etwa die Sportverbände, ihre Einrichtungen sind für Kinder nicht gefährlicher als andere Einrichtungen wie Kinderchöre oder säkulare Internate. Aber das – so wird mir immer klarer – kann nicht das letzte Wort in der Sache sein.

Ich bitte diejenigen, die ich mit meinen aus ihrer Sicht kaltherzigen und einseitigen Analysen von Häufigkeiten und Wahrscheinlichkeiten verärgert oder verletzt habe, um Verzeihung. Ich werde mich dem Thema künftig weniger soziologisch oder diskursanalytisch als vielmehr so näher, wie es die christlichen Werte, die mir wichtig sind, gebieten. Dazu gehört, zunächst und vor allem, für die Opfer zu beten. Und zu schweigen.

Das auch in der zweiten Auflage des „Sündenregisters“ weitgehend unveränderte Buchkapitel „Missbrauch“ bitte ich insoweit unter diesen Vorzeichen zu lesen: Ich habe schlichtweg nicht sehen, nicht glauben und (was ich persönlich als am schmerzlichsten empfinde) nicht wirklich wissen wollen, wie schlimm die Lage war (dass sie heute besser ist als vor 20 oder 30 Jahren, davon bin ich nach wie vor überzeugt) und wie sehr gerade auch das systemische Element der Vertuschung Opfer weit über die Tat hinaus gekränkt hat und bis heute kränkt.

Das tut mir Leid.

(Josef Bordat)

Jetzt: Kaufen!

Ich hab’s selbst noch nicht gesehen, aber so schlecht wird’s schon nicht sein. Und für zwölf-fünfzig kann man auch nichts falsch machen.

Also: Kaufen! Und zwar hier. Und zwar (erstmal) nur dort. Später auch im Buchhandel. Aber, richtig: Wer will schon warten?!

Das Buch gibt es nicht bei Amazon. Auch nicht später. Aus guten Gründen.

Noch was: Danke!

Ihr und Euer
Josef Bordat

„Sündenregister“: Gespräch zur zweiten Auflage

Zum Ausklang der heutigen „Katechismus“-Sendung auf Radio Horeb (16:30 Uhr) können Sie ein kurzes Interview zur zweiten Auflage meines Buchs Von Ablasshandel bis Zölibat. Das „Sündenregister“ der katholischen Kirche hören.

Es geht um bisherige Rezensionen und Reaktionen, um das, was beim zweiten Durchgang anders ist und um künftige Projekte.

Nachtrag: Wenn Sie die Ausstrahlung verpasst haben – kein Problem! Hier ist der Podcast des Interviews.

(Josef Bordat)

Autogenes Training im Wettkampfmodus

So heißt es, mein erstes belletristisches Buch. Hat lange gedauert, fast ein halbes Jahrhundert. Aber jetzt ist es so weit: Fertig! Mit „Liebe und Leidenschaft“ entstanden in „Schichtarbeit, ab und zu auch morgens“ die in diesem Buch veröffentlichten, satirischen Texte, so der Klappentext.

In Kürze wird der Satireband im Alverna-Verlag erscheinen. Er wird 251 Seiten umfassen und 12 Euro 50 kosten. Kein Witz.

(Josef Bordat)