1000 – 87

Dies ist bereits der 1000. Beitrag in JoBos Blog.

Freut mich, dass es hier nach zehn Jahren Jobo72 weitergehen konnte und auch in Zukunft weitergehen wird – so Gott will.

Freut mich ganz besonders, dieses kleine Jubiläum am 87. Geburtstag meines Vaters feiern zu dürfen.

(Josef Bordat)

Peru und Deutschland

Am Samstag hatte ich die Chance, in einem peruanischen Regionalsender der „El Pueblo“-Gruppe („Canal 39“) meine Sicht auf die politische und gesellschaftliche Entwicklung in Deutschland und Peru darzulegen. In der Sendung „Cara a Cara“ (etwa: „Von Angesicht zu Angesicht“) sprach Luigi Talancha mit mir über den Klimawandel, die Migration und den Populismus als die drei Themen, die uns in Deutschland derzeit bewegen.

In dem etwa 15minütigen Gespräch wurde deutlich, dass Deutschland in Peru nach wie vor als Beispiel für wirtschaftliche Entwicklung, technologische Innovation, soziale Verantwortung und ökologische Sorge angesehen wird. Unterschiede und Gemeinsamkeiten beim Thema Flucht und Migration wurden deutlich (derzeit kommen hunderttausende Venezuelaner nach Peru; die Vorbehalte einiger gegenüber den Migranten dort ähneln denen in Teilen der deutschen Bevölkerung frappierend, obwohl die Rahmenbedingungen für gelingende Integration – gemeinsame Sprache, ähnliche kulturelle Prägungen, geteilte religiöse Identität – wesentlich günstiger sind).

Ferner sprachen wir über die innenpolitischen Schwierigkeiten – auch das Attentat in Halle war Thema. Ich musste die Spannungen, in denen sich Deutschland gesellschaftlich derzeit befindet, erläutern – offentlich ist das Deutschland-Bild im fernen Peru zu positiv als sich vorstellen zu können, dass es Kräfte gibt, die sich eine „Alternative“ zu diesem Deutschland wünschen.

Das Gespräch endete mit dem gegenseitigen Versprechen, im Kontakt zu bleiben. Vor allem der Vergleich im Zusammenhang mit der Migrationsthematik scheint mir eine Vertiefung wert.

(Josef Bordat)

Berufliche Veränderung

Ab dem 1. November werde ich nicht mehr in der „Tagespost“-Redaktion tätig sein. Zwei Jahre war ich Mitglied der Redaktion. Leider sah ich mich gezwungen, meine publizistische Tätigkeit nach Art und Umfang neu auszurichten.

Nach meinem Urlaub im Oktober werde ich – so Gott will – wieder als freier Autor aktiv sein, unter anderem auch hier im Blog.

(Josef Bordat)

Zum „Fall Metzelder“

„Wir führen ein Ermittlungsverfahren gegen einen 38-jährigen Deutschen wegen des Verdachts der Verbreitung von kinderpornografischen Schriften, dazu gehören auch digitale Bildaufnahmen. In diesem Zuge wurden Durchsuchungsbeschlüsse beim Amtsgericht Hamburg erwirkt. Diese wurden vollstreckt.“ Soweit Liddy Oechtering, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Hamburg.

Die Auskunft ist lapidar. Doch nun handelt es sich bei dem „38-jährigen Deutschen“ eben nicht nur um einen „38-jährigen Deutschen“, sondern um Christoph Metzelder. Es ist der ehemalige Fußballnationalspieler, der im Verdacht steht, Fotos mit kinderpornographischem Inhalt über den Nachrichtendienst „WhatsApp“ verbreitet zu haben. Das ist, wenn es bewiesen wird, strafbar. Das erwähnte Ermittlungsverfahren läuf seit Mitte August, wie Anfang September bekannt wurde.

Für mich ist die daraufhin einsetzende Berichterstattung – vor allem, aber nicht nur der „BILD“-Zeitung – ein „dicker Hund“. Man kann das alles freilich auch anders sehen, aber ich bleibe bei meiner Kritik.

Natürlich habe ich Verständnis dafür, dass man sich erst einmal zurücknimmt und die Ermittlungsergebnisse abwartet, wie die ARD, die den TV-Experten erst mal nicht mehr einsetzt, oder auch wie Peter Schallenberg, der ankündigte, das Kuratorium der Stiftung Metzelders zu verlassen.

Dennoch meine ich, dass die medienethischen Kritikpunkte, die ich im „Dicken Hund“ anführe, tatsächlich solche sind: irreführende Kontextualisierung, kommerzielle Ausschlachtung. Ach, so – falls jemand die Print-Ausgabe liest: Dort wurde der „Dicke Hund“ diesmal von einem gewissen „Max Mustermann“ verfasst, also von dem, der die zweitmeisten Kreditkarten besitzt.

So geht Diskretion, „BILD“!

(Josef Bordat)

Philosophie musst‘ ich studieren

Von Friedrich Hölderlin stammt der Ausspruch: „Philosophie mußt Du studieren und wenn Du nicht mehr Geld hättest als nötig ist, um eine Lampe und Öl zu kaufen und nicht mehr Zeit als von Mitternacht bis zum Hahnenschrei.“ Ganz so war es bei mir nicht, aber das Gefühl eines inneren Zwangs zum Philosophieren trieb mich doch.

Heute vor 20 Jahre habe ich mich entschieden, Philosophie zu studieren, so richtig, offiziell, eingeschrieben – und nicht wie bisher nebenbei und eher im nicht ganz so stillen Studentenwohnheimzimmer. Das Studium des Wirtschaftsingenieurwesens an der Technischen Universität Berlin (TUB) neigte sich dem Ende zu und die Frage, wie sich daran ein Philosophiestudium anschließen könnte, wurde mir am 9. September 1999 beantwortet.

Ich erinnere mich so genau, weil ich diese Antwort im Rahmen einer besonderen Gelegenheit bekam: bei der Hochzeit eines damaligen guten Bekannten. An der Kaffeetafel wurde über vieles gesprochen, auch über Studium und Beruf. Ein junger Gast studierte ebenfalls an der TUB – eine Ingenieursdisziplin (an die ich mich nicht mehr erinnere) und Philosophie. Wie das denn ginge, fragte ich. Und er gab mir die entscheidende Information.

Ich erfuhr, dass es an der TUB möglich war, das Studium der Philosophie ohne ein zweites Fach zu absolvieren, wenn man stattdessen bereits ein Diplom hat. Dieses konnte man als zweites Hauptfach „einsetzen“, quasi als „Joker“. Das hat meine Motivation, noch einmal ganz offiziell ein Magisterstudium zu beginnen, erheblich gesteigert, so dass ich mich wenige Tage später zum Wintersemester 1999/2000 in Philosophie einschrieb.

Der Hintergrund dieser Regelung ist ein historischer: Bei der Neugründung der TUB im Jahre 1946 legten die Briten, die damals in Charlottenburg das Sagen hatten, Wert darauf, dass die naturwissenschaftlich-technische Forschung von den Sozial- und Geisteswissenschaften kritisch begleitet wird. Das kann man verstehen, befand sich doch in der Vorläuferinstitution, der Technischen Hochschule zu Berlin, die berüchtigte „Wehrtechnische Fakultät V“ im Aufbau – die Waffenschmiede der geplanten Reichshauptstadt „Germania“.

Auch, wenn die Militärtechnik heute nicht mehr das Hauptthema deutscher Wissenschaft ist, sind forschungskritische Humanwissenschaften heute wohl nötiger denn je. Dennoch baut die TUB im Bereich der Sozial- und Geisteswissenschaften immer mehr ab. Gerade noch vor „Bologna“ studiert zu haben – dafür bin ich dankbar. Denn: Philosophie musst‘ ich studieren. So oder so. Dass das Ethos der TUB mir dabei behilflich war und mir nebenbei viel Zeit und Energie erspart hat – auch dafür bin ich dankbar.

(Josef Bordat)

Völlig Banane!

Eine Person, die ich ganz gut kenne, ist schon von weitem als nicht direkt zur nordischen Rasse gehörig identifizierbar. Für mich war das nie ein Problem. Für sie eigentlich auch nicht, soweit ich weiß. Diese Person lebt seit zwanzig Jahren – mit geringfügigen Unterbrechungen – in Deutschland, die meiste Zeit davon in Berlin. Probleme im Sinne des fehlenden Arier-Nachweises gab es bisher nie. Auch sonst führt die Person, alles in allem, das rechtschaffende Leben eines zuverlässigen Steuerzahlers. Oder einer Steuerzahlerin.

Nun begab es sich kürzlich, dass sie mit dem Fahrrad unterwegs war und aus einem Wagen heraus mit einer Bananenschale beworfen wurde. Die Person hatte den Eindruck, als sei das eine gezielte Aktion gegen sie gewesen. Sowas sei ihr ja noch nie passiert. Ich war nicht dabei, halte die Schilderung aber für glaubwürdig. Dahinter sei ein anderer Wagen gefahren, dessen Fahrer mehrfach gehupt habe. Ob das zustimmende Begleitmelodie der Aktion (meine Deutung) oder Protest dagegen war (ihre Interpretation), muss offen bleiben.

Fest steht: Menschen müssen damit rechnen, an der Berliner Grenze zu Brandenburg mit Bananenschalen beworfen zu werden. Die Wahrscheinlichkeit erhöht sich offenbar mit der Dunkelheit des Teint. Mich hat es jedenfalls noch nicht getroffen, obwohl ich dort sehr oft mit dem Fahrrad unterwegs bin (viel öfter als besagte Person, um ehrlich zu sein). Eigentlich ein schlechtes Zeichen: Ich bin diesen Sommer einfach zu selten an die frische Luft gekommen, um durch den hinreichenden Bräunegrad aufzufallen. Zehnerkarte fürs Solarium? Drei Wochen Scharm el-Scheich? Dann klappt’s auch mit den Nachbarn? – Völlig Banane!

(Josef Bordat)

Einige Hinweise

In der Katholischen Presseschau vom August spricht Anselm Blumberg mit mir über aktuelle Themen. Des weiteren hat mir Volker Niggewöhner zwölf Frage zu meiner Person gestellt. Herausgekommen ist dieses biographische Interview.

In der Zeitschrift „Theologisches“ (Juli/August 2019) geht es u.a. noch einmal um das Thema meines Buchs „Ewiges im Provisorium“. Der Aufsatz „Wie Gott ins Grundgesetz kam – und warum Er dort auch bleiben sollte“ beschäftigt sich mit dem Gottesbezug in der Präambel.

Das katholische Fanzine „X451“ beschäftigt sich in der August-Ausgabe mit dem menschlichen Leben. Anlass ist der „Marsch für das Leben“ am 21. September. Dazu mein Beitrag „Leben. Zwischen Materialwert und Menschenwürde“, in dem ich der ewigen Frage nachgehe, was der Mensch ist – „pure Materie oder Gottes Kind mit Würde“.

In der katholischen Wochenzeitung „Die Tagespost“ erschien eine weitere Folge des „Medien-ABC“ und ein medienethischer Beitrag, der ausgehend von den Zitteranfällen der Bundeskanzlerin die Begriffe Transparenz und Privatheit betrachtet. Ganz aktuell: der neue „Dicke Hund“.

Auf einer Konferenz der Fokolarbewegung in Tonadico (Italien) habe ich Ende Juli zum Thema „Zukunft der Kirche in Europa“ gesprochen und dabei die Entwicklung der Kirche in Süd-Korea vorgestellt, die in einigen Aspekten ganz anders verläuft als bei uns und daher eine Leidbildfunktion haben könnte. Die Essenzen des Beitrags sind auf „catholic365“ veröffentlicht.

Wie sehr viele Menschen in Deutschland bin auch ich geschockt angesichts der jüngsten Gewalttaten. In meinem Blog versuche ich, den Schock zu verarbeiten.

Ein – dennoch – schönes und erholsames Wochenende wünscht

Ihr