Seltsam, seltsam!

Von der ersten Auflage gibt es noch zwanzig, von der zweiten Auflage noch zwei?

20_Erste

Und von der ersten Auflage ist „mehr unterwegs“, von der zweiten Auflage nicht?

2_Zweite

Amazon, Du machst mir Sorgen!

(Josef Bordat)

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„Sündenregister“, die Zweite

Am 11. Juli 2018 erschien die zweite, überarbeitete und aktualisierte Auflage des „Sündenregisters“. Dass es diese Neuauflage gibt, ist Ergebnis einer großen Resonanz auf das Buch, die alle Erwartungen übertroffen hat. Das Bemühen um seriöse Information zu Christentum und Kirche wurde vielfach gewürdigt.

Einige Pressestimmen:

„Sachlich, faktenorientiert und unaufgeregt […] für Kirchenferne wie auch Katholiken hilfreich“ (Philipp Langmann, Alle Welt)

„Keine plumpe Verteidigungsschrift […] vermeidet jede Schwarz-Weiß-Malerei“ (Volker Niggewöhner, Die Tagespost)

„Fundiert und in einer allgemein verständlichen Sprache geschrieben“ (Tobias Glenz, katholisch.de)

„Informativ, erhellend und lesenswert“ (Volker Kapp, Landshuter Zeitung)

Diese und andere positive wie auch kritische Rückmeldungen machen Hoffnung und motivieren, weiterhin in die Diskurse einzugreifen und Stoff für „hitzige Debatten rund um die Themen Kirche und Glauben“ zu liefern (so der Verlag in der Ankündigung auf seiner website).

Dazu soll diese zweite Auflage dienen, für die das Manuskript geringfügig überarbeitet wurde. Insbesondere ein Teil des Kapitels zum „Naturrecht“ ist ganz neu gestaltet worden. Zudem wurden einzelne Stichwörter und rund 50 Literaturangaben ergänzt.

Die Neuauflage ist ab sofort im Buchhandel, offline wie online, erhältlich bzw. bestellbar – die Auslieferung der druckfrischen Exemplare läuft.

(Josef Bordat)

Christentum und Gewalt

Der aktuelle „Dicke Hund“ in der Tagespost behandelt ein „ZDF-(Des)Info“-Video mit dem Titel „Töten für Jesus?“. Darin werden Beispiele für Kriminalität, Terror und Krieg genannt, die sich angeblich direkt dem Christentum verdanken. Das ist völlig verfehlt, denn Gewalt findet keine Deckung durch den christlichen Glauben.

1. Die Berufung eines Gewalttäters auf Jesus zeigt, dass er nichts von Jesu Botschaft verstanden hat. Jeder, der meint, Gewalt mit dem Gott der Bibel rechtfertigen zu können, ist dem wohl größtmöglichen Irrtum erlegen, dem ein Mensch überhaupt erliegen kann. Und wer meint, das damit begründen zu können, dass sich diese Rechtfertigung aus einer bestimmten Bibelstelle ergebe, übersieht den Ozean an anderen Bibelstellen, die dem widersprechen. Somit nimmt er die biblisch-christliche Botschaft insgesamt nicht ernst. Ich möchte etwas ausführlicher erläutern, was ich meine.

Zunächst: Man kann die Bibel in der Tat wörtlich nehmen oder ernst (Carl Friedrich von Weizsäcker). Der Ernst zeigt sich in der aktualisierenden Deutung und in der Unterscheidung zwischen Wort und Begriff, zwischen Bild und Bedeutung. Metaphern als solche zu erkennen und zu deuten, ist wichtig für die richtige Interpretation aller sprachlichen Mitteilung, besonders aber für die Exegese von Bibeltexten, die zeitüberdauernd und raumübergreifend auf Menschen wirken sollen (Geltungs-Anteil), aber eine konkrete zeitliche Kontextualisierung aufweisen (Genese-Anteil). Einige Menschen scheinen Genesis und Geltung von biblischen Aussagen zu verwechseln bzw. sie versuchen, über den Entstehungszusammenhang die Geltungskraft zu unterminieren. Etwa indem sie den Unterschied zwischen den Lebensgewohnheiten des Volkes, zu dem Gott zuerst gesprochen hat, und unseren Lebensgewohnheiten heute betonen, um damit anzudeuten, dass es keinen Sinn habe, an den Aussagen festzuhalten, oder aber indem sie meinen, wir müssten unsere Lebensgewohnheiten bis ins kleinste Detail an denen ausrichten, die in Alt-Israel vorherrschten, um auch heute das Gesetz zu erfüllen. Das kann beides nur dann richtig sein, wenn man dieses Gesetz eben wortwörtlich auffasst bzw. meint, es nur so auffassen zu können. Ich bin mir sicher, dass Menschen auch in ferner Zukunft den Dekalog oder die Bergpredigt oder 1 Kor 13 lesen, verstehen und ernst nehmen können, auch wenn vielleicht keiner mehr weiß, was denn ein „Schaf“ oder ein „Kamel“ gewesen sein soll. Insoweit hätte die Bibel in der Geltung ihrer Kernaussagen Ewigkeitscharakter. Die lex nova der Liebe gilt eben nicht nur im konkreten Kontext der Erzählung, also für die Zuhörer in der historischen Situation, sondern auch für uns heute und eben auch – da bin ich mir sicher – für Menschen in 100.000 Jahren.

Ganz grundsätzlich ist es weiterhin so, dass man Bibelverse nicht aus dem textlichen und historischen Zusammenhang reißen darf, sondern diesen immer mitbedenken sollte. Bei Levitikus handelt es sich um ein Buch mit zahlreichen Vorschriften, die Gott durch Mose für Sein Volk erlässt. Darunter befinden sich viele Vorschriften, die gegenüber vorrechtlich-anarchischen Zuständen durchaus fortschrittliche Regelungen enthalten, wie die Achtung älterer Menschen (Lev 19, 32), der Respekt vor Fremden (Lev 19, 33-34), der faire Handel (Lev 19, 35-36) u.v.a.m., aber auch harte Strafen für – aus der Sicht Gottes – schwere Verirrungen (Lev 20). Wenn wir das Buch Levitikus aus dem Alten Testament lesen und die dortigen Gesetze Alt-Israels als Handlungsanweisungen Gottes nach dem Verständnis des Mose, also eines Menschen aus der Mitte des zweiten Jahrtausends v. Chr., verstehen wollen, dann müssen wir schauen, womit wir sie vergleichen. Die hermeneutische Methode legt nahe, die Vorschriften mit anderen Rechtstexten aus der Mitte des zweiten Jahrtausends v. Chr. zu vergleichen – und nicht mit unseren Vorstellungen von Gottes Gebot heute. Das wäre ahistorisch. Hier werden wir in der Summe und bei redlicher Betrachtung feststellen können, dass es sich bei der Satzung Alt-Israels – bei aller Kritik, die wir über 3000 Jahre später formulieren können – um einen zivilisatorischen Fortschritt handelte, schon deshalb, weil es sich überhaupt um verbindliche Normen handelt, die Willkür und Selbstjustiz eindämmen helfen. Aber die Vorschriften sind eben nicht historisch und heute nicht mehr bindend. Bereits Jesus brach mit einigen Regeln bzw. deutete sie um, so dass klar wurde: Das Gesetz ist für den Menschen da. Nicht umgekehrt.

Entscheidend für das Christentum ist die Deutung des Gesetzes im Lichte des Evangeliums. Für den Christen, der dem Alten Testament nicht ganz gleichgültig gegenüberstehen kann (ich teile jedenfalls die Einschätzung nicht, das Alte Testament sei durch das neue Licht, den neuen Weg zu Gott, durch Jesus Christus, komplett „überholt“ – das ist theologisch falsch, denn es widerspricht den vielen Bezügen von Altem und Neuem Testament), gilt es, das dort enthaltene Ethos an der Ethik Jesu zu spiegeln. Bezogen auf „Verirrungen“ – theologisch würde man auch „Sünden“ sagen – gilt nach Christus: Hasse die Sünde, liebe den Sünder! Diese Liebe markiert nur scheinbar etwas völlig Neues, knüpft sie doch an die zivilisatorische Leistung an, spitzt sie jedoch so zu, dass echter Fortschritt entsteht. Echter Fortschritt in der Moral kann nämlich nur dort entstehen, wo ein Übergang vom reziproken Rechtsprinzip der Vergeltung zum Grundsatz des Wünschenswerten stattfindet. Nicht mehr Gleiches mit Gleichem zu beantworten (nach dem alttestamentlichen ius talionis, also „Auge um Auge, Zahn um Zahn.“, Dtn 19, 21), sondern zu erkennen, dass die Fortschreibung von moralisch falschem Verhalten nur in der empathischen Haltung dem Anderen gegenüber durchbrochen und nur in der Bezugnahme auf das Erwünschte überwunden werden kann, stellt eine neue Form des Umgangs miteinander dar, die alle Möglichkeiten friedlich-kooperativen Zusammenlebens eröffnet. Diese Umgangsform lehrt Jesus Christus, nicht zuletzt in Gestalt der Goldenen Regel („Alles, was ihr wollt, dass euch die Menschen tun, also tuet auch ihr ihnen.“, Mt 7, 12), vor allem aber durch Seine bedingungslose Liebe und Hingabe. Die Zehn Gebote werden auf ihre Basis, die Gottesliebe und die Nächstenliebe, zurückgeführt, das Gesetz, das erfüllt werden muss, erfüllt sich in der Liebe. Jesu Einstellung zu den Sündern und die Bereitschaft – entgegen der Reinheitsvorschriften – mit ihnen zu speisen und sie damit in die (Mahl-)Gemeinschaft aufzunehmen, ein Kernpunkt der Ethik Jesu, wird verdeutlicht an der Berufung eines Zöllners, und der hieß – dreimal dürfen Sie raten – Levi (Lk 5, 27-32)! Dieses pikante Detail im Hinblick auf die Behandlung der Sünder verdeutlicht die Wendung, die durch Christus in die Welt kommt.

Was ist für den Christen zentral, woran hat er sich zu halten? Darauf gibt es eine theologisch recht einfache Antwort: Das, was Jesus den Jüngern gesagt hat, so wie es in den Evangelien steht, ist wichtig. Bedeutend ist darunter vor allem das, was Christus selbst als wichtig, als Kern Seiner Botschaft bezeichnet und als bedeutend eingeführt hat, mal durch bestärkende Rhetorik („Amen, ich sage euch…“), mal ganz offen, wie etwa bei der Frage nach dem „wichtigsten Gebot“ (Mt 22, 36-39). Weiterhin ist zentral, was Christus all denen mit auf den Weg gegeben hat, die Ihm folgen und zu Ihm halten möchten, die so genannten „Abschiedsreden“ (Joh 13-17). Kernpunkte sind der Dienst (Fußwaschung, Joh 13, 1-20) und die Liebe (Joh 13, 34; Joh 15, 17: „Dies trage ich euch auf: Liebt einander!“) sowie die Einheit von Vater und Sohn, von Sohn und Gemeinde durch den Geist (Joh 14, 15-31). Alles muss sich fortan an diesen Stellen messen lassen. Man erkennt nun leicht, dass es einem Christen schwer fallen dürfte, das Buch Levitikus (insbesondere Kapitel 20) als Aufforderung zur Gewalt zu missdeuten, weil im Spiegel der Barmherzigkeit, die in Jesu Botschaft der Liebe hervorsticht, aber auch der Gewaltlosigkeit Seines Auftretens sich schlussendlich ein ganz anderes Bild ergibt. Sowohl die Theologie als auch die Pastoral haben das erkannt und weisen vielstimmig darauf hin.

2. In den Kommentaren ist dann oft von „Christlichem Fundamentalismus“ die Rede. Das bedeutet, derart in den Diskurs eingestreut, dass da jemand bereit ist, Gewalt anzuwenden, um seinen Glauben zu vertreten. Christlicher Fundamentalismus bedeutet aber eigentlich, dass jemand bereit ist, sich zu den Grundlagen seines Glaubens durchzuringen und sich radikal in die Nachfolge Christi zu stellen, das heißt: Gott, seinen Nächsten und seinen Feind zu lieben. Christen, die stark sind und deren einzige Waffe die Liebe ist, sind fundamentalistisch. Die Liebe ist ihre einzige Waffe, die mächtigste Waffe überhaupt, gerade weil es nicht ihre Waffe ist, sondern die Waffe Gottes. Die Heilige Schrift der Christen lehrt entsprechend Liebe und Friedfertigkeit. Nicht jedoch Gewalt. Das erkennt man, wenn man die Schrift von Christus aus liest und sich vor bewussten Missverständnissen hütet. Wenn man – wie gesagt – die Bibel nicht wörtlich nimmt, sondern ernst.

3. Kommen wir zu dem, was auch ohne geglaubte Voraussetzungen nachvollzogen werden kann, kommen wir zur Geschichte. Das Christentum ist historisch nicht mit Gewalt vorbelastet. Als Christus, der Auferstandene, zuvor selbst Opfer von religiös-politischer Verfolgung, den Jüngern begegnet, haben diese die Türen fest verschlossen – aus Furcht vor den Juden (Joh 20, 19), aus Angst vor Übergriffen aus der Mehrheitsgesellschaft Jerusalems. Elf der zwölf Männer, die der Auferstandene anhaucht, denen Er den Geist Gottes spendet und denen Er in diesem Geist den Auftrag zur Mission erteilt, elf der zwölf Apostel Christi finden in der Erfüllung dieses ihres Missionsauftrags den Tod; allein Johannes überlebte die erste Welle der Christenverfolgung. Auch der Völkerapostel Paulus – zu dieser Zeit noch als Saulus an der Spitze der Verfolger (vgl. Apg 6, 58) – fand ein gewaltsames Ende: er wird in Rom enthauptet. Die Entstehungsbedingung des Christentums ist erlittene Verfolgung.

Und: Die Christenverfolgung ist heute eine der größten humanitären Katastrophen. Sie ist ein globales Problem, das dringend auf die Agenda der deutschen und europäischen Politik gehört. Es wird Zeit für ein religion-mainstreaming, also für die im politischen Entscheidungsprozess fest implementierte Berücksichtigung des Menschenrechts auf Gewissens-, Glaubens- und Religionsfreiheit, etwa auch bei der Frage, welche Länder und Regionen in welcher Weise wirtschaftlich unterstützt werden sollen.

Noch einmal: Ich glaube, dass es nur ganz wenige Menschen gibt, die aufgrund des Fehlverständnisses konkreter Bibelverse Gewalt anwenden. Ich weiß, dass es viele Menschen gibt, die an Christus glauben und allein deswegen unter Schikanen, Repressionen und Behördenwillkür zu leiden haben. Und ich weiß, dass sich die allermeisten dieser Menschen von der Gewaltlosigkeit, die Christus meinte, inspirieren lassen und unbeirrt daran festhalten.

(Josef Bordat)

Radio Horeb-Wochenkommentar

Mein Wochenkommentar für Radio Horeb vom 30. Juni ist nun als Podcast abrufbar. Thema: Fußball als Ersatzreligion.

Die Stilisierung der Spieler zu Idolen, zu „Heiligen“ ist nicht das einzige Phänomen, dass den Fußball in eine Nähe zur Religion rückt. Die Verbindungen sind vielgestaltig, die Beziehung ist komplex. Dazu mache ich im Wochenkommentar einige Bemerkungen.

Zum Podcast geht es hier.

(Josef Bordat)

Wikipedia, Wikipedia!

Durch den Hineis eines aufmerksamen Lesers bin ich auf eine Wikipedia-„Diskussion“ gestoßen, in der (offenbar neuerdings Hobby einiger Wikipedianer) über meine Person spekuliert wird. Das freut mich.

Allein: Die Zahl der Fehler, der (bewussten?) Missverständnisse, der verzerrenden Formulierungen ist derart hoch, dass die Freude etwas getrübt wird. Aber es soll (mal) nicht um mich gehen. Der betreffende Abschnitt der „Diskussion“ sagt nämlich vor allem etwas über die Arbeitsweise der Wikipedia aus.

Mal bin ich für Wikipedia der Chefredakteur, mal der Herausgeber der „Tagespost“. Beides ist ganz neutral, aber – völlig falsch. Das kann man mit zwei Klicks herausbekommen. Kann, muss nicht.

Dann bin ich „vormals“ Blogger „auf gloria.tv“, gerade so als hätte ich entweder jemals dort „gebloggt“ (das ist falsch) oder das Bloggen insgesamt eingestellt (das ist falsch).

Und während ich über „in der von Josef Bordat herausgegebenen Tagespost“ ja noch schmunzeln kann (das erste mal seit letzten Mittwoch – Danke, Wikipedia), tut das „vormals“ wirklich weh, eingedenk der Tatsache, dass auf meinen drei Blogs Jobo72 (am 15. Januar 2018 eingestellt), JoBos Blog (am 15. Januar 2018 eröffnet) und Bordats Blog (ein Angebot der „Tagespost“) im ersten Halbjahr 2018 insgesamt 469 Beiträge erschienen sind.

Noch etwas: In der Kolumne „Der dicke Hund“ werden nicht Personen als „dicke Hunde“ bezeichnet, sondern Sachverhalte. Das kennt man (also: einige Menschen kennen das) aus der Umgangssprache. Ähnliches gilt für die Formulierung „in X ist der Teufel los“ – Das ist auch etwas anderes als „P(x) ist ein/der Teufel“. Zumal es sich bei der inkriminierten Stelle um das Zitat eines Buchtitels handelt, in dem suggeriert wird, in Y sei „der Teufel los“. Wenn wir also schon missverstehen wollen, dann systematisch, also: immer. Und nicht nur da, wo’s passt.

OK?

Nicht?

Wie bitte? Machst eh, was Du willst, Wikipedia?

So weit, so neutral.

(Josef Bordat)

Scharfe Kritik am „Sündenregister“

Ich möchte fast sagen: Endlich! Endlich einmal übt ein Rezensent nach offenbar sehr genauer Lektüre – neben einigem wohlwollenden Lob – sehr, sehr scharfe Kritik an meinem „Sündenregister“. Die Rezension kommt von Franz Norbert Otterbeck, der das Buch für die Zeitschrift „Theologisches“ (Mai/Juni 2018) besprochen hat. Über die Fachkompetenz des promovierten Juristen und Historikers besteht kaum ein Zweifel, über seine charakterliche Eignung, mein Buch komplett auseinanderzunehmen (nein, macht er nicht, jedenfalls nicht wirklich), sicher auch nicht – schließlich stammt Otterbeck ebenfalls vom linken Niederrhein. Und da leben keine schlechten Menschen.

Das dazu. Zur Sache.

Ich bin gerne bereit, die Kritikpunkte in Ruhe zu analysieren, die aufgeführten Fehler (wenn es denn wirklich welche sind – ich habe nochmal nachgeschaut und kann höchstens bei einem eine unglückliche Formulierung erkennen, der Rest ist für mich selbst beim masochistischsten Willen nicht nachvollziehbar), möchte allerdings zunächst allgemein etwas erwidern.

Es gibt zwei Hauptvorwürfe: Der eine betrifft den Inhalt (zu modernistisch, zu viel Zugeständnisse an den Zeitgeist, zu viel Kritik an der Alten Messe, zu viel Küng usw. – ich fasse mal zusammen). Darüber kann man streiten. Darum geht es ja eigentlich auch. Das Buch ist in den systematischen Fragen (die Behandlung der historischen Themen wird gelobt – da sei ich „in meinem Element“) vor allem ein Debattenbeitrag, der – durchaus in beide Richtungen – den Argumenten Nahrung geben soll.

Der andere Vorwurf betrifft die Form. Und hier wird es nun etwas pikanter, weil ich mich (bzw. das Buch) in diesem Zusammenhang schon etwas ungerecht beurteilt fühle.

1. Das Buch sei nicht nur „kaum ein erschöpfendes Register“, sondern auch „nicht wissenschaftlich“ (was wiederum etwas anderes als „unwissenschaftlich“ ist). Man könne „fast froh sein“, so Otterbeck, wenn es in der wissenschaftlichen Diskussion ignoriert werde (was – insoweit kann ich den Rezensenten beruhigen – der Fall ist). Nur: Ich erhebe mit dem Buch ja gar nicht den Anspruch, alle Probleme vollständig und in wissenschaftlicher Diktion anzusprechen oder gar zu beheben. Gerade die von vielen gelobte „Lockerheit“ in Stil und Sprache gereicht dem Rezensenten jedoch mehrfach zum heftigen Vorwurf. Offenbar liegt hier ein Missverständnis dahingehend vor, was das Buch sein will und sein kann – und was eben nicht.

2. Ganz widerspruchsfrei sehe ich die Besprechung auch in diesem Kontext nicht: Einerseits moniert der Rezensent meine locker-leichte „Blogger“-Spontanität, die ihm offenbar akademisch unzulänglich erscheint (was sie auch ist: siehe oben), weil sie „nur gelegentlich feuilletonistischen Anspruch übersteigt“ (was – siehe oben – nie mein Ziel war, also: zu übersteigen), andererseits beschwert er sich darüber, dass ich Ernst Bloch zitiere, den ohnehin keiner (mehr) kenne. Da bin ich am Ende etwas ratlos, zumal sich hier der Rezensent ein abschließendes Urteil darüber anmaßt, was als bekannt gelten darf und was nicht. Ludwig Fleck ist unter Philosophen, die sich auch schon mal mit Wissenschaftstheorie befasst haben, beispielsweise nicht nur „zufällig“ bekannt.

3. Wirklich unfair finde ich die Bemerkung, es sei nicht klar, wodurch sich die Literaturnachweise (der Rezensent spricht von „Literaturhinweisen“) von der weiterführenden Literatur unterschieden bzw. welches Kriterium ich denn dafür angelegt hätte. Ganz einfach: In den Literaturnachweisen steht die zitierte Literatur (um deren Vollständigkeit ich mich, entgegen dem Eindruck des Rezensenten, schon sehr bemüht habe), in der weiterführenden Literatur eben Texte, die man noch hinzuziehen könnte, wenn man das denn mag, ein Bereich übrigens, der in der zweiten Auflage noch erheblich erweitert wird.

Also.

Insgesamt erweckt Franz Norbert Otterbeck den Eindruck, als sei das Buch ein in kurzer Zeit mehr oder minder lustlos dahingeschludertes Flickwerk von mehr oder minder rein zufällig passenden Spontaneingebungen ohne jede fachliche Substanz. Das sagt er so nicht, weil er ein höflicher Mensch ist, aber es entsteht der Eindruck, dass er das so oder ähnlich denkt. Und da fühle ich mich wirklich ungerecht beurteilt.

Dass der Rezensent meint, man dürfe „trotzdem“ nicht „zu eilig über den wertvollen Nutzen der Publikation hinweggehen“, weil man schließlich „für jede kleine Initiative dankbar sein“ müsse und auch der Stil werde wohl „manchen gefallen“ (stimmt, siehe oben), macht die Sache am Ende nur bedingt versöhnlich. Aber darum geht es ja auch nicht. Zumindest nicht im Streit um die Wahrheit.

Insofern bin ich schließlich doch dankbar für die Kritik, die Hinweise auf (vermeintliche) Fehler, das Konzedieren von Wissenschaftlichkeit als Messlatte für die Texte (auch ohne selbst den Anspruch darauf erhoben zu haben) und auch für das gelegentliche Lob.

(Josef Bordat)