Aus der Schöpfungsperspektive

Ökologische Indifferenz ist Verachtung der Schöpfung und damit des Schöpfers. Der Aufruf zur Verfügung über die Tier- und Pflanzenwelt hat in einer Zeit, in der der Mensch von der ihn umgebenden Natur tendenziell bedroht war oder sich in der vorgefundenen Wildnis erst einfinden und behaupten musste, eine ganz andere, viel lebensfreundlichere und sogar ökologischere Bedeutung als er diese – heute zitiert – überhaupt noch haben kann, nach praktisch vollständiger Erschließung aller Naturräume durch den Tiere und Pflanzen (aus)nutzenden Menschen. Umgekehrt gilt: Wenn bereits in einer Zeit, in der Menschen noch gar nicht in der Lage waren, ganze Arten auszurotten, Ökosysteme zu zerstören und das Klima zu beeinflussen, also in der Antike, in den damals verfassten biblischen Schriften ein gutes Miteinander angemahnt wird und sogar Friedensvisionen ökologisch illustriert werden (Jesaja 11), um wieviel mehr können sie heute als Mahnung gelten, heute, wo wir systematisch die Umwelt zerstören und das Klima negativ beeinflussen.

(Josef Bordat, aus: Von Adam und Eva bis zu den Päpsten)