50 Jahre Kinderdorf Bethanien in Refrath

„Als 1968 das Bethanien Kinder- und Jugenddorf in Bergisch Gladbach-Refrath eröffnet wurde, lagen hinter den Dominikanerinnen von Bethanien, die seit 1962 auf dem Gelände der ehemaligen Dynamitfabrik Kosmos lebten, etliche Entbehrungen. In nur wenigen Jahren war es den Schwestern gelungen, auf der Brache, auf der nur eine Steinbaracke stand, ein Kinderdorf zu errichten.“ So ist es auf der website des Kinderdorfs zu lesen. Dabei konnten die Schwestern schon auf Erfahrungen mit der Gründung und dem Aufbau von Kinderdörfern in der Region zwischen Maas und Rhein zurückgreifen.

Die Gründung der Bethanien Kinder- und Jugenddörfer begann nach dem Zweiten Weltkrieg. Im Jahre 1947 begannen die Schwestern mit der Kinderdorfarbeit zunächst in den Niederlanden, nachdem sie vom Bischof von Roermond gebeten wurden, sich um die vielen elternlosen Kinder zu kümmern. Das erste deutsche Bethanien Kinder- und Jugenddorf wurde im Jahre 1956 in Schwalmtal-Waldniel gegründet. Hinzu kamen im Jahre 1965 das Bethanien Kinder- und Jugenddorf in Eltville-Erbach und im Jahre 1968 das Bethanien Kinder- und Jugenddorf in Refrath. Refrath ist ein Ortsteil von Bergisch-Gladbach, einer 100.000-Einwohner-Stadt in der Nähe von Köln.

In Refrath leben derzeit 114 Kinder, die aus den unterschiedlichsten Gründen nicht mehr bei ihren leiblichen Eltern leben können. Hier finden Kinder und Jugendliche sowohl ein liebevolles und familienähnliches Zuhause als auch fachkompetente Betreuung und Förderung. Die Schwestern, die sie betreuen und fördern, gehören einem Orden an, der 1866 vom französischen Dominikaner Johannes Josef Lataste gegründet wurde: die Dominikanerinnen von Bethanien.

Der 50. Geburtstag wird das ganze Jahr 2018 gefeiert. Am Sonntag, 10. Juni um 10:30 Uhr, findet die Festmesse zum Jubiläum statt. Alle Daten zu den Veranstaltungen und weitere Informationen finden Sie auf der website des Kinderdorfs.

(Josef Bordat)

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Achse des Katholischen: Münster-Berlin

Zu einem ganz besonderen kirchenhistorischen Ereignis kommt es am Sonntag in Berlin-Schöneberg: Die Gemeinde St. Matthias feiert ihr 150-jähriges Jubiläum, mit dem Bischof von Münster, Dr. Felix Genn. Warum Münster? Mit diesem Bistum verbindet die Gemeinde ihre Gründung und ihre Entwicklung.

Mit seinem Vermächtnis von 20.000 Talern legte der Münsteraner Beamte in preußischen Diensten Matthias Aulike den Anstoß für den Bau der nach St. Hedwig zweiten katholischen Kirche in Berlin nach der Reformation. Bis heute erfüllt der Bischof von Münster auch den anderen letzten Wunsch von Aulike: Er stellt ohne Unterbrechung einen Seelsorger für die Gemeinde, darunter auch den Seligen Clemens August Graf von Galen in den 1920er Jahren.

Um 10 Uhr findet am Sonntag das Festhochamt mit dem Münsteraner Bischof Genn in der ursprünglichen St. Matthias Kirche, seit 1984 Heimat der syrisch orthodoxen Kirchengemeinde Mor Jakob, in der Potsdamer Straße 94, 10785 Berlin statt. Es folgt die Enthüllung einer Gedenktafel und die Große Fronleichnamsprozession zur heutigen St. Matthias-Kirche auf dem Winterfeldplatz.

(Josef Bordat)

Der Maßstab: Wahrheit, nicht Entlastung

Eine sehr schöne Rezension des „Sündenregister“-Buchs hat Harald Stollmeier für die Mai-Ausgabe der „Akademischen Monatsblätter“ verfasst, der „Zeitschrift des Kartellverbandes katholischer deutscher Studentenvereine“.

Unter dem Titel „Sündenregister statt Vorurteile. Argumentationshilfe für Christen“ kommt er zu dem Urteil: „Josef Bordats Von Ablasshandel bis Zölibat ist eine gut lesbare Übersicht über die gängigen Vorwürfe gegen unsere Kirche. Bordats Maßstab ist erkennbar die Wahrheit, nicht die Entlastung.“

Ein großes Kompliment. Vielen Dank!

(Josef Bordat)

Dieselbe Kirche?

Ein Gastbeitrag von Otto Kettmann

Im Frühjahr des Jahres beschäftigen sich zwei Neuerscheinungen mit der Vergangenheit der katholischen Kirche. GEO Epoche bringt ein Themenheft zur Inquisition (GEO Epoche, Heft Nr. 89: Die Inquisition, Hamburg 2018) und der Erfolgsautor Manfred Lütz widmet sich dem Skandal der Skandale (Manfred Lütz, Der Skandal der Skandale, Freiburg 2018). Liest man beide parallel, muss man daran zweifeln, dass es sich um dasselbe Thema handelt.

GEO Epoche beleuchtet die Institution der Inquisition durch das gesamte Mittelalter bis in die Neuzeit in einem breiten Themenmix, beginnend bei den Katharerkriegen über die spektakuläre Einzelfälle bis zu den Hexenverfolgungen. Die Artikel sich durchweg spannend und gut geschrieben sowie in der Art der Reihe ausgezeichnet bebildert. Dadurch wird das dunkle Mittelalter auf beeindruckende Weise lebendig. Fast perfekt gelingt dies in den Illustrationen zu dem Artikel über den Inquisitor Bernardo Gui. Auch zwei Prozesse – eine Familie in Südfrankreich um 1320 und der Prozess gegen Galileo Galilei – werden mit viel Liebe zum Detail und dramaturgischer Finesse beschrieben. So könnte das Stöbern in dem Heft ein echter Genuss sein, wenn nicht gleichzeitig ein zweites Buch auf dem Tisch läge. Dies sät massive Zweifel an der Richtigkeit der Inhalte.

Manfred Lütz hat mit „Der Skandal der Skandale“ eine Zusammenfassung des opulenten Werkes von Arnold Angenendt „Toleranz und Gewalt“ vorgelegt, das er bildhaft verdichtet und so – dies auch seine Intention – einem breiten Publikum öffnen will. Die beiden Autoren beschreiben in einem Streifzug durch die christliche (und katholische) Kirchengeschichte den Umgang der Kirche mit Abweichungen im Glauben, den Herausforderungen der Aufklärung bis hin zum Spannungsfeld von Religion und Einbindung in die weltliche Herrschaft. Dabei gibt es immer wieder überraschende Erkenntnisse wie die, dass die Gleichstellung von Mann und Frau historisch gesehen ihren Ausgang in der frühen christlichen Kirche hat. Dem Mittelalter sind dabei drei Kapitel gewidmet: Ketzerverfolgung, Reformation und Hexenverfolgungen. Dies aber wird zum (neudeutsch) Faktencheck für GEO Epoche, bei dem das populärwissenschaftliche Heft mehr als schlecht aussieht.

Dies beginnt damit, dass das fortschrittliche Grundkonstrukt der Inquisition lediglich am Rande abgehandelt wird: die Trennung von Kläger und Richter sowie die Verschriftlichung der Regeln eines Prozesses. Dies wird zur Basis der Rechtsprechung in Europa und rasch von vielen Ländern übernommen. Gravierender aber noch ist die mangelnde Einbettung der vielen Einzelaspekte in den zeithistorischen Zusammenhang, bei dem die Gewalt ein bestimmendes Merkmal der weltlichen Herrschaft im Mittelalter war. Deren Zügellosigkeit stellt die Inquisition einen vom Glauben geprägten Mechanismus entgegen, der sich gegenüber der weltlichen Gerichtsbarkeit als ausnehmend milde darstellt. Dies zeigt sich auch und gerade an den Hexenverfolgungen, die von GEO Epoche in das Umfeld der Inquisition gerückt werden. Doch sind diese Prozesse der weltlichen Gerichtsbarkeit zuzuordnen und gehen meist auf die Denunziation im lokalen Bereich zurück, die unkonventionell lebende Frauen traf, die mitunter einfach im Weg waren. So lassen sich in vielen Artikeln Ungenauigkeiten nachweisen, die teils auf den lässigen Umgang mit den Realitäten zurückzuführen sind, teils aber auch dadurch entstehen, dass der historische Kontext außen vor bleibt.

Doch ist es genau die Summe der Ungenauigkeiten, die dann ein Bild der (katholischen) Kirche zeichnen, dass dem der Legenda Nera nahekommt: fortschrittsfeindlich und brutal die eigene Lehre durchsetzend. Dieses Zerrbild entstand im späten 16. Jahrhundert bei den protestantischen Gegnern Spaniens, England und Holland, und wurde über die Jahrhunderte immer wieder als Variation zum Thema neu komponiert. In Deutschland geschah dies unter anderem in der frühen nationalliberalen Gründungsphase des Kaiserreiches mit dem Kulturkampf. Lütz spießt dieses Zerrbild immer wieder pointiert auf. Der Genuss daran blitzt immer wieder auf, so in dem Kapitel, in dem er den Sechsteiler „Die Borgias“ zerpflückt und am Ende nur noch ein „ZDF-Märchen“ übrig bleibt. Aber auch er kann am Ende nur resignierend feststellen, dass die katholische Kirche in Deutschland stets mit einem besonders kritischen Maßstab gemessen wird. Was sie auch tut, es ist falsch oder verhext, wie Lütz selbst konstatiert: „Wie immer es die katholische Kirche anstellt, am Ende ist sie das Opfer, schlimmstenfalls das Opfer ihrer eigenen Bemühungen.“

Otto Kettmann

Buchgespräch

„Lass mich doch in Ruhe, mit deiner Kirche! Inquisition, Kreuzzüge und Hexenverfolgung: Welchen Irrweg hat die Kirche eigentlich ausgelassen?“ Mit Vorwürfen wie diesen wird jeder einmal konfrontiert, der sich auf Foren im Internet als überzeugter Katholik outet. Einer, der dies beinahe täglich tut, ist der Journalist Dr. Josef Bordat.

Er kennt die gängigen Vorwürfe gegen die katholische Kirche so gut, dass er über sie ein Buch geschrieben hat. Es trägt den Titel: „Von Ablaßhandel bis Zölibat. Das ‚Sündenregister‘ der katholischen Kirche“. Bordat greift darin nicht nur die Vorwürfe auf, sondern prüft auch, ob sie berechtigt sind oder nicht. Über die Neuerscheinung spricht Anselm Blumberg mit dem Autor.

Soweit die Ankündigung des Gastgebers und Produzenten „Kirche in Not“. Zu sehen ist das Video hier.

Zu kaufen ist das Buch hier und dort. Und natürlich bei Ihrem Buchhändler.

(Josef Bordat)

 

 

Von Jerusalem nach Rom

Heute beginnt der 101. Giro d’Italia – in Jerusalem. Jetzt verrät ein Blick in den Straßenatlas: Jerusalem liegt nicht in Italien. Dass große Rundfahrten auch mal in anderen Ländern beginnen, ist dabei nichts Besonderes (die Tour de France startete im vergangenen Jahr bekanntlich in Düsseldorf). Doch der Grund, weshalb es den Giro ausgerechnet nach Israel zieht, ist schon ein ganz spezieller. Und er hat einen Namen: Gino Bartali (1914-2000).

Gino Bartali bei der Tour de France (19. Juli 1938). Foto: Wikimedia (gemeinfrei).

Der italienische Radsportler (er gewann zweimal die Tour und dreimal den Giro) war ein gläubiger Katholik. 1937 tritt er als Laienbruder in den Karmeliterorden ein. Im Zweiten Weltkrieg, währenddessen die großen Rundfahrten in Europa zwangsweise pausieren, wirkt Bartali unermüdlich als Fahrradkurier einer katholischen Widerstandsgruppe und transportiert über große Distanzen gefälschte Papiere, die Juden zur Flucht verhelfen.

So hilft Gino Bartali mit, etwa 800 Juden zu retten. In Italien gilt er als „radelnder Oskar Schindler“. Gioia Bartali, seine Enkelin, sagte dazu: „Als gläubiger Katholik hat Opa keine Sekunde lang gezögert, Menschen in Not zu helfen“. Er habe sie Demut, Aufrichtigkeit und Bescheidenheit gelehrt. Sein Motto: „Gewisse Medaillen heftet man sich nicht an die Jacke, sondern an die Seele“.

Teile seiner damaligen Ausrüstung sind beim Wallfahrtsort der Radrennfahrer, der Kirche Madonna del Ghisallo zu sehen. Für seine Beteiligung an der Rettung verfolgter Juden während des Zweiten Weltkriegs erhielt die Radsportlegende posthum den Titel eines Gerechten unter den Völkern. Nun startet ihm zu Ehren das Rennen, das er selbst dreimal gewinnen konnte, in Jerusalem. Und es endet in Rom. Ein angemessener Kurs, um einen katholischen Widerstandskämpfer zu würdigen.

(Josef Bordat)

Katalonien feiert Sant Jordi

Am 23. April kombinieren die Katalanen den Georgstag mit dem „Tag des Buches“. Am Ende hat jeder ein Geschenk.

Sant Jordi (Georg), ein Märtyrer aus dem 3. Jahrhundert, ist vor allem durch die Legende vom Drachenkampf bekannt, wie sie in der Georgsdichtung seit dem 12. Jahrhundert in unterschiedlichen Varianten erzählt wird. In einem See vor der Stadt Silena hauste – so die Legende – ein Drachen, der die Stadt mit seinem Gifthauch verpestete. Die Einwohner Silenas mussten ihm täglich Lämmer opfern, um ihn milde zu stimmen. Als es keine Tiere mehr gab, wurden Kinder geopfert. Eines Tages war die Prinzessin an der Reihe. Nach einem bewegenden Abschied von den Eltern ging sie an den See. Da erschien Georg. Als der Drache auftauchte, durchbohrte ihn Georg mit seiner Lanze und rettete der Prinzessin das Leben. Aus Dankbarkeit ließ sich der König mit seinem Volk taufen.

Da ist er noch quicklebendig – der Drache. Foto: JoBo, 4-2010.

Die Geschichte vom Drachentöter Georg, der zu den Vierzehn Nothelfern zählt, faszinierte das mittelalterliche Europa. Zahlreiche Könige und Fürsten erhoben Georg zum Schutzpatron ihrer Länder, England zum Beispiel, oder auch Katalonien. Dort feiert man Sant Jordi jedes Jahr auf besondere Weise: die Damen erhalten von den Herren eine Rose, die Herren – weil zugleich „Tag des Buches“ ist – im Gegenzug ein Buch. Die Kinder malen oder basteln Drachen und singen Sant Jordi-Lieder, in denen der heldenhafte Kampf detailreich thematisiert wird.

Auf den Ramblas präsentieren sich – neben Rosenverkäufern und Buchhändlern – die unterschiedlichsten Initiativen, unter anderen „Greenpeace“, für die sicherlich „Gifthauch“ und „verpestet“ die entscheidenden Stichwörter sind. Am Stand der spanischen Blindenorganisation ONCE erhält man wertvolle Informationen zur Braille-Schrift. Auf diversen Bühnen gibt es Musik und Lesungen. Überall Rosen, Bücher – und Drachen. Sant Jordi, der einer anderen Legende nach dreimal starb und dreimal ins Leben zurückkehrte, lebt in Barcelona weiter.

(Josef Bordat)