Der Tag des Bäckers

Was, so fragt die Zeitung Die Welt jüngst in ihrer Online-Ausgabe, kann man Sinnvolles am Sonntag tun? Unterstellend, dass viele Menschen einfach in den Sonntag hineinleben („ausschlafen, rumgammeln und einfach mal rein gar nichts tun“ – Titel des Stücks: „Sie dürfen Ihren Sonntag nicht so verschwenden!“), fühlt sie sich berufen, der geneigten Leserschaft einige Tipps zur Gestaltung des Sonntags mit auf den Weg zu geben, Motto: „Machen Sie Ihren Sonntag doch zum produktivsten Tag der Woche“. Wie geht das? Ganz einfach: auf sich selbst besinnen, die freie Zeit optimal nutzen, produktiv sein, nicht unbedingt einen Wecker stellen. „Stattdessen langsam wach werden und sich dabei fragen, was man gerade wirklich braucht“. Smartphone beiseite lassen („man kümmert sich erst mal nicht um Instagram und Mails, sondern um sich selbst“), „digital detoxing“ heißt das auf deutsch, das tut man „für mindestens eine Stunde nach dem Aufstehen“, Frühstück im Bett. Sollte das mit dem Smartphone Probleme bereiten (man geht offenbar davon aus): Es gäbe Apps für’s Smartphone, die „helfen, sich zu Smartphone-Pausen zu motivieren“ (nein, ich denke mir das nicht gerade aus, um die Spalte vollzubekommen – das steht da wirklich). Sonst noch was? Ja: Ruhe und frische Luft, Tee oder Kaffee, eine Runde um den Block, zum Bäcker gehen („Der Spaziergang bringt den Körper auf Trab, die frische Luft macht wach und energiegeladen – und bestenfalls hat man danach alles für ein gediegenes Frühstück zusammen“). Nach dem Frühstück: die Woche planen. Zitat: „Dafür gibt es sogar speziell vorgefertigte Varianten, wie den ‚Happiness Planner‘ oder den ‚Getting Things Done Planner’“. Danach kann man ja mal aufräumen, denn: „Nicht nur Planung, sondern auch Ordnung hilft, befreiter und glücklicher zu leben“. Und wenn das alles erledigt ist, das Glück geplant und die Ordnung aufrecht erhalten wurde, kann man sich ja mal dazu nötigen, „entspannt ein Buch zu lesen, Musik zu hören oder das Beauty-Komplettprogramm“ – auszuführen, nehme ich an ( Beauty-Komplettprogramm steht im Text ohne Prädikat; wahrscheinlich ist allen außer mir klar, was man mit einem Beauty-Komplettprogramm für gewöhnlich tut). Das wär’s dann aber, oder? Fast! Fernsehen? Eher nicht. Das heißt: „Gegen einen (!) Film am Abend ist allerdings nichts einzuwenden“. Und, weiter? Nichts: „weiter“! Die Welt schafft es, einen Artikel über die sinnvolle Nutzung des Sonntags zu schreiben, ohne auch nur ein einziges Mal die Möglichkeit zu erwähnen, dass man – festhalten! – ja auch mal zur Kirche gehen könnte. Irgendwann zwischen Bäcker und Beauty. Digital detoxing, Getting Things Done Planner, Spaziergang – Gottesdienst, Kirchgang, Heilige Messe, das kommt für die Welt am Sonntag hingegen nicht in Frage. Kein Wunder: Der „erste Tag der Woche“ (Joh 20, 1) wurde in den Augen der Welt längst zum „letzten Tag des Wochenendes“ (Die Welt). Warum nicht gleich: Tag des Bäckers.

(Josef Bordat)

Advertisements

Benedikt wird 91

Der emeritierte Papst Benedikt XVI. feiert heute seinen 91. Geburtstag. Ein Ständchen.

Ums kurz zu machen: Was ich gegenüber Benedikt empfinde, ist Hochachtung. Seine Lebensleistung als Theologe und Kirchenmann kann kaum überschätzt werden. Seine Begründung einer „geweiteten Vernunft“, die Glauben und Wissen, religiöse und wissenschaftliche Weltdeutung umfasst, seine Kulturkritik („Diktatur des Relativismus“), sein Einsatz für die Würde und das Leben des Menschen, sein mahnender Blick in die Regionen, in denen Christen verfolgt werden. Seine Weisheit, mit Demut gepaart.

19. April 2005 – wir hatten einen neuen Papst: Aus Joseph Kardinal Ratzinger war im Konklave Papst Benedikt XVI. geworden. Und da das neue Kirchenoberhaupt aus Bayern stammt, betraf mich dieses „Wir“ nicht nur als katholischen Christen, sondern auch als deutschen Staatsbürger. Am folgenden Tag konnte ich es einer großen Boulevardzeitung entnehmen: „Wir sind Papst!“.

Nach der großen Freude kam der große Zweifel. So ertappte ich mich in den ersten Monaten ein ums andere Mal dabei, wie ich den in meinen Augen doch etwas kühlen und unnahbaren Intellektuellen mit dem warmherzigen Johannes Paul II. verglich und mich fragte, wie das wohl werden würde, beim Weltjugendtag in Köln, der vier Monate nach seiner Wahl im August 2005 stattfinden sollte. Müssen wir uns mit einer schriftlichen Hausarbeit und einem mit mindestens befriedigend benoteten Leistungsschein in Dogmatik für die Teilnahme am WJT bewerben? Bekommen wir statt pastoraler Botschaften theologische Vorlesungen? Kurz: „Kann“ der große Benedikt überhaupt mit der Jugend? Johannes Paul konnte – und wie! Aber Benedikt? Mit Habermas diskutieren – es gibt keinen Besseren! Aber zu Pfadfindern sprechen?

Ich wurde enttäuscht. Fünf Tage lang hieß es in ganz Köln „Be-ne-de-to“! Weil die katholische Jugend ihn vorbehaltloser aufnahm als andere Kreise innerhalb der Kirche. Was heißt „vorbehaltloser“ – mit offenen Armen! Ich wurde enttäuscht, weil ich mich getäuscht hatte. Selten war ich so froh ob eines Irrtums. Das Auftreten des neuen Papstes beeindruckte mich sehr. Ich verband mich dem in Köln entstandenen Netzwerk „Generation Benedikt“ (heute „Pontifex“). Sicher: Manchmal fiel der Heilige Vater noch in den Hochschullehrerhabitus zurück (etwa bei seiner Regensburger Rede), doch schon bald stand fest: Es hätte die Kirche nicht besser treffen können mit diesem Papst.

Im Austausch mit vielen Menschen merke ich, wie sehr Benedikts achtjähriges Pontifikat von 2005 bis 2013 noch nachwirkt. Besonders der Besuch in der deutschen Heimat und seine Rede vor dem Deutschen Bundestag am 22. September 2011 sind nach wie vor bei vielen präsent. Mit den Begriffen „Ökologie des Menschen“ und „Entweltlichung der Kirche“ hat der deutsche Papst inspirierte und inspirierende Zeichen gesetzt – nach außen und nach innen. Unter diesen Begriffen werden wir in Zukunft weiterdenken, wie wir die Kirche in Deutschland gestalten und wie unser Beitrag zur Gesellschaft aussehen kann, wo wir mitwirken können, wo wir aber auch Grenzen setzen und Widerspruch artikulieren müssen. Benedikt sei Dank.

Das Epochale am Pontifikat Benedikts ist für mich jedoch vor allem sein unermüdlicher intellektueller Einsatz, mit dem er die Vernunft des Christentums betont, um den Sinnvorrat des katholischen Glaubens einer Welt verfügbar zu machen, die sich als hoch erhaben über Religion betrachtet. Benedikt hat damit der Kirche im 21. Jahrhundert den Weg gewiesen: Sie muss die selbstbewusste Auseinandersetzung mit den Göttern der Moderne und Nachmoderne suchen, mit Markt und Machbarkeit. Der Hybris einer Selbsterlösung des Menschen setzte Benedikt in vielen Ansprachen die Hoffnung auf Erlösung durch die Gnade Gottes entgegen. Sein Pontifikat war damit wahrhaft petrinisch und marianisch zugleich: Er hat die Kirche Christi in Liebe geführt, indem er Jesus zur Welt und den Menschen brachte.

Und als sei das alles noch nicht genug: Dass Benedikt zurückgetreten ist vom Amt des Pontifex, hat eine kirchenhistorisch ganz besondere Situation geschaffen, einen emeritierten Papst in der Stille und Abgeschiedenheit, ein geradezu mystisches Pontifikat. Theologisch könnte man aus dieser Konstellation mit Benedikt und Franziskus einen Hinweis auf das Miteinander von vita contemplativa und vita activa im Christentum herausdeuten. Das hieße für die Kirche, das hieße für uns Katholiken, dass wir vor Augen geführt bekommen, dass beides eine wichtige Rolle spielt. Benedikt und Franziskus als Sinnbild einer Kirche, die es genauso nötig hat nach innen zu gehen, in die Betrachtung, als auch nach außen, „an die Ränder“, wie Franziskus dies gefordert hat. Beides ist wichtig: die Kontemplation in der Stille, aber auch der Dienst in der Welt. Damit wirkt der „stille Papst“ Benedikt immer noch für die Kirche. Wie sollte es auch anders sein.

Zum 91. Geburtstag wünsche ich Papst em. Benedikt XVI. Gottes reichen Segen!

(Josef Bordat)

Verkürzend, verzerrend, kontrafaktisch

Und gerade deshalb so typisch.

Im Facebook macht eine Graphik die Runde, die für mich sehr typisch ist für die Art, wie viele Menschen heute mit Phänomenen der Gegenwartskultur umgehen. Daher einige Bemerkungen dazu.

Zu sehen ist auf der einen Seite (ganz in schwarz) eine Bevölkerungsexplosion über drei Generationen bei „Muslims“ und auf der anderen Seite (ganz in weiß) ein dramatischer Bevölkerungsrückgang im gleichen Zeitraum bei „Europäer“. Überschrieben ist die Graphik mit „Islamisierung durch den Geburten-Jihad“, also: die Eroberung „Europas“ durch „Muslims“ geschieht (diesmal) ganz unauffällig biologisch, nämlich qua Fertilitätsdifferenz.

Eine solch verkürzende, verzerrende, kontrafaktische Graphik ist nicht schon deswegen ärgerlich, weil sie verkürzend, verzerrend, kontrafaktisch ist, sondern weil sie das Thema „Islamisierung“, das durchaus ernst zu nehmen ist, derart schwachsinnig rahmt, dass es höchstselbst zur Peinlichkeit zu werden droht, auch, wenn es wichtig wäre, sich sachlich damit auseinanderzusetzen.

Die Probleme dieser Graphik liegen auf der Hand:

1. Es werden Äpfel und Birnen verglichen: religiöse und geographische Zugehörigkeit. So, als gäbe es keine muslimischen Europäer und keine europäischen Muslime, so, als seien das zwei Gruppen ohne Schnittmenge. Das ist aber falsch. Die Graphik arbeitet also mit irreführenden Kategorien.

2. Es wird Homogenität suggeriert, wo es keine gibt. Also: Beim Thema Fertilität unter Muslimen und in Europa. Diese schwankt in Europa zwischen 1,3 in Portugal und 2,0 in Frankreich (Stand: 2015). Ebenfalls gibt es Schwankungen der Fertilität in islamisch geprägten Ländern. Die höchste Fertilität haben derzeit übrigens christlich geprägte Länder Zentralafrikas (mit 4 bis 5).

3. Es wird die aktuelle Situation linear fortgeschrieben und nicht sinnvoll extrapoliert, also unter Berücksichtigung zukünftiger sozialer Bedingungen. Die Auswirkung von Assimilation und der Effekt von Wohlstandszuwachs auf die Fertilität wird ausgeblendet, obwohl dieser Zusammenhang empirisch sattsam bestätigt und für das Thema der Graphik relevant ist.

Die Faustregel „Je besser eine Frau sozioökonomisch dasteht, desto weniger Kinder hat sie“ gilt kultur- und religionsübergreifend (vgl. die Entwicklung der Fertilität in Deutschland von 1860 bis 2010, von tendenziell über 5 auf unter 2 Kinder pro Frau). Auch innerhalb einer verhältnismäßig homogenen Umgebung wirkt sich das aus, wie das Beispiel der Philippinen zeigt: Dort gibt es sehr starke Schwankungen der Fertilität innerhalb einer ziemlich einheitlichen Kultur und Religion (Katholizismus; 94 Prozent der Menschen dort sind Christen, die meisten von ihnen katholischer Prägung), abhängig von sozialen Bedingungen. Dort bekommt jede Frau statistisch gesehen 3,4 Kinder. Frauen aus wohlhabenderen Schichten haben dabei im Durchschnitt 2 Kinder (so wie Frauen in Frankreich, Chile oder Neuseeland), Frauen aus ärmeren Schichten haben nicht selten 5 und mehr Kinder. Also: Je weniger Armut, desto weniger Kinder. Man erkennt: Mit Religion hat Bevölkerungsentwicklung nur am Rande zu tun, mit Wirtschaft hingegen sehr viel.

Und wem die Philippinen zu weit weg sind: Eine Studie zu Österreich ergab, dass die Zahl der Kinder muslimischer Mütter in den letzten zehn Jahren konstant blieb. Bei Zunahme des muslimischen Bevölkerungsanteils bedeutet das also eine abnehmende Fertilität – was auch nicht anders zu erwarten war. Zumindest dann nicht, wenn man sein Wissen über Bevölkerungsentwicklung nicht allein aus bei Facebook veröffentlichten Graphiken bezieht.

Also: Die Graphik ist verkürzend, verzerrend, kontrafaktisch. Die Diskussion über den Islam und seinen Einfluss bleibt hingegen dringend nötig.

(Josef Bordat)

Zum Kommunionempfang

Vielmehr: Zur Debatte darüber.

Das Thema „Kommunionempfang für Nicht-Katholiken“ ist kompliziert und ich will mich in der Sache auch gar nicht einlassen. Dazu müsste ich weit ausholen, würde die Unterschiede zwischen Abendmahl und Eucharistie darlegen müssen, und schließlich wohl beim Gewissen landen, das wiederum nicht als Freibrief für jedwelches Verhalten missverstanden werden darf. Das spare ich mir mal. Auch geht es mir nicht um den einen oder anderen Bischof, um die immer deutlicher zu Tage tretende Spaltung in der DBK oder um die alte Leier von einer deutsch-katholischen Kirche in Spannung zu Rom. Das sollen andere darlegen, die das auch viel besser können.

Nur eine Bemerkung: Was mir im „Kommunionstreit“ wieder auffällt, das ist der Mangel an Problembewusstsein bei vielen, die den Sachverhalt einordnen. In Zeitungskommentaren. Im Facebook. Dabei ist es ist es ja nicht etwa so, dass die theologischen Fragen geklärt wären. Es scheint mir lediglich so, dass sie im Bewusstsein der meisten Christen (aller Konfessionen) keine Rolle mehr spielen. Hauptsache zusammen. Irgendwas. Aber: gemeinsam. Wir erhalten mit der Ökumene, die sich so definiert, keine Einheit im Glauben, sondern in Gleichgültigkeit. Und das ist sehr, sehr schade. Für alle Christen. Zusammen.

(Josef Bordat)

Armut in Deutschland

Natürlich ist es Unfug, pauschal zu sagen, es gäbe keine Armut in Deutschland. Es gibt Armut. Das kann man auch ohne Expertenberichte und Wirtschaftsstudium sehen, wenn man mit offenen Augen durch Berlin geht. Dennoch ist es wichtig, einige Dinge zu klären, um die Situation richtig einschätzen zu können.

Absolut arm ist in Deutschland niemand. Absolut arm ist jemand, der mit weniger als 1,50 Euro (1,90 US-Dollar) pro Tag auskommen muss. Das gilt für etwa zwei Milliarden Menschen auf der Welt. Für Menschen in Deutschland gilt das nicht.

Relativ arm sind in Deutschland relativ viele, Tendenz steigend. Relativ arm ist jemand, der weniger als 40 Prozent des Durchschnittseinkommens zur Verfügung hat. Von relativer Armut bedroht ist jemand, der weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens zur Verfügung hat. Das traf in den vergangenen 25 Jahren auf elf bis 16 Prozent der Bevölkerung zu; tendenziell ist der Anteil der von relativer Armut bedrohten Menschen ansteigend (elf bis zwölf Prozent in den 1990er Jahren, zwölf bis 16 Prozent seit 2000).

Heißt das, dass es den Menschen in Deutschland immer schlechter geht? Nein. Dazu muss man wissen, dass die Bezugnahme auf das Durchschnittseinkommen paradoxe Effekte mit sich bringt.

Tendenziell gibt es in einer immer wohlhabender werdenden Gesellschaft, in der die unteren Einkommensgruppen unterproportionalen Einkommenszuwachs verzeichnen (oder Transferleistungen wie „Hartz IV“ nicht proportional angepasst werden), immer mehr „relativ arme“ Menschen, auch, wenn diese sich tatsächlich mehr leisten können als zuvor.

Kommt in der Berechnung das arithmetische Mittel zur Anwendung (was in Deutschland nicht der Fall ist), hätte bereits der Zuzug eines einzigen Milliardärs zur Folge, dass plötzlich Tausende „relativ arm“ wären, ohne, dass sich etwas in ihrem Leben geändert hätte – einfach dadurch, dass das Durchschnittseinkommen durch diesen Milliardär angehoben würde. Umgekehrt würde die „relative Armut“ über Nacht abnehmen, wenn sehr reiche Menschen Deutschland verließen.

Wird in der Berechnung der Median zugrunde gelegt (was in Deutschland der Fall ist), wird dieser paradoxe Effekt vermieden. Aber ein Ansteigen der Mittelstandseinkommen, der geeignet ist, den Median zu verschieben, hat einen ähnlich paradoxen Effekt. Es bedeutete eben bei gleichzeitig weniger stark ansteigenden Transferleistungen eine Zunahme „relativer Armut“. „Relative Armut“ ließe sich also nur dadurch bekämpfen, dass der „Hartz IV“-Satz dauerhaft prozentual stärker steigt als die Mittelstandseinkommen.

Nur müsste ein solcher Anstieg auch finanziert werden – etwa über höhere Sozialabgaben oder höhere Steuern. Träfen diese Maßnahmen auch jene Menschen, deren Einkommen am „Rande“ der „60-Prozent-Grenze“ liegen, bestünde die Gefahr, dass dadurch zahlreiche Menschen in die Armut gedrückt würden. Wiederum ein paradoxer Effekt.

Sinnvoller wäre es, die relative Armut anhand der absoluten Preis-, nicht anhand der relativen Einkommensentwicklung zu bestimmen. So hätte man die Kaufkraft angesichts absoluter Lebenshaltungskosten als Indikator für Armut. Wenn man mit einem festen Betrag X über Jahre hinweg Waren im Umfang von Y kaufen kann, dann kann es einem ja egal sein, ob der (besserverdienende) Nachbar jetzt 1,2*Y und in drei Jahren 1,7*Y kaufen könnte, wenn er wollte.

Der Armut in Deutschland kann man aber nur dann wirklich begegnen, wenn man den Begriff öffnet, also um kulturelle und auch spirituelle Aspekte erweitert. Mit relativ wenig Geld lässt sich mit Klugheit und Bescheidenheit in Deutschland ein relativ gutes Leben führen, aber nicht ohne Bildung, ohne Teilhabe und ohne Sinn.

(Josef Bordat)

Zeit für Panolympics

Die Paralympics im südkoreanischen Pyeongchang sind zuende. Die nächsten Winterspiele der behinderten wie der nicht-behinderten Sportler finden 2022 in Peking statt: Vom 4. bis zum 20. Februar 2022 gibt es die 24. Olympischen, vom 4. bis 13. März 2022 die 13. Paralympischen Winterspiele.

Vorher, nämlich im Jahr 2020, zieht es die „Jugend der Welt“ aber erst noch nach Tokio, zu den 32. Olympischen (vom 24. Juli bis 9. August 2020) bzw. den 16. Paralympischen Sommerspielen (vom 25. August bis zum 6. September 2020).

Bis dahin ist noch etwas Zeit. Auch, darüber nachzudenken, ob es nicht endlich die ersten „Panolympischen Spiele“ geben sollte, an denen behinderte wie nicht-behinderte Sportler gemeinsam teilnehmen.

(Josef Bordat)

Neuevangelisierung bei der AWO!

Lustig oder verstörend – je nach Temperament und Tagesform – ist hieran nicht etwa, dass die AWO statt nach Ostereiern vom Osterhasen nach Goldschätzen von Kobolden suchen lässt (das ist – ich hab‘s recherchiert – beides nicht besonders nah dran an der Kernaussage des Osterfestes: der Auferstehung Christi), sondern lustig (bzw. verstörend) ist, dass die AWO sagt, Religion sei Privatsache und wer christliche Werte will, sei bei der AWO schon mal grundsätzlich falsch, dann aber gleichzeitig das Fest des Heiligen Patrick von Irland feiert.

Patrick von Irland. Der hat mal gesagt: „Denn es gibt keinen anderen Gott, noch gab es oder wird es jemals einen anderen Gott geben, als Gott den Vater. Er ist ewig und ohne Anfang. Von ihm nimmt alles seinen Anfang. Alles hält er in Händen. So ward es uns gelehrt. Und wir bezeugen, dass auch sein Sohn, Jesus Christus, immer schon war, vor dem Beginn aller Zeit und auf geistige Weise beim Vater, der ihn vor allem Anfang auf nicht beschreibliche Weise hervorgebracht hat. Durch ihn wurde alles sichtbare und unsichtbare geschaffen. Er ward Mensch und bezwang den Tod. Er wurde in den Himmel aufgenommen, an der Seite des Vaters. Der verlieh ihm alle Macht über die Geschöpfe des Himmels, der Erde und der Hölle. Jede Zunge spreche sein Lob aus, denn Jesus Christ ist unser Herr und Gott.“

Weiter so, AWO!

(Josef Bordat)