Gold wert: Normale Menschen

Die Olympischen Spiele leben von der Begegnung der Menschen aus aller Welt. Sagt man. Tokyo zeigt, dass sie von den Geldern der Sponsoren und Fernsehanstalten auch ganz gut leben können.

Doch die Spiele zeigen auch noch etwas anderes. Es menschelt in Tokyo. Denn zu denen, die kommen, sehen und siegen gesellen sich die, die Schwäche zeigen. So wie die japanische Tennisspielerin Naomi Osaka, die das Olympische Feuer entzündete und dann in der ersten Runde ausschied. Vor einigen Wochen hatte die Nr. 2 des Damentennis die Öffentlichkeit über ihre Depression informiert. Oder die US-Turnerin Simone Biles. Sie bricht den Mannschaftswettkampf ab. Aus „mentalen Gründen“.

Osaka und Biles sind Weltstars. Sie stehen im Fokus. Ständig. Dass sie an diesem übergroßen Druck zerbrechen, ist nur allzu menschlich. Dass sie so offen damit umgehen, ist mutig. Im Spitzensport zeigt man keine Schwächen. Und schweigt. Eine verhängnisvolle Verschwiegenheit. Naomi Osaka und Simone Biles verdienen Respekt. Als ganz normale Menschen. Wenn es für Normalität in Tokyo schon keine Goldmedaillen gibt.

(Josef Bordat)