Beim Thema Impfung trifft Freiheit auf Verantwortung

„Wer bei rot an Ampeln halten will, soll das ruhig machen. Ich bin ein freier Mensch – und fahre einfach weiter!“ Komische Haltung? Sicher.

Doch ganz ähnlich argumentieren Impfgegner, die ihre Verweigerungshaltung gegen die mittlerweile an jeder Ecke kostenlos und bequem zu bekommende Covid 19-Schutzimpfung als heroischen Akt persönlichen Freiheitsgesbrauchs missverstehen.

Dabei ist er vor allem eines: unsolidarisch. Denn es ist nicht nur im Sinne einer Selbstgefährdung riskant, sich nicht impfen zu lassen und damit wahrscheinlich (also: „ziemlich sicher“) irgendwann eine Corona-Imfektion zu bekommen, sondern beinhaltet auch eine erhebliche Gefährdung Dritter.

Wie das?

Da sich Ungeimpfte dreimal häufiger infizieren als Geimpfte, landen auch (mindestens) dreimal mehr Menschen in den Krankenhäusern als nötig; da der Verlauf einer möglichen Folgeerkrankung bei geimpften und ungeimpften Personen unterschiedlich schwer ist (bei ungeimpften ist er häufig schwerer), vermutlich noch mehr; nach Angaben des Robert Koch-Instituts ist das Risiko, mit einer Corona-Infektion ins Krankenhaus zu müssen, bei Geimpften zur Zeit rund zehnmal geringer als bei Ungeimpften.

Dort, im Krankenhaus also, werden dann knappe Ressourcen an Zeit und Raum beansprucht, drei- bis zehnmal mehr als nötig. Zum Leidwesen derer, die sich aus gesundheitlichen Gründen nicht impfen können, sich infizieren, erkranken und dringend auf stationäre Intervention angewiesen sind. Ein Umstand, der vor allem das Krankenhauspersonal wütend macht. Kann man verstehen.

Beim Thema Impfen zeigt sich, dass Freiheit nur dann sinnvoll gelebt wird, wenn sie in der Verantwortung ein rationales Korrektiv anerkennt, das nicht nur das eigene Wohl, sondern auch das Wohl Anderer berücksichtigt. Anders gesagt: Zum Freiheitshelden wird man vernünftigerweise nur dann, wenn man auch mal ein wenig über den Tellerrand des Eigenen blickt.

(Josef Bordat)