Tief im Bewusstsein

Ich interessiere mich für die Darstellung von Religion, Christentum und Kirche in der Populärkultur, v.a. in Filmen und Serien. Dabei ist mir in der Mediathek eine Folge der ZDF-Krimiserie „SOKO Leipzig“ aufgefallen, die am morgigen Freitag um 21:15 Uhr ausgestrahlt wird. Titel: „Tief im Herzen“.

Sehen wir über einige liturgische Unstimmigkeiten hinweg (und darüber, dass die katholische Gemeinde offenbar eine evangelische Kirche nutzt), werden die Themen Kirchensteuer, Missbrauch und Zölibat angesprochen. Gar nicht schlecht für einen 45-Minuten-Krimi. Und durchaus mit einigen spannenden Wendungen. Mehr sei nicht verraten. Nur eine Sache macht mich nachdenklich: Nicht dass das Thema Missbrauch angesprochen wird, sondern wie.

Der Junge wirkt abwesend und störrisch. Die Ermittler finden bei ihm ein Foto des Pfarrers mit der Ministrantengruppe auf einer Freizeit. Der Junge hat dem Pfarrer mit schwarzem Filzschreiber einen erigierten Penis angemalt. Der Fall scheint klar: Ministranten, Pfarrer, Freizeit – Missbrauch. Es wird umgehend in diese Richtung ermittelt, obwohl es auch „eine harmlose Kritzelei“ sein könnte, ohne Bedeutung für den Fall. Dennoch: Der Verdacht ist in der Welt. Der Onkel verziert die Gemeindegebäude mit einschlägigen Graffiti-Botschaften. Die Lage droht zu eskalieren.

Der Verdacht erhärtet sich nicht, erweist sich am Ende als völlig haltlos und die Schmiererei hat ihre ganz eigene Ursache. Doch allein, dass man einen solchen Verdacht dramaturgisch über das Foto eines Priesters mit Jugendlichen beim Schwimmen am See einsetzen kann, weil man zurecht voraussetzen darf, dass der Zuschauer dann sofort schaltet und die Assoziation anläuft (Ministranten, Pfarrer, Freizeit – Missbrauch), zeigt, dass man davon ausgeht, es bei „Kirche und Missbrauch“ mit einer ins kollektive Bewusstsein der Gegenwart fest eingebrannten gedanklichen Verbindung zu tun zu haben. Und das macht mich nachdenklich.

(Josef Bordat)

Advertisements

Nahtoderfahrungen als Zeichen des Himmels

Zum Untersuchungen eines katholischen Mediziners zeigen: Es gibt ein Leben nach dem Tod.

Berichte über Nahtoderfahrungen haben Konjunktur. Zuletzt landete der Neurochirurg Eben Alexander einen Weltbestseller. Er hat eine Nahtoderfahrung gemacht, die ihn ans Jenseits glauben lässt. Er beschreibt sie Proof of Heaven (zu deutsch: „Blick in die Ewigkeit“, 2013 – Rezension). Alexander schreibt einen Bericht über seine Reise in eine andere Dimension – nachvollziehbar, eindrücklich und kompetent. Er bringt damit die Nahtodforschung auf einen völlig neuen Kenntnisstand.

Auch diese wissenschaftliche Nahtodforschung selbst und ihre publizistische Rezeption erlebt eine Blüte. Der Tod als finale „Grenzerfahrung“ (Jaspers) ist seit jeher Gegenstand der professionellen Philosophie und des menschlichen Nachdenkens überhaupt. Mehr noch: Es fasziniert nicht nur, über eine Fortexistenz jenseits des Irdischen zu spekulieren, derartige Vorstellungen sind zudem konstitutiver Bestandteil jeder Religion, die hinter dem Phänomen das transzendente Numen vermutet, zu dem sie eine Beziehung aufbaut, welche sie rituell gestaltet.

Die Nahtodforschung knüpft also einerseits an einen weitgehend geteilten kulturellen Habitus an, andererseits stößt sie auf ein großes öffentliches Interesse, auch in einem säkularen Umfeld – geradezu ideale Bedingungen. Das schlägt sich in zahlreichen Publikationen nieder, die zusammen genommen den Fortschritt der Nahtodforschung dokumentieren, zugleich jedoch qualitativ sehr unterschiedlich sind, da sie auf mehr oder weniger seriöser Arbeit basieren. Die Spreu vom Weizen zu trennen, ist nicht immer leicht und weltanschauliche Prädispositionen lassen die Bewertung von Neuerscheinungen weit auseinandergehen.

Eine gelungene wissenschaftliche Arbeit im Bereich der Nahtodforschung steht idealerweise über den geglaubten Vorannahmen und berücksichtigt aktuelle Laborerkenntnisse, deutet diese jedoch nicht unter Ausblendung tradierter Wissensbestände kulturell-religiöser Provenienz. Gute Nahtodforschung ist also weder ahistorisch noch gegenwartsblind. Gute Nahtodforschung verbindet natur- und geisteswissenschaftliche Resultate zu einer ganzheitlichen Interpretation des Geschehens am Rande unserer Existenz. Sie kann dabei naturwissenschaftlich sein wie bei Birk Engmann in „Mythos Nahtoderfahrung“ (2011 – Rezension) oder bewusstseinsphilosophisch wie bei Michael Nahm in „Wenn die Dunkelheit ein Ende findet: Terminale Geistesklarheit und andere ungewöhnliche Phänomene in Todesnähe“ (2012 – Rezension); beides legitime Zugänge zu einem schwierigen Thema, das idealerweise transdisziplinär verhandelt wird.

Die Nahtodforschung kann sich über mangelnde Aufmerksamkeit also nicht beklagen. Der Esoterik-Markt boomt ohnehin. Doch wie steht die Katholische Kirche eigentlich zu diesem Thema? Der christliche Glaube an die Auferstehung Jesu suggeriert zumindest ein begründetes Anfangsinteresse an der Nahtodforschung, obgleich das Verständnis von „Neuem Leben“ theologisch ein anderes ist als in der Biologie und in der Medizin. Interessant ist es für den gläubigen katholischen Christen, wenn Phänomene in Todesnähe fachkundig und zugleich aus dem Glauben heraus gedeutet werden. Insofern ist das Buch „Beeindruckende Nahtoderfahrungen – Zeichen des Himmels“, das jetzt bei Media Maria erschien, eine echte Bereicherung der Debatte.

Patrick Theillier, langjähriger Leiter des Medizinischen Büros von Lourdes, stellt uns sieben spektakuläre Fälle von Nahtoderfahrungen vor, die er für ein Zeichen des Himmels hält, das uns an unsere letzte Bestimmung erinnern soll. Er interpretiert sie aus der medizinischer, theologischer und philosophischer Sicht. Theillier erklärt nachvollziehbar ihre Phänomenologie und weicht auch wissenschaftlichen Kontroversen nicht aus. Marc Aillet, Bischof von Bayonne, Lescar und Oloron, hat zu seinem Buch ein anerkennendes Vorwort geschrieben. Wer sich also aus katholischer Perspektive mit dem Thema „Nahtoderfahrungen“ befassen möchte, ist hier sehr gut aufgehoben.

Bibliographische Daten:

Patrick Theillier: Beeindruckende Nahtoderfahrungen – Zeichen des Himmels.
Illertissen: Media Maria (2019).
224 Seiten, 18,95 EUR.
ISBN-13: 978-3-9479310-1-9.

(Josef Bordat)

Warum Christ sein?

26 Prominente geben Antwort auf die zugespitzte Gretchenfrage

Ein Buch des Philosophiehistorikers Kurt Flasch hat vor einigen Jahren für großes Aufsehen gesorgt. Titel: „Warum ich kein Christ bin“ (München 2013). Darin betont Flasch, er sei „im Sinn der Kirchen kein Christ mehr“. Der christliche Glaube komme ihm unsinnig, falsch oder mindestens unbewiesen vor. Er setzt ihn gegen die Vernunft, indem er rhetorisch fragt, „ob der Glaube nicht zuweilen den Verstand ruiniert“. Damit bedient Kurt Flasch den modernen Glaubenszweifel vieler Menschen, die die Antworten auf „letzte Fragen“ nicht mehr in der Kirche suchen, sondern im Labor.

In diesem kulturellen Umfeld ist das positive Bekenntnis zum christlichen Glauben in der Öffentlichkeit fast verschwunden. Nach dem persönlichen Glauben gefragt, winden sich viele und flüchten in die Rede von Sinn und Hoffnung, vom Höheren und dem Wert der Stille, von spiritueller Erfahrung und ewiger Liebe. Dass jemand sagt, sie oder er glaube an Gott, den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist, ist eher unwahrscheinlich. Schön, dass 26 Frauen und Männer etwas gegen die blumige Unverbindlichkeit setzen und bekennen: Ich bin Christ.

Doch das Problem liegt im Detail. Was heißt das: „Christ sein“? Hier erhält man doch 26 höchst unterschiedliche Antworten. Das mag bereichernd sein und uns die Tiefe und Breite des Christentums vor Augen führen, es zeigt aber auch, dass der Kanon an Glaubenssätzen, wie ihn die Kirche in 2000 Jahren aufgestellt hat, heute kaum noch eine Rolle spielt für das Selbstverständnis des Christen. Es geht, wie es der Ökonomie-Historiker Felix Butschek in seinem Beitrag nennt, um die „Vielfalt christlicher Existenz“.

Der Glaube ist heute systematisch von Zweifeln durchsetzt, die so weit gehen, dass die Anfragen fundamental werden. Der evangelische Theologe und „chrismon“-Redakteur Burkhard Weitz fragt dann schon mal: „Bin ich überhaupt ein Christ?“. Johannes Rösler, sein katholischer Kollege vom „Christ in der Gegenwart“, meint zaghaft: „Vielleicht gibt es den Himmel doch“. Für Ex-Manager Eckhard Fischer erschöpft sich das „Christ sein“ im „Freiraum für Gewissensentscheidungen“, für den Psychologen Georg Fraberger in der Achtung der Menschenwürde („Der Wert des Menschen wird nur in der Theologie als solcher explizit hervorgehoben“), für die ehemalige Bundestagsabgeordnete (Fraktion „Die Linke“) Anette Groth darin, dass man „zu Unrecht nicht schweigen“ soll. Diese schüchternen Näherungen über moralische Dispositionen markieren hochinteressante Themenfelder für eine Debatte mit Anders- oder Nichtglaubenden, allein mangelt es ihnen an überzeugter (und damit überzeugender) Bekenntniskraft.

Die gibt es aber auch unter den 26 Statements, die schon vom Umgang her sehr unterschiedlich sind (zwischen drei und 25 Seiten). So spricht der methodistische Theologe Hermann Lichtenberger ganz offen von seiner „Liebe zur Bibel“, der katholische Bischof Feige setzt „ganz auf Gott“, indem er „dankbar seine Erlösungstaten feiert und sich ihm im Gebet anvertraut“ und der orthodoxe Metropolit von Austria, Arsenios Kardamakis nimmt als Christ am „Ewigkeitsmoment“ teil. Das sind Zeugnisse von theologischer Tiefe, die man vielleicht heute nur noch von Geistlichen und Hochschullehrern erwarten darf.

Dennoch ist es gut, dass auch die weniger klar konstruierten „Glaubensgebäude“ (um mit Zulehner zu sprechen) in einem Sammelband zum „Christ sein“ vorkommen. Darin mag sich manche Leserin und mancher Leser ohnehin eher willkommen fühlen als in den Kathedralen und Schlössern der „Glaubensprofis“. Dennoch zeigt sich in mancher Stellungnahme auch eine gewisse Unkenntnis, den christlichen Glauben betreffend, aus der wiederum die Unfähigkeit erwächst, sich – dort, wo nötig – als Christ auch abzugrenzen von dem, was ist, und das, was in der Ethik naturrechtlich geboten ist, im Geiste Jesu zu ergänzen. Ganz zu schweigen von dem oft spürbaren Mangel an Glaubensfreude. Denn „Christ sein“ heißt doch in erster Linie: Feiern, dass man Christ sein darf. Das kommt ein wenig zu kurz.

Bibliographische Angaben:

Predrag Bukovec / Christoph Tröbinger (Hg.): Warum ich Christ bin. 26 Antworten von Persönlichkeiten der Gegenwart.
Ostfildern: Patmos (2019).
360 Seiten, € 24,–.
ISBN: 978-3-8436-1126-8.

(Josef Bordat)

Meat, Heat, Beat

Der McCartney für den Klimawandel: Rezept mit fadem Beigeschmack.

Im Beat der Zeit legt Paul McCartney ein kleines Büchlein zu einem der großen Menschheitsprobleme vor: „Less Meat, less heat. Ein Rezept für unseren Planeten“. Der Titel verspricht viel. Und tatsächlich gibt es auch einige Rezepte, zum Beispiel „Getoasteter Bagel mit Humus“. Warum man allerdings die Energie fürs Toasten aufwenden soll, wird nicht gesagt. Konsequent wäre: „Bagel mit Humus“.

Ansonsten rät der bekennende Vegetarier McCartney zu einem fleischlosen Tag in der Woche. So richtig neu ist das nicht. Die Katholische Kirche kam vor über 1800 Jahren auf diese Idee. Um das Jahr 150 wird in einer Kirchenordnung, der Didache (Doctrina duodecim apostolorum), von einem wöchentlichen Fasten gesprochen – demnach galt damals sogar an zwei Tagen in der Woche „let it beaf“.

mccartney_titel_deutsch_300 cmyk

Doch es kommen dem Paul, einem Mensch mit regem Privatflugzeugverkehr, noch andere planetenrettende Gedanken: Die Politik sollte die Völker der Welt zur Verringerung des Fleischkonsums „anhalten“ (wie genau, wird nicht gesagt – außer, man müsse „aktiv werden“) und „wir“ müssten „den Landwirten erklären, was sie anbauen können und wie sie weiter genug produzieren können, nur eben auf andere Weise, denn wir müssen uns anpassen“. Und: „Wir müssen uns auch um die Armut in der Welt kümmern“, in jener Welt, in der Paul McCartney mit 1,3 Milliarden US-Dollar Vermögen der mit Abstand reichste Musiker ist.

Und Paul McCartney hat ein Buch geschrieben, das ihn sicher nicht ärmer machen wird. Stolze 12 Euro kostet das winzige Büchlein mit etwa 70 Seiten im Großdruck, dessen Substanz höchst überschaubar ist. Auf zwei bis drei DIN A4-Seiten ließe sich der Text bequem zusammenfassen und irgendwo ins Netz stellen. Im Text selbst steht nichts wesentlich Neues, außer ein paar persönlichen Bekenntnissen des Alt-Meisters der Popkultur nebst höchst persönlichen Einschätzungen (McCartney spricht davon, dass derzeit 1,4 Milliarden Menschen in „extremer Armut“ leben, die Vereinten Nationen in ihrem Bericht 2017 von 767 Millionen Menschen).

Für echte Beatles- resp. McCartney-Fans ist „Less Meat, less heat. Ein Rezept für unseren Planeten“ sicher ein nettes Geburtstagsgeschenk. Sonst ist es eher entbehrlich.

Bibliographische Angaben:

Paul McCartney: Less Meat, less heat. Ein Rezept für unseren Planeten.
München: Claudius (2019).
72 Seiten, € 12,–.
ISBN: 978-3532628324.

(Josef Bordat)

Gedanken zum Film „Merry Christmas“

Vor 100 Jahren ging der Erste Weltkrieg zu Ende. Anlass, noch einmal auf einen Film aus dem Jahre 2005 aufmerksam zu machen: Merry Christmas.

Der Essay „Großer Krieg und kleiner Frieden. Gedanken zu Merry Christmas (2005)“, erschien zunächst im Marburger Forum [Jg. 6 (2005), H. 6], dann auch auf Jobo72.

Merry Christmas ist ein großartiger, sehenswerter Film – nicht nur, aber vor allem zur Weihnachtszeit.

(Josef Bordat)

Weihnachtspaket vom Verlag am Eschbach

Weihnachtsgeschichten und Weihnachtsmusik gibt es bereits im Übermaß. Wer hier etwas Neues auf den Markt bringt, muss etwas Besonders bieten. Dem Verlag am Eschbach ist das gelungen.

Mit einem wertvollen dreiteiligen Weihnachtspaket möchte uns der Verlag am Eschbach auf das bevorstehende Weihnachtsfest einstimmen.

thumbnail_Cover_An heiligen Abenden
Weihnachtsstimmung im Dreierpack: Das Angebot des Verlag am Eschbach zum Fest.

Das von Jana Walczyk illustrierte Buch „An heiligen Abenden“ vereint poetische Bildwelten mit stimmungsvollen weihnachtlichen Märchen und Legenden, gesammelt und neu erzählt von Ulrich Peters, der vor allem durch Veröffentlichungen zu den Festen des Jahreskreises in Erscheinung trat. Text und Bild erzählen gemeinsam davon, wie das Wunder der Weihnacht Wirklichkeit wird: Ein Kind in der Krippe, ein vergessener Engel, ein Hirte, der seiner Flöte ein Lied voller Leben, Licht und Liebe entlockt – Themen der Weihnacht, die das Geschehen auf je unterschiedliche Weise betrachten.

Für alle, die lieber hören als lesen, gibt es den Band als Hörbuch, in dem die Märchen und Legenden von Ulrich Peters mit sanften Klängen der Harfe, gespielt von der bekannten Musikerin Silke Aichhorn, zu einem ganz besonderen Hörerlebnis verschmelzen. Es liest der Schauspieler Peter Haug-Lamersdorf. Eine der Geschichten aus dem Buch „An Heiligen Abenden“ kann auch als weihnachtlicher Gruß verschickt werden. Die Klappkarte enthält eine Audio CD mit dem Märchen „Vom vierten König“. Der von Haug-Lamersdorf gelesene Text wird mit Flötenmusik begleitet, gespielt von Hans-Jürgen Hufeisen.

Nicht nur inhaltlich wird damit viel geboten, die Produkte bestechen auch durch eine wertvolle Gestaltung mit Sinn fürs Detail. Das gebundene Buch und die Grußkarte sind im Vierfarbdruck gehalten, zum Buch erhält man ein kleines Plakat, das elegant in einer Tasche auf dem Einband Platz findet. Als Geschenk wird es sicher allen Freude bereiten, die sich für anregende Unterhaltung mit deutlich vernehmbaren christlichen Zwischentönen begeistern können.

Bibliographische Angaben:

1. Buch
Ulrich Peters: An Heiligen Abenden. Märchen und Legenden für Advent und Weihnachten. Mit Illustrationen von Jana Walczyk.
Eschbach: Verlag am Eschbach (2018).
144 Seiten, € 19,–.
ISBN: 978-3-86917-630-7.

2. Hörbuch
Ulrich Peters: An Heiligen Abenden. Märchen und Legenden für Advent und Weihnachten. Mit Harfenmusik, gespielt von Silke Aichhorn.
Eschbach: Verlag am Eschbach (2018).
2 CDs, ca. 136 Minuten Spielzeit, € 17,–.
ISBN: 978-3-86917-678-9.

3. Karte
Ulrich Peters: Vom vierten König. Mit Flötenmusik, gespielt von Hans-Jürgen Hufeisen.
Eschbach: Verlag am Eschbach (2018).
6 Seiten und 1 CD, ca. 65 Minuten Spielzeit, € 7,50.
EAN: 42-6039902-980-8

(Josef Bordat)

Ehe für alle – wirklich alle

„Wer Ja sagt zur ‚Ehe für alle‘ muss Ja sagen zur Ehe für alle, muss also Ja sagen zur Vielehe, muss Ja sagen auch zur Verwandtenehe, muss freilich Ja sagen zum uneingeschränkten Adoptionsrecht, muss daher am Ende gar Ja sagen zur Leihmutterschaft. Denn sie oder er hat Nein gesagt zum Naturrecht christlich-abendländischer Kultur. Und zur menschlichen Vernunft gleich mit.“

Das schrieb ich vor etwa anderthalb Jahren – und erntete dafür massive Kritik. Nicht so sehr dafür, dass ich den „Ehe für alle“-Befürwortern in letzter Konsequenz die Vernunft absprach, sondern dafür, dass ich es gewagt hatte, die naheliegende Konsequenz der Begrifflichkeit aufzuzeigen.

„Die konservative Befürchtung, dass mit der Öffnung der Ehe für Schwule und Lesben noch nicht das Ende der Debatte erreicht ist, mag also in ihrer emotionalen Panik veraltet wirken. Rein logisch stimmt das aber, und das ist auch gut so.“

Das schreibt heute die Politikwissenschaftlerin und Journalistin Antje Schrupp. Ich bin davon überzeugt, dass sie dafür sehr viel Lob bekommen wird. Für ihren Scharfsinn. Für ihren Mut, die „Ehe für alle“ als Ehe für alle aufzufassen.

Eins überrascht mich dann doch: Ich hatte mit mehreren Jahren Karenzzeit gerechnet bis zur nächsten Stufe auf der Kellertreppe abwärts in Sachen Naturrecht christlich-abendländische Kultur und menschliche Vernunft, also bis zum ersten affirmativen Debattenbeitrag im öffentlich-rechtlichen Rundfunk zur „Ehe für wirklich alle“. Am Ende waren es 17 Monate.

(Josef Bordat)