Aktualisierung der Botschaft Jesu, neuer Versuch

Man darf skeptisch sein, wenn nach zwei Jahrtausenden jemand kommt und behauptet, er habe erkannt, was dieser Jesus von Nazareth wirklich lehrte. Wenn er damit zu verstehen gibt, dass die Lehre Jesu bisher nur unzureichend verstanden oder sogar fehlgedeutet wurde. Wenn er so tut als sei er – wir schreiben das Jahr des Herrn 2020 – der erste, der Jesus versteht. Wirklich versteht.

Entsprechend skeptisch nehme ich das Buch „21 Entdeckungen. Was Jesus wirklich lehrte“ zur Hand. Der Autor des Buchs, der Theologe Claus Petersen, ist bekannt für eigene Wege: Nach seinem Studium der evangelischen Theologie in Erlangen arbeitete er dort als wissenschaftlicher Assistent am Institut für Altes Testament und war von 1982 bis 2017 Pfarrer der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern. Als Reaktion auf Konflikte mit der Kirchenleitung gründete er 2002 die ökumenische Initiative „Reich Gottes – jetzt!“. „Konflikt mit der Kirchenleitung“ – das ist heutzutage ein Adelstitel für Theologen. Insoweit schaffte es auch das Manuskript des bis dato publizistisch eher weniger in Erscheinung getretenen Autors ins Programm des Gütersloher Verlagshauses.

Petersens Anliegen ist es, zu beschreiben, welche gesellschaftlichen Auswirkungen eine Rückkehr zu den Wurzeln der christlichen Lehre haben könnte – hier und heute. In 21 Kapiteln beschäftigt sich der Verfasser mit 21 Jesus-Logien, also Sprüchen, von denen die theologische Forschung sicher ist, dass sie tatsächlich auf Jesus von Nazareth zurückgehen. Thematisch schlägt er dabei eine Brücke von einer Kritik an der Konsumgesellschaft, über Sinn und Unsinn religiöser Riten bis hin zur Forderung nach einer Abkehr vom Apostolischen Glaubensbekenntnis. Spätestens da wird man: „Halt!“ rufen, wenn man den 65 Theologen-Generationen vor Peterson noch irgendeinen Wert beimisst.

Das Buch gibt durchaus interessante Einblicke, sein Autor vertritt kontroverse, aber größtenteils durchaus – mit Abstrichen auch im katholischen Raum – diskutable Ansichten, die Aktualisierung der Botschaft des Evangelium gelingt über weite Strecken und insoweit lohnt sich die Lektüre. Das Buch reiht sich ein in die Phalanx der nicht immer alles und jeden berücksichtigenden Aktualisierungsversuche der Bibel – von Franz Alt („Was Jesus wirklich gesagt hat: Eine Auferweckung“, 2015) über Heiner Geißler bis Margot Käßmann. Ein bisschen Küng („Weltethos“) schwingt im Wunsch nach einer „Weltreligion“ mit, die nicht einzelne, einander ausschließende Überzeugungen ins Zentrum rückt, sondern die Verbundenheit aller Menschen mit der Welt und untereinander.

So weit, so bekannt. Zu entdecken gibt es da nur wenig. Claus Petersen legt mit „21 Entdeckungen. Was Jesus wirklich lehrte“ bloß einen erneuten Versuch vor, die Botschaft Jesu für uns hier und heute zu interpretieren. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Der vollmundigen Ankündigung im Titel bleibt der Text allerdings einiges schuldig. Aber das war ja auch nicht anders zu erwarten.

Bibliographische Angaben:

Claus Petersen: 21 Entdeckungen. Was Jesus wirklich lehrte.
Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus 2020.
224 Seiten, 20 €.
ISBN: 978-3-579-06616-5.

(Josef Bordat)