Der Schublade entkommen

Folgende Passage einer Rezension von Benedikt Poetsch zum „Sündenregister“ hat mir besonders gefallen: „Ist der Autor denn jetzt konservativ oder liberal? Zunächst: Das Buch ist kein wissenschaftliches; es ist zwar gut informiert und recherchiert geschrieben, aber es verzettelt sich nicht in der Diskussion fachspezifischer Detailfragen, es beansprucht keine wissenschaftliche Präzision; es beinhaltet Zuspitzungen und bemüht sich nicht, den Stil persönlich gehaltener Essays zu verlassen. Es trägt eine persönliche Färbung an sich, die aber seinen Wert nicht mindert. Bordat tritt in keine philosophischen oder theologischen Schulstreitigkeiten ein. Auch innerkirchliche Zwistigkeiten spielen für ihn keine Rolle. Er kann ebenso die Institution des ZDK loben (vgl. 47f) wie unbefangen für die katholische Sexualmoral (vgl. 215-221) eintreten. Er zitiert Johannes Paul II. ebenso wie Benedikt XVI. oder Franziskus, H. U. von Balthasar ebenso wie K. Rahner oder H. Küng. Eine einfache Etikettierung ist für ihn also nicht möglich. Insgesamt lässt sich sagen: Das Buch ist lehramtstreu, aber darüber hinaus nicht klar irgendeinem kirchlichen „Lager“ zuzuordnen. Das ist angesichts der Vielzahl polarisierender Kräfte in der Kirche erfrischend, weil darin, mit Benedikt XVI. gesagt, der Glaube als ‚positive Option‘ aufscheint, als ein Licht eben, wie es das Titelbild des Buches anschaulich darstellt.“

Gerade noch mal dem zermürbenden Richtungsstreit ausgewichen und es sich zwischen den Stühlen bequem gemacht! Von dort scheint man nicht die schlechteste Perspektive auf Geschichte und Gegenwart der Kirche zu haben. Eduard Werner meint in seiner heute erschienenen Besprechung für das Forum Deutscher Katholiken sogar: „Vor allem der Religionsunterricht könnte von diesem Buch profitieren“. Das freut mich natürlich sehr. Ich stehe übrigens in Berlin und Potsdam auch gern für einen Besuch im Religionsunterricht zur Verfügung. Sprechen Sie mich einfach an (per E-Mail, Adresse unter „Impressum“).

(Josef Bordat)

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Der Tag des Bäckers

Was, so fragt die Zeitung Die Welt jüngst in ihrer Online-Ausgabe, kann man Sinnvolles am Sonntag tun? Unterstellend, dass viele Menschen einfach in den Sonntag hineinleben („ausschlafen, rumgammeln und einfach mal rein gar nichts tun“ – Titel des Stücks: „Sie dürfen Ihren Sonntag nicht so verschwenden!“), fühlt sie sich berufen, der geneigten Leserschaft einige Tipps zur Gestaltung des Sonntags mit auf den Weg zu geben, Motto: „Machen Sie Ihren Sonntag doch zum produktivsten Tag der Woche“. Wie geht das? Ganz einfach: auf sich selbst besinnen, die freie Zeit optimal nutzen, produktiv sein, nicht unbedingt einen Wecker stellen. „Stattdessen langsam wach werden und sich dabei fragen, was man gerade wirklich braucht“. Smartphone beiseite lassen („man kümmert sich erst mal nicht um Instagram und Mails, sondern um sich selbst“), „digital detoxing“ heißt das auf deutsch, das tut man „für mindestens eine Stunde nach dem Aufstehen“, Frühstück im Bett. Sollte das mit dem Smartphone Probleme bereiten (man geht offenbar davon aus): Es gäbe Apps für’s Smartphone, die „helfen, sich zu Smartphone-Pausen zu motivieren“ (nein, ich denke mir das nicht gerade aus, um die Spalte vollzubekommen – das steht da wirklich). Sonst noch was? Ja: Ruhe und frische Luft, Tee oder Kaffee, eine Runde um den Block, zum Bäcker gehen („Der Spaziergang bringt den Körper auf Trab, die frische Luft macht wach und energiegeladen – und bestenfalls hat man danach alles für ein gediegenes Frühstück zusammen“). Nach dem Frühstück: die Woche planen. Zitat: „Dafür gibt es sogar speziell vorgefertigte Varianten, wie den ‚Happiness Planner‘ oder den ‚Getting Things Done Planner’“. Danach kann man ja mal aufräumen, denn: „Nicht nur Planung, sondern auch Ordnung hilft, befreiter und glücklicher zu leben“. Und wenn das alles erledigt ist, das Glück geplant und die Ordnung aufrecht erhalten wurde, kann man sich ja mal dazu nötigen, „entspannt ein Buch zu lesen, Musik zu hören oder das Beauty-Komplettprogramm“ – auszuführen, nehme ich an ( Beauty-Komplettprogramm steht im Text ohne Prädikat; wahrscheinlich ist allen außer mir klar, was man mit einem Beauty-Komplettprogramm für gewöhnlich tut). Das wär’s dann aber, oder? Fast! Fernsehen? Eher nicht. Das heißt: „Gegen einen (!) Film am Abend ist allerdings nichts einzuwenden“. Und, weiter? Nichts: „weiter“! Die Welt schafft es, einen Artikel über die sinnvolle Nutzung des Sonntags zu schreiben, ohne auch nur ein einziges Mal die Möglichkeit zu erwähnen, dass man – festhalten! – ja auch mal zur Kirche gehen könnte. Irgendwann zwischen Bäcker und Beauty. Digital detoxing, Getting Things Done Planner, Spaziergang – Gottesdienst, Kirchgang, Heilige Messe, das kommt für die Welt am Sonntag hingegen nicht in Frage. Kein Wunder: Der „erste Tag der Woche“ (Joh 20, 1) wurde in den Augen der Welt längst zum „letzten Tag des Wochenendes“ (Die Welt). Warum nicht gleich: Tag des Bäckers.

(Josef Bordat)

Zitat des Tages

Das Leitbild der Universitäten ist heute nicht mehr die Autorenexistenz in Gestalt des wortmächtigen Individualforschers und des reizbaren Intellektuellen, der auf die Synthese des Denkens zielt, seine Ideen in Bücher packt, ein eigenes Werk entfalten möchte. Als Ideal dient lange schon die Indikatorenexistenz des Wissenschaftsmanagers, der durch gewaltige Drittmittelsummen und die schiere Zahl seiner Fachaufsätze punktet.

Bernhard Pörksen (in: „Die Vertreibung der Zauberer aus der Universität“, Deutschlandfunk Kultur vom 09.04.2018)

„Kein Schwärmer am Werk“

Was Sie immer schon über das „Sündenregister“ und seinen Autor wissen wollten, erfahren Sie in der Rezension von Peter Winnemöller in dessen Blog Katholon.

Einige Auszüge:

„Wer den Stil des Autors kennt, weiß um die humorige Art mit solchen Unterstellungen der Kirche umzugehen. Gar manche Glosse zu solchen Themen findet sich in seinem Blog. Manchmal packt ihn auch die schlichte Wut, denn auch Wutbeiträge finden sich im Blog. Nimmt der Autor solche Themen überhaupt ernst? Kann er wirklich ernsthaft und nüchtern darüber schreiben? Er kann! Und wie er kann.“

„Da ist kein Schwärmer am Werk. Historische Wahrheit bleibt auch dann wahr, wenn es für die Kirche unangenehm ist. Der Faktencheck macht das Buch so attraktiv. Wer ein Handwerkszeug sucht, sich im Alltag mit den unendlich vielen Anwürfen und Vorwürfen gegen die Kirche auseinander setzen zu können, ist mit dem vorliegenden Buch gut bedient.“

„Schlußendlich ist das Buch auch für den bekennenden und praktizierenden Katholiken ein Lesegenuß, obwohl der ein solches Handbuch eigentlich nicht bräuchte. Aber als Kompendium von kirchenkritischen Thesen macht die sachlich-klare Auseinandersetzung wirklich Freude beim Lesen. Und man lernt doch immer noch dazu.“

Da kann ich nur sagen: Danke sehr!

(Josef Bordat)

Der Islam. Und der Westen

Gehört der Islam zu Deutschland? Darüber wird nach der jüngsten Äußerung des neuen Bundesinnenministers Horst Seehofer (wieder einmal) diskutiert.

Mein Beitrag zur Debatte besteht in einem Literaturhinweis. John Bowens Essay über die globalisierte Religionsgemeinschaft Islam und ihr Verhältnis zum Westen – zu dem sich Deutschland ja auch zählt – erschien bereits 2013, kann aber heute wieder zur Hand genommen werden, hilft er doch, die Dinge einzuordnen, zumindest, die richtigen Fragen zu stellen und wichtige Aspekte unwesentlichen vorzuziehen.

Der Kultur- und Sozialanthropologe John Bowen (Washington Universität St. Louis) hat einen Essay zum Islam vorgelegt, dem man vieles vorwerfen kann – Blauäugigkeit und mangelndes Antizipationsvermögen etwa –, nicht aber, dass sich sein Autor gescheut hätte, eine der wohl drängendsten Gegenwartsfragen westlicher Gesellschaften mit den Mitteln der wissenschaftlichen Analyse zu durchdringen und eine unaufgeregte Antwort zu geben, in der Absicht, einen publizistischen Gegenpol zu einer sich momentan zuspitzenden öffentlichen Debatte um Islam und Islamismus zu bilden.

Der Islam ist dem Westen ein Feind, so die These Bowens. Und zwar zu Unrecht. Bowen erklärt zunächst, wie es überhaupt dazu kam, dass „der Islam“ ins Fadenkreuz „des Westens“ geriet: Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion entstand ein Vakuum in der weltanschaulich-ideologischen Diskussion. Der siegreiche Westen machte sich auf die Suche nach neuen Feindbildern – „Der Islam war ein passender Kandidat“. Dankbar aufgegriffen und popularisiert von Samuel Huntington („Kampf der Kulturen“, 1996), habe sich das neue Feindbild nach dem 11. September 2001 zunehmend medial und politisch durchgesetzt, sich nach und nach diskursiv verselbständigt und am Ende Menschen wie Anders Behring Breivik hervorgebracht.

Das ist tragisch, doch unterschlägt Bowen, dass das Feindbild nicht von einem Tag auf den anderen grundlos konstruiert wurde. So wenig es richtig ist, für den islamistischen Terror „den Islam“ verantwortlich zu machen, so falsch ist es, diesen Terror zu verharmlosen. Seit dem Ende der bipolaren Weltordnung (1989/91) fallen ihm täglich Menschen zum Opfer. Mit der eher beiläufigen Erwähnung einiger Attentate im Westen wird Bowen dieser Bedrohung – aus der sich die von ihm als „irrtümlich“ charakterisierte „Angst“ übrigens auch ableiten lässt – sicherlich nicht ganz gerecht.

Dennoch bleibt seine Grundaussage, die „Idee hinter diesem Buch“, richtig: Wir müssen Missverständnisse bezüglich des Islam ausräumen, müssen unsere „Redeweise im Alltag“ überdenken, müssen erkennen, wie die Zuspitzungen und Vereinfachungen „anti-muslimischer Stimmung“ Hass schüren, der sich in Gewalt entladen kann. Die Lösung liegt für Bowen nun in einem Multikulturalismus, gegen den sich vor allem die Europäer wehrten (Angela Merkel wird exemplarisch zitiert mit der Aussage, dass „der Ansatz für Multikulti gescheitert, absolut gescheitert“ sei). Nun gibt es zwischen unterschiedsloser Gleichbehandlungen aller Lebensformen und dem Hass auf ganz bestimmte Lebensformen sicherlich noch einen Mittelweg – die Alternative, die Bowen aufzeigt, kann jedenfalls nicht überzeugen: Entweder Werterelativismus und „anything goes“ oder Exklusion und am Ende lauter Breiviks, tertium non datur.

Besonders fragwürdig scheint das Operieren mit halbgaren und -wahren Zahlen, denn der gute Zweck sollte nicht jedes Mittel heiligen. Beispiel: Demografie. Ein Hinweis der „anti-islamischen Publizisten“ (bei Bowen erscheinen sie durchweg als irrationale, wutschäumende Stammtischhelden ohne jede Sachkenntnis) betrifft die unterschiedliche Fertilität in den Bevölkerungsgruppen. Auch wenn es hier oft absurde Übertreibungen gibt (Bowen nennt die absurdesten), so ist nicht von der Hand zu weisen, dass das Bevölkerungswachstum in der islamisch geprägten Welt deutlich höher ist als in Europa (wo von „Wachstum“ gar nicht mehr die Rede sein kann). Selbst, wenn stimmt, was Bowen mit Hinweis auf Daten des Pew Research Center prophezeit, nämlich einen Rückgang der Geburtenrate in islamisch geprägten Ländern von 4,3 (1990) auf 2,3 (2030), so liegt dieser Wert immer noch deutlich über dem für Europa (1,7), der wohl mehr oder weniger konstant bleiben wird. Die Geburtenrate in Marokko etwa werde auf 1,9 fallen und sich damit europäischen Verhältnissen nähern; in Frankreich liege die Geburtenrate derzeit bei 2,1. Bowen versucht hier einen besonders brisanten Kontrast zu nivellieren, doch leider schießt er damit etwas über das Ziel hinaus. Erstens stimmt das nicht (die Geburtenrate in Frankreich liegt bei 2,0, nicht bei 2,1), zweitens ist darin ja schon die erhöhte Fertilität islamischer Französinnen enthalten, drittens gilt Frankreich als absolute Ausnahme in Europa (zum Vergleich: die Geburtenrate in Deutschland beträgt 1,4), viertens ist es irreführend, Zahlen für „2030-35“ mit aktuellen Zahlen zu vergleichen.

Wahr ist hingegen: Kein einziges europäisches Land erreichte das Ersatzniveau von 2,1 Kindern pro Frau, das notwendig ist, damit die nächste Generation genauso groß ist wie die jetzige. Das bedeutet eben auch: Die Bevölkerung Europas wird sich in absehbarer Zeit anders zusammensetzen als bisher. Das muss keine Angst machen, doch sollte man die Dinge deutlich aussprechen. Dazu gehört auch, den Sprung von den Zahlen auf die Prognose realer gesellschaftlicher Verhältnisse zu wagen. In Europa, so das Pew Research Center, werde es im Jahre 2030 rund 8 Prozent Muslime geben. Das ist nicht viel, doch besagt dieser Durchschnittswert nichts über sich daraus ergebende Spannungen in Großstädten und Ballungszentren. Am Ende des Tages zu diagnostizieren, dass „Europa die Veränderung seiner Bevölkerungszusammensetzung überleben“ werde, „wie dies bei früheren Gelegenheiten auch geschah“, ist etwas dünn.

Völlig Recht hat Bowen wiederum mit seiner Forderung nach „Zentren für religiöses Lernen“, die jungen Muslimen ein „aufgeklärteres Verständnis des Islam“ ermöglichen und „radikaleren, oberflächlicheren Auffassungen dieser Religion zum Nachteil gereichen“ sollen. Allerdings verharmlost er kurz darauf die Scharia als irrelevant für das europäische Rechtssystem. Dabei übersieht er zum einen, dass die islamische Rechtslehre damit für Europäer (und Europäerinnen) nicht gegenstandslos wird, wie der jüngste Fall einer in Dubai vergewaltigten Norwegerin zeigt, die nach der Scharia zu einer Haftstrafe verurteilt, dann aber „begnadigt“ wurde.

Zum anderen beschreibt er selbst die Rolle der „islamischen Tribunale“ in England als eine Form der Paralleljustiz, zwar ohne formale Verbindlichkeit, sehr wohl aber mit praktischer Bedeutung: „England scheint sich mehr und mehr in Richtung eines Gleichgewichts zwischen aktiven islamischen Tribunalen und aufmerksamen Richtern zu bewegen, die die Grenzen der Vertretbarkeit von Einigungen überwachen“. Bowen preist diesen „englischen Weg“, der sich irgendwo zwischen dem „Bewusstsein für Religionsfreiheit“ und der Teilkapitulation des Rechtsstaats hindurchschlängelt, als „Vorbild für andere“, um „pragmatische Kompromisse zwischen konkurrierenden politischen Werten zu finden“. Das Problem ist nur: Manchmal kann es keinen sinnvollen Kompromiss geben. Der Kompromiss zwischen 50 Peitschenhieben und 0 Peitschenhieben liegt jedenfalls nicht bei 25.

Der Islam sollte dem Westen kein Feind sein. Seine Grundauffassung begründet John Bowen durchaus nachvollziehbar. Dabei richtet er sich weniger an ein Fachpublikum als an die Allgemeinheit, in klarer, einfacher Sprache, mit einer formalen Struktur, die der kleinschrittigen Argumentation einen stützenden äußeren Rahmen verleiht. Nur verwischt er dabei manchmal die Grenzen zwischen irrationaler Feindseligkeit und durchaus berechtigter Sorge und Kritik. „Der Westen“ sollte sich das Recht auf Kritik an bestimmten Ausprägungen des Islam vorbehalten, denn nicht jede Kritik ist Ausdruck von Feindschaft.

Differenzierung ist nicht nur bei den Islam-Gegnern nötig, sondern auch bei den Islam-Gegner-Gegnern. Dazu gehört das Eingeständnis, dass der Islam Werte vertritt, die nicht nur als fremdartig „angesehen“ werden, sondern die uns in Teilen fremd sind. Wie wir mit dieser Differenz umgehen, ist dann eine nachrangige Frage. Zunächst muss die Diagnose stimmen, damit die Therapie gelingen kann. John Bowen leistet dazu einen grundsätzlich wertvollen Beitrag, mit deutlichen Abstrichen in Detailfragen.

Bibliographische Angaben:

John Bowen: Feind Islam.
Luxbooks, Wiesbaden 2013.
100 Seiten, 14,80 EUR.
ISBN-13: 9783939557180.

(Josef Bordat)

Danke! Danke! Danke!

Philipp Langmann schreibt in der März/April-Ausgabe von „Alle Welt“, der Zeitschrift des katholischen Hilfswerks Missio Österreich, über das „Sündenregister“: „Für manche ist die Kirche aufgrund dieser vermeintlichen Tatsachen gar eine ‚kriminelle Vereinigung‘. Als aktiver Web-Blogger kennt der Philosoph Josef Bordat die Vorwürfe im Internet und in den sozialen Medien aus der Nähe. Die 36 prägnanten Kapitel des Buches sind seine Antwort auf häufig formulierte Vorwürfe. Dabei geht es ihm nicht um pauschale Freisprüche von den Verfehlungen, sondern um eine differenzierte Darstellung, die der Wahrheit verpflichtet ist. Seine Darstellung ist sachlich, faktenorientiert und unaufgeregt. Und gerade deshalb für Kirchenferne wie auch Katholiken hilfreich“.

Andreas Püttmann‏ twittert unterdessen: „Wer seine Kritik an der katholischen #Kirche mal einem Faktencheck und ‚Clearing‘ unterziehen will, der wird von @JosefBordat, Wirtschaftsingenieur, Philosoph, Blogger und @DieTagespost-Redakteur, jetzt klug bedient in: https://lepanto-verlag.de/buecher/von-ablasshandel-bis-zoelibat-das-suendenregister-der-katholischen-kirche/ … Habe ich mit großem Gewinn gelesen“.

Und über Facebook erreicht mich die Nachricht eines Pfarrers, dass in der Veranstaltungsreihe „Feierabendgespräch“ des Geistlichen Zentrums Maria Rosenberg (Bistum Speyer) ab März Auszüge aus dem „Sündenregister“ gelesen und diskutiert werden. „Ein großer Wurf“, so sein Urteil über das Buch.

Ich kann nur sagen: Danke! Danke! Danke!

(Josef Bordat)

Edith Stein von A bis Z

Das von Marcus Knaup und Harald Seubert herausgegebene Edith Stein-Lexikon führt praxisorientiert in Schlüsselbegriffe des Denkens der Philosophin und Ordensfrau ein.

Vor drei Jahren wurde die Edith Stein-Gesamtausgabe (ESGA) fertig, die das gesamte Schrifttum der Schülerin Husserls, die vom Judentum über den Atheismus zum katholischen Glauben fand, sorgfältig und wissenschaftlich fundiert aufbereitet. In 26 Bänden versammelt der Herder-Verlag das Werk der Karmelitin Teresia Benedicta a Cruce – Teresia vom Kreuz gesegnet, die mit ihren Schriften der Philosophie und der Theologie gleichermaßen ein reiches Erbe hinterließ. Ihre Beiträge zur Anthropologie, die das auf Schöpfungstheologie und Christologie basierende Menschenbild der Bibel phänomenologisch durchdringen, ihre tiefen spirituellen und mystischen Gedanken und nicht zuletzt ihre biographischen Erfahrungen, die in Briefen und Notizen erhalten sind, machen Edith Stein zu einer der bedeutendsten Autorinnen des 20. Jahrhunderts. Ihre Texte gehören zur Pflichtlektüre für alle, die die geistesgeschichtliche Entwicklung der Moderne verstehen wollen.

Nun soll im Anschluss an diese wertvolle Edition eine Enzyklopädie das Denken der großen Intellektuellen, die seit 1998 für die Katholische Kirche eine Heilige ist, noch besser erschließen. Herausgegeben wurde das Edith Stein-Lexikon von Marcus Knaup und Harald Seubert, die beide ausgewiesene Experten sind – Knaup ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Philosophie der FernUniversität in Hagen mit Spezialgebiet Anthropologie (von ihm liegt u.a. vor: Leib und Seele oder mind and brain? Zu einem Paradigmenwechsel im Menschenbild der Moderne, 2012); Seubert ist Professor für Philosophie und Religionswissenschaften an der STH Basel sowie Vorsitzender der Martin-Heidegger-Gesellschaft. Unter den Autoren lässt sich das „Who is who?“ der gegenwärtigen Edith Stein-Forschung wiederfinden: Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz, Joachim Feldes, René Raschke, Peter Volek, Viki Ranff und viele andere mehr.

In über 250 Artikeln informieren sie über die Bedeutung der für Edith Stein zentralen Begriffe und Personen – Zeitgenossen und Wegbegleiter wie Franz Brentano und Edmund Husserl, aber auch Philosophen und Theologen der Ideengeschichte, die ihr Denken prägten, wie Augustinus und Elisabeth von Thüringen, Platon und Descartes, Dominikus und Teresa von Ávila. Das Lexikon wendet sich nach Verlagsangaben „an alle am Denken Edith Steins Interessierte, an Dozierende, Studierende und an alle neugierigen Leser, die ermutigt und angeregt werden, sich den Originaltexten Edith Steins zum ersten Mal zuzuwenden“. Tatsächlich machen die kurzen Beiträge Appetit auf mehr. Das sehr praxisorientiert gestaltete Werk ermöglicht einen leichten Gebrauch – Stichwörter im Text sind farblich hervorgehoben, Hinweise am Ende des Artikels führen zu weiteren Informationen. Eine Zeittafel zum Leben der Heiligen und das Verzeichnis der ESGA-Bände sind weitere Zugaben, die in der akademischen Arbeit rasch Orientierung schaffen. Wer sich – aus welchem Grund auch immer – mit Edith Stein beschäftigt, kommt an diesem Lexikon nicht vorbei.

Bibliographische Angaben:

Marcus Knaup / Harald Seubert: Edith Stein-Lexikon.
Freiburg i. Br.: Herder 2017.
434 Seiten, € 38.
ISBN 978-3-451-34550-0.

(Josef Bordat)