Zum Tode Robert Spaemanns

Robert Spaemann ist tot. Der katholische Philosoph verstarb gestern im Alter von 91 Jahren. Die „Tagespost“ würdigt Robert Spaemann mit einem ausführlichen Nachruf.

Für mich war Robert Spaemann als Moralphilosoph eine feste Größe. Er gab mir bei vielen ethischen Fragen die nötige Orientierung. Spaemann vertrat eine Ethik des umfänglichsten Lebensschutzes der Person aufgrund der Menschenwürde.

Daher sein Einsatz gegen Sterbehilfe, seine Skepsis gegenüber Humanitären Interventionen, aber auch sein Engagement gegen Atomkraft. Denn, was viele nicht wissen: Spaemann war ein entschiedener Gegner der Kernenergie.

Welchen Aspekt seines umfangreichen Werks man auch immer in den Vordergrund rückt, in einem sind sich wohl alle einig: Ein großer Denker ist von uns gegangen.

(Josef Bordat)

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Gewalt gegen Gotteshäuser in Berlin nimmt zu

Farbbeutel auf Kirchengebäude, Hakenkreuz an Synagoge, Moschee in Flammen – zwar nicht Alltag in Berlin, aber doch ein Stück „Normalität“.

In der deutschen Hauptstadt gab es in den letzten drei Jahren 62 Anschläge und Schmähungen gegen Kirchen, Moscheen, Synagogen und deren Einrichtungen. Alle zweieinhalb Wochen gab es damit Gewalt gegen Gotteshäuser.

Das sind noch einmal zehn Attacken mehr als im Vergleichszeitraum davor. Und das sind nur die Taten, die auch angezeigt wurden. Nach kann es den Gemeinden, die einfach die Farbe abwischen und schweigen, nicht verübeln: Die Aufklärungsquote geht gegen Null.

(Josef Bordat)

Sieben Heilige

Paul VI., Oscar Romero, Nunzio Sulprizio, Francesco Spinelli, Vincenzo Romano, Maria Katharina Kasper und Nazaria March Mesa wurden heute von Papst Franziskus heiliggesprochen.

In seiner Predigt stellte Franziskus den Vorbildcharakter der Heiligen heraus: „Heute lädt uns Jesus ein, zu den Quellen der Freude zurückzukehren: zur Begegnung mit ihm, zu einer mutigen und risikofreudigen Entscheidung, um ihm nachzufolgen, zum Gefallen daran, etwas aufzugeben, um seinen Weg einzuschlagen. Die Heiligen sind diesen Weg gegangen.“

Wie dieser Weg im Fall von Maria Katharina Kasper, Gründerin der „Dernbacher Schwestern“, aussah, davon handelt ein Beitrag in der aktuellen Ausgabe der Tagespost.

(Josef Bordat)

Graciano Rocchigiani ist tot

Der ehemalige Box-Weltmeister Graciano „Rocky“ Rocchigiani ist tot. Der in Rheinhausen geborene Berliner starb infolge eines Autounfalls auf Sizilien. Offenbar war er zu Fuß unterwegs und wurde von einem Auto angefahren.

Seine beiden Kämpfe gegen Henry „Gentleman“ Maske gehören für mich zu den Höhepunkten der deutschen Sportgeschichte der Nachwendezeit. Auch mit Dariusz „Tiger“ Michalczewski duellierte er sich zweimal. Rocky verlor – alle vier Kämpfe. Mal klar, mal umstritten.

Man musste Graciano „Rocky“ Rocchigiani nicht mögen. Er hatte das, was man dem (Wahl-)Hauptstädter an sich gerne nachsagt: eine große Klappe. Er war allerdings der einzige Berufssportler, dem ich geglaubt habe, was er sagt.

Damals im Studentenwohnheim war ich, wenn mich meine Erinnerung nicht völlig im Stich lässt, der einzige, der bei den innerdeutschen Duellen für „Rocky“ war. So als nach Berlin emigrierter Niederrheiner.

Vielleicht aber auch, weil ich solche Typen halt nicht so mag, die kommen, sehen und siegen. Ich mag Typen, die hinfallen, dann aufstehen. Wieder hinfallen. Und wieder aufstehen. Die dann, wenn sie final gefallen sind, sagen: „Ich hab’s versucht!“

Ruhe in Frieden, Graciano Rocchigiani!

(Josef Bordat)

Starke Frauen!

Elisabeth Schmitz und Margarete Sommer – zwei mutige Frauen der Kirche in der Zeit des Nationalsozialismus

Es ist in diesem Jahr viel von Bernhard Lichtenberg die Rede, anlässlich seines 75. Todestages. Doch vergessen wir darüber nicht zwei Frauen, die in seinem Sinne wirkten, und deren 125. Geburtstag in dieses Jahr fällt: Elisabeth Schmitz (23.8.1893 – 10.9. 1977) und Margarete Sommer (21.7.1893 – 20.6.1965). Sie haben vielen in Nazi-Deutschland verfolgten Juden aktiv geholfen. Beide wurden von der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem als „Gerechte unter den Völkern“ geehrt.

Heute gedenken beide Kirchen ökumenisch dieser mutigen Frauen. Pfarrerin Marion Gardei und Pfarre Lutz Nehk feiern um 18:30 Uhr einen Gottesdienst in der Krypta der Gedenkkirche Maria Regina Martyrum (Heckerdamm 230, Charlottenburg-Nord). Im Anschluss, um 19:30 Uhr, erinnert der Publizist und Journalist Joachim Jauer im benachbarten Evangelischen Gemeindezentrum (Heckerdamm 226) an Margarete Sommer, Elisabeth Schmitz und ihre Unterstützer.

Joachim Jauer schreibt: „Es waren nur wenige Christen, die während der NS-Diktatur ‚im Juden ihren Nächsten erkannten‘, wie der Berliner Dompropst Bernhard Lichtenberg gesagt hat. Die meisten Christen waren Mit-Schweiger im Angesicht des Unrechts, manche waren Mit-Läufer und einige sogar Mit-Täter in Auschwitz. Unter dem Schutz des katholischen Berliner Bischofs Konrad Graf von Preysing halfen Bernhard Lichtenberg und Margarete Sommer den bedrängten Juden mit einem ‚Bischöflichen Hilfswerk‘. Die evangelische Christin Elisabeth Schmitz versteckte und rettete in Berlin mehrere verfolgte Juden. Ihre anklagenden Schriften, die die Verbrechen an den Juden in aller Deutlichkeit anprangerten, wurden sogar von den NS-Gegnern der Bekennenden Kirche kaum beachtet.“

Umso mehr Beachtung sollten sie heute erfahren.

(Josef Bordat)

Missbrauchsskandal überschattet das Weltfamilientreffen

Es fällt nur dem auf, der genau hinschaut: das Schild vor dem „Children’s Global Village“, dem Kinderland des Weltfamilientreffens in Dublin. Und dann auch nur dem, der den Text wirklich liest. Die erste Hälfte informiert über die Aktivitäten, die zweite Hälfte macht deutlich: Ihr Kind ist hier sicher.

Man habe die Mitarbeiter in der Kinderbetreuung nach „best child safeguarding practice“ ausgewählt. Was das bedeutet, wird detailliert erläutert: Referenzen, Polizeiliches Führungszeugnis, Präventionstraining. Die Botschaft ist klar: Mehr kann man nicht tun.

Der Missbrauchsskandal überschattet das Weltfamilientreffen bis ins kleinste Detail. Bereits zuvor haben die Absagen der US-Kardinäle O’Malley und Wuerl für Aufsehen gesorgt. Explizit angesprochen vom Panel „Safeguarding Children and Vulnerable Adults“, wird es in allen Reden thematisiert. Der Missbrauch hat das Treffen fest im Griff.

(Josef Bordat)