Ohne AfD-Mitglieder

Der 3. Ökumenische Kirchentag wird ohne die Mitwirkung von AfD-Mitgliedern auskommen.

Das Gemeinsame Präsidium des 3. Ökumenischen Kirchentages hat beschlossen, Personen, die „für rassistische oder antisemitische Überzeugungen eintreten und/oder für Positionen werben, die von einer gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit oder von einer ideologischen Distanz zur freiheitlich-demokratischen Rechtsordnung geprägt sind“, nicht als aktiv Mitwirkende auf den Ökumenischen Kirchentag in Frankfurt 2021 einzuladen. Darunter fallen unter anderem auch Mitglieder der Partei Alternative für Deutschland (AfD).

Der Ökumenische Kirchentag soll die „Vielschichtigkeit der gastgebenden Organisationen und ihrer Kirchen, der Teilnehmenden sowie der mitwirkenden Institutionen und Verbände des christlichen und öffentlichen Lebens“ abbilden, heißt es in dem Beschluss. Deshalb haben auch kritische Positionen ihren Platz beim 3. Ökumenischen Kirchentag. Trotzdem müsse man bei Personen, die die oben genannten Gesinnungen vertreten, eine Grenze ziehen.

Der 3. Ökumenische Kirchentag findet vom 12. bis 16. Mai 2021 in Frankfurt am Main statt. Er wird veranstaltet vom Deutschen Evangelischen Kirchentag (DEKT) und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK).

(Josef Bordat)

„Es müssen bei uns alle Alarmglocken schrillen“

Zentralrat der Armenier in Deutschland warnt vor neuer Christenverfolgung in der Türkei

Gibt es Probleme, so braucht man Schuldige – tatsächliche oder vermeintliche. Letztere nennt man auch Sündenböcke. Als solche fühlen sich Armenier in der Türkei nach einem rassistisch begründeten Brandanschlag auf eine armenische Kirche in Istanbul. Der Zentralrat der Armenier in Deutschland (ZAD) befürchtet, dass die nichtmuslimischen Gemeinschaften in der Türkei sich auf neue Verfolgungen einstellen müssen. Hetze gegen religiöse Minderheiten wie sie die regierungsnahe Zeitschrift Gercek Hayat (Echtes Leben) betreibt, verstärkt die Angst unter den Armeniern.

Der ZAD-Vorsitzende Schawarsch Owassapian beschreibt die Befindlichkeit der Armenier: „Wir leben mit der hundertjährigen Erfahrung, Opfer eines Völkermords durch die Türkei geworden zu sein. Wenn wir jetzt ebendort wieder so massive rassistische Propagandaaktionen erleben, müssen bei uns alle Alarmglocken schrillen“. Owassapian weist darauf hin, dass Gercek Hayat in der Mediengruppe von Präsident Ergogans Schwiegersohn Berat Albayrat erscheint, also im direkten persönlichen Umfeld der politischen Führungselite der Türkei. Hintergrund der zunehmenden rassistischen Hetze dürfte die Wirtschaftskrise im Land sein, die durch Corona noch einmal deutlich verschärft worden ist.

Der Attentäter, der am 8. Mai den Brandanschlag auf die christlich-armenische Kirche verübt hat, begründete seine Tat damit, dass er meine, von den Armeniern sei das Corona-Virus in die Türkei gekommen. „Alles passt zusammen. Offenbar gibt es einen Plan. Die Todesdrohungen, die unbekannte Täter an mehrere Kirchen geschmiert haben, sind kein Zufall. Präsident Erdogan muss dem Spuk sofort und energisch Einhalt gebieten“, wird Owassapian in der Pressemitteilung des ZAD zitiert.

(Josef Bordat)

Vier Millionen Corona-Infizierte

Die Zahl der durch Tests bestätigten Corona-Fälle hat die Vier-Millionen-Grenze überschritten. In den zehn Länder mit mehr als 100.000 Infizierten (USA, Spanien, Italien, Vereinigtes Königreich, Russland, Frankreich, Deutschland, Brasilien, Türkei und Iran) leben etwa zwei Drittel der Infizierten und vier Fünftel der Verstorbenen, deren Gesamtzahl bei etwa 278.000 liegt.

In Deutschland droht nach Angaben des Robert Koch-Instituts ein Wiederanstieg der Fallzahlen, während in verschiedenen deutschen Städten Demonstrationen und Kundgebungen gegen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie stattfanden. Ursache und Folge? Klar ist: Nach wie vor ist Rücksicht, Umsicht und Vorsicht geboten – von der Vernunft, nicht von der Weltregierung.

(Josef Bordat)

Blutwunder in Corona-Zeiten stärkt den Optimismus

Der Heilige Januarius ist nicht nur Stadtpatron Neapels, er ist die Identifikationsfigur für die Neapolitianer. San Gennaro, wie er in Italien heißt, wird heiß und innig geliebt. Exponent der Verehrung ist das „Blutwunder von Neapel“, die Verflüssigung seines Blutes, die sich zu bestimmten Terminen ereignet (oder auch nicht) – am Samstag, der dem 1. Mai am nächsten liegt, am 19. September, dem Festtag des Heiligen, und am 16. Dezember. Und das seit über sechs Jahrhunderten; das „Blutwunder von Neapel“ ist erstmals für das Jahr 1389 belegt. Gestern war es wieder soweit. Und das Blutwunder ist eingetreten. Es macht Neapel und ganz Italien Hoffnung in der Corona-Krise, so katholisch.de.

Skeptiker vermuten, dass es sich bei dem Ampulleninhalt um eine thixotrope Substanz handelt, der zur Farbgebung lediglich etwas Blut beigemischt wurde. Solche Stoffe sind im Ruhezustand gelartig und erscheinen damit fest, können sich aber durch Schütteln verflüssigen. Das habe man auch schon im Spätmittelalter gewusst. Die ruckartigen Bewegungen der Träger während der Prozession sowie das Drehen der Ampulle durch den Zelebranten löse die Verflüssigung aus. Im Labor ließe sich das zeigen. Also: „Chem-Trick“ statt „Wunder“?

Für die katholischen Neapolitianer steht indes fest: Es ist das Blut des Heiligen, das sich verflüssigt. Und wehe, wenn das mal nicht „funktioniert“! Ein Ausbleiben des „Blutwunders“ wird als schlechtes Omen für die Stadt gedeutet – möglicherweise erwacht dann der seit 1944 schlafende Vesuv. Als das „Blutwunder“ 1980 ausblieb, brachten die Neapolitaner das Erdbeben in der Irpinia damit in Verbindung, mit fast 3000 Toten die verheerendste Naturkatastrophe der italienischen Nachkriegsgeschichte.

Geologen mögen sich die Haare raufen, für den Glauben an das „Blutwunder von Neapel“ ergibt sich damit ein neuer Grund. Und auch wenn nun Virologen (und andere medizinische Spezialisten) mit dem Kopf schütteln – auch auf Corona kann das Blutwunder einen Einfluss haben. Denn Optimismus ist heilsam. Und den spüren zumindest die gläubigen Italiener seit gestern Abend wieder etwas stärker.

(Josef Bordat)

Eilentscheidung zu Gottesdiensten

Bundesverfassungsgericht verwirft generelles Verbot

Das Bundesverfassungsgericht hat in einer Eilentscheidung das generelle Verbot von Gottesdiensten als mit der Religionsfreiheit unvereinbar erkannt und mahnt die Möglichkeit zur Erteilung von Ausnahmegenehmigungen an. Es sei nicht akzeptabel, dass etwa das Land Niedersachsen religiöse Zusammenkünfte komplett verboten habe. Über die Einzelheiten berichtet tagesschau.de.

Ein muslimischer Verein aus Niedersachsen hatte geklagt und war in den Vorinstanzen abgewiesen worden.

(Josef Bordat)

Erklärung zur Aufarbeitung des Missbrauchs

Eine „historische Entscheidung“ (Johannes-Wilhelm Rörig, der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung), ein „großer Schritt nach vorne“ (Bundesjustizministerin Christine Lambrecht): Die Deutsche Bischofskonferenz hat mit der Bundesregierung eine gemeinsame Erklärung erarbeitet, nach der die standardisierte, unabhängige Untersuchung von Missbrauchsfällen im Bereich der Kirche in Deutschland geregelt wird, wie tagesschau.de berichtet.

Die DBK hatte im September 2018 nach der Veröffentlichung der MHG-Missbrauchsstudie beschlossen, für die Aufarbeitung auch enger mit dem Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung zusammenzuarbeiten. Seit Mai 2019 wurde über die gemeinsame Erklärung beraten. Nun liegt sie vor. Historisch und ein großer Schritt nach vorne.

(Josef Bordat)

Niederlande: Demenzkranke Frau wird gegen ihren Willen getötet

Juristisch offenbar kein Problem im Nachbarland. Moralisch aber schon. Überall.

In den Niederlanden wird eine an Alzheimer erkrankte Frau getötet (durch aktive Sterbehilfe), weil sie in einer Patientenverfügung die Inanspruchnahme von Sterbehilfe im Falle einer Demenzerkrankung gewünscht hatte. Das berichtet die FAZ.

Pikantes Detail: Als es soweit war, widersprach die Frau ihrer damaligen Verfügung. Sie wolle nicht sterben, so schlimm sei es doch gar nicht. Ihre Familie jedoch wies die Ärzte an, die Willenserklärung aus der Patientenverfügung zu vollstrecken und die Frau zu töten.

Ohne ihr Wissen (schließlich wollte sie ja nicht mehr sterben) verabreichte eine Ärztin der Frau ein Beruhigungsmittel und dann ein tödliches Medikament. Dabei wachte die Patientin auf und wehrte sich, wurde von ihren Angehörigen aber festgehalten, bis sie starb.

Die Staatsanwaltschaft klagte die Ärztin daraufhin wegen Mordes an, sie wurde vom Landgericht Den Haag aber freigesprochen. Die Staatsanwaltschaft legte Berufung ein, doch auch das höchste Gericht der Niederlande, der Hohe Rat in Den Haag, sprach die Ärztin gestern frei.

Man sollte sich also gut überlegen, a) wohin man zieht und b) was man unterschreibt. Sich später umentscheiden oder sich einfach dagegen wehren, dass man getötet wird – das geht nicht. Zumindest nicht in den Niederlanden.

So, Zynismus aus.

Im Ernst: Ich bin fassungslos.

(Josef Bordat)