Sieben Heilige

Paul VI., Oscar Romero, Nunzio Sulprizio, Francesco Spinelli, Vincenzo Romano, Maria Katharina Kasper und Nazaria March Mesa wurden heute von Papst Franziskus heiliggesprochen.

In seiner Predigt stellte Franziskus den Vorbildcharakter der Heiligen heraus: „Heute lädt uns Jesus ein, zu den Quellen der Freude zurückzukehren: zur Begegnung mit ihm, zu einer mutigen und risikofreudigen Entscheidung, um ihm nachzufolgen, zum Gefallen daran, etwas aufzugeben, um seinen Weg einzuschlagen. Die Heiligen sind diesen Weg gegangen.“

Wie dieser Weg im Fall von Maria Katharina Kasper, Gründerin der „Dernbacher Schwestern“, aussah, davon handelt ein Beitrag in der aktuellen Ausgabe der Tagespost.

(Josef Bordat)

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Graciano Rocchigiani ist tot

Der ehemalige Box-Weltmeister Graciano „Rocky“ Rocchigiani ist tot. Der in Rheinhausen geborene Berliner starb infolge eines Autounfalls auf Sizilien. Offenbar war er zu Fuß unterwegs und wurde von einem Auto angefahren.

Seine beiden Kämpfe gegen Henry „Gentleman“ Maske gehören für mich zu den Höhepunkten der deutschen Sportgeschichte der Nachwendezeit. Auch mit Dariusz „Tiger“ Michalczewski duellierte er sich zweimal. Rocky verlor – alle vier Kämpfe. Mal klar, mal umstritten.

Man musste Graciano „Rocky“ Rocchigiani nicht mögen. Er hatte das, was man dem (Wahl-)Hauptstädter an sich gerne nachsagt: eine große Klappe. Er war allerdings der einzige Berufssportler, dem ich geglaubt habe, was er sagt.

Damals im Studentenwohnheim war ich, wenn mich meine Erinnerung nicht völlig im Stich lässt, der einzige, der bei den innerdeutschen Duellen für „Rocky“ war. So als nach Berlin emigrierter Niederrheiner.

Vielleicht aber auch, weil ich solche Typen halt nicht so mag, die kommen, sehen und siegen. Ich mag Typen, die hinfallen, dann aufstehen. Wieder hinfallen. Und wieder aufstehen. Die dann, wenn sie final gefallen sind, sagen: „Ich hab’s versucht!“

Ruhe in Frieden, Graciano Rocchigiani!

(Josef Bordat)

Starke Frauen!

Elisabeth Schmitz und Margarete Sommer – zwei mutige Frauen der Kirche in der Zeit des Nationalsozialismus

Es ist in diesem Jahr viel von Bernhard Lichtenberg die Rede, anlässlich seines 75. Todestages. Doch vergessen wir darüber nicht zwei Frauen, die in seinem Sinne wirkten, und deren 125. Geburtstag in dieses Jahr fällt: Elisabeth Schmitz (23.8.1893 – 10.9. 1977) und Margarete Sommer (21.7.1893 – 20.6.1965). Sie haben vielen in Nazi-Deutschland verfolgten Juden aktiv geholfen. Beide wurden von der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem als „Gerechte unter den Völkern“ geehrt.

Heute gedenken beide Kirchen ökumenisch dieser mutigen Frauen. Pfarrerin Marion Gardei und Pfarre Lutz Nehk feiern um 18:30 Uhr einen Gottesdienst in der Krypta der Gedenkkirche Maria Regina Martyrum (Heckerdamm 230, Charlottenburg-Nord). Im Anschluss, um 19:30 Uhr, erinnert der Publizist und Journalist Joachim Jauer im benachbarten Evangelischen Gemeindezentrum (Heckerdamm 226) an Margarete Sommer, Elisabeth Schmitz und ihre Unterstützer.

Joachim Jauer schreibt: „Es waren nur wenige Christen, die während der NS-Diktatur ‚im Juden ihren Nächsten erkannten‘, wie der Berliner Dompropst Bernhard Lichtenberg gesagt hat. Die meisten Christen waren Mit-Schweiger im Angesicht des Unrechts, manche waren Mit-Läufer und einige sogar Mit-Täter in Auschwitz. Unter dem Schutz des katholischen Berliner Bischofs Konrad Graf von Preysing halfen Bernhard Lichtenberg und Margarete Sommer den bedrängten Juden mit einem ‚Bischöflichen Hilfswerk‘. Die evangelische Christin Elisabeth Schmitz versteckte und rettete in Berlin mehrere verfolgte Juden. Ihre anklagenden Schriften, die die Verbrechen an den Juden in aller Deutlichkeit anprangerten, wurden sogar von den NS-Gegnern der Bekennenden Kirche kaum beachtet.“

Umso mehr Beachtung sollten sie heute erfahren.

(Josef Bordat)

Missbrauchsskandal überschattet das Weltfamilientreffen

Es fällt nur dem auf, der genau hinschaut: das Schild vor dem „Children’s Global Village“, dem Kinderland des Weltfamilientreffens in Dublin. Und dann auch nur dem, der den Text wirklich liest. Die erste Hälfte informiert über die Aktivitäten, die zweite Hälfte macht deutlich: Ihr Kind ist hier sicher.

Man habe die Mitarbeiter in der Kinderbetreuung nach „best child safeguarding practice“ ausgewählt. Was das bedeutet, wird detailliert erläutert: Referenzen, Polizeiliches Führungszeugnis, Präventionstraining. Die Botschaft ist klar: Mehr kann man nicht tun.

Der Missbrauchsskandal überschattet das Weltfamilientreffen bis ins kleinste Detail. Bereits zuvor haben die Absagen der US-Kardinäle O’Malley und Wuerl für Aufsehen gesorgt. Explizit angesprochen vom Panel „Safeguarding Children and Vulnerable Adults“, wird es in allen Reden thematisiert. Der Missbrauch hat das Treffen fest im Griff.

(Josef Bordat)

Kofi Annan

Kofi Annan. Als Generalsekretär der Vereinten Nationen setzte er die von Butros Butros-Ghali begonnene Transformation der internationalen Beziehungen von der Subordination zur Koordination fort.

Sein Leitmotiv formulierte er 2005: „No legal principle – not even sovereignty – should ever be allowed to shield genocide, crimes against humanity and mass suffering“.

Kofi Annan ist tot. Sein Leitmotiv lebt weiter.

(Josef Bordat)

Missbrauch. Neue Horrorzahlen

Wieder erschreckende Zahlen, diesmal aus den USA: Ein Bericht zu Kindesmissbrauch in sechs der acht Diözesen von Pennsylvania nennt eine Täterzahl von 300 für die vergangenen 70 Jahre – und eine Opferzahl von 1000. In Deutschland könnten bald ähnliche Zahlen für Erschütterung sorgen. Der Bericht zum Forschungsprojekt „Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz“ wird am 25. September im Rahmen der Herbstvollversammlung der deutschen Bischöfe in Fulda vorgestellt.

Wenn es stimmt, was „Wikipedia“ unter Berufung auf „internationale Studien“ schreibt, dass bei etwa einem Prozent aller erwachsenen Männer eine „primärpädophile Ausrichtung“ anzunehmen ist, dann hätten wir unter den Priestern weltweit (alles erwachsene Männer) über 4000 Pädophile. Und etwa 50 pädophile Bischöfe. Und einen pädophilen Kardinal. Es hätte demnach – rein statistisch – auch schon zwei pädophile Päpste gegeben.

Es gab in den USA im fraglichen Zeitraum (zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts bis heute) zwischen 40.000 und 60.000 Priester. Wenn wir von 70 Jahren sprechen, dann sprechen wir von zwei Priestergenerationen, also von insgesamt rund 100.000 Männern, die in Frage kommen. Wenn wir ein Prozent pädophile Männer unterstellen, dann hätten wir – rein statistisch – 1000 Pädophile zu erwarten. In Deutschland sind bei 15.000 bis 20.000 Priester also etwa 350 Pädophile zu erwarten.

Ich erwarte von einem Priester, dass er die möglicherweise vorhandene Neigung, für die niemand etwas kann, so verarbeitet, dass keine Gefahr für Dritte ausgeht. Gelingt das nicht, dann erwarte ich von meiner Kirche, dass sie die entsprechenden Schritte unternimmt, um die Gefahr zumindest künftig zu bannen. Und schließlich erwarte ich, dass Aufklärung und Prävention in der Kirche zu einem Klima führen, das sexuellen Missbrauch so unwahrscheinlich wie möglich macht. Zumindest in dieser Hinsicht scheint die Kirche in den USA auf einem guten Weg: Nur zwei der 300 Täter wurden in den letzten zehn Jahren auffällig.

(Josef Bordat)

Angriffe auf Asylbewerber

Die Zahl der Angriffe auf Asylbewerber und ihre Unterkünfte geht zurück. Das geht aus einer Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion hervor.

Das ist die verhältnismäßig gute Nachricht. Die schlechte: Die Zahl liegt mit 627 Angriffen auf Menschen und 77 Attacken auf ihre Unterkünfte im ersten Halbjahr 2018 immer noch erschreckend hoch.

Zu den Delikten zählten u. a. gefährliche Körperverletzung, schwere Brandstiftung, Sachbeschädigung, Volksverhetzung und Beleidigung.

Rückläufig sind die Straftaten deshalb, weil ihre Zahl zuvor geradezu unfassbar hoch lag: im ersten Halbjahr 2017 bei 1227, im ersten Halbjahr 2016 bei 2259.

(Josef Bordat)