Koyaanisqatsi 2.0

In dem Film „Koyaanisqatsi“ („Leben im Ungleichgewicht“) von 1982 geht es um die überwältigende Schönheit der Natur, die von unserer modernen Zivilisation immer mehr gefährdet und schließlich zerstört wird.

In meinem Alltag entspricht die Dramaturgie des Films einem Spaziergang durch die karge Parklandschaft des frostigen Spätherbsts, in der die kahlen Bäume mit ihrem nackten, zum bleigrauen Himmel ausgestreckten Gerippe an Ästen und Zweigen kaum noch etwas von der Farbenpracht erahnen lassen, die hier vor wenigen Wochen das Auge erfreute, die jedoch auch in ihrer trostlosen Schlichtheit auf die elementare Kraft des Lebens deuten, trotzig ihr triebloses Geäst in den stürmischen Wind ragend – anders als die bald zu erwartende Reine der schneebedeckten Wiesen, anders als die Frühlingsblüte der Kirschen zu beiden Seiten des Weges, anders als das Zwitschern und Summen der Fauna in gleißender Sommerglut, doch so, dass man tief in sich jene Rührung des Herzen spüren kann, die mit zitternder Stimme sagen lässt: erhabenes Wesen, dein Name sei „Natur“. Und dann, wieder zuhause, schalt ich den Computer ein und geh‘ für zehn Minuten ins Facebook.

Koyaanisqatsi.

(Josef Bordat)

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Warum bloggen?

Nach einer Reihe von Blogbeiträgen ist es durchaus mal an der Zeit, über das Bloggen selbst zu reflektieren. Und siehe da: Der Kollege Fabian von Theopop nimmt mir die Arbeit ab, indem er fünf Thesen zum Einfluss des Bloggens auf die Theologie formuliert.

Wäre jetzt nicht unbedingt mein Ansatz gewesen, ist aber hochinteressant. Und durchaus nachvollziehbar. Wichtiger wäre es meiner Ansicht nach jedoch, wenn das Bloggen (meinetwegen über die Theologie) Einfluss auf die Kirche hätte, auf ihr Selbstverständnis und ihre Verkündigung. Am wichtigsten aber ist mir aber immer noch der Beitrag des Bloggens zur Neuevangelisierung.

Ein christlicher Blog (also ein Blog, das nicht nur von einem Christen betrieben wird, sondern der auch christliche Inhalte liefert) dient meiner Meinung nach zuerst und vor allem einer zeitgemäßen Ausführung des Missionsauftrags. Das Blog ist eine Form von Apostolat, damit Menschen, die mit ihren Sinnfragen im Netz nach Halt suchen, diesen auch finden können. Offen, aber doch zumindest so verbindlich, dass sie Hinweise darauf finden, wie sie ihn, den Halt im Leben, finden können.

(Josef Bordat)

Ja, wenn’s denn hilft!

Mein Eindruck, dass in der Wikipedia bei Religionsthemen öfter mal der Ideologe dem Enzyklopädisten die Tastatur entreißt, verstärkt sich praktisch täglich. Neues Beispiel: Artikel „Niederlande“, Abschnitt „Religion“.

Die Freude über den Säkularisierungstrend in den Niederlanden ist scheinbar so groß, dass in einem Zehn-Zeilen-Absatz zum Thema „Religion“ dreimal davon die Rede ist. Zunächst heißt es: „Fast die Hälfte der Bevölkerung ist keiner Religionsgemeinschaft zugehörig“, sodann: „48,4 % oder fast die Hälfte der Niederländer fühlten sich damals keiner Religionsgemeinschaft zugehörig (Stand: 31. Dezember 2005)“. Mittlerweile ist nicht mehr „damals“: „sowie einer Mehrheit von 51 % der Konfessionslosen (Stand 31. Dezember 2010)“.

Doch nicht nur, dass die Wikipedia kaum an sich halten kann, wenn sich Mehrheiten „keiner Religionsgemeinschaft zugehörig“ fühlen: Wenn’s ins (Welt-)Bild passt, nimmt Wikipedia jede Zahl, die sie kriegen kann, auch, wenn es sich um die Einschätzung irgendeines evangelischen Theologen handelt: „nur 18 % glauben an einen Gott“. Auffällig, dass sich hier der despektierliche unbestimmte Artikel einschleicht, während die angegebene Quelle (kath.net) schreibt: „Evangelischer Theologe: Nur noch 18 Prozent der Niederländer glauben überhaupt an Gott“. Ohne „einen“. Aber, wenn’s irgendwie hilft, darf man auch Zitate verbiegen. Und sogar mal kath.net zitieren.

Dass es dem Theologen um einen Aufruf zu Mission und Neuevangelisierung geht und dass der gleiche Theologe in dem gleichen Zusammenhang recht alarmistisch von „nur noch 30 Prozent“ Kirchenmitgliedern (Stand: 2012) spricht, wird dabei übersehen. Vielleicht geht es besagtem Theologen ja auch darum, die Dringlichkeit seines Missionsaufrufs empirisch zu untermauern und vielleicht ist er dabei etwas, nun: übermotiviert.

Denn, wenn der Anteil derer, die sich „keiner Religionsgemeinschaft zugehörig“ fühlen, zwischen 2005 und 2010 um nur 2,6 Prozent stieg, wie Wikipedia weiß, kann – bei einigermaßen konstanter Bevölkerungszahl – nicht der Anteil derer, die „Mitglied einer christlichen Kirche“ sind, im annähernd gleichen Zeitraum um 14 Prozent sinken (nämlich von 44 Prozent, so Wikipedia, auf 30 Prozent, so der Theologe). Es sei denn, sie wären alle zum Islam (oder anderen Religionsgemeinschaften) konvertiert. Doch, ganz im Gegenteil: Auch aus dem Islam (Rückgang um 0,2 Prozent) und dem Hinduismus (Rückgang um 0,4 Prozent) speist sich ein Teil der im Fünf-Jahres-Vergleich neuen Konfessionslosen. Es sind also nur 2 Prozent der Kirchenmitglieder ins Lager der Konfessionslosen gewechselt. Und die 12 Prozent, die „fehlen“? Sie fehlen entweder in Wikipedias Angabe zum Konfessionslosenanteil (kaum anzunehmen) oder aber sie fehlen in der Angabe des Theologen. Hätte man merken können. Aber: Quellenkritik? Wozu?! Es passt ja. Und zur Not eben auch mal mit kath.net im Rücken.

(Josef Bordat)

Podcast, Podcast, Podcast

Eine wesentliche Neuerung der (mittleweile gar nicht mehr so) neuen Medien ist die Tatsache, dass man heutzutage selbst bestimmen kann, wann man sich eine bestimmte Sendung ansieht oder -hört. Mediatheken und Podcasts machen den Konsumenten zum Programmdirektor. So können Sendungen, die irgendwann mal um drei Uhr morgens ausgestrahlt wurden, bequem am nächsten Tag in der Mittagspause genossen werden.

Mit meinen Beiträgen ist das auch so. Daher weise ich gerne auf drei Podcasts hin, die Radio Horeb zur Verfügung stellt:

Am 17. Juli lief in der „Credo“-Sendung mein Beitrag über den Dreißigjährigen Krieg, den Sie hier noch einmal nachhören können.

Am 27. Juli lief in der „Credo“-Sendung mein Beitrag über Karl Marx und die Katholische Soziallehre (eingerahmt von zwei Erzählungen der Autorin und Bloggerin Claudia Sperlich aus ihrem Band „Die Befreier“ (Rezension). Die ganze Sendung können Sie hier nachhören.

Am 29. Juli lief in der Sendung „Weltkirche aktuell“ eine Hörfunkbearbeitung zweier „Glaubenskompass“-Sendungen von Kirche in Not, an denen ich mitgewirkt habe. Zusammengefasst werden die Themen „Geld“ und „Sex“. Titel der kompilierten Radiosendung: „Schwarze Legenden der Kirchengeschichte: Die Kirche, das Geld und der Sex“, die hier nachzuhören.

(Josef Bordat)

Britischer Presserat macht gegen Fakenews mobil

Die „Independent Press Standards Organisation“ (IPSO) hat nach Angaben von „editorial.media“ eine Anti-Fakenews-Kampagne ins Leben gerufen. Damit präsentiert sich die Organisation aktuell der Öffentlichkeit als Garant für die Einhaltung journalistischer Standards. Gleichzeitig gibt sie ihren Mitgliedern und deren 2.500 Zeitungen, Zeitschriften und Websites so die Möglichkeit, ihre digitalen Angebote mit einem IPSO-Gütesiegel von nicht regulierten Angeboten abzuheben. Das Siegel mit dem Slogan „Für Pressefreiheit mit Verantwortung“ wurde in Zusammenarbeit mit der Werbeagentur McCann London entwickelt. Die IPSO entspricht in Großbritannien dem Deutschen Presserat. Sie ist die wichtigste und größte verlagsübergreifende Anlaufstelle, wenn es um Beschwerden über die Arbeit von Journalisten geht.

(Josef Bordat)

Instagram greift YouTube und Snapchat an

Es gibt Bewegung auf dem Markt der Videoportale

Die Facebook-Tochter Instagram will YouTube und Snapchat Konkurrenz machen und künftig auch längere Video-Formate anbieten. Das meldete der Branchendienst „Absatzwirtschaft“ unter Berufung auf das Techportal TechCrunch. Die angebotenen Videos sollen eine Länge von etwa fünf bis 15 Minuten haben.

In welcher Form Instagram das neue Video-Feature in seiner Navigation platziert, sei noch offen. Inhalte-Produzenten würden an den Anzeigeeinblendungen beteiligt – in welchem prozentualen Verhältnis sei allerdings noch nicht klar, berichtet TechCrunch.

Bereits zuvor hatte Facebook Neuerungen in seiner TV-Rubrik „Watch“ bekanntgegeben. Wie das weltgrößte Social Network mitteilt, wird Watch durch exklusive Inhalte von den amerikanischen TV-Riesen ABC, CNN und Fox News aufgewertet.

(Josef Bordat)

Evangelium für unsere Zeit

Da trat Jesus zu ihnen und sprach: „Amen, Amen, ich sage Euch, wenn Dein Bruder etwas tut, das Du nicht verstehst, dann frage ihn nicht nach den Gründen, sondern verbreite im ganzen Netz, dass er ein Heuchler und Lügner ist. Macht jemand einen Fehler, so weise ihn nicht unter vier Augen zurecht, sondern schick sein Bild bis ans Ende der Welt. Sagt es allen, auch wenn sie nicht danach fragen: ‚Der da hat einen Fehler gemacht!‘ Und wenn Euch jemand zu Rede stellt, dann schimpft, denn ihr wisst es besser. Wenn ein Fremder zu Euch kommt, dann weist ihn ab. Er ist böse.“

Da fragte ihn Petrus: „Herr, wie oft muss ich lästern, hetzen, schlecht sprechen. Siebenmal täglich?“ – Und Jesus antwortete: „Nein, nicht sieben mal. Sieben mal siebzig mal. Denn der Tag hat 24 Stunden und die Stunde 60 Minuten. Nutzt die Zeit, um schlecht zu reden! Vor allem über Menschen, die ihr nicht kennt, und Dinge, von denen ihr nichts wisst. Wahrlich, ich sage euch: Niemand kommt ins Reich Gottes, wenn er nicht zuerst Anschuldigungen und Bloßstellungen im Sinn hat.“

Und sie gingen ins nächste globale Dorf, um zu sehen, wer sich dort grade wieder falsch verhält.

(Josef Bordat)