Islamisierung

Die Islamisierung schreitet immer weiter voran. Heute kam „Minarett“ im Kreuzworträtsel vor.

(Josef Bordat)

Advertisements

Sexskandal um Homo-Flüchtlinge: Auf unsere Kosten in den Puff?

So, nachdem ich jetzt Ihre Aufmerksamkeit habe – zur Sache: Am 20. August ist mein neuer Satirenband erschienen. Dafür habe ich jahrelang in mühevoller Kleinarbeit Texte geschrieben. Das war ziemlich anstrengend.

Jetzt sind Sie dran: Bestellen Sie das Buch und machen Sie sich und Ihre Familie glücklich. Und mich auch. Und den Verlag. Und so weiter.

Ihr
Josef Bordat

Nicht mehr alle Tassen im Schrank

„Haben Sie eine Tasse, die so aussieht?“ Die Verkäuferin schaut mich an, schüttelt den Kopf. „Nie gesehen!“ – „Aber Sie haben doch gar nicht richtig hingeschaut!“ – „Nein, wie gesagt: Ich kenne die Tasse nicht!“ – „Gut. Wenn Ihnen doch noch was einfällt – hier ist meine Karte.“

Seit gestern bin ich auf der Suche nach der Tasse auf dem Foto. Es ist die Lieblingstasse meiner Frau. Das heißt, was von ihr übrig blieb. Von der Tasse. Nachdem ich, ja: ich, sie habe zu Bruch gehen lassen. Sei nicht schlimm, könne ja mal passieren, sagte meine Frau unter Tränen und wählte mit zitternden Händen die Nummer einer auf Familienangelegenheiten spezialisierten Anwaltskanzlei. „Ich… ich kauf dir eine neue!“ – „Aber genau so eine!“ – „Ja! So eine…“

Nun bin ich seit Tagen auf der deutschlandweiten Suche nach einer Tasse, die dem geliebten Original zumindest annähernd ähnelt. Mehrere Versuche scheiterten. Mal war die Farbgebung abweichend, mal die Schrifttype des Hinweises auf dem Boden. „Achtung: Zerbrechlich!“

Ich fand über Beziehungen, deren Natur jetzt nichts zur Sache tut, einen Keramikkaliographen aus Kasachstan, der Tassenrohlinge nach präzisen Vorgaben bemalt. Anhand des Fotos ließ sich die Bemalung (und Beschriftung) rekonstruieren und originalgetreu auf den Rohling übertragen. Anschließend wurde das Gefäß in einem unterirdischen Geheimofen gebrannt und – das war’s auch schon. Ehe, Zukunft und der Fortbestand des Abendlandes sind gerettet. Bis zum nächsten Abwasch.

(Josef Bordat)

Promi-BigBrother

Jetzt läuft es wieder, dieses „Promi-BigBrother“! Gut, „Promi“ ist jetzt die etwas verkürzte Variante des Begriffs „Prominenz“, ein Wort, das eigentlich semantisch andeutet, man möge die so klassifizierten Entitäten kennen. Aber immerhin kenne ich Pascal Behrenbruch. Vermutlich kennen alle anderen Menschen aus der Zielgruppe alle anderen Kandidaten, außer Pascal Behrenbruch.

Naja, hab eh nur zufällig reingeschaut. Ist ja auch nicht wirklich relevant in einer Zeit, in der wir nach tragfähigen Zukunftsmodellen für ökologische und soziale Kernprobleme suchen. Und die erste DFB-Pokalrunde läuft auch. Wer braucht da „Promi-BigBrother“?

Nachdem ich also mehrere Facharzttermine abgesagt hatte, bereitete ich mich auf die erste Sendung vor, las die Biographien der Kandidatinnen und Kandidaten, ging mit kriminologischem Sachverstand ihren Affäre nach („Hatte Cindy Schindi was mit dem Vize-Bachelor aus Aschersleben?“) und wunderte mich, wie solch ein Sendeformat funktionieren kann.

Um 20:15 schalte ich den Fernseher mit einem kulturpessimistischen Seufzen ein. Meine Mutter ruft an („Jetzt nicht!“), um zu fragen, ob ich „es“ auch sehe. Natürlich, was für eine Frage! „Joah, rein zufällig reingeraten. Mal sehen.“ – „Was ich noch…“ – „Tschüss, Mama!“ Man muss Prioritäten setzen. Schließlich wird gerade das Prozedere des Einzugs erläutert. Und wenn man da wichtige Details verpasst, kann man dem weiteren Verlauf nicht mehr folgen.

Nach und nach ziehen die Kandidaten ein. Auch Pascal Behrenbruch. Der hat Glück: Er würfelt eine Neun. Darf neun Teile mit ins „Haus“ nehmen. „Anziehsachen“. Und so. Ich stelle mir vor, Kant hätte seine „Kritik der Urteilskraft“ in der Sprache von „Promi-BigBrother“-Kandidaten verfasst. Ganz ehrlich: Je länger die Sendung läuft, desto weniger verstehe ich, wie man sich so etwas anschauen kann.

Pünktlich nach Ende der Sendung schalte ich dann auch empört aus. Sehe sie mir dann in der Mediathek noch einmal an, denn: „Kann das wirklich wahr sein?!“ Es ist wahr. Und es ist wirklich Pascal Behrenbruch. Könnte ich jetzt was zu schreiben, bloß: Keine Zeit! Muss mich auf die nächste Folge vorbereiten.

(Josef Bordat)

Wie eine Satire entsteht

Oder auch nicht.

Manchmal hat man es leicht. Dann fliegen einem die lustigen Einfälle nur so in die Tastatur und kurze Zeit später ist sie fertig, die Satire. Pünktlich. Man hat sogar noch Zeit, die gröbsten Fehler zu korre… kurri… zu berichtigen. Doch an manchen Tagen ist das Geschäft des Satirikers ein zähes. Es fällt ihm schlechterdings nichts ein. Zumindest nichts, das lustig ist und sich über 3500 Zeichen strecken lässt. Die Themen liegen zwar auf der Straße, aber nicht immer auf dem Schreibtisch. Da liegt nur ein Notizbuch, in das hinein ich laufend die Ideen meiner Frau schreibe. Oder die besten Schwiegermutterwitze, die mir Schwiegervater erzählt, unter dem Siegel der Verschwiegenheit. Moment – ein Wortspiel? Wäre das was? Nein, nicht, wenn ich mein Niveau halten will, das auch bei 35 Grad Außentemperatur nicht ins Unermessliche sinken soll. Eine U-Bahnfahrt durch Berlin bietet normalerweise hinreichend Stoff für eine Satireband-Trilogie oder ein Kabarettprogramm mit zwei Pausen, nur heute ist irgendwie der Wurm drin. Wo sind die kreativen „Motz“-Verkäufer? Wo die Mutter einer siebenköpfigen Hydra mit französischem Vornamen? Wo der TAZ-Leser, der seinem das Sitzpolster mit einem machetenförmigen Messer malträtierenden Dreijährigen zusäuselt: „Malte-Konstantin – nein! Was haben wir besprochen? Jaha – Du könntest Dich verletzen!“? Wo sind all diese Menschen, wenn man sie mal braucht? Wahrscheinlich im Urlaub. Wäre das ein Thema: Reise, Reiseversicherung, Reiserücktrittsversicherung? Vormerken! Was gibt es Neues von der AfD? Nichts. Wäre vermutlich auch nicht lustig gewesen. Die Zeit bis zur Abgabe verrinnt. Ich habe keine Idee. Nicht die Spur. Ich lese ein wenig umher. Aus dem Sommerloch lugen Meldungen der Art „Klosterbrauereien von Leergutmangel weniger betroffen“. Betroffen. Besoffen. Ha! Endlich! Obwohl: Was heißt „weniger“? Und warum „Leergutmangel“? Gut, Arbeitstitel: „Gefährdet das Duale System Deutschland?“ Da könnte man aber meinen, es geht um Özil. Also: Was anderes. Nur, was? Ich blättere im Notizbuch. Seit Wochen gähnende Leere. Nicht gut. Gar nicht gut. Leergut. Leernichtgut. Leerböse. Es reicht! Mir muss jetzt was einfallen. Wenn nur diese Hitze nicht wäre! Im Arbeitszimmer herrschen Temperaturen wie in der Sauna. Vielleicht so: Bischöfe ziehen sich in Sauna zurück, um zu beraten. Den Aufguss wagen. Blöd. Dann eben was über die Katze unserer Nachbarin, die bereits mehr Impfungen hinter sich hat als manche Anthroposophenfamilie. Aber 3500 Zeichen bekomme ich nur hin, wenn ich Katzens Kosenamen sämtlich aufführe. Und das dürfte wiederum Probleme mit dem Datenschutz bringen. Moment: „Persönlichkeitsrechte für Tiere“. Endlich, herrlich absurd – ein Brüller! Bis ich merke, dass dazu bereits Gesetzentwürfe in den Deutschen Bundestag eingebracht wurden. In meiner Mailbox geben sich spendable nigerianische Geschäftsleute und ehemalige US-Offiziere, die mich heiraten wollen, die Klinke in die Hand. Warum auch nicht? Geld für alle, Ehe für alle, alles für alle. Auch ein Thema. Sicher, aber nicht, wenn man zwar lustig schreiben will, aber nicht um jeden Preis. Ich gebe dem Offizier einen Korb. Er bietet mir drei Millionen. Ich bleibe hart. Der Mann aus Nigeria erhöht auf fünf Millionen. Willkommen auf dem Transfermarkt. Wäre ja auch mal was: Der FC Bayern hat deswegen so viel Geld, weil er als einziger Verein der Bundesliga auf die Mails nigerianischer Geschäftsleute antwortet. Und Lewandowski will weg, weil er Brigadegeneral James McDovell heiraten soll. Es ist heiß heute, hatte ich das schon gesagt? Ich glaube, es hat keinen Sinn. Vielleicht fällt mir ja nächste Woche wieder was ein.

(Josef Bordat)

Und – wer zahlt’s?

Ist das eine Einladung? „Guten Abend, Doktor Borchert!“ Oder zahlt am Ende jeder für sich selbst? „Schön, dass Sie da sind!“ Fragen jagen einander in meinem Kopf. „Einen Aperitif?“ Fragen ohne Antwort. „Wir treffen uns beim Toni“, hieß es. Das kann alles bedeuten. Zumal sich „der Toni“ als italienisches Nobelrestaurant „Antonio“ im Berliner Bezirk Steglitz-Zehlendorf entpuppte, dessen Personal vergessen hatte, die Preisangaben in der Speisenkarte auf Euro umzustellen. Von Lire. „Ähm… im Moment nicht. Vielen Dank!“ Wie lautete die Formulierung in der Mail? Verzweifelt versuche ich mich zu erinnern. „Laden wir Sie ein…“? Sei nicht albern! Warum sollte man mich einladen? „Würden wir uns freuen, Sie begrüßen zu dürfen…“? Ja, so war’s. Na, das hatte man ja jetzt erledigt. Von nun an lief wohl alles auf eigene Gefahr. „Ich empfehle ein ‚Beef mondän mit Sauce Tourmalet’“, flüstert mir eine ältere Dame verschwörerisch zu. An ihren Ohren hängen die Goldreserven der OPEC-Staaten. „Wirklich köstlich“, bestätigt ihr Gatte, während er per Mobiltelefon mehrere englische Erstligaclubs mit neuem Personal versorgte. Wir setzen uns. Die Gespräche drehen sich um Börsentermingeschäfte, die günstigsten Autoversicherungen und Flüchtlinge. „Das werden wir uns bald nicht mehr leisten können, Brellert!“, meint ein junger Mann mit Einstecktuch und Siegelring („ein Erbstück – Graf von Schwollenbach, Ihnen ein Begriff?“) und nickt Richtung Eiskübel, aus dem eine Prosecco-Flasche lugt. „Alles werden die uns nehmen, alles!“ Ob ich schon gewählt habe? „Pasta sine niente“, gebe ich heiser zu Protokoll. Wenn ich meine inneren Organe verpfände, könnte es reichen. „Aber bitte ‚al dente’“, ergänzt von Schwollenbach Junior. Und lacht. „Gut, oder?!“ Sehr gut. So, wie das Tellerchen Spaghetti, das ich kurze Zeit später erhalte. „Ich hatte keinen Zitronentee bestellt!“, poltert ein etwas untersetzter Mitfünfziger als Reaktion auf den nicht hinreichend gekühlten Weißwein. „Eine Unverschämtheit!“ Aber was solle man schon von einem Land erwarten, das uns damals in den Rücken fiel! „Nicht schon wieder diese Geschichte!“ Die stark untersetzte Mitfünfzigerin neben ihm rollt mit den Augen. Kaffee? „Ja!“, „Ja!“, „Si!“ Von Schwollenbach war schon oft in Italien. „Und nicht nur in Südtirol!“ „Und der… Herr?“ Espresso – achtfünfzig. „Nein, Danke. Ich kann dann schlecht… schlafen.“ Ein älterer Herr erhebt sich, schlägt mit einem dafür eigens bereitgestellten Löffelchen aus Rokoko-Koltan an sein Cognacglas, fordert nach etwas weitschweifigen Ausführungen über Börsentermingeschäfte und Autoversicherungen den Rücktritt der Bundeskanzlerin und sagt: „Lassen Sie mich im Anschluss an unsere nette Zusammenkunft Dank sagen dafür, dass Sie unserer Einladung gefolgt sind und heute unsere Gäste waren! Unsere Wege mögen uns bald wieder zusammenführen.“ Einladung. Gäste. Führer. Mist! Ich hätte noch ein Eis bestellen sollen. Mit Sahne.

(Josef Bordat)

Das Problem sind die Migranten. Warum „Spanien“ scheiterte

Das Problem des deutschen Fußballs seien die Migranten. Denen fehle es an Identifikation mit Deutschland. Also brächten sie keine Leistung. Für Deutschland. Normalerweise. Die sechs Halbfinalteilnahmen bei den Welt- und Europameisterschaften der letzten Jahre sind da eher die Ausnahme. Das kann man so sehen, so wie man vieles so sehen kann.

Viel härter trifft es unterdessen Spanien. Da spielen schließlich echte Ausländer mit. Piqué zum Beispiel, der mit einer Kolumbianerin verheiratete Katalane. Mehr Ausländer geht nicht. Und just jener Piqué hebt im Strafraum den Arm zur Abwehr am Kreis. Oder zum Rebound. Block am Netz. Jedenfalls: Völlig falsche Sportart.

Aber: Völlig richtiges Verhalten. Denn: Katalonien will die Unabhängigkeit. Die EU ist da eher wie der deutsche Sturm Anno 2018: zurückhaltend. Letzte Hoffnung – wie so oft im Leben: Putin. Der Mann kann einfach alles: Winterspiele am Sommerbadeort, Fußball, Arbeitsplätze schaffen. Sogar in der Ukraine und für Nordkoreaner! Warum also sollte er nicht auch für die katalanische Sache „etwas tun“ können?

Na, merken Sie was? Genau! Wie sonst hätte Russland das große Spanien besiegen können? Das wäre ja so, als ob Deutschland gegen Südkorea verliert. Naja. Auch das war für den guten Zweck. Für den Frieden. Oder die Neue Weltordnung im Fußball. Wer weiß das schon so genau. Es reicht zu wissen: Das Problem sind die Migranten. Oder, auf deutsch: die Ausländer.

(Josef Bordat)