Katalonien feiert Sant Jordi

Am 23. April kombinieren die Katalanen den Georgstag mit dem „Tag des Buches“. Am Ende hat jeder ein Geschenk.

Sant Jordi (Georg), ein Märtyrer aus dem 3. Jahrhundert, ist vor allem durch die Legende vom Drachenkampf bekannt, wie sie in der Georgsdichtung seit dem 12. Jahrhundert in unterschiedlichen Varianten erzählt wird. In einem See vor der Stadt Silena hauste – so die Legende – ein Drachen, der die Stadt mit seinem Gifthauch verpestete. Die Einwohner Silenas mussten ihm täglich Lämmer opfern, um ihn milde zu stimmen. Als es keine Tiere mehr gab, wurden Kinder geopfert. Eines Tages war die Prinzessin an der Reihe. Nach einem bewegenden Abschied von den Eltern ging sie an den See. Da erschien Georg. Als der Drache auftauchte, durchbohrte ihn Georg mit seiner Lanze und rettete der Prinzessin das Leben. Aus Dankbarkeit ließ sich der König mit seinem Volk taufen.

Da ist er noch quicklebendig – der Drache. Foto: JoBo, 4-2010.

Die Geschichte vom Drachentöter Georg, der zu den Vierzehn Nothelfern zählt, faszinierte das mittelalterliche Europa. Zahlreiche Könige und Fürsten erhoben Georg zum Schutzpatron ihrer Länder, England zum Beispiel, oder auch Katalonien. Dort feiert man Sant Jordi jedes Jahr auf besondere Weise: die Damen erhalten von den Herren eine Rose, die Herren – weil zugleich „Tag des Buches“ ist – im Gegenzug ein Buch. Die Kinder malen oder basteln Drachen und singen Sant Jordi-Lieder, in denen der heldenhafte Kampf detailreich thematisiert wird.

Auf den Ramblas präsentieren sich – neben Rosenverkäufern und Buchhändlern – die unterschiedlichsten Initiativen, unter anderen „Greenpeace“, für die sicherlich „Gifthauch“ und „verpestet“ die entscheidenden Stichwörter sind. Am Stand der spanischen Blindenorganisation ONCE erhält man wertvolle Informationen zur Braille-Schrift. Auf diversen Bühnen gibt es Musik und Lesungen. Überall Rosen, Bücher – und Drachen. Sant Jordi, der einer anderen Legende nach dreimal starb und dreimal ins Leben zurückkehrte, lebt in Barcelona weiter.

(Josef Bordat)

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Gehorsam und Gewissen

„Du sollst Gott mehr gehorchen als den Menschen“ (Apg 5, 29).

Die heutige Lesung stellt uns das Grundprinzip christlichen Gewissensgebrauchs vor Augen: Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen. Die Jünger stehen vor der herrschenden religiösen Obrigkeit, weil sie deren Anordnungen missachteten – zugunsten der Anweisungen von „höherer Stelle“, von Gott. Sie rechtfertigen sich mit dem unbedingten Mandat Gottes, der sie zu Zeugen seiner Herrlichkeit gemacht hat.

Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen – das ist nicht die trotzige Reaktion von Querulanten, die sich wichtig tun, sondern eine zentrale Einsicht der jungen christlichen Gemeinde, eine Einsicht, die Mut machen soll, treu im Glauben zu stehen und die Verfolgungssituation zu ertragen, die sich in den ersten drei Jahrhunderten einstellte, überall dort, wo Christen lebten.

Für uns heutige Christen sollte dies ein Motiv sein, unseren Glauben mutig zu bekennen, trotz neuerlicher Verfolgung:Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen. Das ist sicher leichter gesagt als getan, doch führt letztlich kein Weg am Gehorsam gegen Gott vorbei. Denn es ist für den Christen der Gehorsam gegen das Gewissen, gegen das Innerste, Tiefste, Heiligste.

Umgekehrt gilt: Wer als Christ dem Menschen mehr gehorcht als Gott, mag sein Ansehen in einer gottlosen Gesellschaft aufpolieren oder gar seine Existenz retten – glücklich kann er im Leben nicht mehr werden.

(Josef Bordat)

Viermal Petrus Martyr

Wie reich ist doch unsere zweitausendjährige Kirchengeschichte. Das stelle ich immer wieder fest, wenn ich mich mit einem historischen Thema oder einer wichtigen Person der Geschichte befasse. So wie heute, als ich mich über den Tagesheiligen Petrus Martyr zu informieren begann.

Der Dominikaner aus dem 13. Jahrhundert ist nämlich nicht der einzige „Petrus Martyr“ in der Geschichte der Kirche. Vor dem Tagesheiligen, der auch Petrus von Verona genannt wird, gab es schon einen Petrus Martyr, nämlich den Heiligen aus dem dritten Jahrhundert, den Gefährten des Marcellinus, und zwei danach: Petrus Martyr von Anghiera (1457–1526), Geschichtsschreiber, Botschafter und Kirchenmann (Prior des Domkapitels in Granada, päpstlicher Protonotar, designierter Bischof von Jamaika), sowie den Theologen Peter Martyr Vermigli (1499–1562).

Über jeden einzelnen dieser vier ließe sich eine Menge sagen. Sie zeigen insgesamt das Spektrum an Einsatzgebieten engagierter Katholiken: Verkündigung, Diplomatie, Glaubenslehre. Sie vertreten mit ihrem Wirken die Vielfalt der Kirche – weit über ihre Zeit hinaus. Und sie tragen im Namen, was die Katholische Kirche in ihrer zweitausendjährigen Geschichte erhalten hat: nicht Macht, sondern Martyrium.

(Josef Bordat)

Josef

Josef, der Verlobte Marias, ist ein Mann aus gutem Hause, aus sehr gutem sogar: aus dem Haus Davids, dem Königshaus. Seine Verlobte Maria ist ein einfaches Mädchen. Doch sie wird künftig die Hauptrolle spielen, er die Nebenrolle. In einem Film, dessen Handlung er nicht immer wird nachvollziehen können, zu groß ist das Geheimnis, zu großartig, was mit Maria geschieht.

Und das geht gleich schon mal mit einem Paukenschlag los: Maria ist schwanger. Die Erklärung für Marias Schwangerschaft ist unplausibel, widerspricht dem gesunden Menschenverstand: das Wirken des Heiligen Geistes. Wer hätte es Josef angesichts dessen übel nehmen wollen, wenn er die Sache ausgeschlachtet und Maria mit ihrer Geschichte ins Lichte der Öffentlichkeit gezerrt hätte, der vermeintlichen Wahrheit willen.

Doch das Unplausible ist wahr. Und Gottes Wirken übersteigt den Verstand des Menschen, so gesund jener auch sein mag. Vielleicht hat Josef das geahnt, vielleicht auch nicht. Fest steht: Josef ist kein Mann des Skandals. Er macht kein Fass auf. Er beschließt zu gehen, in aller Stille. Denn er will Maria nicht bloßstellen. Josef passt damit so gar nicht in unsere Zeit, in der keine Chance verpasst wird, Menschen bloßzustellen. Die Bloßstellung ist unser Kerngeschäft. Die Stille hat keine Chance.

Dabei ist sie nötig, damit Gott sein Wort sprechen kann. Hier ist es ein Engel im Traum, im Schlaf, im Inbegriff der Ruhe und Entspannung, durch den Gott spricht: „Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht“. Auch wenn es die Grenzen seiner Vernunft übersteigt: Josef vertraut Gott. Und er will auch Maria vertrauen. Als er wieder bei vollem Bewusstsein ist, schüttelt er sich nicht etwa und sagt: „Was für ein Traum!“, sondern hält fest an dem, was zu ihm gesagt, was ihm zugesagt wurde. Josef setzt sogleich um, was er als Gottes Willen erkannt hat. Er nimmt Maria zu sich.

Glauben heißt nicht nur Für-wahr-halten, auch wenn Wahrheit im Glauben eine gewichtige Rolle spielt. Glauben heißt in erster Linie Vertrauen. Auch uns will Gott ansprechen, auch uns sagt er: Fürchte Dich nicht! Durch Engel, durch andere Menschen, durch Erfahrungen, die wir machen. Oft überhören wir es, oft geht es im Lärm der Geschäftigkeit unter. Wenn es mal durchdringt, wird es häufig von unseren misstrauischen Gedanken zunichte gemacht.

Gottvertrauen ist keine Leichtgläubigkeit; das Leichte drängt sich ohnehin auf. Auf Gottes Stimme zu hören und Gottes Willen zu tun, das ist das angemessene Vertrauen des Christen. Josef hat vorgemacht, wie das geht. Er spielt deswegen die wichtigste Nebenrolle, die je ein Mensch hat spielen dürfen.

(Josef Bordat)