Der heilige Josef. Eine Betrachtung

Manuskript zum Radio-Beitrag Der heilige Josef – demütiger Schutzherr der Kirche.

Josef, Mann Mariens und Ziehvater Jesu, ist ein Mann aus gutem Hause, aus sehr gutem sogar: dem Haus Davids, dem Königshaus. Maria ist ein einfaches Mädchen. Doch sie wird die Hauptrolle spielen, er die Nebenrolle. Josef bleibt im Hintergrund, denn es geht nicht um ihn. Das weiß er. Mutter und Kind stehen im Mittelpunkt. Für diese seine Nebenrolle braucht es Demut, zumal in einer Männer-Gesellschaft, die Frauen und Kinder nicht als gleichberechtigt ansieht. Doch Josef ist anders: Er ist ein treuer, sorgender und demütiger Ehemann. Mit Bravour spielt er die ihm zugedachte Rolle im Film seines Lebens, dessen Handlung er nicht immer nachvollziehen kann, zu groß ist das Geheimnis, zu großartig das, was mit Maria geschieht. Aber er wähnt sich nie im falschen Film. Er weiß, dass alles, was geschieht, geschehen muss, weil es zur Ehre Gottes geschieht. Da macht er mit. Denn er liebt Maria. Und er liebt Gott. Das zählt.

Der Heilige Josef
Der Heilige Josef. Ausschnitt einer Krippendarstellung in der Kirche Gesú Nuovo, Napoli (Neapel). JoBo: 11-2018.

Josef ist ein Mann der Besonnenheit. Die Erklärung für Marias Schwangerschaft ist unplausibel, widerspricht dem gesunden Menschenverstand. Wer sollte es Josef angesichts dessen übel nehmen, wenn er die Sache ausschlachtet und Maria mit ihrer Geschichte ins Lichte der Öffentlichkeit zerrt, der vermeintlichen Wahrheit willen. Doch das Unplausible ist wahr: Denn Gottes Wirken übersteigt den Verstand des Menschen, so gesund er auch sein mag. Vielleicht hat Josef das geahnt, vielleicht auch nicht. Fest steht: Josef ist kein Mann des Skandals. Er macht kein Fass auf. Er geht, in aller Stille. Denn er will nicht bloßstellen. Josef passt damit so gar nicht in unsere Zeit, in der keine Chance verpasst wird, Menschen bloßzustellen. Die Bloßstellung ist das Kerngeschäft der Medien. Die Stille hat keine Chance.

Josef macht sich Gedanken. Seine Gedanken. Mitten in die menschliche (allzu menschliche!) Reflexion hinein spricht Gott sein Wort: Scheue Dich nicht! Auch wenn es die Grenzen seiner Vernunft übersteigt: Josef vertraut Gott, der durch einen Engel im Traum zu ihm kommt. Er will auch Maria vertrauen. Josef setzt um, was er als Gottes Willen erkannt hat und nimmt Maria zu sich. Denn Josef glaubt. Und Glauben heißt nicht nur „Für-wahr-halten“, auch wenn Wahrheit im Glauben eine gewichtige Rolle spielt. Glauben heißt in erster Linie „Vertrauen“. Auch uns will Gott ansprechen, auch uns sagt er: Scheue Dich nicht! Oft überhören wir es, oft geht es im Lärm der Geschäftigkeit unter. Wenn es mal durchdringt, wird es häufig von unseren misstrauischen Gedanken zunichte gemacht. Gottvertrauen ist dabei keine Leichtgläubigkeit; das Leichte drängt sich ohnehin auf. Auf Gottes Stimme zu hören und Gottes Willen zu tun, das ist das angemessene Vertrauen des Christen. Josef hat es vorgemacht.

Josef ist ein guter Staatsbürger. Er erfüllt seine Pflicht, auch wenn das bedeutet, weite Wege zu gehen. Er gibt dem Kaiser, was des Kaisers ist. Vor allem aber gibt Josef in seinem Gehorsam Gott, was Gottes ist. Denn es ist Teil des großen Heilsplans, dass Gott das junge Paar auf die beschwerliche Reise schickt. So wird die Heilige Familie vorbereitet auf eine noch beschwerlichere Reise, auf eine lange Phase der Flucht gen Westen. Als Migranten in Ägypten tragen sie das Wort aus dem Territorium Alt-Israels hinaus, noch bevor es das jüdische Volk zu hören bekommt. Es wird gleich klar: Jesus ist für die ganze Welt bestimmt, seine Botschaft gilt allen Menschen. Grenzenlos. Josefs Gehorsam darf nicht mit blinder Obrigkeitshörigkeit verwechselt werden. Auch Josef gehorcht Gott mehr als den Menschen, als er Maria annimmt, gegen das Gesetz seiner Herkunftskultur und das Gerede der Nachbarn. Und mit Maria nimmt er Jesus auf und bildet mit ihr die erste christliche Gemeinde.

Josef ist ein Mann der Tat, kein Mann großer Worte – in der Bibel ist kein einziges Wort aus seinem Mund überliefert. Im Gegensatz zu einigen Propheten hadert und feilscht er nicht mit Gott. Gott hat es leicht mit ihm. Josefs Aufgabe besteht darin, in entschlossener Tatkraft die Verantwortung für das Wort Gottes und für die Frau, die es in die Welt brachte, wahrzunehmen. Das macht ihn zum Mitwirkenden im Heilsplan Gottes. Tätig Verantwortung zu übernehmen, ohne große Worte – das ist das Gebot der Stunde. Damals, als das Leben von Mutter und Kind bedroht ist. Heute, da viele Menschen Not leiden. Wie Josef müssen wir etwas tun, damit Erlösung kein Traum bleibt.

Josef ist ein fleißiger Arbeiter, ein „ehrlicher Malocher“. Die Evangelien nennen seinen Beruf „Tekton“, die Einheitsübersetzung macht daraus den „Zimmermann“. Doch die Tätigkeit des „Tekton“ war nicht auf die Holzverarbeitung beschränkt, sondern umfasste auch andere Gewerke auf dem „Bau“. Und der „Bau“ war (und ist) Inbegriff des harten, rauen Gewerbes. Zugleich wird die Bau-Metapher weit über die Konstruktion von Häusern hinaus auf Versuche angewendet, neue Formen des Zusammenseins und neue Arten der Beziehung von Menschen zu schaffen – „Vertrauen aufbauen“, auch das ist harte Arbeit, auch dafür braucht es Fleiß. Josef baut fleißig Häuser. Zugleich baut er, ebenso fleißig, am Erlösungswerk Gottes. Beide „Bauarbeiten“ verrichtet er beharrlich, ohne dabei auf den Lohn oder die Reputation zu achten. Er ist mit dieser Bescheidenheit ein Vorbild. Gerade auch für den modernen Christen, der oft dazu neigt, sein Ansehen aufzupolieren, statt für Gott, für die Kirche zu arbeiten. Schlicht und einfach. So wie Josef.

(Josef Bordat)

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Patrick von Irland

Denn es gibt keinen anderen Gott, noch gab es oder wird es jemals einen anderen Gott geben, als Gott den Vater. Er ist ewig und ohne Anfang. Von ihm nimmt alles seinen Anfang. Alles hält er in Händen. So ward es uns gelehrt. Und wir bezeugen, dass auch sein Sohn, Jesus Christus, immer schon war, vor dem Beginn aller Zeit und auf geistige Weise beim Vater, der ihn vor allem Anfang auf nicht beschreibliche Weise hervorgebracht hat. Durch ihn wurde alles sichtbare und unsichtbare geschaffen. Er ward Mensch und bezwang den Tod. Er wurde in den Himmel aufgenommen, an der Seite des Vaters. Der verlieh ihm alle Macht über die Geschöpfe des Himmels, der Erde und der Hölle. Jede Zunge spreche sein Lob aus, denn Jesus Christ ist unser Herr und Gott.

Patrick von Irland

Dreimal Don Bosco

Heute gedenkt die Kirche des Heiligen Giovanni Melchiorre Bosco, kurz: „Don Bosco“, Gründer der „Frommen Gesellschaft vom heiligen Franz von Sales“ (Salesianer) und Erneuerer des Bildungswesens in Italien und später auch in Südamerika.

Bekannt wurde er auch durch seine lebensnahen, ermutigenden und frohen Gedanken.

Drei Beispiele:

„Steht mit den Füßen auf der Erde und wohnt mit dem Herzen im Himmel.“

„Nur Mut und immer wieder Mut! Wir sollen nie müde werden, Gutes zu tun, denn Gott ist mit uns.“

„Dem fröhlichen Menschen hilft Gott, und der Teufel hat Angst vor fröhlichen Menschen.“

Der Heilige Johannes Bosco ist damit ein zeitgemäßes Vorbild im Glauben, denn daran mangelt es uns heute allzu oft in den Gemeinden: an Lebensbezug, an Mut und an Freude.

(Josef Bordat)

Der Heilige Thomas von Aquin

Im Dominikanerkloster von Neapel kann man die Zelle Thomas von Aquins besichtigen, in der er während seiner Zeit in der Stadt am Fuße des Vesuv gelebt und gearbeitet hat.

Thomas von Aquin-1
Hinter dieser Tür hat Thomas von Aquin gelebt. Foto: JoBo, 11-2018.
Und zwar zwischen 1272 und 1274, also in den letzten Lebensjahren. Foto: JoBo, 11-2018.

Es ist die nächstgelegene zur alten Klosterkapelle, in der heute selbst eine kleine Kapelle eingerichtet ist.

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In der Zelle steht heute dieses Reliquiar des Heiligen. Foto: JoBo, 11-2018.

Die Lage der Zelle ist Zeichen seiner Frömmigkeit, aber auch der Rücksichtnahme auf den nicht gerade sportlichen Ordensmann, Kirchenlehrer und Heiligen, dessen die Katholische Kirche heute gedenkt.

(Josef Bordat)

Silvester

Morgen gedenkt die Kirche des Heiligen Silvester I., ein Papst, dessen Amtszeit (314-335) in eine weltgeschichtliche Umbruchsphase fällt. 313 hatte der römische Kaiser Konstantin in der Erklärung von Mailand Religionsfreiheit garantiert und damit das Christentum, das sich überall im Reich ausgebreitet hatte, offiziell anerkannt, ehe dann am Ende des 4. Jahrhunderts unter Kaiser Theodosius das Christentum zur Staatsreligion erhoben wurde und aus der über viele Gemeinden des Reiches verstreuten Kirche eine einheitliche „Reichskirche“ entstand. Über das Leben und Wirken Silvesters ist sonst nur sehr wenig bekannt; es fehlt jeder schriftliche Nachlass.

Papst Silvester I. starb am 31. Dezember 335. Sein Leichnam wurde in der Priscillakatakombe an der Via Salaria Nova in Rom beigesetzt. Silvester wurde 813 in den Kirchenkalender aufgenommen. In der sakralen Kunst wird er mit Attributen und in Situationen dargestellt, die der Legende entnommen sind, etwa mit Buch und Tiara als vom Kaiser verliehenem Ehrenzeichen, mit dem wiederbelebten Stier und dem gebundenen Drachen, bei der Taufe Konstantins, bei der Beisetzung der Petrusreliquien oder auch bei der Verehrung des von Helena, der Mutter Konstantins, aufgefundenen Kreuzes. Silvester ist Patron der Haustiere, für eine gute Futterernte und selbstverständlich für ein gutes neues Jahr.

(Josef Bordat)

Johannes, der Evangelist

Heute feiert die Kirche den Apostel der Liebe und der Demut: Johannes. Er ist der „Jünger, den Jesus liebte“ und der, der am leeren Grab dem Petrus den Vortritt lässt, obwohl er als Erster da ist. Johannes war nicht nur einer der Apostel Christi, sondern der Überlieferung nach auch Verfasser des Johannesevangeliums, der Johannesbriefe und der Offenbarung des Johannes – zentrale und bedeutende Schriften des Neuen Testaments. Über das Leben des Johannes ist sehr wenig bekannt. Fest steht: Er ist der einzige der Apostel, der nicht als Märtyrer starb (die liturgische Farbe heute ist weiß), sondern noch in hohem Lebensalter Texte verfasste.

Johannes gilt als der Mystiker unter den Evangelisten, sein Symbol ist der Adler, der über den Dingen schwebt. Er beginnt seine Deutung des Auftretens Jesu mit dem berühmten Satz „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott“. Was mit dem Eingangsvers gemeint sein könnte, darüber gibt es viele Meinungen. Eine Deutung bezieht sich darauf, dass sich eine Information schöpferisch ausdrückt – wie ein Wort. Diese Information kommt von Gott und ist zugleich Gott. Gott schafft aus sich selbst heraus die Welt und setzt einen Anfang von Raum und Zeit. Damit bleibt Gott in der Schöpfung und mit ihr verbunden.

Die Legenda aurea berichtet, Johannes habe mal unbeschadet einen Becher mit vergiftetem Wein getrunken, nachdem er diesen gesegnet hatte. Auf dieser Erzählung fußt der Brauch, am heutigen Festtag des Apostels und Evangelisten Johannes Wein zu segnen. Die Segnung des Weins geschieht, um die körperliche und seelische Gesundheit desjenigen, der davon trinkt, zu stärken und in ihm das Bewusstsein für die Liebe zu Gott und zum Nächsten wachzuhalten. Denn das war der Grund, weshalb der Heilige Johannes der Legenda aurea zufolge den vergifteten Wein getrunken hat: einen Götzendiener zu bekehren und mit der Liebe Gottes bekannt zu machen.

(Josef Bordat)

Christus und Stephanus

Der Diakon Stephanus wird von der Kirche als erster Märtyrer der Christenheit verehrt. Viele sind ihm seither gefolgt.

Die Kirche stellt dem Geburtsfest des Messias am Tag danach den Tod des ersten Märtyrers gegenüber. Was wie ein dramaturgischer Kontrast erscheint (Geburt und Sterben, Leben und Tod), ist im Grunde genommen das Bezugsverhältnis von Urbild und Spiegelbild: Christus und Stephanus (sowie alle anderen Märtyrer der Kirchengeschichte) bilden die beiden Seiten der Glaubensmedaille.

Die Kirche zeigt mit dem Heiligen Stephanus, was mit Menschen passieren kann, wenn sie zum Kind in der Krippe halten: Sie ernten manchmal Unverständnis und Ablehnung, sogar Hass, der sich in Gewalt entlädt. Damit folgen sie dem Kind, das als Erwachsener selbst zum Opfer mangelnder spiritueller Reife der Menschen in seiner Umgebung wird, Opfer ihres erstaunlichen Unwillen, das Andersartige auch nur zu tolerieren, und ihres beharrlichen Unvermögens, dessen Güte und Wahrheit einzugestehen.

(Josef Bordat)