Giuseppe Moscati

Heute feiert Neapel den jüngsten Heiligen der Stadt: Giuseppe Moscati (1880-1927).

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Porträt des Heiligen Giuseppe Moscati in der Ausstellung zu seinem Leben und Werk in der Kirche Gesù Nuovo. Foto: JoBo, 11-2018.

Nach einer Prozession durch die Altstadt werden die Reliquien zur Vorabendmesse des heutigen Festtags unter großer Anteilnahme der Gläubigen in die Jesuitenkirche Gesù Nuovo getragen.

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Die Reliquien des Heiligen Giuseppe Moscati werden in die Kirche Gesù Nuovo getragen. Foto: JoBo, 11-2018.

Papstes Johannes Paul II. hat den Heiligen Giuseppe Moscati bei der Heiligsprechung 1987 wie folgt charakterisiert: „Der Mann, den wir als Heiligen der Weltkirche seit heute anrufen werden, erscheint uns als eine tatsächliche Verwirklichung vom Ideal des christlichen Laien. Joseph Moscati, Chefarzt, ausgezeichneter Forscher, Universitätslehrer für Humanphysiologie und physische Chemie, erlebte seine vielseitigen Aufgaben mit dem Fleiß und Ernst, die für die Ausübung dieser schwierigen weltlichen Berufe notwendig sind. Von diesem Standpunkt aus ist Moscati als Vorbild nicht nur zu bewundern, sondern, besonders vom Sanitätspersonal, auch nachzuahmen. Er ist Vorbild selbst für die Menschen, die seinen Glauben nicht billigen.“

Der Heilige Giuseppe Moscati hat viel über seine Arbeit reflektiert und seine Aufgaben als Arzt und Naturwissenschaftler immer vor dem Hintergrund seines christlichen Glauben zu erfüllen versucht. So meinte Moscati, inmitten der Aufbruchstimmung einer technologiebegeisterten Moderne, nicht die Wissenschaft, sondern die Liebe bringe den Fortschritt.

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Schlafzimmer des Heiligen – an der Wand ein kleines Bild der Therese von Lisieux, die er sehr verehrte – mit Blick ins Arbeitszimmer (links). Foto: JoBo, 11-2018.

Als Mediziner arbeitete er im umfänglichsten Sinne ganzheitlich: „Man darf den Schmerz nicht als Zuckung oder Muskelkontraktion behandeln, sondern als den Schrei einer Seele, zu der ein anderer Bruder mit dem Feuer der Liebe, der Barmherzigkeit, eilt.“

(Josef Bordat)

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Der Heilige Martin von Tours

Als Martin den Bettler trifft und dessen Not sieht, sagt er nicht:

„Wenn doch nur die Mäntel gerechter verteilt wären! Dann gäbe es auch keine frierenden Bettler!“

„Die gesellschaftlichen Verhältnisse, die Dich, armer Bettler, frieren lassen, müssen geändert werden, notfalls auch mit Gewalt!“

„Was soll ich Dir helfen, Bettler? Ich habe doch selbst nur einen Mantel!“

„Wenn ich Dir helfe und den anderen Bettlern nicht – wäre das nicht ungerecht?! Ich möchte alle gleich behandeln. Also helfe ich am besten keinem.“

„Ich zahle Steuern. Das muss reichen!“

„Ein Skandal, dass Du frieren musst, lieber Bettler! Ich werde mich, sobald ich in meiner warmen Hütte bin, hinsetzen und einen Beitrag in mein Tagebuch schreiben. Arbeitstitel: ,Kirche lässt Bettler erfrieren!‘ Gut, nicht wahr?!“

„Als römischer Soldat möchte ich mich nicht einmischen in die persönlichen Belange der Angehörigen okkupierter Gebiete. Frieren ist Privatsache!“

„Ja, so ist das: Das Römische Reich ist in der Krise. Die warmen Jahre sind vorbei. Wir müssen alle Opfer bringen!“

„Keine Sorge, Bettler! Bald wird der wissenschaftlich-technische Fortschritt Heizungen hervorbringen! Dann wird es kein Frieren mehr geben – glaub mir: Das wird großartig! Solange musst Du leider noch durchhalten – Niemand bedauert das mehr als ich, denn ich tu doch wirklich nichts lieber als Leid beseitigen. Kopf hoch, Bettler! Du schaffst das!“

Martin sagt gar nichts. Er stellt keine Fragen und macht keine Vorwürfe. Er gibt keine billigen Tipps und keine klugen Ratschläge. Martin teilt seinen Mantel. Einfach so.

(Josef Bordat)

San Martín de Porres

Am Donnerstag haben wir Allerheiligen gefeiert. Und dabei ganz unterschiedlicher Menschen gedacht, die auf ganz unterschiedliche Weise die Brücke zwischen Welt und Gott geschlagen haben. Wir haben vielleicht an unseren Namenspatron gedacht oder an die bekannten Heiligen der nächsten Wochen. An Martin von Tours zum Beispiel.

Es gibt auch viele weniger bekannte Heilige, die es genauer zu betrachten lohnt. Einer von ihnen ist der heutige Tagesheilige Martin von Porres.

San Martín de Porres wird in Peru landesweit verehrt. In vielen Kirchen steht der dunkelhäutige Heilige mit seinem ikonographischen Attribut – dem Besen. Hierzulande ist er eher unbekannt. Das ist schade, denn sein Wirken ist ein gutes Beispiel für Heiligkeit – Demut, Askese und tätige Nächstenliebe ergänzen sich zu einem christlichen Leben, gegen Widerstände des Zeitgeistes.

Darüber habe ich Anfang des Jahres anlässlich des Besuchs von Papst Franziskus in Peru etwas für die „Tagespost“ geschrieben („Bordats Blog“). Und demnächst gibt es einen kurzen Film auf EWTN, in dem ich San Martín de Porres vorstelle.

(Josef Bordat)

Allerheiligen. Die Bedeutung der Heiligen

Die Kirche gedenkt heute aller ihrer Heiligen. Heilige sind keine menschlichen Halb-Götter, sondern ganzheitliche Vorbilder für den Menschen auf dem Weg zu Gott.

Die tiefe Bedeutung der Heiligen liegt darin, dass mit dem lebendigen Glauben der Toten der tote Glaube der Lebenden erneuert wird.

Es ist gut, dass wir einmal im Jahr an all diese Menschen denken, die bereit waren, auch unter den größten Schwierigkeiten, Gottes Willen zu tun und damit dem Menschen zu dienen.

(Josef Bordat)

Sieben Heilige

Paul VI., Oscar Romero, Nunzio Sulprizio, Francesco Spinelli, Vincenzo Romano, Maria Katharina Kasper und Nazaria March Mesa wurden heute von Papst Franziskus heiliggesprochen.

In seiner Predigt stellte Franziskus den Vorbildcharakter der Heiligen heraus: „Heute lädt uns Jesus ein, zu den Quellen der Freude zurückzukehren: zur Begegnung mit ihm, zu einer mutigen und risikofreudigen Entscheidung, um ihm nachzufolgen, zum Gefallen daran, etwas aufzugeben, um seinen Weg einzuschlagen. Die Heiligen sind diesen Weg gegangen.“

Wie dieser Weg im Fall von Maria Katharina Kasper, Gründerin der „Dernbacher Schwestern“, aussah, davon handelt ein Beitrag in der aktuellen Ausgabe der Tagespost.

(Josef Bordat)

Lichtgestalt Lichtenberg

Eine Lichtgestalt in Szene gesetzt, beim Berliner Festival of Lights: Bernhard Lichtenberg.

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Bernhard Lichtenberg an der Fassade der St. Hedwigskathedrale. Foto: JoBo, 10-2018.

Eine Ausstellung hat sich im September dem Leben und Glaubenszeugnis Bernhard Lichtenbergs gewidmet. Am 30. Oktober lädt der Maximilian-Kaller-Kreis zu einem Vortrag über Bernhard Lichtenberg mit Dr. Gotthard Klein ein, dem Leiter des Diözesanarchivs und Diözesanpostulator des Heiligsprechungsprozesses.

(Josef Bordat)

„Hast du, habe ich nur so lange das Recht zu leben, solange wir produktiv sind?“

Clemens August Graf von Galen und sein Kampf gegen das „Euthanasie“-Programm der Nationalsozialisten („Aktion T 4“). – Grußwort anlässlich der Eröffnung der Ausstellung „Töten aus Überzeugung“ zur „Aktion T 4“ am 4. Oktober 2018, 15 Uhr im Caritas-Seniorenwohnhaus „Kardinal von Galen“ in der Goltzstraße 26, 10781 Berlin-Schöneberg.

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich bin gebeten worden, einige Worte zu Clemens August Graf von Galen zu sagen, vor allem zu seiner Rolle im Widerstand gegen die „Aktion T 4“, der diese Ausstellung gewidmet ist. Die „Aktion T 4“ bezeichnet das zynisch „Euthanasie“ genannte Programm zur Vernichtung von etwa 300.000 chronisch kranken und behinderten Menschen, das in der Berliner Tiergartenstraße 4 geplant wurde, daher „T 4“. Gegen dieses menschenverachtende Programm erhob Clemens August Graf von Galen als Bischof von Münster 1941 seine Stimme. In drei wirkmächtigen Predigten mobilisierte er die westfälischen Katholiken.

Der 1878 in Oldenburg geborene und 1904 in Münster zum Priester geweihte Clemens August Graf von Galen war von 1919 bis 1929 als Pfarrer in der Gemeinde Sankt Matthias (Berlin-Schöneberg) tätig. 1933 wurde er zum Bischof von Münster geweiht und 1946 in den Kardinalsstand erhoben, einen Monat vor seinem Tod. Die Aufnahme ins Kardinalskollegium geschah aus Dankbarkeit und als Anerkennung für seine unerschrockene Haltung in der Zeit des Nationalsozialismus. Am 9. Oktober 2005 wurde er von Papst Benedikt XVI. Seliggesprochen. Dass wir also hier und heute an Kardinal von Galen erinnern hat drei Gründe: Er wirkte hier in Sankt Matthias, er wurde vor 13 Jahren seliggesprochen und – das Entscheidende – er hat sich gegen all das gewandt, wovon diese Ausstellung handelt.

Am Tag seiner Bischofsweihe waren die Nazis schon ein halbes Jahr an der Macht, die ersten Konzentrationslager bereits in Betrieb. Das KZ Dachau zum Beispiel. Von Galen wählte als Wahlspruch das Wort Nec laudibus nec timore – „Weder durch Lob noch durch Furcht“. Das ist durchaus programmatisch für den westfälischen Hirten, der sich im Sommer 1941 (am 13. und 20. Juli sowie am 3. August) in drei Predigten gegen die „Aktion T 4“ wandte, was ihm den Beinamen „Löwe von Münster“ eintrug.

In seiner Predigt vom 3. August 1941 kritisiert er die Auffassung der Nazis, man dürfe „lebensunwertes Leben“ töten, weil es unproduktiv sei, wie eine alte Maschine oder ein lahmes Pferd. Der Schrecken über diese Gleichsetzung lässt ihn furchtlos die folgenden unmissverständlichen und darum wirkmächtigen Worte sagen: „Nein, ich will den Vergleich nicht bis zu Ende führen –, so furchtbar seine Berechtigung ist und seine Leuchtkraft! Es handelt sich hier ja nicht um Maschinen, es handelt sich nicht um ein Pferd oder eine Kuh. Nein, hier handelt es sich um Menschen, unsere Mitmenschen, unsere Brüder und Schwestern! Arme Menschen, kranke Menschen, unproduktive Menschen meinetwegen! Aber haben sie damit das Recht auf das Leben verwirkt? Hast du, habe ich nur so lange das Recht zu leben, solange wir produktiv sind, solange wir von den anderen als produktiv anerkannt werden?“

Diese Worte sorgten für Unruhe unter denen, die sie hörten. Sie rüttelten an ihrem Gewissen, sie appellierten an ihre Nächstenliebe. Große Betroffenheit löste Clemens August Graf von Galen mit folgendem Satz aus: „Wenn man den Grundsatz aufstellt und anwendet, dass man den ‚unproduktiven‘ Menschen töten darf, dann wehe uns allen, wenn wir alt und altersschwach werden“. Die Gläubigen verbreiteten die Predigttexte ihres Hirten und schafften damit eine Gegenöffentlichkeit.

Und die Predigten bzw. ihre Verbreitung zeigten Wirkung: Das NS-Regime, das schon ahnte, ein „Euthanasie“-Programm werde in der Bevölkerung nicht besonders populär sein und das deswegen versuchte, die „Aktion T 4“ geheim zu halten, knickte wenig später ein. Bereits am 24. August 1941 – nur drei Wochen nach der dritten Predigt von Galens in St. Lamberti – gab Hitler Anweisung, die „Aktion T 4“ auszusetzen.

Der Historiker Winfried Süß schreibt dazu: „Die kirchlichen Proteste machten Hitler dreierlei deutlich: Erstens demonstrierten sie, dass der sorgsam über die Krankenmorde gelegte Geheimhaltungsschleier irreparabel zerrissen war. Zweitens ließen sie weiteren Widerstand der Kirchen befürchten. Und drittens machten sie deutlich, dass die ,Euthanasieʻ in erheblichen Teilen der Bevölkerung nicht konsensfähig war. So gesehen ist Hitlers Abbruchentscheidung weniger überraschend, als sie auf den ersten Blick scheint.“

Für diese Abbruchentscheidung spielte neben der breiten Rezeption der Predigten von Galens unter den Katholiken auch der Protest von Vertretern der Bekennenden Kirche eine Rolle. Das war also durchaus ein ökumenischer Widerstand. Die „Aktion T4“ wurde insgesamt ein Jahr lang ausgesetzt und dann weniger vehement weiterverfolgt.

Clemens August Graf von Galen sollte für diese Störung des Vernichtungsbetriebs getötet werden – „auf Heller und Pfennig“ wolle man mit ihm abrechnen. Aus Furcht vor noch größerer Unruhe unter den Katholiken im Rheinland und in Westfalen beschloss Reichspropagandaminister Joseph Goebbels jedoch, diese Abrechnung auf die Zeit „nach dem Endsieg“ zu verschieben. Doch dazu kam es nicht – nicht zum „Endsieg“ und nicht zur Abrechnung mit von Galen. Stattdessen gab es 1945 die militärische Niederlage und Kapitulation Deutschlands (und damit das Ende des Nationalsozialismus) und – wie eingangs bereits erwähnt – 1946 für Clemens August Graf von Galen die Kardinalswürde.

Sein beherztes Eingreifen darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die meisten Menschen in Deutschland schwiegen, auch die meisten Christen, auch die meisten Katholiken, dass sie sich von ihrem Gewissen nicht aus dem Gleichgewicht bringen ließen. Nicht zuletzt dies muss uns eine Mahnung sein, die Stimme zu erheben, wenn die Würde des Menschen bedroht ist, etwa dadurch, dass man wieder Rechnungen aufmacht, wie viel uns doch „so ein Behinderter“ kostet, welche Belastung er darstellt für die Gesellschaft.

Ich erlebe solche Bemerkungen auch im aktuellen Diskurs um bioethische Fragen, wo oft genug die rechtzeitige (also: vorgeburtliche) Tötung des (möglicherweise) kranken oder behinderten Menschenlebens als „Erlösung“ angepriesen wird, als „Erlösung“ für das Kind, seine Eltern und die Gesellschaft. Der Wert einer Gesellschaft zeigt sich jedoch auch und gerade an ihrem Umgang mit kranken und behinderten Menschen – der Nationalsozialismus ist hier dramatisch gescheitert. Ich wünsche mir, dass wir heute – auch eingedenk der Erinnerung an dieses Kapitel unserer Geschichte – niemals aus den Augen verlieren, dass dem Menschen Würde zukommt, weil er Mensch ist – nicht, weil er jung, gesund und produktiv ist.

In diesem Sinne wünsche ich der Ausstellung viele interessierte und aufmerksame Besucherinnen und Besucher.

Vielen Dank!

Die Ausstellung ist noch bis zum 29. Oktober 2018 zu sehen. Die Öffnungszeiten sind Mo. – Fr. 9 bis 15 Uhr. Der Eintritt ist frei.

(Josef Bordat)