Silvester

Morgen gedenkt die Kirche des Heiligen Silvester I., ein Papst, dessen Amtszeit (314-335) in eine weltgeschichtliche Umbruchsphase fällt. 313 hatte der römische Kaiser Konstantin in der Erklärung von Mailand Religionsfreiheit garantiert und damit das Christentum, das sich überall im Reich ausgebreitet hatte, offiziell anerkannt, ehe dann am Ende des 4. Jahrhunderts unter Kaiser Theodosius das Christentum zur Staatsreligion erhoben wurde und aus der über viele Gemeinden des Reiches verstreuten Kirche eine einheitliche „Reichskirche“ entstand. Über das Leben und Wirken Silvesters ist sonst nur sehr wenig bekannt; es fehlt jeder schriftliche Nachlass.

Papst Silvester I. starb am 31. Dezember 335. Sein Leichnam wurde in der Priscillakatakombe an der Via Salaria Nova in Rom beigesetzt. Silvester wurde 813 in den Kirchenkalender aufgenommen. In der sakralen Kunst wird er mit Attributen und in Situationen dargestellt, die der Legende entnommen sind, etwa mit Buch und Tiara als vom Kaiser verliehenem Ehrenzeichen, mit dem wiederbelebten Stier und dem gebundenen Drachen, bei der Taufe Konstantins, bei der Beisetzung der Petrusreliquien oder auch bei der Verehrung des von Helena, der Mutter Konstantins, aufgefundenen Kreuzes. Silvester ist Patron der Haustiere, für eine gute Futterernte und selbstverständlich für ein gutes neues Jahr.

(Josef Bordat)

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Johannes, der Evangelist

Heute feiert die Kirche den Apostel der Liebe und der Demut: Johannes. Er ist der „Jünger, den Jesus liebte“ und der, der am leeren Grab dem Petrus den Vortritt lässt, obwohl er als Erster da ist. Johannes war nicht nur einer der Apostel Christi, sondern der Überlieferung nach auch Verfasser des Johannesevangeliums, der Johannesbriefe und der Offenbarung des Johannes – zentrale und bedeutende Schriften des Neuen Testaments. Über das Leben des Johannes ist sehr wenig bekannt. Fest steht: Er ist der einzige der Apostel, der nicht als Märtyrer starb (die liturgische Farbe heute ist weiß), sondern noch in hohem Lebensalter Texte verfasste.

Johannes gilt als der Mystiker unter den Evangelisten, sein Symbol ist der Adler, der über den Dingen schwebt. Er beginnt seine Deutung des Auftretens Jesu mit dem berühmten Satz „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott“. Was mit dem Eingangsvers gemeint sein könnte, darüber gibt es viele Meinungen. Eine Deutung bezieht sich darauf, dass sich eine Information schöpferisch ausdrückt – wie ein Wort. Diese Information kommt von Gott und ist zugleich Gott. Gott schafft aus sich selbst heraus die Welt und setzt einen Anfang von Raum und Zeit. Damit bleibt Gott in der Schöpfung und mit ihr verbunden.

Die Legenda aurea berichtet, Johannes habe mal unbeschadet einen Becher mit vergiftetem Wein getrunken, nachdem er diesen gesegnet hatte. Auf dieser Erzählung fußt der Brauch, am heutigen Festtag des Apostels und Evangelisten Johannes Wein zu segnen. Die Segnung des Weins geschieht, um die körperliche und seelische Gesundheit desjenigen, der davon trinkt, zu stärken und in ihm das Bewusstsein für die Liebe zu Gott und zum Nächsten wachzuhalten. Denn das war der Grund, weshalb der Heilige Johannes der Legenda aurea zufolge den vergifteten Wein getrunken hat: einen Götzendiener zu bekehren und mit der Liebe Gottes bekannt zu machen.

(Josef Bordat)

Christus und Stephanus

Der Diakon Stephanus wird von der Kirche als erster Märtyrer der Christenheit verehrt. Viele sind ihm seither gefolgt.

Die Kirche stellt dem Geburtsfest des Messias am Tag danach den Tod des ersten Märtyrers gegenüber. Was wie ein dramaturgischer Kontrast erscheint (Geburt und Sterben, Leben und Tod), ist im Grunde genommen das Bezugsverhältnis von Urbild und Spiegelbild: Christus und Stephanus (sowie alle anderen Märtyrer der Kirchengeschichte) bilden die beiden Seiten der Glaubensmedaille.

Die Kirche zeigt mit dem Heiligen Stephanus, was mit Menschen passieren kann, wenn sie zum Kind in der Krippe halten: Sie ernten manchmal Unverständnis und Ablehnung, sogar Hass, der sich in Gewalt entlädt. Damit folgen sie dem Kind, das als Erwachsener selbst zum Opfer mangelnder spiritueller Reife der Menschen in seiner Umgebung wird, Opfer ihres erstaunlichen Unwillen, das Andersartige auch nur zu tolerieren, und ihres beharrlichen Unvermögens, dessen Güte und Wahrheit einzugestehen.

(Josef Bordat)

Lucia

Im Heiligenkalender der Kirche steht heute „Lucia“ – die Leuchtende. Ganz besonders in Italien und im historisch eng mit Italien verbundenen Katalonien, aber auch in Schweden wird das Fest der Jungfrau und Märtyrerin Lucia gefeiert, die um 286 im sizilianischen Syrakus geboren wurde und dort 310 – während der diokletianischen Christenverfolgung – ihr Leben für Jesus gab. Da war sie gerade Mitte zwanzig. Zuvor hatte sie ihr stattliches Vermögen den Armen gegeben und nach dem Beispiel der heiligen Agatha von Catania jungfräulich gelebt.

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Domenico Beccafumi: Santa Lucia (1521), Öl auf Holz. Pinacoteca Nazionale di Siena.

Santa Lucia ist die Schutzpatronin der Augenkranken. Die Heilige bringt mitten im Advent das Licht Christi in das winterliche Dunkel, verdeutlicht durch den Brauch, eine Krone mit dreizehn Kerzen zu tragen, wie dies junge Mädchen in Nordeuropa am Festtag Lucias tun.

(Josef Bordat)

Über Maria

Kaum ein Mensch hat die Kunst und Literatur so sehr inspiriert wie Maria.

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Wie ein Stern den anderen an Helligkeit übertrifft, so übertrifft die Geburt der allerseligsten Jungfrau die Geburt aller Heiligen, denn bereits im Schoß ihrer Mutter wurde sie mit der heiligmachenden Gnade ausgestattet.

Antonius von Padua

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Ich sehe dich in tausend Bildern,
Maria, lieblich ausgedrückt,
Doch keins von allen kann dich schildern,
Wie meine Seele dich erblickt.

Ich weiß nur, daß der Welt Getümmel
Seitdem mir wie ein Traum verweht,
Und ein unnennbar süßer Himmel
Mir ewig im Gemüte steht.

Novalis (Georg Philipp Friedrich Leopold Freiherr von Hardenberg), aus: Geistliche Lieder.

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Ich glaube, daß er mir geboren ist, von der reinen Jungfrauen Marien, ohn allen Schaden ihrer leiblichen und geistlichen Jungfrauschaft, auf daß er nach Ordnung väterlicher Barmherzigkeit meine sündliche und verdammte Geburt, und aller seiner Gläubigen, gebenedeyet, unschädlich und rein machete.

Martin Luther, aus: Kurze Form die zehen Gebote, Glauben und Vater Unser zu betrachten.

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Um die Gottesmutter und ihre Bedeutung im Christentum katholischer Prägung geht es auch hier.

Einen Schönen Feiertag!

(Josef Bordat)

Nikolaus. Einige Fakten

Nikolaus lebte zwischen 270 (frühest mögliches Geburtsjahr) und 365 (spätestes mögliches Sterbejahr). Über sein Leben wissen wir fast nichts.

Fest steht: 1. Während der Christenverfolgung im Jahr 310 wurde Nikolaus gefangen genommen und gefoltert. 2. Nikolaus war in der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts Bischof von Myra. 3. Als solcher nahm Nikolaus (höchstwahrscheinlich) am Ersten Konzil von Nicäa (325) teil.

Fest steht ferner: Nikolaus hat sein ererbtes Vermögen den Armen gegeben. Das ist durch verschiedene Quellen belegbar. Wie genau er das Vermögen verteilte, ist nicht bekannt. Seine tätige Nächstenliebe ist Gegenstand zahlreicher Legenden.

Der Heilige Nikolaus
Der Heilige Nikolaus, dargestellt mit drei Goldkugeln als Attribut nach der Mitgiftspenden-Legende. Seitenaltar in der Chiesa del Gesù Nuovo, Neapel. Foto: JoBo, 11-2018.

Nikolaus‘ Reliquien befinden sich in der eigens dafür errichteten Basilika San Nicola in Bari. Sie wurden im 11. Jahrhundert von süditalienischen Kaufleuten vor den Seldschuken in Sicherheit gebracht, die Myra eroberten.

Nikolaus ist Patron zahlreicher Kirchen, unter anderem der ältesten Kirche Berlins, der Nikolaikirche aus der Mitte des 13. Jahrhunderts. Eine besonders sehenswerte Kirche ist San Nicolás in Valencia.

(Josef Bordat)

Adolph Kolping

Der gute Mann hat – liturgisch besehen – ein wenig Pech. Die Rede ist von Adolph Kolping, dessen Geburtstag (8. Dezember) ebenso in die Adventszeit fällt (zudem noch auf einen ganz besonderen Feiertag) wie sein Todestag (4. Dezember), der in der katholischen Frömmigkeit als traditionsreiches Barbaragedenken schon fest besetzt ist (die Sache mit dem Zweig).

Trotzdem sei er nicht ganz vergessen, der Selige Adolph Kolping. Er hat einmal folgendes gesagt: „Zu wissen, dass Gott unsere Wege lenkt, ist eine große Weisheit im Leben. Schade, dass man sie meist zu spät erlangt.“ Oder: „Menschen sind wir Rechenschaft schuldig nach dem Gesetz, aber Gott nach dem Herzen.“ Und dann auch noch dies: „Das können wir doch nicht leugnen, dass der Egoismus sich in demselben Maße verbreitet hat, als der Glaube an das lebendige Christentum schwächer geworden ist.“ Das passt dann doch wieder ganz gut in die Adventszeit.

(Josef Bordat)