Johannes Paul II.

Vor 100 Jahren – am 18. Mai 1920 – wurde der Heilige Papst Johannes Paul II. geboren. Man wird jetzt viel über ihn lesen können, über seine Theologie. Die des Leibes etwa. Er war ja auch ein herausragender Papst. Was ich – ehrlich gesagt – am erstaunlichsten finde: Johannes Paul II. war Mitglied beim FC Schalke 04. Passt ja auch ganz gut: Johannes Paul – der Zweite.

(Josef Bordat)

Gute Idee, Matteo Trentin!

Es ist in diesen Tagen sicher nur eine Nebensache, aber auch der Sportkalender 2020 lässt aufgrund der Corona-Pandemie Federn. Die Eishockey-WM (Mai) fällt aus, die Fußball-EM (Juni) und die Olympischen Spiele (Juli) sind bereits auf 2021 verschoben worden.

Es stellt sich natürlich auch die Frage, was mit den großen Radsportrundfahrten des Jahren wird, bei denen sonst immer Hunderttausende auf engstem Raum am Rand der Strecke stehen. Der Giro d’Italia (Mai) ist bereits verschoben worden, die Tour de France (Juli) ist (mehr als) fraglich. Allein für die Vuelta a España (September) gäbe es hoffnungsvolle Aussichten.

Angesichts dessen hat der italienische Radprofi Matteo Trentin eine – wie ich finde – tolle Idee: Warum nicht die drei Rundfahrten im Herbst zusammenlegen zu einer dreiwöchigen Rundfahrt durch Italien, Frankreich und Spanien? Jeweils eine Woche in jedem der drei momentan so sehr leidenden Länder Europas. Das würde die Menschen zusammenführen nach dieser schweren Zeit, meint Trentin. Meine ich auch.

(Josef Bordat)

Olympia 2022?

Dass die Olympischen Spiele 2020 nicht wie geplant stattfinden werden, ist sehr wahrscheinlich. Nicht nur der Termin Ende Juli rückt näher, es finden derzeit (und demnächst) auch keine der angesetzten Qualifikationswettkämpfe statt. Zudem können die wenigsten Athleten derzeit uneingeschränkt trainieren. Was das in dieser Phase der Saison etwa für Leichtathleten und Schwimmer bedeutet, ist kurz gesagt: der gesamte Trainingsaufbau ist massiv gestört. Dauert der Zustand bis Mai an (und das ist nicht das abwegigste Szenario), ist die Saison im Prinzip gelaufen.

Warum nicht die Spiele auf 2022 verschieben? Damit geht man den Weltmeisterschaften der Schwimmer in Fukuoka (Japan) und der Leichtathleten in Eugene (USA), die für 2021 geplant sind, aus dem Weg. 2022 wäre dann ein Mega-Sportjahr mit Olympischen Winterspielen in Peking, den Sommerspielen in Tokyo und der Fußball-Weltmeisterschaft in Qatar, die just dieses Mal nicht im Sommer stattfindet, sondern im November und Dezember. Freilich wäre das eine gigantische Herausforderung für die Sportverbände, die Medien und die Fans. Aber es könnte auch ein gutes Zeichen sein, dass der Sport nach überstandener globaler Krise die Menschen zusammenführt.

(Josef Bordat)

Toni Kroos

Er ist eher ein ruhiger Vertreter der Zunft. Wer im Netz nach O-Tönen von Toni Kroos sucht, muss viel Geduld mitbringen. Heute wird der Weltmeister von 2014 und viermalige Champions League-Sieger (2013 mit den Bayern, 2016-2018 mit Real Madrid) 30 Jahre alt.

Der gebürtige Greifswalder macht auch außerhalb des Spielfelds eine gute Figur. Seine 2015 gegründete Stiftung zugunsten gesundheitlich stark beeinträchtigter Kinder und Jugendlicher konnte schon mehr als hundert Familien mit Therapien, Hilfsmitteln oder der Erfüllung von Wünschen unterstützen.

Für Kroos ist soziales Engagement eine Selbstverständlichkeit: „Mir geht es so gut. Viel zu gut eigentlich. Da ist es für mich selbstverständlich, mich ein wenig um die zu kümmern, die dieses Glück nicht haben.“

Wenn Toni Kroos auch nicht viel spricht, über ihn wird viel geredet. Sein erfolgreiches Leben wurde mittlerweile sogar verfilmt. Und kein geringerer als Franz Beckenbauer hat 2009 ein Tor des damals an Bayer Leverkusen ausgeliehenen Jungprofis mit den Worten kommentiert: „Das kannst nur, wenn du es kannst.“ Ein Lebensmotto.

(Josef Bordat)

Robert Enke

Zum zehnten Todestag des Fußballnationaltorwarts

In „Die Angst des Tormanns beim Elfmeter“ schildert Literaturnobelpreisträger Peter Handke das Schicksal des aus seinen Lebensbezügen herausgerissenen Fußballtorwarts Josef Bloch. Handke bedient sich der Torwartallegorik, um dem rastlos umherreisenden Protagonisten die Erkenntnis zu ermöglichen, dass nicht in der Bewegung, sondern in der Ruhe die Kraft liegt: Der Torwart, der stehen bleibt, fängt den Ball.

Fußballtorwart Robert Enke hat sich bewegt, hat sich bewegen lassen, war beunruhigt, hatte Depressionen, litt unter Versagensängsten. Und hat davon geschwiegen. Der Öffentlichkeit wurde das Seelenleben Enkes erst durch seinen Suizid heute vor zehn Jahren bekannt. Größer als die Angst vor dem Versagen war nur die Angst, dass jemand sie bemerken könnte. Als Nationalspieler in einer WM-Saison ist man eben nicht depressiv und ängstlich.

Depression. Die Krankheit trifft viele. Warum sollte sie nicht auch Fußballer treffen? Versagensangst. Auch sie trifft viele. Beileibe nicht nur Berufsfußballer. Jeder von uns muss sich die Frage stellen, welchen Stellenwert Erfolg und Anerkennung haben und wodurch letztere erfahren wird. Welche Rolle spielt der Beruf, welche Rolle spielen Familie und Freunde? Was hält einen noch, wenn man den Job verliert? Fragen zwischen Haben und Sein. Robert Enke mahnt unsere Leistungsgesellschaft.

(Josef Bordat)

Das war Doha

Ich erinnere mich noch gut an das Sportjahr 1996: Jan Ulrich wurde Zweiter bei der Tour de France – nur knapp hinter seinem Kapitän Bjarne Riis. Und wenige Tage später gewann Frank Busemann in Atlanta olympisches Silber im Zehnkampf. Zwei Überraschungen, zwei junge, hoffnungsvolle deutsche Sportler. Fast ein Vierteljahrhundert und damit eine Generation später gibt es mit Emanuel Buchmann und Niklas Kaul eine ähnliche Konstellation: Buchmann wurde Vierter bei der Tour und Kaul Zehnkampf-Weltmeister. Wieder zwei junge, hoffnungsvolle deutsche Sportler.

Zu hoffen bleibt, dass beiden das Schicksal ihrer Vorgänger erspart bleibt. Busemann wurde 1997 bei der WM noch einmal Dritter, danach warfen ihn Verletzungen immer wieder zurück. Bei den Spielen in Sydney (2000) belegte er den siebten Platz, danach war Schluss. Und die Geschichte von Jan Ulrich kennen Sie: Nach dem Toursieg 1997 und Olympia-Gold in Sydney machte er vor allem durch sein bewegtes Privatleben auf sich aufmerksam. Und durch Doping.

Doch bei Buchmann und Kaul gibt es allen Grund, ein gutes Gefühl zu haben. Im Radsport hat sich einiges geändert und auch die neuen Stars sind charakterlich für eine lange, erfolgreiche Karriere prädestiniert: Nicht nur Talent zeichnet sie aus, sondern auch eine gesunde Selbsteinschätzung und ein gezieltes Haushalten mit den eigenen Kräften. Bodenständig und bescheiden treten sie auf, benennen nüchtern Stärken und Schwächen, lassen sich durch den Rummel nicht aus der Ruhe bringen.

Die Leichtathletik-WM in Doha war insgesamt sehr ambivalent. So, wie vielleicht das ganze Land Katar von Gegensätzen lebt, wie dem zwischen unvorstellbarem Reichtum weniger und der Armut hunderttausender Arbeitssklaven. Die Wettbewerbe fanden praktisch unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt (selbst die sytematische Ausgabe von Freikarten konnte das Stadion nicht füllen), brachten in durchweg hervorragendem Niveau aber einige Höchstleistungen – bei bester Unterhaltung Dank spektakulärer Lasershows bei ausgesuchten Wettbewerben auf der Bahn.

Diese Showelemente könnten durchaus noch häufiger das Programm bereichern und auch auf die technischen Disziplinen ausgeweitet werden, weil dort ebenfalls hochklassiger Sport geboten wird. Das Kugelstoßfinale war für mich ein, wenn nicht sogar das Highlight der WM. Mit 22,91m, 22,90m und 22,90m gingen die Medaillen weg – drei Leistungen in Weltrekordnähe. Der Zweifel stößt mit. Klar. Doch es ist auch die technische Entwicklung in einer Disziplin, die nicht unbedingt zu den publikumswirksamsten zählt. Man muss schon genau hinsehen, um die feinen Unterschiede zu sehen.

Bei anderen feinen Unterschieden gibt es hingegen keine Entwicklung in der Leichtathletik. Die IAAF hält fest an der Zweigeschlechtlichkeit des Menschen – für Intersexuelle ist da kein Platz. Vielleicht sollte man über eine Art Handicap nachdenken und Intersexuelle nach der Gunnarson-Methode starten lassen oder die genetischen Vorteile anders ausgleichen. Vielleicht eine Schnapsidee, aber immer noch besser, als Angst vor der schwarzen Frau zu haben, die laufen will.

Mit Sicherheit eine Schnapsidee: die Startblockkamera. Dem Zuschauer immer tiefere Einblicke zu gewähren und damit die Illusion echter Teilhabe zu vermittelt, ist eine Fehlentwicklung, die hart an der gebotenen Achtung vor der Würde des Sportlers kratzt. Und der Sportlerin. Und letztlich auch der Zuschauer. Transparenz ist an anderer Stelle nötig.

(Josef Bordat)