Qual der Wahl

Eigentlich eine gute Idee: Zum 50. Geburtstag der ARD-Krimireihe „Tatort“ (am 29. November 1970 wurde „Taxi nach Leipzig“ ausgestrahlt) die Zuschauer aus einer Liste von 50 „Tatort“-Folgen diejenigen wählen zu lassen, die man gerne noch mal sehen will.

Doch statt echte Klassiker aus 50 Jahren TV-Geschichte anzubieten, werden hauptsachlich neuere Folgen zur Wahl gestellt. 48 der 50 Titel sind aus den 2000ern, die beiden übrigen aus dem Jahr 1999. Und auch da fehlen wichtige Krimi-Fernsehfilme in der Liste, z. B. „Machtlos“ (RBB, 2013), ein wirklich sehenswerter „Tatort“.

Doch was denkt sich die ARD dabei, wenn sie die ersten drei Jahrzehnte „Tatort“-Geschichte ausklammert und die Liste dennoch als Sammlung von „Klassikern“ verkaufen will? Meint sie, wir hätten Trimmel, Haverkamp, Kressin, Flemming und Veigl vergessen? Und dann findet man keinen einzigen Schimanski-„Tatort“ in der Liste. Das ist schon fast ein Skandal. Das ist so wie die Geschichte der Kirchenmusik ohne Bach.

Also, der Zuschauer hat hier wirklich die Qual der Wahl.

(Josef Bordat)