Domradio-Interview – zum Nachlesen

Und nach Feierabend darf diskutiert werden.

Domradio-Redakteurin Verena Tröster, die schon auf der Buchmesse in Frankfurt die Moderation der Buchvorstellung übernommen hatte, rief mich an und fragte noch mal nach, was es mit dem „Sündenregister“ auf sich habe.

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Josef Bordat im Interview mit Verena Tröster auf der Frankfurter Buchmesse. Foto: Mathias von Gersdorff.

Das Interview lief heute Vormittag in ihrer Sendung. Zum Nachlesen steht es auf der Seite des Domradios.

Und derweil wird im Geistlichen Zentrum Maria Rosenberg (Bistum Speyer) weiter über das „Sündenregister“ diskutiert – am 18. Oktober 2018 um 20 Uhr gibt es das „Feierabendgespräch“ zum Thema „Die kirchliche Moral ist leibfeindlich“.

(Josef Bordat)

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Sieben Heilige

Paul VI., Oscar Romero, Nunzio Sulprizio, Francesco Spinelli, Vincenzo Romano, Maria Katharina Kasper und Nazaria March Mesa wurden heute von Papst Franziskus heiliggesprochen.

In seiner Predigt stellte Franziskus den Vorbildcharakter der Heiligen heraus: „Heute lädt uns Jesus ein, zu den Quellen der Freude zurückzukehren: zur Begegnung mit ihm, zu einer mutigen und risikofreudigen Entscheidung, um ihm nachzufolgen, zum Gefallen daran, etwas aufzugeben, um seinen Weg einzuschlagen. Die Heiligen sind diesen Weg gegangen.“

Wie dieser Weg im Fall von Maria Katharina Kasper, Gründerin der „Dernbacher Schwestern“, aussah, davon handelt ein Beitrag in der aktuellen Ausgabe der Tagespost.

(Josef Bordat)

20 Jahre Hoffnung

Hier einige Impressionen vom Franziskusfest am 6. Oktober auf „Gut Neuhof“, bei dem gefeiert wurde, dass es die Fazenda schon seit 20 Jahren in Deutschland gibt.

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Das Haupthaus. Foto: JoBo, 10-2018.
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Die Kapelle. Foto: JoBo, 10-2018.
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Nicht nur für die Kleinen interessant: Landwirtschaft auf „Gut Neuhof“. Foto: JoBo, 10-2018.
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Ehemalige und Verantwortliche vor der Kapelle. Foto: JoBo, 10-2018.
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Buntes Bühnenprogramm. Foto: JoBo, 10-2018.
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Franziskanerinnen im Gespräch über ihr Wirken auf der Fazenda. Foto: JoBo, 10-2018.

Einen ausführlichen Bericht über das Jubiläums-Franziskusfest gibt es in der Online-Ausgabe der Tagespost.

(Josef Bordat)

Was hat der Zölibat mit sexuellem Missbrauch zu tun?

Ist der Zölibat Schuld an den fürchterlichen Nachrichten, die uns erreichen – aus Irland, Australien, USA, Deutschland, Holland?

Nein. Es gibt keinen kausalen Zusammenhang zwischen Zölibat und Missbrauch, dass man also meinen sollte, zölibatär lebende Männer würden „aus der Not heraus“ zu Missbrauchstätern. Der Gerichtsgutachter Hans Ludwig Kröber meint dazu unmissverständlich: „Man wird eher vom Küssen schwanger als vom Zölibat pädophil“.

Auch der Stanford-Professor und Mitherausgeber der Analyse Sexual Abuse in the Catholic Church: A Decade of Crisis, 2002-2012, Thomas G. Plante, weist in einem Artikel für Psychology Today darauf hin, dass „Clerical celibacy doesn’t cause pedophilia and sexual crimes against minors“. Weiterhin: „Celibacy doesn’t turn people into sex offenders of children. And the vast majority of sex offenders in our community are not celibate men“. Heißt: Wenn ein Mann pädophil ist, dann war er es schon, bevor er Priester wurde. Er wird es nicht durch den Zölibat.

Aber: Die zölibatäre Lebensform ist attraktiv für Männer, die ihre (gesellschaftlich nicht akzeptierten) sexuellen Präferenzen heimlich ausleben wollen, während sie nach außen hin ein anerkanntes Leben führen, das Niemanden Verdacht schöpfen lässt. Zugleich haben sie in der pastoralen Arbeit tagtäglich Zugang zu Kindern und Jugendlichen. Das ist ein Problem.

Der Zölibat ist also nicht die Ursache von sexuellem Missbrauch, er kann aber die Wirkung haben, die Wahrscheinlichkeit für sexuellen Missbrauch in entsprechend organisierten Lebensformen zu erhöhen, weil er potentielle Täter anzieht. Da muss man wirklich aufpassen: in der Priesterausbildung und in der Begleitung von Geistlichen durch die Diözese oder die Ordensgemeinschaft. Das gleiche gilt aber auch für Erzieher in staatlichen Kitas und Trainer im Turnverein.

Der Zölibat ist wertvoll. Es ist kein Zwang, denn niemand ist gezwungen, Priester zu werden. Einfach aufgeben kann man die Verpflichtung zum priesterlichen Zölibat nicht. Schon gar nicht aus den falschen Gründen. Lesen Sie dazu auch den MeinungsMacher-Kommentar von Anna Diouf in der Online-Ausgabe der Tagespost.

(Josef Bordat)

Ökumenisches Wort zur Interkulturellen Woche

In einem Gemeinsamen Wort der Kirchen laden der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Dr. Heinrich Bedford-Strohm, und der Vorsitzende der Orthodoxen Bischofskonferenz in Deutschland, Metropolit Augoustinos, zur Teilnahme an der 43. Interkulturellen Woche ein. Sie findet vom 23. bis 29. September 2018 statt und steht unter dem Leitthema „Vielfalt verbindet“. Geplant sind mehr als 5.000 Veranstaltungen an über 500 Orten im gesamten Bundesgebiet.

In dem Ökumenischen Wort heißt es:

„Die Interkulturelle Woche dient der Begegnung zwischen ‚alten‘ und ’neuen‘ Nachbarn: Im Austausch über den Alltag, im Gespräch über Gemeinsames und Unterscheidendes kann Vertrauen wachsen. Gleichzeitig bietet die Interkulturelle Woche eine gute Gelegenheit, mit politischen Verantwortungsträgern über drängende Fragen ins Gespräch zu kommen.

Dazu gehört etwa die Situation an den europäischen Außengrenzen. Die Staaten Europas stehen vor der Aufgabe, Fragen der Migration menschengerecht zu gestalten. Wenn wir uns daran gewöhnen, dass tagtäglich schutzsuchende Menschen an den Außengrenzen ihr Leben verlieren, drohen unsere Grundwerte bedeutungslos zu werden. Seenotrettung darf daher nicht kriminalisiert werden. Sie stellt eine völkerrechtliche und humanitäre Verpflichtung dar.

Mit Nachdruck setzen sich die Kirchen dafür ein, dass Menschen, die bei uns Schutz suchen, nicht dauerhaft von ihren engsten Angehörigen getrennt werden. Der Schutz der Familie liegt den Kirchen am Herzen. Zugleich ist er im Grundgesetz verbrieft und durch mehrere Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts bestätigt. Die Aussetzung des Familiennachzugs für Bürgerkriegsflüchtlinge hat viele Betroffene in Verzweiflung gestürzt. Künftig soll er nur noch in stark eingeschränkter Form möglich sein. Damit verbindet sich eine Frage, die für die Betroffenen existentiell ist: Was passiert mit jenen Familien, die nicht berücksichtigt werden und deshalb über mehrere Jahre voneinander getrennt bleiben? Welche Folgen hat das Trauma der Trennung für sie persönlich? Können sie sich unter solchen Umständen auf ein neues Leben in Deutschland einlassen? Als Kirchen werben wir hier für eine humane und verantwortungsvolle Lösung.“

Der Text des Gemeinsamen Wortes der Kirchen zur Interkulturellen Woche kann auf der DBK-website heruntergeladen werden.

(Josef Bordat)

Marsch für das Leben

Ich kann in diesem Jahr aus persönlichen Gründen nicht mitgehen, unterstütze aber das Anliegen des Marsches für das Leben am 22. September in Berlin.

Ich finde es wichtig, für das Leben zu demonstrieren, also zu zeigen, dass jeder Mensch – geboren oder nicht, behindert oder nicht, Deutscher oder nicht – ein Recht auf Leben hat und dass dieses Lebensrecht den zentralen Aspekt seiner absoluten Würde ausmacht, deren Achtung an keiner Stelle, in keiner Lage und aus keinem noch so verführerischen Grund relativiert werden darf.

Ich bin froh, dass der Marsch für das Leben gerade in einer räumlichen Umgebung stattfindet, also zwischen Kanzleramt und Reichstag, in der auch das Lebensrecht immer wieder neu zur Debatte steht, weil die Argumente für eine Relativierung des Lebensrechts verfangen: Selbstbestimmung, Eigenverantwortlichkeit, Freiheit. Das alles kann natürlich nur der Mensch reklamieren, der lebt. Und der hinreichend oberflächlich mit den Begriffen umgeht. Etwa mit dem der Selbstbestimmung.

Deswegen finde ich es gut und wichtig, dass wieder tausende Menschen ein Zeichen setzen für die Unbedingtheit des menschlichen Lebens und die Unantastbarkeit der Würde des Menschen.

(Josef Bordat)

Erweiterte Märchenstunde

Fehler werden durch Wiederholung nicht wahr. Das wissen wir. Das kümmert manche Zeitgenossen wenig. Wie beispielsweise „B. Kramer“, der seinen rund 600 Twitter-Followern wieder Märchen (Tweet 1-17) über einen „rechten Buchautor eines extrem rechten katholischen Verlags“ (Tweet 13) erzählt, der auf der kommenden Frankfurter Buchmesse „sein Buch ‚Von Ablaßhandel bis Zölibat – Das ‚Sündenregister‘ der Katholischen Kirche‘ vorstellen“ (Tweet 13) darf.

„B. Kramer“ nennt diese Märchen kurzerhand „Hintergründe“ und klopft sich virtuell auf die investigative Schulter: „Und wer diese Hintergründe nicht kennt, wird denken, der Autor sei eben ’nur‘ irgendein Autor, der sich mit der katholischen Kirche befasst und der Verlag eben ein ’nur‘ ein ‚katholischer Verlag für Theologie und Philosophie’“ (Tweet 14). Also, da bin ich ja geneigt, „B. Kramer“ zum ersten Mal zuzustimmen, denn: Was heißt hier „nur“?!

Dass die Märchen Märchen sind, ist bekannt. Zumindest denen, die mein Blog lesen. Oder überhaupt: lesen. Soweit, so wenig nachrichtlich relevant. Was man allerdings machen kann, damit es nicht langweilig (und eben nachrichtlich relevant) wird: Immer mal wieder neue Fehler machen. B. Kramer tut es. Und dann muss man es wieder richtigstellen. Gute Strategie.

Also: In Tweet 3 behauptet „B. Kramer“, die Lepanto-Autoren seien „allesamt männlich“. Kann man ja mal machen. Behauptungen kosten nichts. Die Wahrheit zu finden, kosten hingegen etwas Mühe. Lesen, zum Beispiel.

Bei Lepanto erschien 2016 ein Sammelband, dessen Autorinnen nur noch mit einer sehr, sehr weiten Konzeption von Männlichkeit in die maskuline Phalanx von Benedikt bis Bordat inkorporiert werden können: „‚Große Hure Babylon‘. Zehn kirchengeschichtliche Klischees kritisch hinterfragt“, herausgegeben von Lucetta Scaraffia. Lucetta, „B. Kramer“! Inhalt: „Sieben Historikerinnen stellen zehn kirchengeschichtliche Stereotype auf den Prüfstand“. In meiner Rezension schrieb ich: „Die weibliche Perspektive bringt Überraschendes zum Vorschein und wirkt sich gerade im Kapitel zur Rolle der Frau (Giulia Galeotti) positiv auf die Glaubwürdigkeit und Überzeugungskraft der Darlegung aus. Ebenso ist spannend, dass mit Anna Foa eine Jüdin das Kapitel zum Antisemitismus übernahm“. Und so weiter. Echte Männer wie Claudia Reimüller haben die Texte „aus dem Italienischen übertragen“.

Übrigens ist die „Hure Babylon“ ein sehr gutes Buch, hervorragend geeignet, um das „Sündenregister“ zu ergänzen. Nur mal so für alle, die noch nicht genug Nazi-Literatur im Regal haben. Oder Bücher mit einer kenntnisreichen weiblichen Perspektive auf die Kirchengeschichte.

(Josef Bordat)