Radio Horeb-Wochenkommentar

Mein Wochenkommentar für Radio Horeb vom 30. Juni ist nun als Podcast abrufbar. Thema: Fußball als Ersatzreligion.

Die Stilisierung der Spieler zu Idolen, zu „Heiligen“ ist nicht das einzige Phänomen, dass den Fußball in eine Nähe zur Religion rückt. Die Verbindungen sind vielgestaltig, die Beziehung ist komplex. Dazu mache ich im Wochenkommentar einige Bemerkungen.

Zum Podcast geht es hier.

(Josef Bordat)

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50 Jahre Kinderdorf Bethanien in Refrath

„Als 1968 das Bethanien Kinder- und Jugenddorf in Bergisch Gladbach-Refrath eröffnet wurde, lagen hinter den Dominikanerinnen von Bethanien, die seit 1962 auf dem Gelände der ehemaligen Dynamitfabrik Kosmos lebten, etliche Entbehrungen. In nur wenigen Jahren war es den Schwestern gelungen, auf der Brache, auf der nur eine Steinbaracke stand, ein Kinderdorf zu errichten.“ So ist es auf der website des Kinderdorfs zu lesen. Dabei konnten die Schwestern schon auf Erfahrungen mit der Gründung und dem Aufbau von Kinderdörfern in der Region zwischen Maas und Rhein zurückgreifen.

Die Gründung der Bethanien Kinder- und Jugenddörfer begann nach dem Zweiten Weltkrieg. Im Jahre 1947 begannen die Schwestern mit der Kinderdorfarbeit zunächst in den Niederlanden, nachdem sie vom Bischof von Roermond gebeten wurden, sich um die vielen elternlosen Kinder zu kümmern. Das erste deutsche Bethanien Kinder- und Jugenddorf wurde im Jahre 1956 in Schwalmtal-Waldniel gegründet. Hinzu kamen im Jahre 1965 das Bethanien Kinder- und Jugenddorf in Eltville-Erbach und im Jahre 1968 das Bethanien Kinder- und Jugenddorf in Refrath. Refrath ist ein Ortsteil von Bergisch-Gladbach, einer 100.000-Einwohner-Stadt in der Nähe von Köln.

In Refrath leben derzeit 114 Kinder, die aus den unterschiedlichsten Gründen nicht mehr bei ihren leiblichen Eltern leben können. Hier finden Kinder und Jugendliche sowohl ein liebevolles und familienähnliches Zuhause als auch fachkompetente Betreuung und Förderung. Die Schwestern, die sie betreuen und fördern, gehören einem Orden an, der 1866 vom französischen Dominikaner Johannes Josef Lataste gegründet wurde: die Dominikanerinnen von Bethanien.

Der 50. Geburtstag wird das ganze Jahr 2018 gefeiert. Am Sonntag, 10. Juni um 10:30 Uhr, findet die Festmesse zum Jubiläum statt. Alle Daten zu den Veranstaltungen und weitere Informationen finden Sie auf der website des Kinderdorfs.

(Josef Bordat)

Irland-Referendum zeigt Deutungshoheit in Fragen des Lebensschutzes

Ich habe zur Sicherheit noch mal nachgeschaut. Ein Blick in meine alten Biologiebücher bestätigt die Intuition. In dem Buch „Biologie – 9./10. Schuljahr“ (1979) heißt es kurz und eindeutig: „Die Entwicklung eines neuen Menschen beginnt mit der Befruchtung einer Eizelle“ (S. 48). Und in „Humanbiologie“ (1987) heißt es: „Sobald eine von 200 Mio. Spermazellen in die Eizelle eingedrungen und ihr Zellkern mit dem Kern der Eizelle verschmolzen ist, ist diese befruchtet. Die Entwicklung des neuen Lebewesens beginnt“ (S. 34). Ein neues Lebewesen, ein neues Leben. Und wenn Spermazelle und Eizelle von zwei Menschen stammen (Mann und Frau schreib ich jetzt mal nicht), dann entsteht – mal mitdenken – ein neues menschliches Leben. Das dazu.

Abtreibung ist die Beendigung menschlichen Lebens. Deutlicher: die Tötung eines ungeborenen Menschen, also eines Menschen, keiner Vorstufe des Menschen, die hinsichtlich des in Deutschland grundgesetzlich gewährten Lebensschutzes nichts zählte, soweit sie eben „noch kein richtiger“ Mensch sei. Im Diskurs über Abtreibungen wird dieses Leben aber oft begrifflich depotenziert, um es rhetorisch aus den Schutzbereich des Grundgesetzes herauszudrängen. Es wird ihm die Eigen- und Vollständigkeit geraubt. Es heißt dann: Es gehe um den Körper der Frau – und zwar nicht primär, sondern ausschließlich. Und: Diese habe ganz allein das Recht, über ihren Körper zu entscheiden.

Der christliche Lebensschutz ist in Zeiten säkularer Deutungshoheiten ständig in der Gefahr einer Selbstmarginalisierung. Die eigene Sprachform muss anschlussfähig bleiben an die Debatten. Dazu mein Leitartikel in der aktuellen Ausgabe der Tagespost.

(Josef Bordat)

„Sündenregister“-Lesekreise

Ich hatte vor einigen Tagen ja geschrieben, ich wisse von zwei „Sündenregister“-Lesekreisen. Tatsächlich habe ich zwei Veranstaltungsreihen gefunden, in denen mein Buch gemeinsam gelesen und diskutiert wird.

Zum einen gibt es die „Rosenberger Feierabendgespräche“ im Wallfahrtshof des Geistlichen Zentrums Maria Rosenberg (Bistum Speyer).

Behandelt werden pro Termin jeweils zwei Kapitel des Buchs. Damit wäre man in anderthalb Jahren durch. Die Treffen finden immer am 3. Donnerstag des Monats um 20 Uhr statt. Weiter geht es nach der Sommerpause am 16. August 2018 (Folgetermine: 20. September 2018, 18. Oktober 2018, 15. November 2018 und 20. Dezember 2018).

Weitere Informationen finden Sie hier.

Zum anderen findet ein Lesekreis in der Gemeinde St. Joseph in Gronau (Bistum Hildesheim) statt, wo man sich an jedem 2. Mittwoch des Monats um 19:30 Uhr unter dem Leitmotiv „Heiße Themen“ versammelt. Die noch kommenden Termine und Themen sind:

Mittwoch, 13. Juni 2018
„Das Unfehlbarkeitsdogma gibt dem Papst eine Macht, die ihm nicht zusteht!“ – Unfehlbarkeit

Mittwoch, 8. August 2018
„Die Macht von Bischöfen und Papst ist unbiblisch und undemokratisch!“ – Hierarchie

Mittwoch, 12. September 2018
„Die kirchliche Einheit scheitert am Unwillen Roms!“ – Ökumene

Mittwoch, 10. Oktober 2018
„Die katholische Liturgie ist nichts weiter als ein pompöses Schauspiel!“ – Liturgie

Mittwoch, 14. November 2018
„Die hervorgehobene Stellung Mariens ist eine pure Eigenwilligkeit der Katholiken!“ – Maria

Mittwoch, 12. Dezember 2018
„Die Kirche verachtet, unterdrückt und diskriminiert Frauen!“ – Die Frau in der Kirche

Mittwoch, 9. Januar 2019
„Die kirchliche Morallehre ist leibfeindlich und menschenverachtend!“ – Sexualmoral

Mittwoch, 13. Februar 2019
„Für den Zölibat gibt es keine sinnvolle Begründung!“ – Zölibat

Mittwoch, 13. März 2019
„Die Kirche hat im Mittelalter jahrhundertlang weise Frauen als Hexen verfolgt und verbrannt!“ – Hexen und Inquisition

Weitere Informationen finden Sie hier.

Falls also jemand in der Nähe der Veranstaltungsorte lebt – herzliche Einladung auch von meiner Seite. Dankbare Grüße an alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer – und natürlich an die Organisatorinnen und Organisatoren der Lesekreise!

(Josef Bordat)

Grundgesetz. Das beständige Provisorium

Heute wird das Grundgesetz 69 Jahre alt. Das ist für die meisten Menschen in Deutschland ein Grund zur Freude. Und für mich ein Anlass, mit meinem aktuellen Buchprojekt an die Öffentlichkeit zu treten. Es geht darin – um das Grundgesetz. Und um dessen Wurzeln in Christentum und Philosophie, Geschichte und Kultur. Damit ist dieses Geheimnis nun auch gelüftet.

Da ich nur am Wochenende und im Urlaub an dem Manuskript arbeiten kann, wird das Buch in jedem Fall etwas weniger umfangreich werden als das Gewissen oder das „Sündenregister“. Eher so wie das Credo. Erscheinen soll es in genau einem Jahr im Lepanto-Verlag – zum 70. Geburtstag des Grundgesetzes.

(Josef Bordat)

Domradio-Interview

Wer am Samstag (19. Mai) lieber eine Hochzeit im TV sah als im Domradio das Gespräch zum „Sündenregister“-Buch zu hören, für den gibt es hier die Möglichkeit, das kurze Interview (5 Minuten) nachzuhören.

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Fand ich übrigens sehr nett zu erfahren, dass mein (biographisch) erster Beruf noch nicht ganz in Vergessenheit geraten ist. Und zum Generalisten Wirtschaftsingenieur passt es doch hervorragend, auch noch eine Meinung zur Kirche zu haben. Wie heißt es so schön: „Einem Ingenieur ist nichts zu schwör!“ Und einem Wirtschaftsingenieur erst recht nicht.

In diesem Sinne: Viel Freude mit meinem Buch und einen schönen Gruß an Lernende, Lehrende und Forschende im Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen der TU Berlin.

(Josef Bordat)

Über Liebe

Theologen philosophieren über den Kernbegriff des Christentums: Liebe.

Was ist Liebe – eine große, eine für das christliche Selbstverständnis unumgängliche Frage. Gott ist die Liebe. Aber ist die Liebe dann umgekehrt „Gott“? Was meint Jesus, wenn er Liebe gebietet? Wie verhalten sich Agape und Eros zueinander? Systematische Klärungen solcher Fragen tun immer gut, gerade in einem Kontext, in dem es zur Renaissance des Liebesbegriffs in der Ethik kommt (vgl. dazu diese Rezension zum Sammelband „Liebe – eine Tugend?“)

Das Podium diskutiert über Liebe, Ehe, Sex. Foto: JoBo, 5-2018.

Auf dem Podium diskutierten unter der Moderation von Ulrich Hoffmann zwei kompetente Gesprächspartner: Martina Kreidler-Kos (Osnabrück), zuständig für Ehe- und Familienpastoral und der Freiburger Moraltheologe Eberhard Schockenhoff, einer der profiliertesten Ethiker aus den Reihen der Kirche; leider musste Marc Röbel, der Geistliche Direktor der Katholischen Akademie Stapelfeld, kurzfristig seine Teilnahme absagen.

Schockenhoff hat in seiner „Grundlegung der Ethik. Ein theologischer Entwurf“ (2007, Rezension) die Liebe als christliche Tugend im Sinne der Agape einen „sittlicher Grundakt“ genannt, „in dem der Mensch mit Zustimmung, Gutheißung und Urvertrauen dem Geschenk des Seins antwortet“. So werde sie zum „Strukturprinzip, das den Grund, die Form und das Ziel des christlichen Lebens und Handelns bestimmen soll“. Das kleine, aber feine Podium konkretisierte diese Formel.

Den ausführlichen Bericht zur Veranstaltung lesen Sie hier.

(Josef Bordat)