So reich ist das Erzbistum München-Freising

Die reichste Diözese Deutschlands hat Zahlen veröffentlicht, nach denen sie über ein Vermögen von sechs Milliarden Euro (sieben Milliarden US-Dollar) verfügt.

Damit schafft es das reichste deutsche Bistum leider nur ganz knapp in die Liste der 20 reichsten Deutschen und teilt sich mit Ludwig Merckle und Maria-Elisabeth Schaeffler Rang 18. Georg Schaeffler hat übrigens vier Erzbistümer München-Freising. Aber der muss ja auch richtig hart dafür arbeiten! So als Unternehmenserbe.

Also, ganz nach oben reicht es für das reichste deutsche Bistum nicht, aber immerhin könnte es den Welthunger beenden, wenn es sich endlich auflöste und sein Vermögen liquidierte! Jeder Mensch bekäme dann einen Dollar und die Probleme des Planeten wären Geschichte.

Aber, nein! Stattdessen will das reichste deutsche Bistum sein Vermögen behalten! Einfach so! Unter anderem knapp 3000 Wohnungen, an denen sich der Kirchenkrösus in der Absicht festkrallt, sie„verstärkt günstig zu vermieten, um den Wohnmarkt zu entlasten“. Das muss man sich mal vorstellen! Mehr an Egoismus und Raffgier geht nun wirklich nicht!

Mit gut einem Drittel des Vermögens sichert die Kirche im Erzbistum München-Freising, die den Hals scheinbar nie voll kriegt, „Bildung, Soziales und das kirchliche Leben“: „Die drei größten Stiftungen des Erzbistums, die Bildung, Soziales und das kirchliche Leben fördern, beziffern ihr Vermögen mit zusammen 2,11 Milliarden Euro“.

Mit dem Rest werden dann u.a. die Pensionen der emeritierten Priester gesichert. Als ob die nicht endlich mal arbeiten gehen könnten, so wie alle anständigen Menschen! So, wie die Schaefflers.

Günstigen Wohnraum, Bildung, Soziales, Altersversorgung – für einen derartigen Schnick-Schnack schmeißt das Erzbistum München-Freising das über Jahrtausende mit Folter und „Türkollekte“ erpresste Geld aus dem Fenster, statt den Deutschen für gute drei Monate den Konsum von Bier und Eiscreme zu ermöglichen. Dafür muss das geschundene Volk nämlich Jahr für Jahr höchstselbst 21 Milliarden Euro (24 Milliarden US-Dollar) berappen, während die Peiniger in München-Freising selbstsüchtig „den Wohnmarkt entlasten“!

Aber, was will man schon von der Katholischen Kirche erwarten?!

(Josef Bordat)

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Bequem und höchstvortheilhaft

Heute vor 300 Jahren wurde Jacob Christian Schäffer geboren, der Erfinder der Waschmaschine.

Jacob Christian Schäffer, am 31. Mai 1718 als Sohn eines evangelischen Pfarrers geboren, studierte in Halle Theologie. 1760 machte ihn die Universität Wittenberg zum Magister und Doktor der Philosophie. 1763 erhielt er ein theologisches Doktordiplom in Tübingen. Unzählige wissenschaftliche Akademien in ganz Europa machten ihn zu ihrem Mitglied.

Die eigentliche Lebensleistung liegt jedoch jenseits von Philosophie und Theologie: Schäffer beschäftigte sich mit Elektrizität, Farbenlehre und Optik und konstruierte entsprechende Instrumente und technische Geräte, mit dem Ziel, diese „wirtschaftsnützlich zu gebrauchen“ (immer diese Prädestinationsvorstellung; Weber, Max – ick hör dir trapsen!). 1767 erschien Schäffers Schrift „Die bequeme und höchstvortheilhafte Waschmaschine. Wie solche in den damit gemachten Versuchen bewährt gefunden“.

Jacob Christian Schäffer hatte „bewährt gefunden“, was heute in kaum einem deutschen Haushalt fehlt: die Waschmaschine. Sein Modell arbeitete mit gegeneinander verschiebbaren Zapfen, so genannten „Rührflügeln“ – eine Funktionsweise, die bis Mitte der 19. Jahrhunderts Standard war. Eine Nachbildung seiner Waschmaschine steht heute im Miele-Museum in Gütersloh.

Wer sagt, Philosophen und Theologen seien zu nichts zu gebrauchen?

(Josef Bordat)

Zeit und Wert

Die Uhrumstellung folgt dem Paradigma der ökonomischen Verwertung von Zeit. Drei Gedanken dazu.

1. Zeit geriet durch die Entwicklung der Zeitmessung vom Naturzustand unterschiedlichen Zeiterlebens in den Zustand der gleichförmigen wirtschaftlichen Verwertbarkeit. Seit Beginn der Neuzeit wird Zeit mit Geldwert in Verbindung gebracht und einheitlich bemessen. Die Rhythmik der Zeit ist einer Monotonie gewichen, in der kaum noch zwischen Tag und Nacht, Werk- und Sonntag unterschieden wird. Die Struktur des Tages, die Jahrhunderte hindurch von Gebetszeiten bestimmt wurde (Stundengebet), ist aufgehoben: „The city never sleeps“. Die wirtschaftliche Nutzung der Zeit, ihre Stückelung in vermeintlich gleichwertige Abschnitte und die Kontrolle über ihre Verwertung im Sinne des Effizienzgedankens haben die Industrialisierung vorangetrieben (Schichtproduktion) und – durch eine immer weiter vorangeschrittene Verdichtung der Zeit – die Informationsgesellschaft hervorgebracht, die in Lichtgeschwindigkeit Daten als ökonomische Güter handelt.

2. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts ergibt sich damit ein Problem für den weiteren wirtschaftlichen Umgang mit der Zeit: Sie lässt sich nicht weiter verdichten, denn es geht nicht schneller als in der Lichtgeschwindigkeit des Internet. Der Herausforderung optimaler Nutzung von Zeit kann die Wirtschaft bei gegebener Duration heute also nicht mehr im Rahmen gesteigerter Sukzessivität (Verdichtung durch Beschleunigung), sondern nur durch progressive Simultanität (Parallelisierung) gerecht werden. Zudem kann durch Anpassung (also: Umstellung) der Wert eines Zeitabschnitts gesteigert werden, etwa dadurch, dass mehr und länger andauernde Helligkeit in Phasen der „Freizeit“ zu Handlungen veranlasst, die sonst unterblieben. Denn: Auch – und gerade – Freizeit gehört zum Verwertungskalkül eines ökonomischen Umgangs mit Zeit.

3. Der Versuch der neuen Ökonomie, Wachstum nicht mehr über Beschleunigung, sondern über Parallelisierung (multi tasking, cross selling, permanente Erreichbarkeit) zu generieren, wirft Probleme der Überforderung, Abhängigkeit und ökonomischen Ungerechtigkeit auf. Die Kritik an der Zeitparallelisierung bezieht sich auf die Qualität des wirtschaftlichen Produkts, dem keine Reifung mehr vergönnt ist (zu kurze Entwicklungszeiten technischer Produkte), auf die im vorherrschenden Trend noch mehr aufgehobene Strukturiertheit des menschlichen Lebens (24-Stunden-Gesellschaft), auf die vom zusammenbrechenden Sozialsystem weiter forcierte Vereinzelung des zeitlich zur absoluten Flexibilität genötigten „Simultanten“ (Ego- / Single-Gesellschaft), insbesondere aber auf die gesundheitlichen Risiken durch die hohe Belastung des Parallelitätsdrucks, die sich aus der Zerrissenheit zwischen dem Hier der physischen und dem Dort der psychischen Präsenz ergeben.

(Josef Bordat)

Armut in Deutschland

Natürlich ist es Unfug, pauschal zu sagen, es gäbe keine Armut in Deutschland. Es gibt Armut. Das kann man auch ohne Expertenberichte und Wirtschaftsstudium sehen, wenn man mit offenen Augen durch Berlin geht. Dennoch ist es wichtig, einige Dinge zu klären, um die Situation richtig einschätzen zu können.

Absolut arm ist in Deutschland niemand. Absolut arm ist jemand, der mit weniger als 1,50 Euro (1,90 US-Dollar) pro Tag auskommen muss. Das gilt für etwa zwei Milliarden Menschen auf der Welt. Für Menschen in Deutschland gilt das nicht.

Relativ arm sind in Deutschland relativ viele, Tendenz steigend. Relativ arm ist jemand, der weniger als 40 Prozent des Durchschnittseinkommens zur Verfügung hat. Von relativer Armut bedroht ist jemand, der weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens zur Verfügung hat. Das traf in den vergangenen 25 Jahren auf elf bis 16 Prozent der Bevölkerung zu; tendenziell ist der Anteil der von relativer Armut bedrohten Menschen ansteigend (elf bis zwölf Prozent in den 1990er Jahren, zwölf bis 16 Prozent seit 2000).

Heißt das, dass es den Menschen in Deutschland immer schlechter geht? Nein. Dazu muss man wissen, dass die Bezugnahme auf das Durchschnittseinkommen paradoxe Effekte mit sich bringt.

Tendenziell gibt es in einer immer wohlhabender werdenden Gesellschaft, in der die unteren Einkommensgruppen unterproportionalen Einkommenszuwachs verzeichnen (oder Transferleistungen wie „Hartz IV“ nicht proportional angepasst werden), immer mehr „relativ arme“ Menschen, auch, wenn diese sich tatsächlich mehr leisten können als zuvor.

Kommt in der Berechnung das arithmetische Mittel zur Anwendung (was in Deutschland nicht der Fall ist), hätte bereits der Zuzug eines einzigen Milliardärs zur Folge, dass plötzlich Tausende „relativ arm“ wären, ohne, dass sich etwas in ihrem Leben geändert hätte – einfach dadurch, dass das Durchschnittseinkommen durch diesen Milliardär angehoben würde. Umgekehrt würde die „relative Armut“ über Nacht abnehmen, wenn sehr reiche Menschen Deutschland verließen.

Wird in der Berechnung der Median zugrunde gelegt (was in Deutschland der Fall ist), wird dieser paradoxe Effekt vermieden. Aber ein Ansteigen der Mittelstandseinkommen, der geeignet ist, den Median zu verschieben, hat einen ähnlich paradoxen Effekt. Es bedeutete eben bei gleichzeitig weniger stark ansteigenden Transferleistungen eine Zunahme „relativer Armut“. „Relative Armut“ ließe sich also nur dadurch bekämpfen, dass der „Hartz IV“-Satz dauerhaft prozentual stärker steigt als die Mittelstandseinkommen.

Nur müsste ein solcher Anstieg auch finanziert werden – etwa über höhere Sozialabgaben oder höhere Steuern. Träfen diese Maßnahmen auch jene Menschen, deren Einkommen am „Rande“ der „60-Prozent-Grenze“ liegen, bestünde die Gefahr, dass dadurch zahlreiche Menschen in die Armut gedrückt würden. Wiederum ein paradoxer Effekt.

Sinnvoller wäre es, die relative Armut anhand der absoluten Preis-, nicht anhand der relativen Einkommensentwicklung zu bestimmen. So hätte man die Kaufkraft angesichts absoluter Lebenshaltungskosten als Indikator für Armut. Wenn man mit einem festen Betrag X über Jahre hinweg Waren im Umfang von Y kaufen kann, dann kann es einem ja egal sein, ob der (besserverdienende) Nachbar jetzt 1,2*Y und in drei Jahren 1,7*Y kaufen könnte, wenn er wollte.

Der Armut in Deutschland kann man aber nur dann wirklich begegnen, wenn man den Begriff öffnet, also um kulturelle und auch spirituelle Aspekte erweitert. Mit relativ wenig Geld lässt sich mit Klugheit und Bescheidenheit in Deutschland ein relativ gutes Leben führen, aber nicht ohne Bildung, ohne Teilhabe und ohne Sinn.

(Josef Bordat)