Das „Weyhnachts-Lied“

Am 24. Dezember 1818 wird in der Schifferkirche St. Nikola in Oberndorf bei Salzburg das Weihnachtslied „Stille Nacht, heilige Nacht“ erstmals gesungen.

Komponiert hatte es am gleichen Tag Conrad Franz Xaver Gruber auf einen Text, den Joseph Mohr bereits 1816 verfasst hatte. In seiner Urspruchsfassung heißt es einfach „Weyhnachts-Lied“.

Stille Nacht! Heil’ge Nacht!
Alles schläft. Einsam wacht,
Nur das traute heilige Paar,
Holder Knab’ im lockigten Haar;
Schlafe in himlischer Ruh!
Schlafe in himmlischer Ruh!

Stille Nacht! Heil’ge Nacht!
Gottes Sohn! O! wie lacht
Lieb’ aus Deinem göttlichen Mund,
Da uns schlägt die rettende Stund;
Jesus! in Deiner Geburth!
Jesus in Deiner Geburth!

Stille Nacht! Heil’ge Nacht!
Die der Welt Heil gebracht,
Aus des Himmels goldenen Höh’n,
Uns der Gnade Fülle läßt seh’n
Jesum in Menschengestalt!
Jesum in Menschen-Gestalt!

Stille Nacht! Heil’ge Nacht!
Wo sich heut alle Macht
Väterlicher Liebe ergoß,
Und als Bruder Huldvoll umschloß
Jesus die Völker der Welt!
Jesus die Völker der Welt!

Stille Nacht! Heil’ge Nacht!
Lange schon uns bedacht,
Als der Herr vom Grimme befreyt,
In der Väter urgrauer Zeit
Aller Welt Schonung verhieß!
Aller Welt Schonung verhieß!

Stille Nacht! Heil’ge Nacht!
Hirten erst kundgemacht
Durch der Engel „Hallelujah!“
Tönt es laut bey Ferne und Nah
„Jesus der Retter ist da!“
„Jesus der Retter ist da!“

Heute ist es das Weihnachtslied. Wer sich seiner Entstehungsgeschichte annähern will, dem sei der Film „Stille Nacht“ (2012) empfohlen; er erzählt sie ebenso unterhaltsam wie besinnlich. Sehenswert.

(Josef Bordat)

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Wir schaffen das!

Es scheint, als wolle die SPD, die von über 40 Prozent in den 1970er Jahren auf nunmehr etwas über 10 Prozent gefallen ist, bei der nächsten Bundestagswahl im Herbst 2021 an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern. Mit Brachialgewalt wird dieses Ziel zumindest schon mal von der Jugendorganisation, den JuSos, in Angriff genommen, die nun fordert, Abtreibungen grundsätzlich und uneingeschränkt zuzulassen. Wenn irgend möglich, bis zur Geburt. Und dafür soll dann auch geworben werden dürfen.

Welche moralischen, rechtssystematischen, sozialen, psychologischen, medizinethischen (das Berufsethos des Arztes eingeschlossen) und lebenspraktischen Folgen das hat, darüber haben sich die Befürworterinnen und Befürworter dieses Ansinnens offenbar nur höchst unzureichend Gedanken gemacht. Welche politischen Folgen für die SPD solche Vorstöße haben, scheint aber schon eher im Kopf der Delegierten gewesen zu sein: Marginalisierung. Und die Fünf-Prozent-Hürde ist schließlich das Ziel. Motto: Wir schaffen das!

(Josef Bordat)

Weihnachtsgeschichte im Kindergarten

So, liebe Kinder. Ich lese euch jetzt die Weihnachtsgeschichte vor. Ja, die gibt es auch als Animationsvideo, aber ich lese sie euch vor. Dauert nicht lange. Die hat der Lukas aufgeschrieben… nein, nicht der Podolski. Einfach „Lukas“. Man sagt ja auch: „Matthäus“. So, jetzt ist Ruhe hier. Also. „Es begab sich aber zur der Zeit, daß ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, daß alle Welt geschätzt würde. Und diese Schätzung war die allererste und geschah zur Zeit, da Quirinius Statthalter in Syrien war.“ Was? „Augustus“, „Quirinius“ – komische Namen? Da hast Du recht, Malte-Kevin! „Und jedermann ging, daß er sich schätzen ließe, ein jeder in seine Stadt.“ Wie bitte? Nein, die mussten da wirklich hin. „Online“ ging damals nicht. So, jetzt aber mal wieder zuhören. „Da machte sich auf auch Josef aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, weil er aus dem Hause und Geschlechte Davids war, damit er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe; die war schwanger.“ Ja, das war jetzt ein Satz mit mehr als 140 Zeichen, stimmt! Das ging damals noch. „Und als sie dort waren, kam die Zeit, daß sie gebären sollte.“ Ja, richtig: „logisch“. Aber darum geht es jetzt nicht. „Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.“ Was? Nein, auch über Airbnb war nichts mehr frei. Die mussten wirklich in den Stall. Wie? Nein, „wegen Tierschutz“ hat man sie nicht „drangekriegt“, jedenfalls nicht, dass ich wüsste. „Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde. Und der Engel des Herrn trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr.“ Ja, sicher. Hättest Du da keine Angst? Gut, ja „Laserschwert“… aber das hatten die Hirten damals nicht. Hört mal weiter zu, bitte. „Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus der Herr, in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen: ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen.“ „Krippe“, Malte-Kevin, nicht „Gerippe“! Wo die so schnell die Windeln her hatten? Also, das waren mehr so Tücher. Und die hatten die dabei. Hm? Ja, warum auch nicht. Bitte? Das weiß ich nicht, ob die die schon aus Nazareth mitgebracht hatten. Vielleicht haben sie die Tücher ja in Bethlehem gekauft. „Bethlehem“, Malte-Kevin, nicht „Bettlaken“! So, weiter. Ihr wollt doch noch die Plätzchen essen, oder? Also! Ja, die sind vegan. Glaub ich. Was? Laktose? Müsste ich mal gucken. Puh. Sehen wir gleich nach, OK? Ich weiß, Dein Papa ist Rechtsanwalt – ich guck gleich nach! Jetzt aber erst mal weiter, die Geschichte ist noch nicht zuende. „Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.“ Das heißt soviel wie „gut gefallen“, „mögen“. Was? Ja, oder „liken“. „Und als die Engel von ihnen in den Himmel fuhren, sprachen die Hirten untereinander: Laßt uns nun gehen nach Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat.“ Das bedeutet: „mitgeteilt“. „Getwittert“? Naja, meinetwegen. „Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Josef, dazu das Kind in einer Krippe liegen. Als sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, das zu ihnen von diesem Kinde gesagt war. Und alle, vor die es kam, wunderten sich über das, was die Hirten gesagt hatten. Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen.“ Also, im übertragenen Sinne. Was? Nein. „Bewegen“ im übertragenen Sinne. „Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war.“ So, das war die Weihnachtsgeschichte. Hat sie euch gefallen? Wie bitte? Verstoß gegen das Neutralitätsgesetz? Kann sein, Malte-Kevin.

(Josef Bordat)

Forschungsprojekt sucht Freiwillige

Im Rahmen eines Forschungsprojekts am Institut für Psychologie der Universität Bern werden derzeit Probanden für eine Online-Umfrage zu Glaubenseinstellungen gesucht.

Zur Umfrage gelangen interessierte Leserinnen und Leser hier.

Hinweis: Ich habe weder etwas mit der Universität Bern noch mit der Umfrage zu tun. Ich bin lediglich gebeten worden, auf diese aufmerksam zu machen, was ich gerne tue.

(Josef Bordat)

Nikolaus. Einige Fakten

Nikolaus lebte zwischen 270 (frühest mögliches Geburtsjahr) und 365 (spätestes mögliches Sterbejahr). Über sein Leben wissen wir fast nichts.

Fest steht: 1. Während der Christenverfolgung im Jahr 310 wurde Nikolaus gefangen genommen und gefoltert. 2. Nikolaus war in der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts Bischof von Myra. 3. Als solcher nahm Nikolaus (höchstwahrscheinlich) am Ersten Konzil von Nicäa (325) teil.

Fest steht ferner: Nikolaus hat sein ererbtes Vermögen den Armen gegeben. Das ist durch verschiedene Quellen belegbar. Wie genau er das Vermögen verteilte, ist nicht bekannt. Seine tätige Nächstenliebe ist Gegenstand zahlreicher Legenden.

Der Heilige Nikolaus
Der Heilige Nikolaus, dargestellt mit drei Goldkugeln als Attribut nach der Mitgiftspenden-Legende. Seitenaltar in der Chiesa del Gesù Nuovo, Neapel. Foto: JoBo, 11-2018.

Nikolaus‘ Reliquien befinden sich in der eigens dafür errichteten Basilika San Nicola in Bari. Sie wurden im 11. Jahrhundert von süditalienischen Kaufleuten vor den Seldschuken in Sicherheit gebracht, die Myra eroberten.

Nikolaus ist Patron zahlreicher Kirchen, unter anderem der ältesten Kirche Berlins, der Nikolaikirche aus der Mitte des 13. Jahrhunderts. Eine besonders sehenswerte Kirche ist San Nicolás in Valencia.

(Josef Bordat)

Nikolaus am Niederrhein

Der Beitrag ist dem Niederrheiner Hanns Dieter Hüsch gewidmet, der am Nikolaustag vor 13 Jahren verstorben ist.

Am Niederrhein ist es Tradition, dass der Nikolaus am Abend des 5. Dezember um die Häuser zieht und die Kinder besucht, um Ihnen die Geschenke zu bringen. Ich erinnere mich noch gut an den Nikolaus.

Der Nikolaus ist so etwas wie eine moralische Instanz. Der fragt immer: „Na, warst Du auch schön brav?“ Oder – gegen Aufpreis: „War die Maxime Deines Handelns jederzeit so, dass Du wollen kannst, sie werde zur Grundlage eines allgemeinen Gesetzes?“

Weil der Niederrhein an der Grenze zu Holland liegt, kam ab und zu auch der „Zwarte Piet“ (heute ersetzt durch die „weiße Petra“, unbezopft). Das ist der holländische Knecht Ruprecht. Der Mann für’s ganz Grobe. Knecht Ruprecht oder Zwarte Piet – is’ eigentlich das Gleiche. Die kann man trotzdem unterscheiden: Der Zwarte Piet hat ’nen TUI-Katalog unter’m Arm.

Ja, der Nikolaus. Eine moralische Instanz. Wichtigste moralische Instanz am Niederrhein, gewissermaßen der Sicherheitsrat, das sind jedoch „die Leute“. Bevor ein Diktator in Düsseldorf Giftgas gegen die Zivilbevölkerung einsetzt, muss er sich die Frage stellen: „Wat denken die Leute?“

Die fünf ständigen Mitglieder des Sicherheitsrats sind am Niederrhein „die Nachbarn“. Die Nachbarn haben ein Veto-Recht in allen Fragen, die das Leben des Niederrheiners betreffen. „So kannst Du nicht rumlaufen, wat sollen die Leute denken? Und ers’ ma’ die Nachbarn!“

Ja, der Niederrhein. Den Niederrheiner an sich zu beschreiben bzw. das, was von ihm übrig bleibt, ist im Grunde nicht möglich. Man kann sich dem Niederrheiner und seiner Lebensart nur annähern. Am besten ist es in diesem Zusammenhang, wir schauen uns mal an, wie die berühmte Gretchenfrage aus Goethes „Faust“ gestellt und beantwortet worden wäre, wenn Goethe Niederrheiner gewesen wäre. Die Situation is’ klar. Ja? Ne, ich frag nur, vielleicht lesen Physik-Studenten mit. Is’ aber klar, oder? Na, dann.

Also.

Gretchen: Hömma, wie ist dat mit de Religion?
Faust: Wie, Religion?

Der Niederrheiner fragt immer noch mal nach. Zur Sicherheit.

Gretchen: Ja, Religion! Wat is damit?
Faust: Wat soll damit sein?

Damit ist das Präludium des Dialogs abgeschlossen. Jedes Gespräch am Niederrhein beginnt mit dem in sich abgeschlossenen Vierzeiler: Ausgangsfrage, Rückfrage, Bestätigungsfrage, Abschlussfrage. Ausgangsfrage: Hömma, wie is dat? – Rückfrage: Wie, dat? – Bestätigungsfrage: Wat is damit? – Abschlussfrage: Wat soll damit sein?

Jetzt tritt der Dialog in die entscheidende Phase.

Gretchen: Ja, dat frag ich Dich!
Faust: Ja, wat weiß ich?!

Und mit der manchmal etwas unwirsch vorgetragenen finalen Endfrage ist das Gespräch beendet und beide sind zufrieden. Manchmal schließt sich noch ein beschwichtigendes „Und, sons’?“ an oder ein „Zuhause alles klar?“. „Zuhause“ ist dabei nicht räumlich gemeint, sondern meint die Gesamtheit der Lebensumstände.

Wir üben das jetzt mal.

Beispiel: Umsatzsteuererklärung.

Hömma, wie ist datt mit de Umsatzsteuererklärung?
Wie, Umsatzsteuererklärung?
Ja, Umsatzsteuererklärung! Wat is damit?
Wat soll damit sein?
Ja, dat frag ich Dich!
Ja, wat weiß ich?!
Und, sons’? Zuhause alles klar?

Beispiel: Störfall im Atomkraftwerk Hamm-Uentrop.

Hömma, wie ist dat mit de Störfall im Atomkraftwerk Hamm-Uentrop?
Wie, Störfall im Atomkraftwerk Hamm-Uentrop?
Ja, Störfall im Atomkraftwerk Hamm-Uentrop! Wat is damit?
Wat soll damit sein?
Ja, dat frag ich Dich!
Ja, wat weiß ich?!
Und, sons’? Zuhause alles klar?

Nur der unendlichen Gnade Gottes ist es zu verdanken, dass das Bundesland Nordrhein-Westfalen immer noch existiert.

(Josef Bordat)

Frau, Mission, Maria

Nein, kein neuer Arbeitskreis der Kirche – Frau, Mission, Maria sind die Themen der drei aktuellen Radio- und TV-Produktionen aus dem Kontext des „Sündenregister“-Buchs heraus.

Frau. Feindbilder sind leichter zu zeichnen als realitätsnahe Porträts. Und zu den hartnäckigsten Vorurteilen, denen sich die Kirche immer wieder ausgesetzt sieht, gehört ihre vermeintliche Frauenfeindlichkeit, die es z.B. nicht zulasse, dass Frauen Priester werden können. Ist die Kirche nur ein „Klub der alten Männer“? Ist das Christentum eine Religion, die den Mann mehr achtet als die Frau? Über diese Fragen spreche ich mit Volker Niggewöhner (Kirche in Not, „Glaubenskompass“).

Mission. Ebenfalls mit Volker Niggewöhner (Kirche in Not, „Glaubenskompass“) spreche ich über das Thema Mission. „Geht hinaus in die ganze Welt, und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen“, lesen wir im Markusevangelium, ähnlich lautend auch bei den anderen Evangelisten. Doch obwohl dieser Missionsbefehl sehr deutlich ist und nach christlicher Überlieferung den letzten Auftrag Jesu an die Apostel darstellt, ist das Thema Mission in der Kirche umstritten. Und das hängt sicherlich auch mit der Missionsgeschichte zusammen bzw. mit dem Bild, das wir davon haben. Wie dies zusammenhängt, darum geht es in dem Gespräch.

Maria. Um die Gottesmutter und ihre Bedeutung im Christentum katholischer Prägung geht es schließlich in einem Gespräch mit Gregor Dornis (Radio Horeb, „Katechismus“).

Herzliche Einladung zum Reinschauen und -hören.

(Josef Bordat)