Erpresste Ökumene

Ich komme gerade vom Katholikentag. Ein insgesamt gelungenes Großereignis bei fast durchweg schönem Wetter. Wirklich, ich bin sehr zufrieden, auch, wenn mir in Münster wieder Vieles zu eindeutig gesehen wurde, zu schnell ging, zu oberflächlich blieb.

Eine Begebenheit während der Kommunionspendung (die hier als „Verteilung“ firmiert) zeigte mir dann doch deutlich die Schmerzgrenze meiner Offenheit für die Ökumenebewegung von unten. Eine Kommunionhelferin ging, nachdem die meisten Gottesdienstbesucher, die wollten, bereits kommuniziert hatten, mit der Hostienschale durch die Menschenmenge und machte vor einem neben mir stehenden Katholikentagshelfer halt.

Die Kommunionhelferin fragte ihn: „Habt ihr schon?“ Gemeint waren die diensthabenen Helferinnen und Helfer. Er wolle nicht, so der junge Mann, er sei evangelisch. „Ist doch nicht schlimm!“, meinte die Frau fast empört, jedenfalls so deutlich vernehmbar, dass die Umstehenden es mithören konnten – und drückte dem sichtlich irritierten jungen Mann eine Hostie in die Hand, die dieser dann auch konsumierte.

Es wird deutlich: Der weit größere Respekt vor dem Sakrament der Eucharistie lässt sich bei dem jungen Protestanten erkennen, während die Kommunionhelferin dieses Sakrament als kirchenpolitisches Agitationsfeld komplett missversteht und dabei auch die Gewissensentscheidung des evangelischen Bruders missachtet. Im übrigen darf auch ein Katholik, der „Nein!“ sagt, nicht zum Kommunizieren genötigt werden. Es ist also nicht schlimm, evangelisch zu sein, es ist aber sehr wohl schlimm, dies alles aus ökumenischem Antrieb zu übergehen.

Nichts liegt mir ferner als die Dame nun moralisch anzuklagen. Ich fürchte, sie hat sich schlicht und ergreifend „nichts dabei gedacht“ (was natürlich der größtmögliche aller Vorwürfe ist, das weiß ich wohl). Ich erwähne die Begebenheit nur, weil sich in ihr das Selbstverständnis einer bestimmten Richtung innerhalb der Katholischen Kirche ausdrückt, die meint, durch das Schaffen von Fakten eine „Ökumene von unten“ erpressen zu können. Das ist der falsche Weg. Ich denke, das sieht der junge evangelische Christ ganz ähnlich.

(Josef Bordat)

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Zum Kommunionempfang

Vielmehr: Zur Debatte darüber.

Das Thema „Kommunionempfang für Nicht-Katholiken“ ist kompliziert und ich will mich in der Sache auch gar nicht einlassen. Dazu müsste ich weit ausholen, würde die Unterschiede zwischen Abendmahl und Eucharistie darlegen müssen, und schließlich wohl beim Gewissen landen, das wiederum nicht als Freibrief für jedwelches Verhalten missverstanden werden darf. Das spare ich mir mal. Auch geht es mir nicht um den einen oder anderen Bischof, um die immer deutlicher zu Tage tretende Spaltung in der DBK oder um die alte Leier von einer deutsch-katholischen Kirche in Spannung zu Rom. Das sollen andere darlegen, die das auch viel besser können.

Nur eine Bemerkung: Was mir im „Kommunionstreit“ wieder auffällt, das ist der Mangel an Problembewusstsein bei vielen, die den Sachverhalt einordnen. In Zeitungskommentaren. Im Facebook. Dabei ist es ist es ja nicht etwa so, dass die theologischen Fragen geklärt wären. Es scheint mir lediglich so, dass sie im Bewusstsein der meisten Christen (aller Konfessionen) keine Rolle mehr spielen. Hauptsache zusammen. Irgendwas. Aber: gemeinsam. Wir erhalten mit der Ökumene, die sich so definiert, keine Einheit im Glauben, sondern in Gleichgültigkeit. Und das ist sehr, sehr schade. Für alle Christen. Zusammen.

(Josef Bordat)

Ein Gedanke zum Gründonnerstag

Gott und Mensch verweisen im Martyrium aufeinander: Gott stiftet dem Märtyrer seine übermenschliche Liebe ein, der Märtyrer deutet durch sein Opfer auf Gott.

Dieser Akt gegenseitiger Bezeugung verdichtet sich in der Eucharistie: Es ist die mystische Feier des Opfers Jesu, der als menschgewordener Logos von Gott zum Martyrium bestimmt war, dazu, als Sohn den entscheidenden Fingerzeig Richtung Vater zu geben, und zugleich der Verweis auf alle Nachfolger Christi, die mit ihrem Martyrium auf Gott und die Kirche weisen.

(Josef Bordat)