Kardinal Woelkis Hammerpredigt

Rainer Maria Kardinal Woelki (Köln) betont zu Fronleichnam die Einheit von Sakrament und Institution

Selten habe ich eine Predigt über die Eucharistie gehört, die mich so überzeugt hat, wie die des Erzbischofs von Köln, Rainer Maria Kardinal Woelki. Ich bleibe auch einige Stunden danach bei meiner spontanen Einschätzung: Eine echte Hammerpredigt!

Kardinal Woelki hat darin nachvollziehbar klargestellt, dass die Bejahung des Sakraments der Eucharistie die Bejahung der Katholischen Kirche einschließt. Dass man die Eucharistie nicht herauspräparieren und als eigenes Angebot an Menschen (auch Nicht-Katholiken) richten kann, die nicht zugleich auch in allen anderen liturgischen und ekklesiologischen Fragen katholische Antworten zu geben bereit sind.

Die Eigenständigkeit des Sakraments ist unumstritten, zugleich aber ist seine Bejahung („Amen“) an die Zustimmung zu dessen Einbettung in eine katholische Gesamttheologie gebunden. Damit bekräftigt Kardinal Woelki die traditionelle katholische Deutung der Eucharistie.

Ein Nicht-Katholik mag das anders sehen. Auch innerhalb der Kirche mehren sich Stimmen, das anders auszulegen und zu einer Vorstellung von „punktueller und situativer Katholizität“ zu kommen, die sich ausschließlich auf den Kommunionempfang bezieht. Genau dagegen predigt Kardinal Woelki, indem er den Konnex von Sakrament und Institution betont.

Und er hat das – finde ich – wirklich gut gemacht: überzeugend, engagiert und zugleich sprachlich so einfach, dass alle – auch theologische Laien wie ich – es haben verstehen können.

(Josef Bordat)

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Gut, dass es Fronleichnam gibt

Es ist gut, dass es Fronleichnam gibt. Nicht wegen des freien Tages (bzw. der Einladung zum verlängerten Wochenende) in einigen Regionen Deutschlands, sondern, weil dieses angeblich erzkatholische Fest eine Botschaft für uns alle bereit hält, die aktueller kaum sein könnte.

Denn der Leib des Herrn, den wir morgen (oder bei der „Nachfeier“ in vielen Berliner Gemeinden am Sonntag) in den öffentlichen Raum tragen, erteilt uns eine Lehre, die weit über die Inhalte des katholischen Glaubens hinausweist. Denn jede Fronleichnamsprozession, jede Eucharistiefeier, jeder Kommunionempfang macht uns klar, was der wesentliche Unterschied zwischen dem Geist und der Materie ist.

Wenn der Priester uns die Hostie spendet und sagt „Der Leib Christi“, dann erkennen wir: Die Gaben des Geistes sind unendlich. Sie reichen nicht nur für mich, sondern für alle, die kommen. Mehr noch: Sie vermehren sich und steigern ihren Wert, wenn man sie teilt. Die materiellen Güter hingegen sind endlich und auch nur endlich oft teilbar, ehe sie wertlos werden. Ein Brot, das man wieder und wieder teilt, ist irgendwann ein Haufen Brösel, die keiner mehr essen mag.

Es kann also nicht des Brotes wegen um das Brot gehen, beim Leib Christi, sondern um die Substanz, die sich durch das kleine Stück Brot über uns alle ausbreitet, die uns erfüllt und von der selbst im kleinsten Partikel der Hostie noch alles da ist. Das ist das tiefe Geheimnis der Gegenwart Gottes unter der Gestalt des Brotes. Transsubstantiation, so heißt die Deutung des Wandlungsgeschehens auf philosophischer Ebene, doch das Geheimnis des Glaubens ist tiefer. Das Ausbreiten des neuen Lebens in uns, das Erfülltwerden mit Christus selbst, das kann auch der nicht restlos ausdeuten, der es erfährt.

Die hoffnungsfrohe Botschaft von Fronleichnam ist: Gott ist mit uns, bei uns und unter uns, auch, wenn wir ihn nicht sehen. Wenn er sich verhüllt in der Gestalt des Brotes und in der Gestalt des Weines. Das ist schwer zu verstehen, zumal in einer Sinnenwelt wie der unseren, in der Sehen und Gesehen werden alles ist. Doch auch im Mittelalter, zu der Zeit als Fronleichnam sich als Fest mit feierlicher Prozession etablierte, hat es angesichts der „tief verborgenen Gottheit“ Erklärungsbedarf gegeben. Thomas von Aquin hat dies in „Adoro te devote“ poetisch verdichtet, im festen Glauben daran, dass einst in Gottes Licht „die Schleier fallen“.

Als Kind dachte ich immer, wir feiern „Froh-Leichnam“. So ganz falsch ist das, wie mir heute scheint, nicht: Wir dürfen uns in der Tat des eucharistischen Herrn freuen und froh durch die Städte und Dörfer tragen, was uns trägt: Jesus Christus als Brot des Lebens.

(Josef Bordat)

Erpresste Ökumene

Ich komme gerade vom Katholikentag. Ein insgesamt gelungenes Großereignis bei fast durchweg schönem Wetter. Wirklich, ich bin sehr zufrieden, auch, wenn mir in Münster wieder Vieles zu eindeutig gesehen wurde, zu schnell ging, zu oberflächlich blieb.

Eine Begebenheit während der Kommunionspendung (die hier als „Verteilung“ firmiert) zeigte mir dann doch deutlich die Schmerzgrenze meiner Offenheit für die Ökumenebewegung von unten. Eine Kommunionhelferin ging, nachdem die meisten Gottesdienstbesucher, die wollten, bereits kommuniziert hatten, mit der Hostienschale durch die Menschenmenge und machte vor einem neben mir stehenden Katholikentagshelfer halt.

Die Kommunionhelferin fragte ihn: „Habt ihr schon?“ Gemeint waren die diensthabenen Helferinnen und Helfer. Er wolle nicht, so der junge Mann, er sei evangelisch. „Ist doch nicht schlimm!“, meinte die Frau fast empört, jedenfalls so deutlich vernehmbar, dass die Umstehenden es mithören konnten – und drückte dem sichtlich irritierten jungen Mann eine Hostie in die Hand, die dieser dann auch konsumierte.

Es wird deutlich: Der weit größere Respekt vor dem Sakrament der Eucharistie lässt sich bei dem jungen Protestanten erkennen, während die Kommunionhelferin dieses Sakrament als kirchenpolitisches Agitationsfeld komplett missversteht und dabei auch die Gewissensentscheidung des evangelischen Bruders missachtet. Im übrigen darf auch ein Katholik, der „Nein!“ sagt, nicht zum Kommunizieren genötigt werden. Es ist also nicht schlimm, evangelisch zu sein, es ist aber sehr wohl schlimm, dies alles aus ökumenischem Antrieb zu übergehen.

Nichts liegt mir ferner als die Dame nun moralisch anzuklagen. Ich fürchte, sie hat sich schlicht und ergreifend „nichts dabei gedacht“ (was natürlich der größtmögliche aller Vorwürfe ist, das weiß ich wohl). Ich erwähne die Begebenheit nur, weil sich in ihr das Selbstverständnis einer bestimmten Richtung innerhalb der Katholischen Kirche ausdrückt, die meint, durch das Schaffen von Fakten eine „Ökumene von unten“ erpressen zu können. Das ist der falsche Weg. Ich denke, das sieht der junge evangelische Christ ganz ähnlich.

(Josef Bordat)

Zum Kommunionempfang

Vielmehr: Zur Debatte darüber.

Das Thema „Kommunionempfang für Nicht-Katholiken“ ist kompliziert und ich will mich in der Sache auch gar nicht einlassen. Dazu müsste ich weit ausholen, würde die Unterschiede zwischen Abendmahl und Eucharistie darlegen müssen, und schließlich wohl beim Gewissen landen, das wiederum nicht als Freibrief für jedwelches Verhalten missverstanden werden darf. Das spare ich mir mal. Auch geht es mir nicht um den einen oder anderen Bischof, um die immer deutlicher zu Tage tretende Spaltung in der DBK oder um die alte Leier von einer deutsch-katholischen Kirche in Spannung zu Rom. Das sollen andere darlegen, die das auch viel besser können.

Nur eine Bemerkung: Was mir im „Kommunionstreit“ wieder auffällt, das ist der Mangel an Problembewusstsein bei vielen, die den Sachverhalt einordnen. In Zeitungskommentaren. Im Facebook. Dabei ist es ist es ja nicht etwa so, dass die theologischen Fragen geklärt wären. Es scheint mir lediglich so, dass sie im Bewusstsein der meisten Christen (aller Konfessionen) keine Rolle mehr spielen. Hauptsache zusammen. Irgendwas. Aber: gemeinsam. Wir erhalten mit der Ökumene, die sich so definiert, keine Einheit im Glauben, sondern in Gleichgültigkeit. Und das ist sehr, sehr schade. Für alle Christen. Zusammen.

(Josef Bordat)

Ein Gedanke zum Gründonnerstag

Gott und Mensch verweisen im Martyrium aufeinander: Gott stiftet dem Märtyrer seine übermenschliche Liebe ein, der Märtyrer deutet durch sein Opfer auf Gott.

Dieser Akt gegenseitiger Bezeugung verdichtet sich in der Eucharistie: Es ist die mystische Feier des Opfers Jesu, der als menschgewordener Logos von Gott zum Martyrium bestimmt war, dazu, als Sohn den entscheidenden Fingerzeig Richtung Vater zu geben, und zugleich der Verweis auf alle Nachfolger Christi, die mit ihrem Martyrium auf Gott und die Kirche weisen.

(Josef Bordat)