Kollektiv und Individuum. Oder: Wie es zusammen besser geht

Wenn man sich das WM-Geschehen anschaut, kann man den Triumph starker Kollektive über herausragende Individuen erkennen.

Frankreich, Belgien, England und Kroatien haben einen ausgeglichenen Kader von sehr guten Spielern, ohne dass jemand allzu weit herausragt.

Das gilt auch für andere Mannschaften, die verhältnismäßig erfolgreich waren, also Schweden, Japan, Russland, Dänemark.

Mannschaften hingegen, die zu sehr auf einzelne Superstars setzten, scheiterten, allen voran Argentinien und Portugal, aber auch Brasilien und Polen.

Sie schieden aus, weil der Abstand zwischen dem Besonderen und dem Gewöhnlichen zu groß war, um jenem durch dieses Geltung zu verschaffen.

Die WM ist also auch eine Manifestation der Bedeutung von Gemeinschaft, die immer dann besonders gut funktioniert, wenn sich der Einzelne zum Wohle aller einordnet.

(Josef Bordat)

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Wir

Wer vor vier Jahren den Weltmeister gefeiert hat, der muss jetzt auch durch das Vorrunden-Aus durch.

Das Wir umfasst nicht nur den kollektiven Triumph, sondern immer auch die Demut. Und die sagt einem: „Wir“ haben es nicht verdient, im WM-Achtelfinale zu stehen. Ein glücklicher Freistoß allein in fast 300 Minuten Fußball rechtfertigt eben nicht den Zugang zur Weltspitze.

Es war vielleicht nicht die Rückkehr des Rumpelfußballs, aber vielleicht eine neue Dimension von Angsthasenfußball. Doch allzu sportlich möchte ich gar nicht werden, das können andere viel besser. Entscheidend ist für mich das Wir der Gemeinschaft, die ohnehin immer fragiler wird. Das sollte auch jetzt zählen: Wir haben verloren. Wir sind ausgeschieden. Wir.

Zu gönnen ist es spielerisch starken Mexikanern und kämpferisch vorbildlichen Schweden. Und natürlich den Koreanern, die heute hochverdient gewonnen haben.

(Josef Bordat)