Studie: Gläubige bewältigen Corona-Krise besser

Soziologen der Uni Wien haben festgestellt: Wer betet und wem der Glaube wichtig ist, kommt optimistischer und besser durch die Corona-Krise.

Katholisch.de berichtet über die Studie und fasst deren Ergebnisse zusammen: „Dabei zeigte sich, dass stärker religiöse Menschen aktivere Strategien der Krisenbewältigung anwenden. Während weniger religiöse Menschen dazu neigen, die Krise zu verdrängen oder zu negieren, suchen religiösere eher nach sozialer Unterstützung und setzen sich stärker mit der Krise auseinander als weniger religiöse Menschen. Zudem ist die sehr religiöse Gruppe die einzige, die besonders optimistisch in der Krise agiert. Insgesamt hatten in der Studie die sehr religiösen Menschen die höchste Lebenszufriedenheit in der Krise“.

Zunächst finde ich es interessant, dass einige Kommentatoren des Facebook-Teasers zum katholisch.de-Artikel, die auf die Leistungen und Errungenschaften der Wissenschaft schwören, um von dieser hohen Warte aus das angebliche Versagen und die angebliche Rückständigkeit der Religion zu geißeln, eine wissenschaftliche Studie kurzerhand mit „Unsinn“, „Fake News“, „Quatsch“ aus der Welt schaffen wollen.

Einer schreibt gar: „Schenke der Studie keinen Glauben. Man muss an sich und die Wissenschaft glauben“. Das klingt doch mal logisch: Die apodiktisch postulierte Pflicht, an die Wissenschaft zu glauben, verbietet es, an eine wissenschaftliche Studie zu glauben. Tja. Wissenschaft findet offenbar nur statt, wenn die Ergebnisse stimmen. Richtige Ergebnisse, richtige Wissenschaft. Wissenschaftstheorie nach Facebook-Art. So mache ich das ab jetzt auch. Macht vieles leichter.

Zu den Ergebnissen der Studie: Diese überraschen nicht. Das Gebet hat – ganz abgesehen von der Bedeutung innerhalb des Glaubens, der nicht Gegenstand der empirischen Sozialforschung ist – nachweislich eine stabilisierende, ausgleichende Wirkung. Das kann man messen. Ähnliches gilt aber auch für Meditation, für Yoga, Stretching oder Ausdauersport. Entscheidend ist: Der Glaube an etwas, das das Hier und Jetzt übersteigt, gibt darüber hinaus Kraft, den Schwierigkeiten im Hier und Jetzt gelassener zu begegnen. Wer ein Warum und ein Wozu kennt, erträgt fast jedes Wie. Aber auch das ist bekannt (man lese Frankl).

Also, es bleibt dabei: Das eigentlich Interessante ist, dass ein kurzer Bericht über die Studie der Uni Wien im Facebook zum Aufreger wird.

(Josef Bordat)