Wie im Film

Manchmal gucke ich sie ganz gerne: Katastrophenfilme. Es gibt – wie bei jedem Genre – gute und weniger gute. Klar. Aber ein Motiv ist in vielen Katastrophenfilmen erkennbar: die Flucht der verstörten Massen aus der Stadt, hinaus aufs Land. Katastrophenfilme spielen ja meist in US-amerikanischen Metropolen – aus Kostengründen suchen sich Außerirdische meist Städte in der Nähe bedeutender Filmproduktionszentren aus – und die Flucht gestaltet sich schwierig: Alle sind mit dem Auto unterwegs, Hunderttausende Fahrzeuge blockieren die Straßen, Hupkonzert. Und mittendrin eine typische amerikanische Kleinfamilie in der Krise, die über das Geschehen wieder zueinander findet. Wie gesagt: Manchmal gucke ich so was ganz gerne.

Raus aus der Stadt! Nur noch weg von hier! Das haben sich vielleicht auch die Jünger gedacht, die Jerusalem in Richtung Emmaus verlassen. Die Katastrophe war geschehen: Jesus gekreuzigt, gestorben und begraben. Das Aus aller Träume von Freiheit und einer besseren Zukunft. Schon wieder ein Scheitern, das sie miterleben mussten. Und jetzt die Bedrohung: Als nächstes kommen die Kollaborateure und Sympathisanten an die Reihe. Petrus hatte den Kopf gerade nochmal aus der Schlinge gezogen, aber lange würde das wohl nicht mehr gut gehen. Dann würde man nicht mehr dreimal nachfragen, sich mit fadenscheinigen Antworten zufriedengeben. Und die Befragung würde auch nicht von irgendwelchen Mägden durchgeführt. Kurzen Prozess würden sie machen mit der Jesus-Bewegung. Also: Bloß weg!

Dann passiert allerdings etwas Unerwartetes: Ein Fremder gesellt sich zu ihnen – und hat keine Ahnung, was los ist. Sie unterhalten sich angeregt und erreichen ihr Ziel. Dann – als die Zeit für den Abschied kommt – sprechen sie eine Einladung aus. Auch das ist nicht unbedingt zu erwarten. Sie überwinden ihre Angst und ihre Verstocktheit und laden den Fremden zu sich ein. Jesus ist ja zu diesem Zeitpunkt immer noch ein Fremder für sie, eine Reisebekanntschaft, gut, aber eben Niemand, mit dem man mitten in der Wüste übernachtet – bei all dem, was da sonst so passiert. Es wird sie etwas Überwindung gekostet haben. Das ist also schon ein kleiner Neuanfang: Nicht mit Trauer, Wut, Angst, Verzweiflung alleine bleiben, sondern im Dienst am Nächsten neue Erfahrungen zulassen.

Und dann geschieht das nächste Unerwartete: Der fremde Gast übernimmt bei Tisch ungefragt die Initiative – und bricht das Brot. Das ist das Zeichen, an dem sie den Herrn erkennen, der sich ihnen gerade im Moment ihrer Erkenntnis entzieht. Sie sind wieder allein. Und doch nicht allein. Ihnen wird bewusst, dass der Fremde ihr Freund ist, den sie betrauert haben. Das Herz – Metapher für das Gewissen, das Bewusstsein, die Seele – brennt. Sie brechen auf – zurück in die Stadt, zurück nach Jerusalem. Neuer Mut, neuer Weg. Jetzt fällt auf, dass sie zu zweit unterwegs sind – entsprechend dem Missionsauftrag Jesu. Sie spüren: Wir haben eine Mission. Zunächst für die Jünger, dann für die ganze Welt. Sie finden wieder zu sich und zu einander. Ein ganz klein wenig – wie im Film.

(Josef Bordat)

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Mission aus katholischer Sicht

Manuskript eines Vortrags in der Katholischen Kirchengemeinde St. Matthias (Berlin-Schöneberg) über das Thema Mission aus katholischer Sicht. Die Veranstaltung findet statt im Rahmen des „Netzwerk der Religionen“.

Vielen Dank für die Einladung!

Ich werde etwa zwanzig Minuten sprechen. Zunächst allgemein über den Begriff der Mission, dann über das Konzept der Mission in Christentum und Kirche. Ferner möchte ich einige Bemerkungen zur Geschichte der Mission machen, ehe ich dann – zum Schluss – auf Aspekte der heutigen Lage missionarischen Wirkens zu sprechen komme.

1. Allgemeine Vorbemerkungen

Mission ist der Versuch, Andere vom Wert der eigenen Überzeugungen zu überzeugen. Da Menschen, die Überzeugungen vertreten, davon ausgehen, dass diese wahr sind, dient Mission in ihren Augen stets der Verbreitung der Wahrheit. Mission ist nicht auf Religionen beschränkt – missionarischer Eifer motiviert ebenfalls alle Versuche, Menschen für bestimmte Weltanschauungen und politische Ansichten zu gewinnen, und zeigt sich zudem in der Reklame für Produkte und Dienstleistungen (oft ironisch überzeichnet, aber dadurch nicht weniger absichtsvoll).

Den Anspruch, die eigene Überzeugung Dritten zu vermitteln, hat wohl jeder, der überhaupt von etwas überzeugt ist. Von einer Sache überzeugt sein und davon reden, bedeutet nicht automatisch, dem Gegenüber mit Intoleranz zu begegnen, auch nicht, wenn es bei dieser Sache um den eigenen weltanschaulichen Standpunkt geht und man von dessen absoluter, universeller Geltung überzeugt ist. Im Gegenteil: Wer eine Position vertritt, von der er glaubt, sie sei wahr, unabhängig von Zeit und Raum, von Kultur und Situation, kann es besser verstehen, wenn auch der andere eine solche Haltung einnimmt und nachdrücklich eine Position vertritt, die er für wertvoll und wichtig hält, die aufzugeben ihm daher sehr schwer fallen muss.

Dieses Verständnis ist die Basis der Achtung davor, trotzdem in einen Dialog eingetreten zu sein, dem Anderen zuzuhören und die eigene Position überdenken zu wollen. Es kommt also darauf an, wie die Überzeugung, mit der man den Anspruch erhebt, dem Anderen etwas Wahres mitzuteilen, das für diesen nützlich und hilfreich ist, an diesen Anderen herangetragen wird. Die Grenze der Missionstätigkeit in Toleranz ist dort zu sehen, wo der Andere das Angebot zur Prüfung bzw. Übernahme der angebotenen Überzeugung ablehnt. Wer weiter insistiert, womöglich mit Druck oder gar gewaltsam, verlässt den Weg einer Mission im Geiste Christi. Und zu dieser Art von Mission im Geiste Jesu Christi komme ich nun.

2. Mission im Christentum

Die Katholische Kirche ist apostolisch, also missionarisch, das heißt, sie ist darauf ausgerichtet, die Botschaft ihres Gründers, Jesus Christus, allen Menschen zu verkünden. Den Auftrag zur Mission erhält sie dabei von Christus selbst: „Da trat Jesus auf sie zu und sagte zu ihnen: Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde. Darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt“ (Mt 28, 18-20).

Diese Mission fordert einen Perspektivenwechsel: vom Ethnozentrismus zum Universalismus. Mit dem Auftrag, „zu allen Völkern“ zu gehen, wird erstmals in der Geschichte die Sphäre der Wertschätzung gegenüber Menschen erweitert. Nicht nur die Angehörigen des eigenen Volkes sind es wert zu erfahren, dass sie von Gott geliebt sind, nicht nur sie haben das Privileg, erlöst zu werden, sondern alle Menschen – „macht alle Menschen zu meinen Jüngern“. Das Christentum wird aufgrund der Mission zur Weltreligion und die Kirche zum ersten „global player“ der Geschichte.

Ziel der Mission ist seit jeher eine globale Verbreitung der Frohen Botschaft Jesu Christi. Tatsächlich breitete sich das Christentum noch im 1. Jahrhundert durch Gemeindegründungen in der ganzen damals bekannten Welt aus, weil die Jünger tatsächlich in die entlegensten Gebiete gingen. Die Briefe der Apostel Petrus und Paulus zeigen das: Sie richten sich an die neuen Gemeinden in Rom, Korinth, Kleinasien und anderswo. Erstaunt notiert Tertullian über die Christen am Ende des 2. Jahrhunderts: „Sie sind erst gestern geboren und schon in der ganzen Welt verbreitet“ (Apologeticum 37, 7).

Also: Klarer Auftrag Christi, zudem aber auch Bedürfnis der ersten Christen: „Wir können unmöglich schweigen über das, was wir gesehen und gehört haben“ (Apg 4, 20). Mission ist also geradezu ein innerer Zwang des Missionierenden. Dass Mission nicht mit Zwang für den zu Missionierenden einhergehen darf, das macht Christus in seinen „Anweisungen für die Mission“ (vgl. Mt 10, 7-15) deutlich, die den Missionsauftrag an Bedingungen knüpft (Friedfertigkeit der Glaubensweitergabe, Freiwilligkeit der Glaubensannahme). Die Schriftstelle lautet: „Geht und verkündet: Das Himmelreich ist nahe! Heilt Kranke, weckt Tote auf, macht Aussätzige rein, treibt Dämonen aus! Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben. Steckt nicht Gold, Silber und Kupfermünzen in euren Gürtel! Nehmt keine Vorratstasche mit auf den Weg, kein zweites Hemd, keine Schuhe, keinen Wanderstab; denn wer arbeitet, ist seines Lohnes wert. Wenn ihr in eine Stadt oder in ein Dorf kommt, erkundigt euch, wer es wert ist, euch aufzunehmen; bei ihm bleibt, bis ihr den Ort wieder verlasst. Wenn ihr in ein Haus kommt, dann entbietet ihm den Gruß. Wenn das Haus es wert ist, soll euer Friede bei ihm einkehren. Wenn das Haus es aber nicht wert ist, dann soll euer Friede zu euch zurückkehren. Und wenn man euch nicht aufnimmt und eure Worte nicht hören will, geht weg aus jenem Haus oder aus jener Stadt und schüttelt den Staub von euren Füßen! Amen, ich sage euch: Dem Gebiet von Sodom und Gomorra wird es am Tag des Gerichts erträglicher ergehen als dieser Stadt.“

Jesus fordert eine Mission in Liebe und durch Überzeugung, die ihre Abbruchbedingung im freien Willen des zu Missionierenden findet. Jesus trug seinen Jüngern auf, ohne materielle Ansprüche in völliger Bedürfnislosigkeit, friedlich und in Toleranz gegenüber Andersgläubigen zu missionieren und dabei heilende, pflegerische und seelsorgliche Arbeit zu leisten. Und selbst die Drohung zum Schluss ist keine Kampfansage, sondern verlagert jede Ambition, die über das, was die Jünger tun sollen, in die Transzendenz, macht sie also zu einer Sache Gottes, nicht des Menschen. Das klingt für uns heute gewaltsam, nimmt aber den Druck aus der Sache. Die Jünger sollen keine Gewalt anwenden und auch nicht bei Widerstand die Stadt verfluchen oder sonst was. Einmal werden Jesus und die Jünger nicht aufgenommen in einem Dorf und dann fragen Jakobus und Johannes: „Herr, sollen wir sagen, dass Feuer vom Himmel fällt und sie verzehrt?“ (Lk 9, 54). Und dann heißt es ganz nüchtern: „Da wandte er [also: Jesus] sich um und wies sie zurecht. Und sie gingen in ein anderes Dorf“ (Lk 9, 55-56). Also: Keine Gewalt, nicht mal als Phantasie.

Die Annahme des christlichen Glaubens kann also nur freiwillig erfolgen, erzwungen werden kann allenfalls die formale Mitgliedschaft in der Glaubensgemeinschaft, also: in der Kirche, durch eine „Zwangstaufe“. Da diese wertlos ist, soweit und solange die innere Haltung zum Glauben fehlt, hat die Kirche ihre Vornahme verboten. Die Argumente dafür waren biblischer, theologischer und naturrechtlicher Art. Es galt der Grundsatz Ad fidem nullus est cogendus, der auch in das um 1130 zusammengestellte Decretum Gratiani Eingang fand (p. II, c. 23, q. 5, c. 33) – „Zum Glauben ist niemand zu zwingen“.

3. Historische Irrwege

Dennoch kamen Zwangstaufen vor. Fälschlicherweise werden sie heute der Kirche zur Last gelegt, obwohl sie keine religiöse, sondern eine politische Funktion hatten und nur dort aufgetreten sind, wo die Kirche als weltliche Macht wirkte. In den ersten drei Jahrhunderten ihrer Geschichte gab es keine Zwangstaufen und keine Schwertmission. Die Menschen entschieden sich freiwillig und oft unter Einsatz ihres Lebens für die Nachfolge Christi. Im Kern ihrer Begründung ist die Kirche dementsprechend nicht durch Gewalt vorbelastet.

Nach der Konstantinischen Wende, als das Christentum Staatsreligion des sich auflösenden Römischen Reiches wurde, wandte es in dieser Funktion als Staatsreligion Zwangsmittel an, um Heiden zu „christianisieren“. Also: In dem Maße, in dem die Kirche eine staatstragende Rolle übernahm (und Kirchenvertreter als weltliche Herrscher fungierten), wurde sie mit der machtpolitischen Forderung nach Zwangstaufen konfrontiert. Dabei wurden die von weltlichen Herrschern angeordneten Formen intoleranter Mission seitens prominenter Kirchenvertreter kritisch gesehen. Zwei bedeutende Beispiele dafür sind die Zwangstaufen, die Karl der Große Ende des 8. / Anfang des 9. Jahrhunderts unter den Sachsen vollziehen ließ, und die Mission in Lateinamerika im Auftrag der spanischen Krone während der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts.

In beiden Fällen waren es weltliche Herrscher, die Mission als Mittel der Machtpolitik einsetzten. Die Kritik an diesem Ansinnen kam aus Kirchenkreisen, von Hofpredigern und Ordensleuten, die mit biblischen, theologischen und natur-, später auch (proto)völkerrechtlichen Argumenten opponierten. Zehn Jahre nachdem Karl der Große gegen die Sachsen in den Krieg gezogen war, erließ er 782 in der Capitulatio de partibus Saxoniae Vorschriften zur Todesstrafe für alle, die sich nicht taufen lassen wollten. Der theologischen Rechtmäßigkeit der Alternative „Taufe oder Tod“ hat sein Hoftheologe Alkuin entschieden widersprochen. Als die Reyes Católicos, die Katholischen Könige, ab 1510 Amerika eroberten und die autochthone Bevölkerung von den Conquistadores im Rahmen einer gewaltsamen Kolonisation nebenbei „christianisiert“ werden sollte, stieß das bei den Missionaren auf massiven Widerspruch, für den vor allem der Dominikaner Bartolomé de Las Casas steht. Der politisch und ökonomisch motivierten Unterdrückung setzt Las Casas die Befreiung „seiner“ Idios durch eine evangeliumszentrierte Mission mit friedlichen Mitteln und ein christliches Leben als positives Beispiel entgegen. Jesus wolle, so Las Casas, dass sein Evangelium „zärtlich, geschmeidig und mit aller Sanftmut“ verkündet werde. Und er zitiert dann auch immer wieder die Missionsbedingungen, an die sich nicht alle halten wollten.

Das ist Geschichte, aus der wir lernen müssen und auch gelernt haben. So komme ich nun zur Mission heute.

4. Mission heute

Was auch heute noch gilt, ist der Missionsauftrag Christi: „Darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe“. Das ist ziemlich eindeutig, davor können wir uns als Christen nicht drücken. Noch einmal: Die Katholische Kirche ist apostolisch, also missionarisch, das heißt, sie ist „als Gesandte unterwegs“ (Ad gentes, Nr. 2 – Ad gentes ist das Dekret über die Missionstätigkeit der Kirche, das vom Zweiten Vatikanischen Konzil formuliert wurde, also auch da war die Mission ein großes Thema). Die Katholische Kirche ist ihrem Wesen nach darauf ausgerichtet, die Botschaft Jesu Christi allen Menschen zu verkünden. Jede Heilige Messe endet mit „Ite, missa est!“ – „Geht, jetzt ist Mission angesagt!“ Aber, eben: „Gehet hin in Frieden!“ oder auch „Gehet hin und bringt Frieden!“. Mission in friedlicher Absicht, das ist unser Auftrag, an den wir jeden Sonntag erinnert werden. Daran hat sich bis heute nichts geändert, auch wenn „Mission“ mittlerweile einen negativen Beigeschmack hat.

Noch einmal: Mission funktioniert nicht mit dem Holzhammer. Also, dass man sagte: „Du musst das jetzt glauben!“ – möglicherweise gefolgt von einem „sonst“ plus Drohung. Mission heißt, dass man sagt: „Ich nehme Dich so, wie Du bist. Aber, wenn Du in Dir die Sehnsucht nach Veränderung spürst, dann habe ich Dir etwas anzubieten, von dem ich überzeugt bin, dass es gut für Dich ist. Melde Dich dann einfach bei mir. Hier – meine Nummer“. So in der Art. Mehr nicht. Aber auch nicht weniger. Das heißt: Ich muss dann auch wirklich bereit sein, den Anderen mit seinen Fragen ernst zu nehmen. Ihn anzunehmen, mitzunehmen, zu Jesus Christus zu führen. Das setzt voraus, dass ich mir Zeit nehme. Und: Dass ich selbst weiß, in welche Richtung der Weg einzuschlagen ist. Nur, wer fest im Glauben steht, kann Andere überzeugen und zum Glauben bringen. Oder zum Zweifel am Unglauben. Das ist ja oft schon eine ganze Menge.

Mission ist in der Kirche heute einerseits Sache großer Organisationen, die in der Welt wirken, seien es Ordensgemeinschaften oder Hilfswerke wie Adveniat, Misereor, oder auch Missio (da steckt der Missionsanspruch schon im Namen), Mission ist aber auch das Wirken eines jeden einzelnen Katholiken in seinem persönlichen Umfeld. Auch katholische Publizisten können missionarisch sein, wenn sie überzeugend vom Glauben und von der Kirche berichten. Ich habe das in meinem aktuellen Buch versucht zu tun. Soweit zur Werbung.

Aber: Mission stößt heute auf Unverständnis, auf Ablehnung, bei uns in Berlin, in vielen Teilen der Welt auch auf rechtliche und faktische Hindernisse, bis hin zu Verfolgung. Auch das sagt Jesus, bevor er die Jünger losschickt – Mission kommt ja von „mittere“ und das heißt nichts anderes als „(los)schicken“ –, also zur Mission bereit macht: „Siehe, ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe; seid daher klug wie die Schlangen und arglos wie die Tauben! Nehmt euch aber vor den Menschen in Acht! Denn sie werden euch an die Gerichte ausliefern und in ihren Synagogen auspeitschen. Ihr werdet um meinetwillen vor Statthalter und Könige geführt werden, ihnen und den Heiden zum Zeugnis“ (Mt 10, 16-18). Das können einige Menschen, die als Missionare zu den Brennpunkte der Welt entsandt wurden, bestätigen. Jedes Jahr werden katholische Missionare getötet, 2017 waren es weltweit 23. Einige von ihnen wurden Opfer „normaler“ Kriminalität (das gibt es natürlich auch), andere starben jedoch durch religiös motivierte Gewalt, d.h. sie wurden getötet, weil sie katholische Missionare sind. Das wiederum kann die Kirche nicht aufhalten, es hat sie bisher auch nicht aufgehalten. Selbst die Verfolgung der Urgemeinde und die Zerstreuung der ersten Christen in die ganze nahöstliche Hemisphäre (vgl. Apg 8) dient am Ende der Verbreitung der christlichen Botschaft, denn mit den Menschen, die in neue Gebiete aufbrechen, gelangt auch die Botschaft des Evangeliums in diese Gebiete.

Diese Erfahrung macht die Kirche Jesu Christi auch in ihrer jüngeren Geschichte. Als in Frankreich das „Gesetz zur Aufhebung der Ordenskongregationen“ (1901) den Auftakt zu einer breit angelegten Zerstörungs- und Vertreibungswelle bildete, führte das beispielsweise zur weltweiten Ausbreitung des Salesianerordens. Die Schwestern und Brüder werden gleichsam gezwungen, ihren Orden und ihre salesianische Spiritualität in andere Länder und Kontinente zu tragen.

In diesem Sinne ist es gut, wenn vertriebene Christen aus dem Irak und Syrien, oder auch Kopten aus Ägypten, Katholiken aus Nigeria oder Kamerun, aus dem Südsudan oder dem Kongo zu uns nach Europa, nach Deutschland, nach Berlin kommen und hier eine Neuevangelisierung voranbringen, die wir aus eigener Kraft nicht schaffen. Gerade die Kirche in Berlin profitiert von der Migration. Die Zahl der Katholiken in unserer Stadt ist in den letzten zehn Jahren von 318.492 auf 331.431 gestiegen, ein Plus von vier Prozent. In welcher Diözese gibt es das sonst, in Mitteleuropa?

Das darf freilich nicht dazu führen, dass man jetzt die Katholiken auffordert, ihre Heimat zu verlassen und nach Europa zu kommen, um hier das christliche Leben zu bereichern – das wäre sehr egoistisch. Doch wenn Verfolgung und Vertreibung dazu führen, dass sie zu uns kommen, so sollten wir sie hier bei uns zumindest mit offenen Armen empfangen, als Menschen in Not und als Christen mit einer Botschaft – einer Botschaft für uns.

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit!

(Josef Bordat)