Pfingsten, oder: Sendung in der Kraft des Geistes

Am Abend dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden die Türen verschlossen hatten, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch! Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, dass sie den Herrn sahen. Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sprach zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist! Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert. (Joh 20, 19-23)

Die Jünger werden gesandt, mit dem Auftrag, Sünden zu vergeben. Sie empfangen dazu von Jesus den Heiligen Geist. Sie empfangen ihn als Gemeinschaft, in deren Mitte Jesus hineintritt. Mehr noch: Sie empfangen ihn gemeinsam. Das passt zu Pfingsten, zum Gründungsfest der Kirche, die mit der Kraft und durch die Gaben des Heiligen Geistes aufgerichtet wird. Pfingsten ist ebenfalls ein Gemeinschaftserlebnis, ein Ereignis, das zeigt, dass es im Christentum neben der individuellen Umkehr und Erlösung auch um die Sammlung der Menschen zum neuen Gottesvolk geht, zur Kirche.

Sieben Worte fallen in diesem Evangelium besonders ins Auge: Furcht, Friede, Zeigen (Zeugnis), Freude, Sendung, Heiliger Geist, Vergebung. Die dahinter stehenden Begriffe umreißen das Wesen der Kirche, auch in ihrer Geschichtlichkeit. Am Anfang steht die Furcht, am Ende steht die Fähigkeit zur Vergebung, mittendrin die Freude. Der doppelte Friedensgruß (mit dem Jesus später auch dem Thomas begegnet) und das Zeugnis Jesu, das Zeigen der Wunden, sorgt für diese Freude. Die Kirche muss sich immer wieder vor Augen führen, dass sie vor allem in dieser und für diese Freude Zeugnis ablegt.

Im Bild des Hauches, des Atems Gottes ist die Wandlung von der Furcht zur Freude zusammengefasst. Die Jünger werden durch den Heiligen Geist für ihre Mission vorbereitet – befähigt, Sünden zu vergeben. Das Bild des Hauches ist zugleich eines der Schöpfung. So wie Gott dem Adam, dem alten Menschen, den Lebensgeist einhauchte, so haucht nun Christus seinen Jüngern den Heiligen Geist ein, durch den sie zu neuen Menschen werden. Es geschieht also in Jesus Christus nicht weniger als eine Neuschöpfung, die sich in der apostolischen Katholischen Kirche als dem neuen Volk Gottes manifestiert.

(Josef Bordat)