Hanau

Wenn Menschen aus dem Ausland mich fragen, was denn eigentlich los sei in Deutschland, kann ich nur noch sagen: Ich weiß es nicht. Ich weiß nicht, warum hierzulande immer mehr Menschen Verschwörungstheorien anhängen, Rechtsextremisten wählen, sich einen Bürgerkrieg wünschen, Gewalt gegen die verüben, die hinsichtlich irgendeiner Eigenschaft anders sind. Ich weiß es nicht. Vielleicht ist es uns einfach zu lange viel zu gut gegangen.

Die Nachricht aus Hanau, wo ein Mensch offensichtlich in zwei Shisha-Bars insgesamt neun Personen erschoss, nach Hause fuhr, seine Mutter und sich selbst tötete, macht mich fassungslos. Nach derzeitigem Stand liegt ein fremdenfeindliches Motiv vor. Der Generalbundesanwalt hat die Ermittlungen übernommen, weil von einer „terroristischen Gewalttat“ auszugehen ist. Der mutmaßliche Täter hatte sich ausländerfeindlich und rassistisch geäußert. Zuvor soll er Verschwörungstheorien über Geheimorganisationen und Untergrund-Labore sowie rassistische Inhalte sich bis hin zu Genozid-Fantasien im Internet veröffentlicht haben.

Psychisch Kranker Einzeltäter? Überzeugter Rechtsextremist? Gewaltsamer Ausdruck der gesellschaftlichen Entwicklung hin zur Akzeptanz von rechtsextremen Ansichten? Vielleicht ist es gerade die Mischung aus allem, die Terrorakte wie den von Hanau ermöglichen. Wenn ich mich so umschaue in den Sozialen Medien, dann steht uns diesbezüglich noch einiges bevor.

Den Opfern der Bluttat und ihren Hinterbliebenen mein Mitgefühl und meine Gebete.

(Josef Bordat)

Fest des Lebens – trotzdem

Zutiefst verstörend, diese Nachricht: Christus ist auferstanden! Wie soll das geschehen: Auferstehung? Doch an diese Nachricht haben wir uns gewöhnt, schließlich hören wir sie jedes Jahr zu Ostern. Nichts Neues. Eine Antwort zu geben, drängt nicht.

Zutiefst verstörend, diese Nachricht: Bei mehreren Anschlägen in Sri Lanka sterben über 100 Menschen, in Kirchen, in Hotels. Wie kann das geschehen? Gewöhnen wir uns auch an solche Nachrichten? So sehr, dass wir sagen: „Nichts Neues!“?

Katholische Christen, Schwestern und Brüder im Herrn, hatten sich in den Kirchen versammelt, um die Auferstehung und das Leben zu feiern. Und fanden bei deser Feier, der schönsten und wichtigsten, die das Christentum kennt, den gewaltsamen Tod.

Das schreit zum Himmel! Wo warst Du, Gott? Hättest Du die Menschen nicht vor dem Terror bewahren können? Dieses eine Mal! – Nur um den Preis, den Attentätern die Freiheit zum Bösen zu nehmen. Das widerspräche der Liebe Gottes, die allen Menschen Freiheit gibt. Zum Beten. Zum Töten.

Nicht der Bombenanschlag hat das letzte Wort. Nicht der Terror, nicht der Krieg, nicht die Gewalt. Nicht die Botschaft der Attentäter. Das letzte Wort hat die biblische Botschaft der Osternacht: Jesus lebt. Und Er ist bei uns alle Tage, bis ans Ende der Welt.

(Josef Bordat)

Ein zweiter Blick

Nachdem der erste Schock über den Anschlag auf zwei Moscheen in Neuseeland einigermaßen verdaut ist, überkommt mich bei den Recherchen zu den Hintergründen erneut großer Schrecken: Vorausgesetzt es stimmt, was man in den zugänglichen Agenturen und den deutschsprachigen Medien über die ideologischen Grundlagen der Terrortat zur Stunde in Erfahrung bringen kann, dann sind diese kaum zu unterscheiden von dem, was praktisch täglich in sozialen Netzwerken und einschlägigen Foren zu lesen ist.

Das bizarre „Manifest“, das angeblich vom mutmaßlichen Täter vor der Tat in einer Art Selbstinterview aufgesetzt wurde, trägt den Titel „The Great Replacement“ („Der große Bevölkerungsaustausch“). Wer „Der große Bevölkerungsaustausch“ (ohne Anführungszeichen) bei Google eingibt, erfährt, dass es sich um ein rechtsextremes Narrativ handelt, das längst zum üblichen Sprachgebrauch all derer gehört, die gegen alles Fremde agitieren.

Der mutmaßliche Täter bezeichnet die in den Gotteshäusern betenden Menschen als „Invasoren“. Ein hierzulande unter Rechten nicht unübliches Synonym für Migranten, insbesondere für diejenigen, die aus Ländern mit muslimischer Bevölkerungsmehrheit stammen. Auf rechtsextremen Plattformen findet es Verwendung und in manchem rechtsextremen Blog gibt es „Invasoren“ schon als „tag“. Wer „Invasoren Orban“ via Google sucht, erhält einen Artikel der Zeitung „Die Welt“ angezeigt, Titel: Orbán sieht Flüchtlinge als „muslimische Invasoren“.

Als Folge der „Invasion“ artikuliert der mutmaßliche Attentäter die Furcht vor einem „Genozid am weißen Mann“. Auch diese Befürchtung wird von Rechtsextremen im deutschen Sprachraum gehegt. Das Blog „Wahrheit Inside“ legt dar, wie der „Völkermord an den Weißen“ von langer Hand geplant und organisiert wurde; dabei scheut sich der Verfasser auch nicht, die historischen Zusammenhänge neu zu arrangieren und entkontextualisierte Zitate von Lemkin und Horowitz zur Untermauerung seines Hirngespinstes einer genozidalen „Neuen Weltordnung“ zu missbrauchen. Freilich eine krude Verschwörungstheorie. Aber lachen kann ich darüber seit ein paar Stunden nicht mehr.

Der mutmaßliche Attentäter fand offenbar Breivik gut, und Trump („Symbol der weißen Identität“), sah gerne „Fox News“, hielt sich zwar nicht für einen Nazi, aber doch für einen Rassisten und Faschisten, dem man den Friedensnobelpreis schulde, denn den habe Nelson Mandela schließlich auch erhalten. Man kommt nicht ganz umhin zu meinen, hier arbeite ein sehr vorausschauender Mann schon mal der Schuldunfähigkeitsthese seines Anwalts zu. Doch: Einfach nur „irre“ – das ist wohl zu wenig. Dagegen spricht, dass ganze Textbausteine des „Manifests“ so oder ähnlich in fast jeder Facebook-Kommentarschlacht aufweisbar sind, dagegen spricht, dass man (fast) jeden Stammtisch auch nach „Bevölkerungsaustausch“-Vermutung und „Invasoren“-Geschwätz unbeschadet verlassen kann.

Was mich so sehr erschüttert: Es scheint, der Anschlag hätte auch in Neustrelitz, Neuruppin oder Neubrandenburg passieren können. Das „Manifest“ wäre dann halt auf deutsch gewesen.

(Josef Bordat)

Anschlag auf zwei Moscheen in Neuseeland

Sollte sich bestätigen, was die Agenturen und Nachrichtenportale melden, wäre dies einer der blutigsten Terrorakte in der jüngeren Geschichte: In der neuseeländischen Stadt Christchurch sind bei einem Angriff auf zwei Moscheen mindestens 49 Menschen ermordet worden.

Vier Personen wurden festgenommen, berichten die Medien. Einer der Verdächtigen ist Australier, nach Behördenangaben ein „rechtsextremistischer gewalttätiger Terrorist“. Doch dazu werden später sicher noch genauere Angaben gemacht werden.

Hier und jetzt: In Gedanken bei den Opfern und ihren Angehörigen.

(Josef Bordat)