Alufolie ist das neue Klopapier

Was man trotzdem aus der unfassbaren Unvernunft Positives herausziehen kann.

Es ist schon erstaunlich, was man so alles hört und liest über Ursprung, Wesen und Ziel der Corona-Pandemie. Ich will das gar nicht im einzelnen bewerten, das habe ich an anderer Stelle schon in hinreichender Deutlichkeit getan.

So ernüchternd das ist (schließlich wollen wir am Gattungsbegriff „homo sapiens“ festhalten), so tragisch die Folgen der Melange aus Ignoranz und Egoismus auch sein werden (ausbaden müssen es zumeist die Andern), so sehr hilft Corona bei der Unterscheidung der Geister. Es stellen sich Inkommensurabilitäten heraus, die man zuvor nur erahnte, jetzt aber kristallklar benennen kann. Wenn das Misstrauen gegenüber und der Hass auf gemeinwesentragende Systeme durch den Corona-Faktor verstärkt werden, kann man viel eher erkennen als zuvor, wo in einer wehrhaften Demokratie (und in einer Kirche, die Vernunft nicht verachtet) die Grenze der Toleranz erreicht ist.

Das Virus und die Debatte, die es auslöste, markieren die Sollbruchstelle so deutlich, dass es keine Entschuldigung mehr gibt. Wo ehedem noch die Möglichkeit des Missverständnisses das flaue Gefühl der Verstörung vorläufig heilte, Respekt vor Titeln, Ämtern und Würden die Kritik hemmte, der Zweifel daran, ob man wirklich nichts übersehen hat, einstweilen half, Ekel und Fremdscham zurückzuhalten, da bricht es jetzt hervor: Es ist wirklich so gemeint – und war es immer. Neue Weltordnung, globale Diktatur, Bevölkerungsaustausch, Der Jude, Die da oben, Mainstream, Migration, DDR 2.0, Merkel, Soros, Gates, Unterirdische Labore, Zwangsimpfung, Bürgerkrieg, Anti-Christ. Donald Trump macht alles richtig.

Jede wohlwollend unterstellte (und auch erhoffte) ironische Note verflüchtigt sich im brutalen Ernst der Kampfrhetorik – wiederholt besiegelt im Angesicht einer Pandemie, die so viele Menschen trifft. Die Fassungslosigkeit zu überwinden, kostet Kraft. Es lohnt sich aber, sie aufzuwenden. Auch, wenn anschließend die Freundesliste im Facebook nicht mehr ganz so lang ist.

(Josef Bordat)