Ohne AfD-Mitglieder

Der 3. Ökumenische Kirchentag wird ohne die Mitwirkung von AfD-Mitgliedern auskommen.

Das Gemeinsame Präsidium des 3. Ökumenischen Kirchentages hat beschlossen, Personen, die „für rassistische oder antisemitische Überzeugungen eintreten und/oder für Positionen werben, die von einer gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit oder von einer ideologischen Distanz zur freiheitlich-demokratischen Rechtsordnung geprägt sind“, nicht als aktiv Mitwirkende auf den Ökumenischen Kirchentag in Frankfurt 2021 einzuladen. Darunter fallen unter anderem auch Mitglieder der Partei Alternative für Deutschland (AfD).

Der Ökumenische Kirchentag soll die „Vielschichtigkeit der gastgebenden Organisationen und ihrer Kirchen, der Teilnehmenden sowie der mitwirkenden Institutionen und Verbände des christlichen und öffentlichen Lebens“ abbilden, heißt es in dem Beschluss. Deshalb haben auch kritische Positionen ihren Platz beim 3. Ökumenischen Kirchentag. Trotzdem müsse man bei Personen, die die oben genannten Gesinnungen vertreten, eine Grenze ziehen.

Der 3. Ökumenische Kirchentag findet vom 12. bis 16. Mai 2021 in Frankfurt am Main statt. Er wird veranstaltet vom Deutschen Evangelischen Kirchentag (DEKT) und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK).

(Josef Bordat)

Fronleichnam im Live-Stream

Berlins Katholiken sollen Online-Gemeinde bilden.

Normalerweise trifft man sich. Die kleine Familie der Berliner Katholiken kommt zur Fronleichnamsfeier um 18 Uhr auf dem Gendarmenmarkt zusammen. In diesem Jahr ist das nicht möglich.

Daher ruft Berlins Erzbischof Heiner Koch in einer Pressemitteilung der Erdiözese dazu auf, sich den Livestream des Fronleichnamsgottesdienstes „gemeinsam als Gemeinde, Gruppe, Einrichtung, Verband oder Dienststelle“ anzuschauen und auf diesem Weg „Gemeinschaft erfahrbar zu machen“.

Die Fronleichnamsfeier wird am Donnerstag, 11. Juni 2020, ab 18 Uhr aus St. Joseph (Berlin-Wedding) übertragen. Der Live-Stream kann über die website des Erzbistums, den Twitter-Account oder die Facebook-Seite empfangen werden.

(Josef Bordat)

Drei Irrwege im Klimaschutz – Teil 3

Nicht alle Ideen zum Klimaschutz sind moralisch gut – zumindest aus Sicht der Kirche bzw. der katholischen Ethik. Ich möchte drei Irrwege nennen.

„CO2 einfach speichern!“

Was wir ebenfalls nicht (oder: noch nicht) beherrschen, das sind so manche Ansätze des Geoengineerings. CO2 einfach speichern? Ja, wenn das so einfach ginge! Die Speicherung von CO2 (CO2-Sequestrierung bzw. Carbon Dioxide Capture and Storage, CCS), also das technische Zurückhalten des Treibhausgases vor dessen Emissionen in die Atmosphäre durch Abspaltung am Kraftwerk und dauerhafte Einlagerung in unterirdische Lagerstätten, ist derzeit noch nicht möglich.

Ob eine solche Strategie überhaupt sinnvoll ist, wird bestritten – es gibt schließlich Gefahren: „Im Falle von Leckagen kann es zu schädlichen Wirkungen auf das Grundwasser und den Boden kommen“. Schon das Entweichen kleiner Mengen CO2 „kann nachweislich schwere Schäden bei Tieren und Pflanzen hervorrufen“ (Tatjana Alisch: Klimawandel. Klimaschutz. München 2008, S. 95).

Dieses (heute noch utopische oder auch dystopische) „Geoengineering“ liegt jedoch als „Plan B“ in mancher Institutsschublade. Ganz im Paradigma des neuzeitlichen Naturverfügungsdenkens, das man positiv als „Fortschrittsoptimismus“, negativ als „Omnipotenzphantasie der Moderne“ bezeichnen kann, scheint es als technologische Lösung des Klimawandelproblems in Frage zu kommen. Dieses Denken, in dem Machbarkeit und Bequemlichkeit gängige Muster sind, kritisiert Konrad Ott, Umweltethiker von der Universität Greifswald, in anthropologischer und moraltheoretischer Perspektive (Konrad Ott: Die letzte Versuchung. Eine ethische Betrachtung von Geo-Engineering, in: Politische Ökologie zum Thema „Geo-Engineering. Notwendiger Plan B gegen den Klimawandel?“, Nr. 120, Juli 2010, S. 40-42).

Ott analysiert mit der gebotenen Sachlichkeit Pro- und Kontra-Argumente und kommt zu dem Schluss, dass es darauf ankomme, die Dilemma-Situation zu vermeiden, die „Geoengineering“-Befürworter zur Grundlage ihrer konsequentialistischen Moral des „geringeren Übels“ machen. Solange das durch Vermeidungsstrategien gelingen könne, sei vom Eingriff in das Klimasystem abzuraten. Das Risiko sei zu groß. Hier bezieht sich Ott explizit auf Hans Jonas und sorgt damit dafür, dass die warnenden Töne seiner verantwortungsethischen Technikphilosophie in der aktuellen „Geoengineering“-Debatte gehört werden.

(Josef Bordat)

Einige Bischöfe verbreiten Verschwörungstheorien, aber… – Teil 16

…aber ein katholischer Priester erfand den Synthesekautschuk Neopren.

Der 1878 in Belgien geborene Julius Arthur Nieuwland war nicht der einzige Europäer, der Ende des 19. Jahrhunderts in die USA auswanderte. Doch er war einer der wirkmächtigsten Migranten. Nach Studium und Priesterweihe forschte er für seine Dissertation zunächst an chemischen Fragestellungen. Dabei fand er als Ergebnis einer Acetylen-Arsentrichlorid-Reaktion ein hochgiftiges Gasgemisch.

Entsetzt über seine Entdeckung brach er die Arbeiten ab und wandte sich der Botanik zu und beschrieb eine Reihe neuer Pflanzenarten. Die Kombination von Bio und Chemie sowie seine Erfahrungen mit Acetyl brachten Nieuwland schließlich zur Entwicklung eines synthetischen Gummis, das heute nicht nur Surfer zu schätzen wissen: Neopren. Da an der Entwicklung des Neoprens auch Chemiker des Unternehmens DuPont beteiligt waren, bekam der Stoff zunächst den Namen Dupren. Bekannt wurde er allerdings unter der heute noch üblichen Bezeichnung Neopren.

Tragisch: Nachdem Julius Arthur Nieuwland seine chemischen Forschungen an dem giftigen Acetylen-Arsentrichlorid-Gemisch eingestellt hatte, setzten andere Wissenschaftler mit weniger Skrupel seine Arbeiten fort. Der Chemiker Winford Lee Lewis entwickelte 1918 auf der Basis des von Nieuwland entdeckten Acetylen-Arsentrichlorid-Reaktionsprodukts ein Giftgas (das nach ihm benannte Lewisit), das die US-Streitkräfte in der Endphase des Ersten Weltkriegs einsetzten.

Julius Arthur Nieuwland erhielt vor seinem Tod (1936) noch einige Auszeichnungen, die vielleicht wichtigste wurde ihm jedoch erst posthum zuteil: die Aufnahme in die National Inventors Hall of Fame im Jahre 1996. Dort ist Father Nieuwland der einzige katholische Priester.

(Josef Bordat)

Noch einmal zu Schweden

Ich hatte bereits vor rund drei Wochen den Vorbildcharakter Schwedens im Hinblick auf sinnvolle politische Maßnahmen im Zuge der Corona-Pandemie in Frage gestellt. Nun ist es aber so, dass nach wie vor in (gefühlt) jedem zweiten Beitrag im Facebook und auf Twitter die Skandinavier als vorbildlich in Sachen Corona-Prävention gelobt werden, also dafür, dass die politisch Verantwortlichen die schwedischen Bürger ihre Freiheitsrechte uneingeschränkt ausleben lassen und sie, die Bürger, gerade dadurch optimal schützten. Im Gegensatz zu Deutschland, wo es gerade umgekehrt sei: katastrophale Bilanz trotz gravierender Eingriffe in Freiheitsrechte. So oder so ähnlich.

Dann schauen wir erneut auf die Zahlen, es hilft ja nichts. Zugrunde liegen die aktuellen Daten vom Vormittag des 2. Juni 2020.

Demnach waren bisher in Deutschland insgesamt 183.771 Personen mit dem neuen Corona-Virus infiziert, in Schweden waren es 37.814 Personen. In Deutschland waren es also deutlich mehr Infizierte. Zu berücksichtigen ist allerdings, dass in Deutschland auch mehr Menschen leben als in Schweden: Hierzulande sind es 83 Millionen, in Schweden 10,2 Millionen. Das heißt: Bezogen auf eine Million Einwohner gab es in Deutschland 2214 Fälle, in Schweden 3707 Fälle. Damit gab es – bezogen auf die gleiche Zahl an Menschen – in Schweden eine um den Faktor 1,67 höhere Infiziertenzahl.

Noch ungünstiger wird die Lage Schwedens im Vergleich zu den strukturell (politisch, wirtschaftlich, sozial) vergleichbaren Nachbarländern Dänemark (5,8 Millionen Einwohner, 11.899 Fälle), Finnland (5,5 Millionen Einwohner, 6885 Fälle) und Norwegen (5,4 Millionen Einwohner, 8446 Fälle). Damit ergeben sich – bezogen auf je eine Million Dänen, Finnen und Norweger – 2052 Fälle in Dänemark, 1252 Fälle in Finnland und 1564 Fälle in Norwegen. Also liegt die Infiziertenzahl in Schweden höher, und zwar um die Faktoren 1,81 (Dänemark), 2,96 (Finnland) bzw. 2,37 (Norwegen).

Ich bin mir nicht sicher, ob angesichts dieser Daten die Lobeshymnen auf Schwedens Sonderweg allzu laut erklingen sollten.

Machen wir diese einfach Datenanalyse auch noch für die Todesfälle.

In Deutschland sind bislang 8557 Menschen an COVID-19 gestorben, in Schweden sind es 4403. In Deutschland waren es also bis dato deutlich mehr Tote. Zu berücksichtigen ist hier allerdings wieder die unterschiedliche Bevölkerungszahl. Bezogen auf eine Million Einwohner gab es in Deutschland 103 Todesfälle, in Schweden 432 Todesfälle. Damit gab es – bezogen auf die gleiche Zahl an Menschen – in Schweden eine um den Faktor 4,19 höhere Totenzahl.

Noch ungünstiger wird die Lage Schwedens im Vergleich zu den Nachbarländern Dänemark (576 Tote), Finnland (318 Tote) und Norwegen (236 Tote). Damit ergeben sich – bezogen auf je eine Million Einwohner – 99 Todesfälle in Dänemark, 58 Todesfälle in Finnland und 44 Todesfälle in Norwegen. Also liegt die Zahl der COVID-19-Toten in Schweden deutlich höher, und zwar um die Faktoren 4,36 (Dänemark), 7,45 (Finnland) bzw. 9,82 (Norwegen).

Hier sollten nun die Lobeshymnen auf Schwedens Sonderweg endgültig verstummen.

(Josef Bordat)