Der gute, alte Pfarrbrief

Ich mag den Pfarrbrief. Auch, wenn einige dazu neigen, ihn eher zu belächeln als zu lesen. Doch der Pfarrbrief ist durchaus ernst zu nehmen. Kein anderes Medium erreicht so viele Menschen – und kann in der Gemeinde so viel anstoßen.

Für Die Tagespost habe ich mal einiges zusammengetragen, was für den guten, alten Pfarrbrief spricht.

(Josef Bordat)

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Das Ende der Sklaverei

Heute ist der Internationale Tag der Erinnerung an Sklavenhandel und dessen Abschaffung, eingeführt 2016 auf Beschluss der 150. Tagung des UNESCO-Exekutivrats.

Mit der Abschaffung der Sklaverei in England (1807) und in den USA (1865) wurden wichtige Schritte zur Abschaffung der Sklaverei überhaupt getan. Zuvor ist die Sklavenfrage lange Zeit theoretisch diskutiert worden. Es sind im 18. Jahrhundert aber nicht die großen Aufklärer (die ansonsten sehr viel zur Befreiung der Bürger Europas beitrugen), die den Sklaven zur Seite springen (im Gegenteil: sie verfestigen die Sklaverei durch rassistische Rechtfertigung), sondern es sind Christen aus England und den USA, die ihre Länder zunächst für ein Verbot des Sklavenhandels und dann auch des Sklavenbesitzes zu mobilisieren vermochten. Sie beriefen sich nicht auf politische Revolutionen, sondern auf die Revolution schlechthin: den durch Christi Sühneblut bewirkten Loskauf, die Erlösung des Menschen, die zur Befreiung aller Menschen motiviert.

Einzig in der vom Christentum geprägten Kultur konnte die Sklaverei abgeschafft werden, denn nur im Christentum stellt sie überhaupt ein religiöses und moralisches Problem dar, eben weil alle Menschen im christlichen Verständnis vor Gott gleich sind. Mit Jesus kommt der Gedanke in die Welt, dass Gott alle Menschen liebt. Alle Menschen sind von Christus zur Freiheit befreit worden (vgl. Gal 5, 1). Zudem gilt: Vor Gott sind alle Menschen gleich (vgl. Eph 6, 9, aber auch Röm 2, 11), ein Sklave bedeutet ihm soviel wie sein Herr. Damit wird der Grundstein gelegt für eine Mentalitätsänderung, aus der heraus Freiheit und Gleichheit politische Forderungen werden konnten.

Die Katholische Kirche nahm seit dem Mittelalter eine Kompromissposition ein: Sklaverei sei grundsätzlich möglich – unter Bedingungen: Lebensschutz, Heiratsrecht, Besitzfähigkeit und Arbeitsbeschränkung. Das heißt: Die menschliche Person ist für die Kirche unveräußerlich, allein die Arbeitskraft kann in Besitz genommen werden. Dass dies eine in der Praxis weit auslegbare Bestimmung ist, die am Ende de facto auch den Menschen an sich versklavt, sei zugestanden. Die Abschaffung der Sklaverei verdankt sich also eher christlichen Prinzipien als christlichen Institutionen, mit anderen Worten: mehr dem Christentum als der Christenheit.

Doch auch in unserer Welt heute leben Menschen als Sklaven – de facto, seltener auch de iure. Zu denken ist an Kinderarbeit in Lateinamerika, Zwangsprostitution in Europa, gesundheitsgefährdende Tätigkeiten in südafrikanischen Goldminen und menschenunwürdige Arbeitsbedingungen in den Exportproduktionszonen Südostasiens, in denen u. a. unsere Turnschuhe gefertigt werden. Wir sollten darauf hinarbeiten – und die Kirche tut dies mit all ihrer Kraft über ihre großen Hilfswerke (Missio, Adveniat, Misereor), aber auch in vielen „kleinen“ Projekten und Aktionen –, dass Sklaverei und sklavereiähnliche Arbeits- und Lebensbedingungen abgeschafft werden. Weltweit. Dafür muss man nicht katholisch sein, das kann jeder. Es beginnt mit der Frage: „Wer muss eigentlich für die Befriedigung meiner Bedürfnisse unter welchen Bedingungen arbeiten?“.

(Josef Bordat)

Völlig Banane!

Eine Person, die ich ganz gut kenne, ist schon von weitem als nicht direkt zur nordischen Rasse gehörig identifizierbar. Für mich war das nie ein Problem. Für sie eigentlich auch nicht, soweit ich weiß. Diese Person lebt seit zwanzig Jahren – mit geringfügigen Unterbrechungen – in Deutschland, die meiste Zeit davon in Berlin. Probleme im Sinne des fehlenden Arier-Nachweises gab es bisher nie. Auch sonst führt die Person, alles in allem, das rechtschaffende Leben eines zuverlässigen Steuerzahlers. Oder einer Steuerzahlerin.

Nun begab es sich kürzlich, dass sie mit dem Fahrrad unterwegs war und aus einem Wagen heraus mit einer Bananenschale beworfen wurde. Die Person hatte den Eindruck, als sei das eine gezielte Aktion gegen sie gewesen. Sowas sei ihr ja noch nie passiert. Ich war nicht dabei, halte die Schilderung aber für glaubwürdig. Dahinter sei ein anderer Wagen gefahren, dessen Fahrer mehrfach gehupt habe. Ob das zustimmende Begleitmelodie der Aktion (meine Deutung) oder Protest dagegen war (ihre Interpretation), muss offen bleiben.

Fest steht: Menschen müssen damit rechnen, an der Berliner Grenze zu Brandenburg mit Bananenschalen beworfen zu werden. Die Wahrscheinlichkeit erhöht sich offenbar mit der Dunkelheit des Teint. Mich hat es jedenfalls noch nicht getroffen, obwohl ich dort sehr oft mit dem Fahrrad unterwegs bin (viel öfter als besagte Person, um ehrlich zu sein). Eigentlich ein schlechtes Zeichen: Ich bin diesen Sommer einfach zu selten an die frische Luft gekommen, um durch den hinreichenden Bräunegrad aufzufallen. Zehnerkarte fürs Solarium? Drei Wochen Scharm el-Scheich? Dann klappt’s auch mit den Nachbarn? – Völlig Banane!

(Josef Bordat)

Gedenktag für Opfer religiöser Verfolgung

Heute ist der Internationale Tag des Gedenkens an die Opfer von Gewalthandlungen aufgrund der Religion oder der Weltanschauung. Die Vereinten Nationen hatten diesen Tag am 28. Mai 2019 ausgerufen (A/RES/73/296).

Deutsche Bischöfe begrüßen diesen Gedenktag – auch als Erinnerung an die Christenverfolgung. Die meisten der Opfer von Gewalthandlungen aufgrund der Religion oder der Weltanschauung sind Christen.

(Josef Bordat)