Natur und Recht

Wer den Menschen als bloßes Produkt einer Abfolge von zig Billiarden – noch dazu erstaunlich geglückten – aufeinanderfolgenden Zufällen denkt, für den kann auch das Naturrecht keine Geltung beanspruchen. Denn der Zufall kennt weder Sinn noch Ziel, sondern nur Wahrscheinlichkeit. Für alle weniger abenteuerlich Gesinnten ist das Naturrecht dagegen weiterhin des Nachdenkens wert. Zur neuen Aktualität einer alten Denkfigur.

Dass die menschliche Natur etwas mit der Moralität und dem Rechtsempfinden des Menschen zu tun hat, steht außer Frage. Was seit jeher umstritten ist und –soviel ist klar – auch weiterhin heftig umstritten sein wird, das ist die Frage, was wir denn meinen, wenn wir von der „Natur“ sprechen. Wenn Thomas von Aquin die natura humana anspricht, um den Hang des Menschen zum Guten zu erklären, meint er nicht das gewordene Genmaterial, sondern den seienden Geist Gottes, der das menschliche Gewissen formt, vor dessen Urteilskraft dem Menschen Tugenden und Laster als solche identifizierbar sind. Wenn die Aufklärer von „Vernunftnatur“ sprechen, erscheint ihnen dabei die menschliche Ratio als unbestechlicher „Gerichtshof“ (Kant), der in der Lage ist, Handlungen (eher: handlungsleitende Maxime und Normen) letztgültig als gut oder böse zu qualifizieren.
Thomas von Aquin meinte, der Mensch könne aus dem „Ewigen Gesetz“ Gottes das „Natürliche Gesetz“ erkennen (und zwar qua Vernunft), um daraus konkrete Schlüsse zu ziehen für Einzelvorschriften auf den unterschiedlichen Ebenen der, wie wir heute sagen würden, Individual-, Sozial- und Institutionenethik. Dabei wird das Gebot Gottes durch die Natur des Menschen in ein säkulares Rechtssystem überführt, dem alle – unabhängig von ihrer Religion – zustimmen können.
Das Naturrecht bleibt aber Ausdruck des inneren menschlichen Gespürs für das Gute und Richtige, weil sich dessen Naturbegriff nicht in der Biologie des Menschen, etwa seinen Instinkten und Trieben, erschöpft, sondern den Menschen als vom Geist der Vernunft durchdrungene leiblich-seelische Einheit sieht, die im Gewissen eine Instanz kennt, vor der sich das göttlich-natürliche Recht nicht nur als richtig, sondern auch als wahr mitteilt – unabhängig davon, was die Mehrheit daraus erkannt hat und in das faktisch geltende Rechtssystem zu überführen in der Lage war. Nach den Erfahrungen von zwei Diktaturen auf deutschem Boden wissen wir, wie wichtig es sein kann, in diesem Sinne zwischen Recht und Gesetz zu unterscheiden – und sich im Zweifel auch illegal zu verhalten.

Den ganzen Text lesen Sie in der „Tagespost“.

(Josef Bordat)

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Europa, die EU und der Nationalstaat. Eine Diskussion in Berlin

Wie kann man heute sinnvoll von „Nation“ sprechen? Welche Rolle spielt die Nation in einem inter- resp. übernationalen Staatenbund wie dem der Europäischen Union? Das waren einige der Themen einer Tagung zur nationalen Identität in Europa, die als sechsstündige Diskussionsveranstaltung im Polnischen Institut Berlin mit drei Panels konzipiert war. Den ausführlichen Veranstaltungsbericht für die „Tagespost“ lesen Sie hier.

Panel 1 mit (v.l.n.r.) Frank Füredi, Monika Maron und Jacques Dewitte. Foto: Josef Bordat.

Die Frage nach dem Nationalstaat in Europa bettet sich ein in die übergeordnete Fragestellung nach der Zukunft Europas, der Legitimation hoher Kompetenzen europäischer Einrichtungen und danach, welche Aufgaben dem Staat vor diesem Hintergrund zukommen und wo die Grenzen des staatlichen Handelns liegen, in Anbetracht der „Globalisierung“ und der in ihrer Folge fortschreitenden Auflösung der Nationalstaaten in ihrer historischen Form. Staatsaufgabe als Aufgabe? Dagegen steht der Trend zur Neudefinition ethisch-nationaler Räume in einer postkolonialen Welt – überall entstehen neue Nationen, der Drang zum Bilden von nationalen Identitäten ist dabei auch in Europa sehr deutlich, wie Flandern, Schottland und Katalonien zeigen. Eine komplexe und kompliziete Materie, die sich die Veranstalter vorgenommen hatten.

Panel 2 mit (v.l.n.r.) Jacek Dehnel, David Engels, Andrzej Bryk und Moderatorin Justyna Schulz. Foto: Josef Bordat.

Da tat es gut, die Debatte zu strukturieren, historische von sytematischen Fragen abzugrenzen, Europa als Kulturraum neben den eher technizistischen Begriff Europas zu stellen, der in Form der EU Europa als Wirtschaftsraum mit grundsätzlichen geteilten politischen Vorstellungen der Mitgliedsländer begreift. So ging es zunächst um unterschiedliche europäische Konzeptionen des Nationalstaats, ehe sich die Diskussionsteilnehmer über die Rolle der Nationalstaaten in der Europäischen Union sprachen. Und da die Veranstaltung vom Polnischen Institut Berlin organisiert wurde, ging es in einem weiteren Panel um Polens nationale Identität vor dem europäischen Hintergrund. Im Gegensatz zu vielen anderen Nationen empfanden die Polen den Zusammenbruch der alten Ordnung nicht als Irritation der Identität, sondern als deren Wiedererwachen. Das ganze „lange 19. Jahrhundert“ (1789 bis 1918) war das Land geteilt gewesen; nun bestand eine neue Chance zur Nationenbildung.

Panel 3 mit (v.l.n.r.) Manuel Sarrazin, Izabela Kloc, Frédéric Petit und Moderator David Engels. Foto: Josef Bordat.

Problematisch an der Veranstaltung war: Migration wurde ausschließlich als Problem gesehen, Europas starke Außengrenzen als dessen Lösung. In diesem Punkt bestand die größte Einigkeit. Doch diese Verkürzung ist ähnlich fragwürdig wie die Romantik einer Welt ohne Regeln und Grenzen. Eine Reduzierung der Renaissance nationaler Identitäten auf eine Abwehrhaltung dem Anderen gegenüber, dem, der nicht schon qua Geburt (natus) dazugehört, wurde in der europäischen Innenperspektive aus historisch naheliegenden Gründen noch einhellig abgelehnt. Sollte nun eine „europäische Identität“ geprägt werden, die als „Selbstbehauptung“ (Engels) in der Außenperspektive ähnlich abgrenzend wirkt wie das überwundene Nation-Konzept des 19. Jahrhunderts, das bekanntlich in den Ersten Weltkrieg mündete? Offen nach innen, geschlossen nach außen – ist das die Rolle Europas im 21. Jahrhundert? Und was folgte daraus?

Problematisch war ferner: Die Diktion bei den Wortmeldungen der Zuhörer glitt bisweilen in Regionen ab, die man sonst nur aus dem Facebook kennt, wenn über „die Millionen“ gesprochen wird, die „vor Europas Türen stehen“ und zum Integrieren ohnehin „viel zu primitiv“ seien, weil sie dem „Bodensatz“ ihrer Gesellschaften entstammten – Äußerungen, die von den Referenten sprachlich geschliffen, inhaltlich aber durchaus affirmativ rezipiert wurden. Man kann es auch positiv wenden: Die Moderation nahm nicht nur das Konzept „Nation“ sehr ernst, sondern auch das Konzept „Meinungsfreiheit“. Dennoch: Wenn man schon über Migranten spricht statt mit ihnen, sollten sich pejorative Pauschalurteile verbieten, ganz gleich, wie elegant sie formuliert sind. Gilt nicht nur für diese Veranstaltung.

Auch nach der hochkomplexen Veranstaltung bleibt offen, wie der gestärkte, selbstbewusste, in gewisser Hinsicht restituierte Nationalstaat eingedenk seiner Abhängigkeit von einem System globaler Kräfte und Bedingungen die unilaterale Option so umsetzen kann, dass es dem dient, was die Nation begründet: dem Volk. Globale Probleme können nur global gelöst werden. Dennoch widerspricht dem die wiedererstarkte Nation nur auf den ersten Blick, denn jeder interationale Bund ist nur so stark wie seine Mitglieder. Und zur Stärke gehört die Versicherung der eigenen, besonderen Identität. Hier müsste dann jedoch auch ein Konzept beachtet werden, das etwas zu kurz kam: die Region. Vielleicht liegt in einer so gewendeten „Glokalität“ dann doch ein Schlüssel für die Zukunft.

(Josef Bordat)

Tief im Bewusstsein

Ich interessiere mich für die Darstellung von Religion, Christentum und Kirche in der Populärkultur, v.a. in Filmen und Serien. Dabei ist mir in der Mediathek eine Folge der ZDF-Krimiserie „SOKO Leipzig“ aufgefallen, die am morgigen Freitag um 21:15 Uhr ausgestrahlt wird. Titel: „Tief im Herzen“.

Sehen wir über einige liturgische Unstimmigkeiten hinweg (und darüber, dass die katholische Gemeinde offenbar eine evangelische Kirche nutzt), werden die Themen Kirchensteuer, Missbrauch und Zölibat angesprochen. Gar nicht schlecht für einen 45-Minuten-Krimi. Und durchaus mit einigen spannenden Wendungen. Mehr sei nicht verraten. Nur eine Sache macht mich nachdenklich: Nicht dass das Thema Missbrauch angesprochen wird, sondern wie.

Der Junge wirkt abwesend und störrisch. Die Ermittler finden bei ihm ein Foto des Pfarrers mit der Ministrantengruppe auf einer Freizeit. Der Junge hat dem Pfarrer mit schwarzem Filzschreiber einen erigierten Penis angemalt. Der Fall scheint klar: Ministranten, Pfarrer, Freizeit – Missbrauch. Es wird umgehend in diese Richtung ermittelt, obwohl es auch „eine harmlose Kritzelei“ sein könnte, ohne Bedeutung für den Fall. Dennoch: Der Verdacht ist in der Welt. Der Onkel verziert die Gemeindegebäude mit einschlägigen Graffiti-Botschaften. Die Lage droht zu eskalieren.

Der Verdacht erhärtet sich nicht, erweist sich am Ende als völlig haltlos und die Schmiererei hat ihre ganz eigene Ursache. Doch allein, dass man einen solchen Verdacht dramaturgisch über das Foto eines Priesters mit Jugendlichen beim Schwimmen am See einsetzen kann, weil man zurecht voraussetzen darf, dass der Zuschauer dann sofort schaltet und die Assoziation anläuft (Ministranten, Pfarrer, Freizeit – Missbrauch), zeigt, dass man davon ausgeht, es bei „Kirche und Missbrauch“ mit einer ins kollektive Bewusstsein der Gegenwart fest eingebrannten gedanklichen Verbindung zu tun zu haben. Und das macht mich nachdenklich.

(Josef Bordat)

Nahtoderfahrungen als Zeichen des Himmels

Zum Untersuchungen eines katholischen Mediziners zeigen: Es gibt ein Leben nach dem Tod.

Berichte über Nahtoderfahrungen haben Konjunktur. Zuletzt landete der Neurochirurg Eben Alexander einen Weltbestseller. Er hat eine Nahtoderfahrung gemacht, die ihn ans Jenseits glauben lässt. Er beschreibt sie Proof of Heaven (zu deutsch: „Blick in die Ewigkeit“, 2013 – Rezension). Alexander schreibt einen Bericht über seine Reise in eine andere Dimension – nachvollziehbar, eindrücklich und kompetent. Er bringt damit die Nahtodforschung auf einen völlig neuen Kenntnisstand.

Auch diese wissenschaftliche Nahtodforschung selbst und ihre publizistische Rezeption erlebt eine Blüte. Der Tod als finale „Grenzerfahrung“ (Jaspers) ist seit jeher Gegenstand der professionellen Philosophie und des menschlichen Nachdenkens überhaupt. Mehr noch: Es fasziniert nicht nur, über eine Fortexistenz jenseits des Irdischen zu spekulieren, derartige Vorstellungen sind zudem konstitutiver Bestandteil jeder Religion, die hinter dem Phänomen das transzendente Numen vermutet, zu dem sie eine Beziehung aufbaut, welche sie rituell gestaltet.

Die Nahtodforschung knüpft also einerseits an einen weitgehend geteilten kulturellen Habitus an, andererseits stößt sie auf ein großes öffentliches Interesse, auch in einem säkularen Umfeld – geradezu ideale Bedingungen. Das schlägt sich in zahlreichen Publikationen nieder, die zusammen genommen den Fortschritt der Nahtodforschung dokumentieren, zugleich jedoch qualitativ sehr unterschiedlich sind, da sie auf mehr oder weniger seriöser Arbeit basieren. Die Spreu vom Weizen zu trennen, ist nicht immer leicht und weltanschauliche Prädispositionen lassen die Bewertung von Neuerscheinungen weit auseinandergehen.

Eine gelungene wissenschaftliche Arbeit im Bereich der Nahtodforschung steht idealerweise über den geglaubten Vorannahmen und berücksichtigt aktuelle Laborerkenntnisse, deutet diese jedoch nicht unter Ausblendung tradierter Wissensbestände kulturell-religiöser Provenienz. Gute Nahtodforschung ist also weder ahistorisch noch gegenwartsblind. Gute Nahtodforschung verbindet natur- und geisteswissenschaftliche Resultate zu einer ganzheitlichen Interpretation des Geschehens am Rande unserer Existenz. Sie kann dabei naturwissenschaftlich sein wie bei Birk Engmann in „Mythos Nahtoderfahrung“ (2011 – Rezension) oder bewusstseinsphilosophisch wie bei Michael Nahm in „Wenn die Dunkelheit ein Ende findet: Terminale Geistesklarheit und andere ungewöhnliche Phänomene in Todesnähe“ (2012 – Rezension); beides legitime Zugänge zu einem schwierigen Thema, das idealerweise transdisziplinär verhandelt wird.

Die Nahtodforschung kann sich über mangelnde Aufmerksamkeit also nicht beklagen. Der Esoterik-Markt boomt ohnehin. Doch wie steht die Katholische Kirche eigentlich zu diesem Thema? Der christliche Glaube an die Auferstehung Jesu suggeriert zumindest ein begründetes Anfangsinteresse an der Nahtodforschung, obgleich das Verständnis von „Neuem Leben“ theologisch ein anderes ist als in der Biologie und in der Medizin. Interessant ist es für den gläubigen katholischen Christen, wenn Phänomene in Todesnähe fachkundig und zugleich aus dem Glauben heraus gedeutet werden. Insofern ist das Buch „Beeindruckende Nahtoderfahrungen – Zeichen des Himmels“, das jetzt bei Media Maria erschien, eine echte Bereicherung der Debatte.

Patrick Theillier, langjähriger Leiter des Medizinischen Büros von Lourdes, stellt uns sieben spektakuläre Fälle von Nahtoderfahrungen vor, die er für ein Zeichen des Himmels hält, das uns an unsere letzte Bestimmung erinnern soll. Er interpretiert sie aus der medizinischer, theologischer und philosophischer Sicht. Theillier erklärt nachvollziehbar ihre Phänomenologie und weicht auch wissenschaftlichen Kontroversen nicht aus. Marc Aillet, Bischof von Bayonne, Lescar und Oloron, hat zu seinem Buch ein anerkennendes Vorwort geschrieben. Wer sich also aus katholischer Perspektive mit dem Thema „Nahtoderfahrungen“ befassen möchte, ist hier sehr gut aufgehoben.

Bibliographische Daten:

Patrick Theillier: Beeindruckende Nahtoderfahrungen – Zeichen des Himmels.
Illertissen: Media Maria (2019).
224 Seiten, 18,95 EUR.
ISBN-13: 978-3-9479310-1-9.

(Josef Bordat)

Vertrauen und Demut

Als Jesus am Ufer des Sees Gennesaret stand, drängte sich das Volk um ihn und wollte das Wort Gottes hören. Da sah er zwei Boote am Ufer liegen. Die Fischer waren ausgestiegen und wuschen ihre Netze. Jesus stieg in das Boot, das dem Simon gehörte, und bat ihn, ein Stück weit vom Land wegzufahren. Dann setzte er sich und lehrte das Volk vom Boot aus. Als er seine Rede beendet hatte, sagte er zu Simon: Fahr hinaus auf den See! Dort werft eure Netze zum Fang aus! Simon antwortete ihm: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen. Doch wenn du es sagst, werde ich die Netze auswerfen. Das taten sie, und sie fingen eine so große Menge Fische, dass ihre Netze zu reißen drohten. Deshalb winkten sie ihren Gefährten im anderen Boot, sie sollten kommen und ihnen helfen. Sie kamen, und gemeinsam füllten sie beide Boote bis zum Rand, so dass sie fast untergingen. Als Simon Petrus das sah, fiel er Jesus zu Füßen und sagte: Herr, geh weg von mir; ich bin ein Sünder. Denn er und alle seine Begleiter waren erstaunt und erschrocken, weil sie so viele Fische gefangen hatten; ebenso ging es Jakobus und Johannes, den Söhnen des Zebedäus, die mit Simon zusammenarbeiteten. Da sagte Jesus zu Simon: Fürchte dich nicht! Von jetzt an wirst du Menschen fangen. Und sie zogen die Boote an Land, ließen alles zurück und folgten ihm nach. (Lk 5, 1-11)

Nach menschlichem Ermessen wurde alles getan. Die Experten haben hart gearbeitet – ohne Erfolg. Die Lage scheint hoffnungslos. Nun kommt jemand, der zwar nicht vom Fach ist, aber dennoch Menschen begeistert, so dass sie sich um ihn drängen, ihm zuhören, sich belehren lassen. Aber nun geht er doch zu weit: Er mischt sich ins Handwerk der Experten ein! Gut – ein hervorragender Prediger, ein verständnisvoller Seelsorger, eine charismatische Persönlichkeit mag dieser Jesus ja sein, aber die Fischer, das sind doch wir! Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen. In der ersten Reaktion des Petrus ist Empörung spürbar, verletzter Stolz. Wenn wir mit all unserem Wissen, unserer jahrzehntelangen Erfahrung eine Nacht lang permanent erfolglos arbeiten, werden wir am Tag, wo kein vernünftiger Mensch fischt, sicher nicht plötzlich den Erfolg haben, der in der Nacht ausblieb!

Jetzt passiert etwas, das ganz charakteristisch ist für den christlichen Glauben: die Zusage im inneren Eingeständnis an die eigene Begrenztheit, im Vertrauen auf Gott und Sein Wort, in der Hoffnung, dass uns der Herr ermöglicht, was uns unmöglich ist. Doch wenn du es sagst, werde ich die Netze auswerfen. Und das Vertrauen wird reich belohnt und der reiche Lohn in Demut angenommen: Herr, geh weg von mir; ich bin ein Sünder. Und wieder kommt die ausgestreckte Hand des Herrn, um hochzuheben, was – nicht mehr erschöpft, sondern nun erschrocken – am Boden liegt: Fürchte dich nicht! Von jetzt an wirst du Menschen fangen. Und noch einmal ergreift sie der Fischer Simon und zieht die Konsequenzen: Und sie zogen die Boote an Land, ließen alles zurück und folgten ihm nach.

Auch mir gilt das Wort des Herrn: Versuche es noch einmal! Und meine Antwort ist: Wenn du es sagst, Jesus, will ich es versuchen! Wenn Du mich zur Nächstenliebe aufrufst, will ich versuchen, den Nächsten zu lieben. Wenn Du mich zur Vergebung animierst, will ich versuchen, zu vergeben und zu verzeihen. Wenn Du mich in die Welt schickst, werde ich meine Netze auswerfen. Immer und immer wieder. Das Wort des Herrn gilt zudem Seiner ganzen Kirche. Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen. Wir haben Studien in Auftrag gegeben und Werbekampagnen gefahren, wir waren in Talkshows, veranstalteten kostengünstige Busreisen, boten Kurse zur Muskelentspannung an und haben einmal im Monat ein kostenloses Kuchenbuffet organisiert. Und haben doch nichts gefangen. Und Jesus sagt uns: Fahrt hinaus auf den See! Dort werft eure Netze zum Fang aus!

Gebe Gott, dass wir dafür immer wieder neu den Glauben und das Vertrauen aufbringen. Und die Demut und Dankbarkeit dafür, dass uns mit Seinem Segen gelingt, was uns mit unserem Einsatz allein versagt bleibt.

(Josef Bordat)

Neue Zeitrechnung

Man kennt das von der Französischen Revolution. Da wurde die christliche Zeitrechnung (die „ère vulgaire“ – E.V. statt A.D.) rasch durch den Französischen Revolutionskalender ersetzt. Der galt dann immerhin 13 Jahre lang, von 1792 bis 1805. Eingeführt wurde er, um Christen zu beleidigen – „vulgaire“ ist schließlich nicht nett.

Um Nicht-Christen nicht zu beleidigen, wollen einige besonders sensitive Zeitgenossen aus dem angelsächsischen Raum die Bezeichnungen BC (Before Christ, „vor Christus“) und AD (Anno Domini, „im Jahr des Herrn“) durch BCE (Before Common Era, „vor der normalen, gemeinsamen, gemeinschaftlichen, üblichen, verbreiteten, bekannten Zeitrechnung“) und CE (Common Era, „normale, gemeinsame, gemeinschaftliche, übliche, verbreitete, bekannte Zeitrechnung“) ersetzen.

Frage: Steckt darin nicht die viel größere Beleidigung von Nicht-Christen? Zu sagen, die christliche Zeitrechnung sei „normal“ und „üblich“? Das heißt ja dann für die jüdische, islamische, buddhistische und alle anderen Zeitrechnungen, sie seien „anormal“ und „unüblich“. Gegen die Regel. Gegen den „common sense“, den – man mag es kaum aussprechen – „gesunden Menschenverstand“.

Macht das Schule und schwappt in den deutschen Sprachraum über, können sich neben einigen Wikipedia-Autoren vor allem DDR-Bürger und die Zeugen Jehovas freuen. Die benutzen schon seit jeher das Kürzel „v. u. Z.“ (vor unserer Zeit) bei Ereignissen, die vor der Geburt Christi stattfanden.

Das dürfte jedoch selbst den christlichen Fundamentalisten ein Zuviel an Kulturimperialismus sein: Dass „unsere Zeit“ überhaupt erst mit Jesus begonnen haben soll. Das „Wir“ der Menschheit so eng mit Christus zu verbinden – darauf wäre jedenfalls nicht mal der Vatikan gekommen. Warten wir’s ab.

(Josef Bordat)

Endlich enthüllt: So grausam sind Flüchtlinge wirklich!

Nach dem Zusammenbruch des Kommunismus mussten wir einen neuen Feind finden – endlich haben wir ihn: Der Flüchtling ist der neue Russe.

Einen Tag lang durfte ich Ahmad A. (Name geändert) in Berlin begleiten. Ich besuchte ihn in seiner nagelneuen Ein-Zimmer-Wohnung. Auf der Fußmatte steht „Welcome!“. Es fällt mir schwer, diesem Zynismus standzuhalten und trotz dieser Demütigung die Fassung zu bewahren. Der (potentielle) Terrorist, der auf unsere Kosten als Elektroingenieur arbeitet (zur Verschleierung seiner Terrorpläne – hej, man weiß ja nie!), begrüßt mich freundlich. Dass sein Lächeln nur zur Tarnung dient, ist mir bewusst. Nur ein naiver links-grün-rot-gelb-schwarz-versifter Gutmensch würde es je erwidern. Meine höfliche Sachlichkeit schmeckt dem Wohlstandsneubürger offenbar nicht. Scheinheilig fragt er nach: „Alles klar bei Dir?“ – „Ja, ja.“ Der Flüchtling zwingt uns regelrecht zum Lügen! „Klar“! Wie sollte es „klar“ sein! Nichts ist mehr „klar“, seitdem er und 30 Milliarden andere Elektroingenieure nach Berlin geströmt sind, mir meine Arbeit, mein Haus, mein Erspartes, meinen Rentenanspruch (BfA und Riester!), meine Arbeit (ich hatte – geht ja nicht anders – zwei Jobs!) und meine Frau wegge… „Kaffee?“ Wieder ein Trick! Aber ich falle nicht drauf rein. „Gern, Ahmad!“ Damit hat er nicht gerechnet, diese knausrige Ratte! Jawohl, knausrig! Obwohl ihm das Geld pausenlos in den geflüchteten Hintern geblasen wird, will er unbedingt arbeiten. Das sei er so gewohnt. Muss man sich mal vorstellen. Kriegen den Hals einfach nicht voll, diese Invasoren! „So, bitte schön!“ Ahmad gießt mir den Kaffee ein. Dass tausende friedliche Bohnen für unseren Genuss brutal zerquetscht wurden, interessiert ihn offenbar nicht. „Ah… wie das duftet! Brauche Kaffee am Morgen!“, so die lapidare Auskunft. In mir steigt die Wut hoch. Da sitzt dieser… Merkel-Günstling in meinem Deutschland und trinkt unseren Arabica-Kaffee! Also, den, den es in unserem Supermarkt gibt. Der unser war, bevor er an „Rewe International“ verkauft wurde. Aber das ist eine ganz andere Geschichte! Hier geht es um Deutschland. Um unser Land. Um mein Land! Und das lasse ich mir von Elektroingenieuren nicht kaputtmachen! „Kein Schnaps da?“ Ich genieße den Nachhall meiner mutigen Provokation. „Oder darfst Du nicht?“ Ich weiß natürlich, dass er nicht darf, der extremistische Muselmann! Aber nach dieser Kaffee-Attacke muss ich doch wohl zurückschlagen dürfen, oder?! „Oh, tut mir Leid, ich…“ – „Ja, ja, schon gut!“, rette ich gönnerhaft die peinliche Lage, in die uns der Flüchtling gebracht hat. Trinke ich eben nur Kaffee. Wir Deutschen können so bescheiden sein! Ja, kann man ruhig mal sagen! Ein wenig Stolz stünde uns schon ganz gut zu Gesicht. Jetzt nehme ich allen Mut zusammen: „Der Prophet verbietet‘s, gell?!“ – „Prophet?“ Jetzt tut er doch tatsächlich so, als verstehe er mich nicht! Oh, diese falsche Wüsten-Brut! „Ach, so!“ Jetzt lacht er. Er lacht mich aus! In meinem Deutschland! „Nein, nein. Ich bin Kopte. Von daher kein Problem! Aber…“. Er senkt die Stimme, so wie alle Terroristen, die vom CIA abgehört werden. „Meine Frau. Verstehst?“ Ach, eine Frau hat er auch noch! Von der war ja bisher gar nichts zu sehen. Vermutlich in der Küche, an den Herd gekettet. Bevor ich die Polizei rufe, will ich die Beweislage sichern. „Wo ist sie denn – Deine Frau?“ – „‘m Krankenhaus!“ – „Oh, ist Frau krank?!“ – „Nein, Frau ist Assistenzärztin in der Neurologie. Praktikum. Erstmal.“ Was denn noch? „Praktikum“ reicht wohl nicht! Ich sollte das Gespräch beenden. Doch Ahmad gibt mir das Stichwort. „Wie läuft‘s bei Dir auf der Arbeit?“ – „Ganz gut! Gibt aber noch Probleme wegen fehlender Papiere“. „Wegen fehlender Papiere“ – wie ich es hasse, wenn Ahmad grammatikalisch korrektes Deutsch spricht! So, als sei er schon ewig hier! Aber, so sind sie halt, die Flüchtlinge: Erst der Genitiv, dann das ganze Land! Ich frage ihn ganz direkt, ob er das christliche Abendland zerstören und die Macht in Europa übernehmen will. Ahmad A. tut so, als sei er auf die Frage nicht vorbereitet. „Äh… wie jetzt?!“ Du hast schon verstanden, Bürschchen! Aber das ist ja wieder typisch für Merkels Ehrengäste: Unschuldsmiene, aber den Sprengstoffgürtel griffbereit! Dann wird er unverschämt: „Abendland zerstören, Macht in Europa übernehmen. OK. Aber ich weiß nicht, ob ich‘s heut‘ noch schaffe. Muss jetzt erst mal zur Kita.“ Sprach‘s – und ging grinsend seine Jacke holen. Wir fuhren zur Kita. Das Ergebnis der Umvolkung erwartete uns: seine Tochter Leyla (2). Wer weiß: Vielleicht wird sie Programmiererin und in Zukunft unsere Netze hacken und unsere Energieversorger lahm legen, damit alles zusammenbricht und… „Sag mal ‚Hallo‘ zu Onkel Josef!“ – „Hallo, Yussuf!“

Aufwachen, Deutschland!

(Josef Bordat)