So reich ist das Erzbistum München-Freising

Die reichste Diözese Deutschlands hat Zahlen veröffentlicht, nach denen sie über ein Vermögen von sechs Milliarden Euro (sieben Milliarden US-Dollar) verfügt.

Damit schafft es das reichste deutsche Bistum leider nur ganz knapp in die Liste der 20 reichsten Deutschen und teilt sich mit Ludwig Merckle und Maria-Elisabeth Schaeffler Rang 18. Georg Schaeffler hat übrigens vier Erzbistümer München-Freising. Aber der muss ja auch richtig hart dafür arbeiten! So als Unternehmenserbe.

Also, ganz nach oben reicht es für das reichste deutsche Bistum nicht, aber immerhin könnte es den Welthunger beenden, wenn es sich endlich auflöste und sein Vermögen liquidierte! Jeder Mensch bekäme dann einen Dollar und die Probleme des Planeten wären Geschichte.

Aber, nein! Stattdessen will das reichste deutsche Bistum sein Vermögen behalten! Einfach so! Unter anderem knapp 3000 Wohnungen, an denen sich der Kirchenkrösus in der Absicht festkrallt, sie„verstärkt günstig zu vermieten, um den Wohnmarkt zu entlasten“. Das muss man sich mal vorstellen! Mehr an Egoismus und Raffgier geht nun wirklich nicht!

Mit gut einem Drittel des Vermögens sichert die Kirche im Erzbistum München-Freising, die den Hals scheinbar nie voll kriegt, „Bildung, Soziales und das kirchliche Leben“: „Die drei größten Stiftungen des Erzbistums, die Bildung, Soziales und das kirchliche Leben fördern, beziffern ihr Vermögen mit zusammen 2,11 Milliarden Euro“.

Mit dem Rest werden dann u.a. die Pensionen der emeritierten Priester gesichert. Als ob die nicht endlich mal arbeiten gehen könnten, so wie alle anständigen Menschen! So, wie die Schaefflers.

Günstigen Wohnraum, Bildung, Soziales, Altersversorgung – für einen derartigen Schnick-Schnack schmeißt das Erzbistum München-Freising das über Jahrtausende mit Folter und „Türkollekte“ erpresste Geld aus dem Fenster, statt den Deutschen für gute drei Monate den Konsum von Bier und Eiscreme zu ermöglichen. Dafür muss das geschundene Volk nämlich Jahr für Jahr höchstselbst 21 Milliarden Euro (24 Milliarden US-Dollar) berappen, während die Peiniger in München-Freising selbstsüchtig „den Wohnmarkt entlasten“!

Aber, was will man schon von der Katholischen Kirche erwarten?!

(Josef Bordat)

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Der Text, der mein Leben veränderte

Zumindest, wenn es nach Wikipedia ginge.

Goebbels, Himmler, Bordat – das kam ja für die meisten schon überraschend. Jetzt sei man aber gespannt, welch fürchterliches Machwerk mich denn für die erste Reihe der Kriegsverbrecher und Völkermörder qualifiziert hat, ließ mich ein staunender Mitstreiter wissen. Nun, denn.

Über den Text, der Anfang 2008 für das bürgerjournalistische Angebot Reader’s Edition geschrieben wurde, sagte die Redaktion damals folgendes: „Unser [Reader’s Edition, J.B.] Stamm-Autor Josef Bordat titelt da allerdings lieber ,Bravo, Böhmer! Ein Kommentar‘ und trifft damit – ganz provokant – den Nagel wohl auf den Kopf. Der Sache zugrunde liegen die Aussagen von Wolfgang Böhmer. Seines Zeichens Gynäkologe und nun Sachsen-Anhalts Ministerpräsident, der die zunehmenden Babymorde in Deutschlands Osten mit der anscheinend immer noch präsenten DDR-Mentalität zu erklären sucht. Bordat allerdings liegt fern, dessen Theorien sofort in eine ,Schmuddelecke‘ zu stellen, wie andere das bereits getan haben. Es gehe hier weniger um ein Ost-West-Problem als vielmehr um das vorherrschende Menschenbild heutiger Zeit, betont er nachdrücklich und stellt im Anschluss daran die Thesen des australischen Abtreibungsbefürworters Peter Singer vor, der wesentlichen Aufschluss über den anscheinend vorherrschenden Interessenskonflikt geben kann. Allerdings ist das nur die halbe Miete auf dem Weg zu einem Erklärungsversuch. Bordat appelliert deshalb: ,Die neue Armut muss ernstgenommen werden‘. Hohe Arbeitslosigkeit, die fast zwangsläufig mit Armut verbunden ist – ein Problem, das gerade im Osten verstärkt auftritt. Sein Fazit deshalb: ,die interessenzentrierte Denkweise (kann) zu einem ideologischen Überbau auswachsen, der den sowieso schon leichtfertigen Umgang mit menschlichem Leben weiter erleichtert. Darauf verwiesen zu haben, wenn auch etwas ungestüm, ist zweifelsohne Böhmers Verdienst‘.“

So, und um sich ein wikipediaunabhängiges Urteil bilden zu können – hier der Text in seiner damaligen [unredigierten] Form:

***

Bravo Böhmer! Ein Kommentar

So falsch bzw. „pseudowissenschaftlich“ (Tiefensee) es ist, das statistisch gehäufte Vorkommen von Kindstötungen in der ehemaligen DDR monokausal erklären zu wollen, zumal mit dem dortigen politischen System, das sicher jedes Individuum anders wahr- und angenommen haben dürfte, so beachtenswert ist Manfred Böhmers „Babymord-Theorie“ in ihrer Kernaussage. Böhmer, der vor seiner politischen Laufbahn als Gynäkologe tätig war, vermutet, dass die Abtreibungspraxis in der DDR zu einer Art schiefen Ebene geführt habe, auf der die Moral der Menschenwürde langsam aber sicher abgeglitten ist: Von der Relativität des Wertes eines Embryo/Fötus hin zur Relativität des Wertes eines Neugeborenen.

Böhmers Einlassungen zur schleichenden Gewissensunterhöhlung und zu ganz praktischen Interessenkonflikten (Urlaub am Schwarzen Meer vs. Schwangerschaft) sind viel zu interessant, als dass man sie einfach als „völlig absurde Position“ (Gesine Lötzsch) in die Schmuddelecke stellen sollte.

Klar ist allerdings, das es hier nicht um ein Ost-West-Problem geht, sondern um eines, das viel höher hängt, das nämlich unmittelbar mit dem vorherrschenden Menschenbild im Zusammenhang steht. Der Entbindung des Menschen von seiner absoluten Würde als Person (von Anfang, also Zeugung, an) folgt ein Vakuum, das mit anderen Konzepten gefüllt sein will. Ein solches ist das Konzept „Interesse“. Bei Abtreibungen geht es um das Aktualinteresse der Mutter, sich auszuleben, das schwerer wiegen soll als das Potentialinteresse des Fötus, geboren zu werden und zukünftig überhaupt zu leben.

Und genau hier stellt sich das Problem der Abgrenzung ein, das Böhmer, bewusst oder unbewusst, markiert, wenn er von einer „leichtfertigen Einstellung zu werdendem Leben“ spricht, die u. U. zu einer leichtfertigen Einstellung zu neugeborenem Leben führen könnte. Denn: Was hindert uns vom Interessenstandpunkt ausgehend eigentlich daran, einen Säugling zu töten, wenn die Tötung eines Fötus kein Problem darstellt?

Der australische Peter Singer, eine Art „Guru“ der Abtreibungsbefürworter, vertritt hierzu die passende interessenorientierte utilitaristische Ethik. Für ihn hat die Unfähigkeit von Föten vor der 18. Schwangerschaftswoche „of feeling anything at all, since their nervous system appears to be insufficiently developed to function“[1] die Konsequenz, dass „an abortion up to this point terminates an existance that is of no intrinsic value at all“[2]. Es ist unwahrscheinlich, dass Föten vor der 18. Schwangerschaftswoche fähig sind, etwas zu empfinden, weil ihr Nervensystem noch nicht genug entwickelt ist. Deshalb beendet eine Abtreibung vor der 18. Schwangerschaftswoche eine Existenz, die überhaupt keinen Wert an sich hat. Also: Singer ist der Meinung, werdendes menschliches Leben habe (selbst in diesem Stadium) „no intrinsic value at all“, „keinen Wert an sich“. Singer schlägt deshalb vor, „dem Leben eines Fötus keinen größeren Wert zuzubilligen als dem Leben eines nichtmenschlichen Lebewesens auf einer ähnlichen Stufe der Rationalität, des Selbstbewußtseins, der Wahrnehmungsfähigkeit, der Sensibilität etc.“[3] Als eine Folge der Orientierung an Empfindungsfähigkeit bzw. an dem utilitaristischen Interessebegriff trennt Singer nicht Menschen von Tieren, sondern Personen (Wesen, mit der Fähigkeit, Interessen zu entwickeln) von „Nicht-Personen“ (Wesen, die diese Fähigkeit nicht haben). Dabei gehören „some nonhuman animals“[4] in die erste Gruppe (etwa Affen), jeder menschliche Fötus jedoch in die zweite, denn: „no fetus is a person“[5].

Wer aufgrund des Prinzips der Interessenerwägung alle Wesen unterschiedslos auf Präferenzbildungsfähigkeit hin untersucht, muss auch die letzte Konsequenz aus dieser Argumentation ziehen: „Tötet man eine Schnecke oder einen 24 Stunden alten Säugling, so vereitelt man keine Wünsche […], weil Schnecken und Neugeborene unfähig sind, solche Wünsche zu haben.“[6] Nicht das Lebensrecht des Embryo, nicht das des Fötus, sondern das des Neugeborenen wird hier von Singer mit Hilfe eines utilitaristischen Konzepts, welches das Lebensrecht an die Fähigkeit bindet, Wünsche, Interessen und Präferenzen zu haben, in Frage gestellt bzw. auf die Ebene des Lebens einer Schnecke gedrückt.

Zugegeben, viele Menschen, die mit dem Gedanken spielen, ihr Baby zu töten, werden diese perfide Argumentation nicht kennen. Im übrigen gibt es anderes, das drängender ist und von der Gesellschaft ernstgenommen werden muss, insbesondere die heikle soziale Frage, die wiederum den Osten stärker betrifft als den Westen. Doch kann sich diese Denkweise zu einem ideologischen Überbau auswachsen, der den sowieso schon leichtfertigen Umgang mit menschlichem Leben weiter erleichtert. Darauf verwiesen zu haben, wenn auch etwas ungestüm, ist zweifelsohne Böhmers Verdienst.

Anmerkungen:

[1] Peter Singer: Practical Ethics. Cambridge 1979, S. 118.
[2] Ebd.
[3] Peter Singer: „Schwangerschaftsabbruch und ethische Güterabwägung“, in: Hans-Martin Sass (Hg.), Medizin und Ethik. 2. Aufl., Stuttgart 1994, S.139-159, hier: S. 154 f.
[4] Singer: Pract. Eth., S. 97.
[5] Singer: Pract. Eth., S. 118.
[6] Peter Singer: Praktische Ethik. 2. Aufl., Stuttgart 1994, S. 122.

***

Das war’s. Lässt sich auch zehn Jahre später noch lesen, denke ich.

Schließlich und endlich möchte ich allen danken, die so zügig und beherzt geholfen haben, die Sache aus der Welt, also: aus der Wikipedia, zu schaffen. Allen voran: Danke, Cornelia! Danke, Daniel!

(Josef Bordat)

Ich. Der Kreuz.net-Autor

Nett ist nicht nur, dass meine Biographie auf Wikipedia (zwischenzeitlich) aufgehübscht wurde. Nett ist auch, dass die Zweitveröffentlichung eines Textes im Jahre 2008 dafür sorgt, dass ich mich zehn Jahre später urplötzlich unter den Kreuz.net-Autoren aufgeführt sehe (vgl. Artikel „Kreuz.net“), zusammen mit Joseph Goebbels und Heinrich Himmler.

Das heißt: Meine Einlassung aus dem Jahr 2012 sorgt vielmehr dafür (der Text aus 2008 ist nicht mehr im Netz, auch nicht am Ort der Erstveröffentlichung).

Im übrigen ist die Behauptung im Artikel „Kreuz.net“ falsch: „Auf kreuz.net erschienen Beiträge […] des Berliner Philosophen und Autors von Die Tagespost Josef Bordat“

Richtig müsste es heißen: „Auf kreuz.net erschien (genau) ein Beitrag […] des Berliner Philosophen und Autors von Die Tagespost Josef Bordat“ – und der auch nur in Zweitveröffentlichung.

Formal gibt es für die Wikipedianer auch hier ein Schlupfloch: Sie können sich darauf zurückziehen, der Plural sei durch die Aufzählung anderer Autoren gerechtfertigt. Inhaltlich entsteht hier jedoch (noch viel eher als zwischenzeitlich in meiner Biographie) der Eindruck, ich sei quasi gewohnheitsmäßiger Autor, ja, gewissermaßen eine Säule des Kreuz.net gewesen.

Fürs Protokoll: Das ist nicht der Fall.

(Josef Bordat)

Wikipedia – Jetzt wird’s persönlich!

Dass und warum ich Wikipedia für tendenziös halte, sobald es um Religion, Christentum und Kirche geht, habe ich mehrfach zu verdeutlichen versucht. Ich habe über Doppelstandards, totalitär anmutende Binnenstrukturen, ein – sagen wir mal: arg verkürztes – Verständnis von Sachverhalten geschrieben und darüber, dass es flappsige Bemerkungen in jede noch so knappe Biographie schaffen, vorausgesetzt, sie sind unversöhnlich gegenüber Religion, Christentum und Kirche.

Wie tendenziös Wikipedia aber tatsächlich ist, habe ich erst jetzt erfahren, anhand eines Artikelgegenstands, den ich ganz gut kenne, besser jedenfalls als – ich sag mal – „Justin Bieber“. Wie tendenziös Wikipedia ist, weiß ich jetzt, nachdem ich den Artikel „Josef Bordat“ las.

Im Abschnitt „Leben“ (dessen Inhalte zumindest einigermaßen stimmen, weil und soweit sie aus meinem Kathpedia-Artikel entnommen wurden, den ich im wesentlichen selbst verfasst habe) gibt es drei Absätze. Der erste befasst sich mit meiner Ausbildung, der dritte enthält (teils veraltete) Angaben zu meinem Privatleben; entscheidend ist der zweite Absatz, in dem es um meinen beruflichen Werdegang geht.

Der Absatz lautet:

„Er trat als Mitherausgeber des International Journal of the Humanities (Melbourne) und als Redakteur des Marburger Forums in Erscheinung. Von 2011 bis 2014 war er Post-Doc am Institut für Ethnologie der FU Berlin. Seit den 2000er Jahren ist er als freiberuflicher Autor u. a. für Die Tagespost tätig. Seit dem 1. November 2017 arbeitet er für Die Tagespost als Redakteur. Er betreibt ferner das katholische Weblog Jobo72 und schrieb auf den rechtskatholischen Websites kreuz.net und gloria.tv“.

Hängen bleibt – zumindest bei mir, vielleicht geht es Ihnen ja ähnlich – der letzte Satz: „Er betreibt ferner das katholische Weblog Jobo72 und schrieb auf den rechtskatholischen Websites kreuz.net und gloria.tv“. Besonders der Passus „schrieb auf den rechtskatholischen Websites kreuz.net und gloria.tv“ ist hier von Interesse. Er nimmt etwa den gleichen Raum ein wie „Von 2011 bis 2014 war er Post-Doc am Institut für Ethnologie der FU Berlin“ oder „Seit den 2000er Jahren ist er als freiberuflicher Autor u. a. für Die Tagespost tätig“.

Was nach dem ersten Eindruck hängen bleibt: Ein „Engagement“ bei „rechtskatholischen Websites“, das biographisch ähnlich schwer wiegt wie drei Jahre wissenschaftliche oder 15 Jahre publizistische Arbeit. Die Reihenfolge der Angaben legt zudem nahe, dass es sich um eine chronologische Abfolge handelt. Am Ende stehen kreuz.net und gloria.tv. Das „schrieb“ eine Vergangenheitsform von „schreiben“ ist, könnte hier für erste Irritationen sorgen. Die Biographie endet mit einem Aspekt aus der Vergangenheit, während die Gegenwart irgendwo mitten im Absatz zu suchen ist.

Das macht neugierig. Schauen wir also genauer hin (auch, wenn das der durchschnittliche Wikipedia-Nutzer nicht tut).

Behauptet wird, dass ich auf kreuz.net und gloria.tv schrieb.

Das ist formal nicht falsch. Ich selber hatte es – was kreuz.net betrifft – 2012 thematisiert. Interessanterweise wird genau dieser Text auch als Referenz genutzt, obwohl private Blogs sonst als irrelevant gelten – zumal der zitierte, der von einem „vollkommen irrelevanten Blogger“ (so Wikipedia in einem anderen Kontext) betrieben wird – und obwohl Informationen zu Personen immer nur dann zitationsfähig sind, wenn sie von Dritten kommen, nicht von der Person selbst (was ja auch nachvollziehbar ist, schließlich könnte ich in meinem Blog auch behaupten, ich sei vierfacher Handballweltmeister – würde das dann auch als Beleg akzeptiert?). Also: Zwei Verstöße gegen Wikipedia-Standards. Gut, wer die Regel macht, darf sie auch brechen. Wikipedia ist der verbliebene Rest des Absolutismus in unserer Zeit. Das wussten wir ja auch schon vorher.

Kommen wir zum Inhalt:

1.) Kreuz.net:

Wahr ist, dass 2008 ein Text von mir von der Redaktion zweitveröffentlicht wurde, also, veröffentlicht wurde, nachdem er bereits woanders publiziert worden war. Ich hatte ihn der Redaktion zugeschickt. Alle Hintergründe zu dem Fall finden sich hier.

Das war sicher unangebracht (das weiß ich mittlerweile auch – damals kannte ich Kreuz.net nur dem Namen nach), rechtfertigt aber kaum eine isolierte Erwähnung in einem Lexikonartikel. Die Formulierung „schrieb auf de[r] rechtskatholischen Website kreuz.net“ suggeriert ja eine regelmäßige Beteiligung, die für die Biographie insgesamt relevant und für meine Arbeit typisch ist. Zumindest sollte man das annehmen. Bei „Angela Merkel“ steht ja auch nichts vom vermeidbaren Rechtschreibfehler in einem Deutschaufsatz der vierten Klasse.

Ich habe in den letzten 15 Jahren rund 10.000 Texte veröffentlicht, auf zig Webseiten, in zig Zeitschriften und Zeitungen, in zig Büchern. Kein einziges Beispiel wird genannt – außer Kreuz.net. Doch, Halt: Stimmt ja gar nicht! Gloria.tv wird auch noch erwähnt.

2.) Gloria.tv:

Auf Gloria.tv habe ich nie im eigentlichen Sinne geschrieben. Ich besitze dort ein Konto, auf dem ich zeitweilig (per „copy“ und „paste“) Hinweise auf meine Texte veröffentlicht habe. Wenn man das „schreiben“ nennen will – gut, dann soll man das tun. Diese Texte waren mit denen form- und inhaltsgleich, die ich zeitnah auf Facebook und Twitter veröffentlichte. Mit der gleichen Berechtigung könnte man also auch behaupten, ich „schrieb auf Facebook und Twitter“.

Die Hinweise stellte ich auf Gloria.tv, um zum einen für meine Texte zu werben (das kann man verwerflich finden, OK), zum anderen, um die Diskussionen auf Gloria.tv zu beeinflussen und den Horizont der aktiven Kommentatoren zu erweitern. Das ist mir – wie ich heute sagen muss – eindeutig nicht gelungen. Es rechtfertigt aber nicht die mit der Formulierung „schrieb auf de[r] rechtskatholischen Website gloria.tv“ unterstellte Identifikation mit dem im Forum herrschenden Umgangston und den dort vertretenen Positionen. Dass Wikipedia den Anstoß einer Diskussion und den Verlauf bzw. das Ergebnis derselben in der Bewertung gleichsetzt, ist schon sehr ernüchternd. Ich bleibe – wenn ich darf – dennoch dabei: Nicht jeder Kardiologe ist herzkrank.

Das dazu. Weiter im Text. Als ich merkte, dass mein Ansatz nicht fruchtete, zog ich mich zurück. Schon zu meiner „aktiven“ Zeit habe ich deutliche Kritik an den Auswüchsen auf Gloria.tv geübt, z.T. auch aufgrund persönlicher Anfeindungen seitens einiger besonders aggressiver Kommentatoren und ganz spezieller Dummheiten.

Warum ich trotzdem „blieb“, hatte zwei Gründe: Erstens sehe ich im Rückzug (und damit in der Diskursverweigerung) immer nur die ultima ratio. Ich stehe mit vielen Menschen in Kontakt, mit denen mich nur wenig verbindet. Solange ich ein Fünkchen Hoffnung sehe, zumindest im Einzelfall ein Nachdenken anzuregen, bleibe ich. Vielleicht ist das ein Fehler. Vielleicht sollte man einfach in seiner Filterblase bleiben – und gut. Dass Wikipedia mir daraus einen Strick dreht, dass ich überhaupt mit Glorianern Kontakt hatte, muss ich hinnehmen. Zweitens kam für mich ein Rückzug nicht mehr so ohne weiteres in Frage, seitdem ich genau dazu in erpresserischer Weise genötigt wurde. Denn ab dann ging es um Meinungsfreiheit und Freiheit überhaupt. Das muss man als Wikipedianer nicht verstehen. Alle anderen können hier noch einmal die Hintergründe erfahren.

Also, Fazit:

Es ist strenggenommen und mit den genannten Einschränkungen, was den Vorgang des „Schreibens“ betrifft, nicht falsch, was in der Wikipedia über mich steht, also: „schrieb auf den rechtskatholischen Websites kreuz.net und gloria.tv“, so wie es auch nicht falsch ist, über Franz Beckenbauer zu schreiben, er sei ein deutscher Fußballer, der in seiner Karriere vier Eigentore schoss. Allerdings wäre das – als praktisch einzige Information über Beckenbauer in einer Drei-Zeilen-Biographie – etwas verzerrend, zumindest entspräche die vorgenommene Gewichtung der angebotenen Information nicht dem (von Wikipedia selbst erhobenen) Anspruch an enzyklopädische Neutralität. In meinem Fall sehe ich das ähnlich. Schade, dass meine Sicht auf „Josef Bordat“ nicht relevant ist.

(Josef Bordat)

Britischer Presserat macht gegen Fakenews mobil

Die „Independent Press Standards Organisation“ (IPSO) hat nach Angaben von „editorial.media“ eine Anti-Fakenews-Kampagne ins Leben gerufen. Damit präsentiert sich die Organisation aktuell der Öffentlichkeit als Garant für die Einhaltung journalistischer Standards. Gleichzeitig gibt sie ihren Mitgliedern und deren 2.500 Zeitungen, Zeitschriften und Websites so die Möglichkeit, ihre digitalen Angebote mit einem IPSO-Gütesiegel von nicht regulierten Angeboten abzuheben. Das Siegel mit dem Slogan „Für Pressefreiheit mit Verantwortung“ wurde in Zusammenarbeit mit der Werbeagentur McCann London entwickelt. Die IPSO entspricht in Großbritannien dem Deutschen Presserat. Sie ist die wichtigste und größte verlagsübergreifende Anlaufstelle, wenn es um Beschwerden über die Arbeit von Journalisten geht.

(Josef Bordat)

Personenwürde

Die Personenwürde hängt nicht davon ab, ob man Bürger, Migrant und Flüchtling ist. Das Leben derer zu retten, die vor Krieg und Elend fliehen, ist ein Akt der Menschlichkeit.

Papst Franziskus (via Twitter)

Weltflüchtlingstag

Heute ist der (säkulare) Weltflüchtlingstag. Der katholische „Welttag des Migranten und des Flüchtlings“ war bereits am 14. Januar. Papst Franziskus forderte anlässlich dieses Tages, die Rechte der Migranten und Flüchtlinge zu stärken. Das biblische Leitmotiv, den Fremden zu lieben wie sich selbst (vgl. Lev 19, 34), entwickelt der Heilige Vater gemäß den Grundsätzen der Kirchenlehre zu einem vierfältigen Programm des katholischen Umgangs mit Migranten und Flüchtlingen: aufnehmen, schützen, fördern, integrieren. Daran kann sich auch die Gesellschaft insgesamt orientieren.

Auch die Zusammenschau von Flucht und Migration, die der Heilige Vater vornimmt, ist richtig, denn Flucht ist nichts anders als unfreiwillige Migration und daher Teil eines Megatrends des 21. Jahrhunderts: Mobilität. Migration ist dabei ein aktuelles, aber keineswegs neues Phänomen. Auch ohne eindimensionale Geschichtsdeutung – „All history is the history of migration“ (Moris Farhi) –, lässt sich die überragende Rolle der Migration anhand einiger weniger Beispiele rasch aufzeigen. Die so genannte „Völkerwanderung“ im 4.-6. Jahrhundert n. Chr. führte germanische Stämme von Ost- nach Mittel- und Westeuropa. Eine weitere Migrationswelle setzte mit der Entdeckung Amerikas 1492 ein: Spanische und portugiesische Eroberer – Missionare, Glücksritter und Abenteurer – machten den Anfang, die Sklaventransporte durch Engländer und Spanier im 16.-19. Jahrhundert von Afrika nach Amerika sowie die Kolonisierung Nordamerikas durch Europäer im 19. und frühen 20. Jahrhundert folgten.

Erinnert sei auch an nationalistisch bedingte Migration in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Europa und im Nahen Osten, die Folge von „ethnischen Säuberungen“, teilweise mit genozialer Intention, gewesen ist. Ich denke an die Vertreibung der Armenier in der Türkei (1908-25), an die der Juden im Deutschen Reich und den besetzten Gebieten (1935-45), aber auch an die der Deutschen im russischen Machtbereich (1944-48) und schließlich an die der Palästinenser nach der Gründung Israels (1948).

So unterschiedlich die Gründe und Auswirkungen der erzwungenen Migration auch gewesen sind, zeigen sie doch in eindrücklicher Weise die sich zuspitzende Problematik von Flucht und Vertreibung in der Moderne. Heute ist Migration ein weltweites Massenphänomen, das sich unter den Bedingungen der Globalisierung ständig verschärft. Migration wird sich in Zukunft, so die einschlägigen Prognosen, weiter beschleunigen. Zu der erzwungenen Abwanderung (Flucht) aus dem Grunde, dass elementare Menschenrechte in der Herkunftsregion nicht (mehr) gewährleistet werden, tritt die freiwillige Migration aus bildungs- und erwerbsökonomischen Gründen. Die Welt bleibt in Bewegung.

(Josef Bordat)