Eine Anmerkung zum „Kommunionstreit“

Es wird derzeit sehr viel debattiert. „Kommunionstreit“ kann man das nennen. Woelki gegen Marx, der Papst gegen die DBK-Mehrheit, Progressive gegen Konservative, Katholiken gegen Protestanten, alle gegen alle, jeder gegen jeden. 400 Jahre nach dem Ausbruch des 30jährigen Kriegs scheint die Christenheit keinen Schritt weiter. Für viele Außenstehende ist das ganze „Theater“ nicht nachvollziehbar.

Wo ist eigentlich das Problem – beim Abendmahl? Oder der Eucharistie? Warum kann man da nicht einfach mal zusammen feiern? Oder, in der theologisch etwas ambitionierteren Version: Wenn wir Versöhnung ernst nehmen, dann dürfen wir doch den Zustand der Trennung bei diesem zentralen Element des christlichen Glaubens, dem Zeichen der Gegenwart Gottes in der Welt, nicht hinnehmen!

Richtig. Wenn wir aber die Gegenwart Gottes in der Eucharistie, die es im Abendmahl nicht gibt, ernst nehmen, dann verstehen wir immerhin, warum es hier überhaupt den Zustand der Trennung, vulgo: ein Problem, gibt.

Was mir im „Kommunionstreit“ wieder auffällt, das ist gerade der Mangel an Problembewusstsein bei vielen, die den Sachverhalt einordnen. Das jeweilige – und ganz unterschiedliche – Verständnis des Abendmahls bzw. der Eucharistie. Es scheint, als spielte das im Bewusstsein der meisten Christen (aller Konfessionen) keine Rolle mehr. Hauptsache zusammen. Irgendwie. Irgendwas. Aber: gemeinsam. Wir erhalten mit der Ökumene, die sich so definiert, keine Einheit im Glauben, sondern in Gleichgültigkeit.

Gleichgültigkeit aber ist etwas anderes als Toleranz. Toleranz ist etwas anderes als Respekt. Und Respekt – Rück-Sicht – kann ich nur entwickeln, wenn ich mich mit einer Sache beschäftige, sie mir ansehe. Wer die Augen verschließt, wird weder zurück blicken noch nach vorne schauen können. Wir müssen die Themen ins Auge fassen, die uns trennen, in einer Weise, die dem Ernst der Sache gerecht wird. Auch, wenn wir dabei in Einzelfragen mehr Verschiedenheit entdecken als Gemeinsamkeit.

(Josef Bordat)

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